Flüchtling

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Flüchtling (Deutsch)[Bearbeiten]

Substantiv, m[Bearbeiten]

Singular Plural
Nominativ der Flüchtling die Flüchtlinge
Genitiv des Flüchtlings der Flüchtlinge
Dativ dem Flüchtling den Flüchtlingen
Akkusativ den Flüchtling die Flüchtlinge
[1] Flüchtlinge mit einem Boot; Bootsflüchtlinge
[1] Flüchtlinge in einem Flüchtlingszug
[1] jüdische Flüchtlingeanno 1939, die "von Bord gehen"
[1] deportierte Flüchtlinge in einem Flüchtlingslager
[1] Flüchtlinge aus Azerbaijan anno 1996

Hinweis:

„Flüchtlinge“ wurde von der GfdS zum Wort des Jahres 2015 gekürt.

Worttrennung:

Flücht·ling, Plural: Flücht·lin·ge

Aussprache:

IPA: [ˈflʏçtlɪŋ]
Hörbeispiele: —

Bedeutungen:

[1] Person, die ihre Heimat verlässt, um vor einer Gefahr zu fliehen

Herkunft:

Ableitung zum Stamm des Verbs flüchten mit dem Derivatem (Ableitungsmorphem) -ling

Sinnverwandte Wörter:

[1] Asylant, Heimatvertriebener, Vertriebener, Auswanderer, Migrant

Oberbegriffe:

[1] Person

Unterbegriffe:

[1] Bootflüchtling/Bootsflüchtling, Botschaftsflüchtling, Elendsflüchtling, Glaubensflüchtling, Kinderflüchtling, Klimaflüchtling, Kontingentflüchtling, Kriegsflüchtling, Ostflüchtling, Republikflüchtling, Rückflüchtling; Steuerflüchtling, Wirtschaftsflüchtling

Beispiele:

[1] „Ein Flüchtling ist eine Person, die ". . . aus der begründeten Furcht vor Verfolgung wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung sich außerhalb des Landes befindet, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzt, und den Schutz dieses Landes nicht in Anspruch nehmen kann oder wegen dieser Befürchtungen nicht in Anspruch nehmen will . . ." (Genfer Flüchtlingskonvention von 1951).“[1]
[1] „Nach dem Völkerrecht ist ein Flüchtling eine Person, die ihr Heimatland verlassen hat, weil sie eine wohlbegründete Furcht vor Verfolgung hat. Verfolgungsgründe im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention sind die Rasse, die Religion, die Nationalität, die Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder die politische Gesinnung. Flüchtlinge können in Österreich um Asyl, d.h. um Aufnahme und internationalen Schutz, ansuchen.“[2]
[1] „Die Flüchtlinge und Heimatvertriebenen, die unmittelbar nach dem Krieg aus dem Osten und Südosten kamen, machten in manchen Gebieten rund ein Fünftel der Bevölkerung aus.“[3]
[1] „Zur Entlastung von Italien und Griechenland will die EU-Kommission 40'000 Flüchtlinge von dort auf andere Staaten umverteilen.“[4]
[1] „[…] ich habe keinen dieser Flüchtlinge von Baden-Baden je wiedergesehen...“[5]
[1] „Die Gemeinde Friedland in Niedersachsen gilt bis heute als Symbol der Hoffnung für Flüchtlinge und Aussiedler, die nach Deutschland kommen.“[6]
[1] „Je weiter der Krieg fortschritt und je schlechter die Versorgungslage im Hinterland wurde - bereits 1915 wurden in den Städten Lebensmittelkarten eingeführt - desto weniger wurden die Flüchtlinge als Mitbürger, Landsleute oder Leidensgenossen wahrgenommen, sondern als Konkurrenten im täglichen Überlebenskampf.“[7]

Charakteristische Wortkombinationen:

[1] Lautsprecherbild -> (Info) ein anerkannter Flüchtling, ein heimkehrender Flüchtling, ein minderjähriger Flüchtling, ein politischer Flüchtling, ein traumatisierter Flüchtling, ein unbegleiteter minderjähriger Flüchtling, ein verzweifelter Flüchtling
[1] ein albanischer, jüdischer, syrischer Flüchtling; Flüchtlinge aus Afghanistan, Bangladesch, Pakistan, Syrien
[1] einen Flüchtling aufnehmen, einen Flüchtling unterbringen

Wortbildungen:

Flüchtlingsansturm, Flüchtlingsarzt, Flüchtlingsausweis, Flüchtlingsboot, Flüchtlingschaos, Flüchtlingsdorf, Flüchtlingsdrama, Flüchtlingselend, Flüchtlingsfamilie, Flüchtlingsfrage, Flüchtlingsfrau, Flüchtlingsgruppe, Flüchtlingshilfe, Flüchtlingsjagd, Flüchtlingsjurist, Flüchtlingskatastrophe, Flüchtlingskind, Flüchtlingskoffer, Flüchtlingskolonne, Flüchtlingskommissar, Flüchtlingskonvention, Flüchtlingskoordinator, Flüchtlingskrise, Flüchtlingslager, Flüchtlingsminister, Flüchtlingspartei, Flüchtlingspolitik, Flüchtlingsproblem, Flüchtlingsquote, Flüchtlingsrat, Flüchtlingsroute, Flüchtlingsschein, Flüchtlingsschicksal, Flüchtlingssituation, Flüchtlingssprachkurs, Flüchtlingsstrom, Flüchtlingstreck, Flüchtlingstrupp, Flüchtlingsvermögen, Flüchtlingswaise, Flüchtlingswelle, Flüchtlingszentrum, Flüchtlingszug


Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:

[1] Wikipedia-Artikel „Flüchtling
[1] Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. 16 Bände in 32 Teilbänden. Leipzig 1854–1961 „Flüchtling
[1] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „Flüchtling
[1] canoo.net „Flüchtling
[1] Uni Leipzig: Wortschatz-LexikonFlüchtling
[1] Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. 16 Bände in 32 Teilbänden. Leipzig 1854–1961 „Flüchtling
[1] Duden online „Flüchtling

Quellen:

  1. Flüchtlinge www.unhcr.de, abgerufen am 13. September 2015
  2. Bundeskanzleramt AT - Flüchtling www.usp.gv.at, abgerufen am 13. September 2015
  3. Hermann Bausinger: Typisch deutsch. Wie deutsch sind die Deutschen? 5. Auflage. Beck, München 2009, Seite 143. ISBN 978-3-406-59978-1.
  4. EU führt keine Flüchtling-Pflichtquoten ein www.vaterland.li, abgerufen am 13. September 2015
  5. Louis-Ferdinand Céline: Norden. 2. Auflage. Roman. Rowohlt Taschenbuch, Reinbek 2007, ISBN 978-3-499-15499-7, Seite 26. Französische Originalausgabe 1964.
  6. Sonya Winterberg: Wir sind die Wolfskinder. Verlassen in Ostpreußen. Piper, München/Zürich 2014, ISBN 978-3-492-30264-7, Seite 202.
  7. Unbekannter Flüchtling www.graz.at, abgerufen am 13. September 2015