gewinnen
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[Bearbeiten] gewinnen (Deutsch)
[Bearbeiten] Verb, transitiv, intransitiv, unregelmäßig
| Zeitform | Person | Wortform |
|---|---|---|
| Präsens | ich | gewinne |
| du | gewinnst | |
| er, sie, es | gewinnt | |
| Präteritum | ich | gewann |
| Partizip II | gewonnen | |
| Konjunktiv II | ich | gewönne [ɡəˈvœnə] gewänne [ɡəˈvɛnə] |
| Imperativ | Singular | gewinn |
| Plural | gewinnt | |
| Hilfsverb | haben | |
| Alle weiteren Formen: gewinnen (Konjugation) | ||
Silbentrennung:
- ge·win·nen, Präteritum: ge·wann, Partizip II: ge·won·nen
Aussprache:
- IPA: [ɡəˈvɪnn̩], Präteritum: [ɡəˈvan], Partizip II: [ɡəˈvɔnn̩]
- Hörbeispiele: gewinnen (österreichisch) ?
Bedeutungen:
- [1]
- [a] transitiv einen Wettkampf, einen Wettstreit, ein Streitgespräch oder Ähnliches zu seinem Vorteil und Nutzen entscheiden
- [b] intransitiv in einem Kampf, Wettstreit oder Ähnlichem als Sieger beziehungsweise Siegerin hervorgehen
- [2]
- [a] transitiv Geld oder einen Sachwert bei einem Spiel oder Ähnlichem als Preis erhalten
- [b] intransitiv diesen unter [2a] beschriebenen, finanziellen oder materiellen Gewinn einbringen, erbringen
- [3]
- [a] intransitiv durch eigenen Aufwand, Einsatz, eigene Bemühung (und günstige Umstände) etwas Erstrebenswertes beziehungsweise Wünschenswertes erlangen
- [b] transitiv (gehoben) zu einem bestimmten Ort (mühsam) gelangen
- [c] transitiv jemanden veranlassen, an etwas teilzunehmen, mitzuwirken oder sich für etwas zu verwenden, sich um etwas zu bemühen; jemanden wohlgesinnt, wohlwollend beeindrucken
- [4] intransitiv
- [a] sich zu seinen Gunsten verändern
- [b] eine Zunahme von etwas (Angestrebtem) erreichen
- [5] transitiv
- [a] zumeist mineralische Rohstoffanreicherungen aus dem Erdinnern heraufholen, um diese (industriell) weiterzuverarbeiten; eine natürliche Rohstofflagerstätte (industriell) ausbeuten
- [b] etwas aus einem Naturerzeugnis entstehen lassen, hervorbringen, produzieren
Abkürzungen:
Herkunft:
- bezeugt im Mittelhochdeutschen gewinnen, welches auf das Althochdeutsche giwinnan „zu etwas gelangen; erlangen“ zurückgeht; dieses wiederum entstammt dem althochdeutschen Verb winnan – ursprünglich „umherziehen; nach etwas suchen“, später „kämpfen; sich anstrengen; erlangen“; ebenso belegt im Germanischen gawennan „erlangen“, im Gotischen gawinnan „erleiden, leiden“, im Altsächsischen giwinnan „erlangen“ sowie im Angelsächsischen gewinnan
Synonyme:
- [2a] (umgangssprachlich) abkassieren, einheimsen, einsacken, einstecken, einstreichen
- [3c] (Quasisynonym) einnehmen
- [4a] profitieren
- [4b] (Quasisynonym) zunehmen
Gegenwörter:
- [1, 2, 3a, 3c, 4b] verlieren
Oberbegriffe:
- [1b, 2a, 3a] konkurrieren
- [2a, 3a] empfangen
- [3c] überreden
- [4b] stärken, vergrößern
- [5b] erzeugen, herstellen
Unterbegriffe:
- [1a] erkämpfen, erringen, erobern, schlagen
- [1b, 2a, 3a] abhängen, auftrumpfen, ausstechen, bezwingen, durchsetzen, siegen, triumphieren, übertreffen, überwinden
- [3a] einbringen, (bildlich) herausholen, (bildlich) herausschlagen, verschaffen
- [3c] erobern, werben
- [5a] abbauen, ausbeuten, destillieren, fördern
- [5b] ernten
Beispiele:
- [1a] „Mit Aufregung gewinnt man die Prozesse nicht, laß auch meine praktischen Erfahrungen ein wenig gelten, so wie ich deine, selbst wenn sie mich überraschen, immer und auch jetzt sehr achte.“[1]
- [1b] Er gewann gegen den Titelverteidiger.
- [1b] Möge der Bessere gewinnen!
- [2a] „Wer in la Lotería gewinnt, hat das große Los gezogen: eine unbeschränkte Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung für die USA.“[2]
- [2b] Jedes siebte Los gewinnt.
- [3a] „»Nun ja, ich bin dir nicht fein genug, ich kenne die Subtilitäten deiner Sprache nicht, ich weiß nicht, was man in englischer oder französischer Sprache den Frauen sagen muß, um sie zu trösten. Ein anderer hätte die Kunst besser verstanden dein Vertrauen zu gewinnen, und vielleicht wäre es ihm gelungen, dein Herz, das gegen mich kalt und verschlossen bleibt, zu beruhigen. [...]«“[3]
- [3b] „Die Sonne begann zu sinken – die Brigg wollte noch mit dem Wind, der gegen Abend gewöhnlich vom Lande strich, Golden Gate passieren und das offene Meer gewinnen.“[4]
- [3c] „Und obgleich das alles, so wie hernach die Pfänderlösung, auf sie selbst berechnet war, so ging doch von der andern Seite niemand, besonders kein Mann, er mochte von einer Art sein, von welcher er wollte, ganz leer aus; ja es glückte ihr, einige ältere Personen von Bedeutung ganz für sich zu gewinnen, indem sie ihre eben einfallenden Geburts- und Namenstage ausgeforscht hatte und besonders feierte.“[5]
- [3c] „Es soll nicht leicht gewesen sein, die sonst so gefügigen Leute für die Kunst zu gewinnen.“[6]
- [3c] „Die Initiatoren, Werber Oliver Anhuth und Logopak-Unternehmer Chris Hastings-Long, konnten den Iren gemeinsam mit anderen Künstlern wie der Band Alphaville für das Konzert gewinnen.“[7]
- [4a] Durch eine helle Wandfarbe gewinnt ihr Raum an Weite.
- [4b] „Mehreren Wellen gleich hebt und senkt sich der Boden unter dem Mahnmal, während gegenläufig dazu die Betonquader von den Rändern zum Zentrum hin an Höhe gewinnen, wodurch die Anlage eine geradezu wogende Anmutung erhält.“[8]
- [5a] „Wer bergfreie Bodenschätze aufsuchen will, bedarf der Erlaubnis, wer bergfreie Bodenschätze gewinnen will, der Bewilligung oder des Bergwerkseigentums.“[9]
- [5b] „Aus 100 kg Altholz lässt sich 65-75 kg schadstoffarmes Öl gewinnen, das als Treibstoff oder als Basis für Chemierohstoffe genutzt werden kann.“[10]
Redewendungen:
- [1a] (veraltet) es über sich gewinnen, etwas zu tun: sich überwinden, etwas zu tun
- [1a] (bildlich) (mit etwas oder jemandem) keinen Krieg gewinnen können: (mit etwas oder jemandem) keinen Erfolg haben
- [1b] (veraltet; von Verehrern über deren angebetete Dame) den Hof gewinnen: in besonders galanter Weise, die Gunst einer edlen Frau erringen
- [2a] (salopp) Damit kann man keinen Blumentopf gewinnen!: Damit erreicht man rein gar nichts!
- [2a] (salopp) Du hast wohl den Führerschein im Lotto gewonnen!: Ausruf, der den Ärger über die (vermeintlich) dilettantische Fahrweise eines Anderen ausdrückt
- [3a] Boden gewinnen oder an Boden gewinnen: sich ausbreiten; zunehmen
- [3a] (bildlich) die Oberhand gewinnen: sich als der Stärkere erweisen, sich gegen etwas oder jemanden durchsetzen
- [3a] (umgangssprachlich) mit etwas keine Reichtümer gewinnen: an etwas ist nichts zu verdienen
- [3a] wie gewonnen, so zerronnen
- [3b] das Freie gewinnen: auf freies Gelände gelangen
- [3b] (bildlich, salopp) Land gewinnen oder an Land gewinnen: weggehen
- [4] Frisch gewagt ist halb gewonnen: wer etwas mutig angeht, kann sich sicher sein, etwas zu erreichen
- [4] Wer wagt, gewinnt: wer bereit ist, etwas (riskant) einzusetzen, hat Aussicht auf einen Gewinn
- [4] Wer nicht wagt, der nicht gewinnt
Charakteristische Wortkombinationen:
- [1a] einen Boxkampf ~ , den Krieg ~ , eine Schlacht ~ , einen Prozess ~ , ein Rennen (eindeutig, klar, überlegen) ~ , eine Wette ~ , gegen jemanden ~
- [1b] (bei, in einem Spiel) klar ~ , haushoch ~ , nur knapp ~ , nach Punkten ~
- [2a] einen Pokal ~ , einen Preis ~ ; (einen bestimmten Geldbetrag) in der Lotterie ~ , (bestimmte Sachpreise) bei einer Tombola ~ ; noch nie gewonnen haben
- [3a] einen Ruf ~ , einen Vorsprung ~ , Zeit ~ ; jemandes Herz ~ , jemandes Liebe ~ , jemandes Vertrauen ~ ; die Herrschaft über jemanden ~ ; Abstand von etwas ~ , an Klarheit ~ , Klarheit über etwas ~ , Einblick in die Verhältnisse ~ ; durch etwas eine besondere Bedeutung ~ ; (gehoben) den Eindruck ~ , dass... ; (gehoben) es gewinnt den Anschein, als ob...
- [3b] das offene Meer ~ , das weite Meer ~ , das Ufer zu ~ versuchen
- [3c] jemanden für einen Plan ~ , jemanden für ein Unterfangen ~ ; jemanden als Kunde ~ , jemanden zum Freund ~
- [4b] an Sicherheit ~ ; (über emporsteigende Flugkörper) an Höhe ~ , (über Züge, die an Geschwindigkeit zulegen) an Fahrt ~
- [5a] Eisen ~ , Erze ~ , Kohle ~ , Schiefer ~
- [5b] Saft aus reifen Früchten ~ , Zucker aus Rüben ~ ; Energie ~ , Strom ~
Abgeleitete Begriffe:
- [1, 2a] Gewinner, Gewinnerin
- [1, 2a, 4] Gewinn
- [1, 3, 5] gewinnbar
- [3c] gewinnend
- [5] Gewinnung
- abgewinnen, (stark veraltet) angewinnen, (stark veraltet) aufgewinnen, (stark veraltet) ausgewinnen, (stark veraltet) eingewinnen, (stark veraltet) fürgewinnen, liebgewinnen, (stark veraltet) nachgewinnen, (stark veraltet) vorabgewinnen, (stark veraltet) vorgewinnen, wiedergewinnen, zurückgewinnen
[Bearbeiten] Übersetzungen
Dialektausdrücke:
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? Referenzen und weiterführende Informationen:
Quellen:
- ↑ Wikisource; Franz Kafka: Der Process, 6. Kapitel. In: Max Brod (Hrsg.), Gesammelte Werke, Band 1, S. Fischer, Frankfurt 1950ff, S. 119
- ↑ Online-Ausgabe der taz, 'Politik / Amerika', Fidel allein zu Haus, 01.01.2008
- ↑ Wikisource; George Sand (verm. übersetzt von H. Meister): Indiana, Verlag von Karl Prochaska, Leipzig und Wien, o. J. (um 1905), S. 8
- ↑ Gutenberg: Sir John Retcliffe: Volk in Folter, 9. Kapitel
- ↑ Wikisource; Johann Wolfgang von Goethe: Die Wahlverwandschaften, S. 378
- ↑ Wikisource; Lily Braun: Die Liebesbriefe der Marquise, Albert Langen Verlag, München 1912, S. 11
- ↑ Online-Ausgabe des Hamburger Abendblatt, 'Archiv', Bob Geldof: Die Reeperbahn ist für mich eine Pilgerstätte, 10.12.2007
- ↑ Online-Ausgabe der Frankfurter Allgemeine, 'Feuilleton', Das Holocaust-Mahnmal: Wider alle Erwartungen, 04.05.2005
- ↑ www.umwelt-online.de; 'Regelwerk / Bergrecht', Bundesberggesetz, § 6 Grundsatz, eingesehen am 27.04.2008
- ↑ Internetportal des DBU, 'Presse', Bio-Öl, eingesehen am 27.04.2008
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