Schickse

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Schickse (Deutsch)[Bearbeiten]

Substantiv, f[Bearbeiten]

Singular Plural
Nominativ die Schickse die Schicksen
Genitiv der Schickse der Schicksen
Dativ der Schickse den Schicksen
Akkusativ die Schickse die Schicksen

Nebenformen:

Schicks, Schicksel, Schicksl

Worttrennung:

Schick·se, Plural: Schick·sen

Aussprache:

IPA: [ˈʃɪksə], Plural: [ˈʃɪksn̩]
Hörbeispiele: —, Plural:
Reime: -ɪksə

Bedeutungen:

[1] (aus jüdischer Sicht) eine weibliche Person nichtjüdischen Glaubens
[2] salopp abwertend: weibliche Person, die zuweilen als einfältig und lästig empfunden wird und der man nachsagt, sie sei leichtlebig
[3] umgangssprachlich: Frau
[4] umgangssprachlich: Prostituierte
[5] umgangssprachlich: junges Mädchen; geliebtes Mädchen

Herkunft:

[1–3] je nach Quelle seit dem 17.[1] beziehungsweise 18.[2] Jahrhundert bezeugt; ursprünglich die westjiddische Bezeichnung für „Christenmädchen“, sowie im Gegenzug dazu wohl in Sprachformen mit Kontakt zum JiddischenJudenmädchen“; zum andern ist das Wort im Rotwelschen zu „Mädchen, Frauenzimmer“ verallgemeinert worden, woraus sich wohl die abwertende BedeutungFlittchen“, die zuerst in der Studentensprache aufkam, herausbildete; das jiddische Wort שיקסע‎ (YIVO: shikse)  ist eine Femininbildung zum westjiddischen שײגעץ‎ (YIVO: sheygets)  ‚Christenbursche; Schimpfname für einen jüdischen Burschen‘, welches auf das hebräische שָׁקֵץ‎ (CHA: šāqēṣ)  ‚Abscheuliches; Gräuel‘ zurückgeht; das Femininum hat jedoch wegen der christlichen Dienstmädchen in jüdischen Familien eine erheblich größere Rolle gespielt[2][1]; der gleichen hebräischen Quelle entstammen »Scheecks« / »Scheeks« / »Scheks« sowie »Schegez«
[4] seit dem 19. Jahrhundert bezeugt[1]
[5] seit dem 18. Jahrhundert bezeugt[1]

Synonyme:

[1] Goja, Goje/Gojte, Nichtjüdin
[3] alle umgangssprachlich: Alte, Biene, Dickerchen/Dickerl/Dickerle/Dickerlein, Eichhörnchen, Gold, Hase, Hexe, Ische, Keule, Knutschkugel, Kröte, alte Krücke, Mamutschka, Matka, süße Maus, Molly, Möpschen, Möse, Muckel, Mümmelchen, Mutsch, Muttchen, Mutti, Perle, Pfanne, Pille, Purzel, Put/Pute, Putzikätzchen, Putzischnucki, Ricke, Rippe, Ritze, Rose, Schachtel, Scheibe, Scheißerl/Scheißerle, Schieter, Schisser, Schnecke, Schnuddel/Schnudel, Schnurrdiburr, Schöne, Schönste, Schraube, Schürze, Seelchen, Seele, Sexerle, Spalttierchen, Spätzchen, Stute, Süße, alte Tasche, Vitamin F, Weibi, Weibsbild, Weibsstück, meine Welt, alte Zotte, Zuckermäulchen
[4] alle umgangssprachlich, euphemistisch: Allgemeine, Alma, Amüsiermädchen, Amüsiermatratze, Anschaffefrau, Bein, Berufsamüsiererin, Berufsmäßige, Beserl, Bettmaid, Biene, Bolzen, Briefkasten, Bruchbiene, Brunzwinkel, Bumsmädchen, Dämchen, Dame/Dame vom Dienst/Dame des öffentlichen Dienstes/Dame fürs Geld/ Dame des ältesten Gewerbes/Dame des ältesten Gewerbes der Welt/Dame des leichten Gewerbes/Dame minderen Gewichts/Dame der zehnten Muse/Dame mit dem unaussprechlichen Namen/Dame der ältesten Zunft der Welt/Dame von der flotten Zunft/Dame von der leichten Zunft/horizontale Dame/käufliche Dame/leichte Dame/öffentliche Dame/professionelle Dame/schräge Dame/vorübergehende Dame/eindeutig zweideutige Dame, Dienerin des horizontalen Gewerbes/Dienerin der Liebe/Dienerin der käuflichen Liebe, Diensleistungsdame, Dienstmädchen/Dienst-Mädchen, Donna, Dosenverkäuferin, Dulle, Ekelkörper, horizontal Erwerbstätige, Fahrrad, Fetze, Fliege, Flinte, F-Loch, Flöte, Frau auf Zeit, Fraulein/Fräulein, Freudenfrau, Freudenmädchen, Freundin gegen bar/Freundin für Geld, Fuchtel, Futt, Gammel, Gänsefüßchen-Dame, Geige, Geigenspielerin, Geldkatze, Gemse, Genussdame, Geschlechtskatze, Gesellschaftsdame, Gunstgewerblerin, hwG-Frau, Hackbraten, Halbschwergewicht, Halbweltlerin, Hatsche, Haut, Hoppemädchen, Horizontalgewerblerin, Horizontalhostess, Hostess, Hübschlerin, Huhn, Hüpferl, Intimsportlerin, Juchhe-Dame, Kalle, Kätzchen, Katze, Kauffrau, Kletterhanne, Kletterjule, Kobelmädchen, Kuh, Leihdame, Leihkörper, Leisten, Liebesdienerin, Lustmatratze, Mädchen für alle, Mädchen vom Dienst/M.v.D., Mädchen der Liebe, Mädchen von der leichtesten Tugend, allgemeingültiges Mädchen, gefallenes Mädchen, halbseidenes Mädchen, horizontales Mädchen, leichtes Mädchen, Matratze, Matte, Metze, Mietsche, Mieze, Miss Gunst, Modell, Möse, Motte, Muschi, Nachthyäne, Nachtmensch, Nagel, Nähmaschine, Nelke, Nickel, Nymphe, Öffentliche, Omnibus, P. P., Pflaumenhandlung, Pimperliese, Pimpernelle, Presslusthammer, Pritsche, Professionelle, Profi/Profi-Katze, Rabe, Ratte, Reitpferd, Samenräuber, Schinken, Schlampe/Schlampen, Schlapfen, Schleuse, Schlitten, Schnalle, Schöne der Nacht, barmherzige Schwester/mitleidige Schwester, Sexarbeiterin, Sexgewerblerin, Sexmaschine, Sexualdemokratin, Sexualhelferin, Solchene,Spermaklosett, Spritzbüchse, Spritze, Staude, Steckdose, Stück, Stundenfrau, Stute, Sumpfblüte, Tebe, Tilla/Tille, Töle, Truhe, Tülle, Tülpchen, Unke, Uschi, Vergnügungsspenderin, öffentliches Verkehrsmittel, Viertelstundenlöhnerin, Volksempfängerin, Vorführdame, Wachtel, Wanze, sündige Ware, Zahn, professionelle Zeitvertreiberin, Zibbe, Zusel
[5] umgangssprachlich: Baby, Bluse, Ding, Eule, Fletsche, Fohlenbraten, Gänseliesel, Gift, Hase, Haut, Käfer, Kalb, Kalbfleisch, Maus, Mäuschen, Nutschel, junges Obst, Puppchen/Püppchen/Pupperl, frische Puppe, Putzikätzchen, Remonte, Ritze, Schnecke, Seichpippen/Soachpippn; Stern

Sinnverwandte Wörter:

[1] Andersgläubige; Ungläubige aus Sicht des Islams: Dhimmi, Harbi, Kafir, Mu’ahid, Murtadd, Musta’min
[2] Flittchen, ostoberdeutsch: Flitscherl
[4] alle umgangssprachlich, euphemistisch: Alleinunterhalterin, Altmaterial, Amateurnutte, Amateuse, Ambulante, Amüsierdame, Animierdame, Antilope, Appartmentschwalbe, Arbeitsbiene, Asphaltantilope, Asphaltbien, Asphaltdame, Asphaltpflanze, Asphaltschwalbe, Asphaltwanze, Autobahnsirene, Autobiene,Autonutte, Badewanne, Bankfleisch, Beifahrerin der Liebe, Benzinnutte, Berufsflittchen, Biernutte, Bordschwalbe, Bordsteinbiene, Bordsteinschleifer, Bordsteinschwalbe, Boulevard-Schickse, Bürgersteig-Kurtisane, dreckige Bürste, Callgirl, Chonte/Konte, Dame vom ambulanten Gewerbe/Dame vom Strich/tippelnde Dame, Diplomierte, Dohle, Eckensteherin, Eckstein, Eckzahn, Edeldirne, Edelnutte, Einspännerin, Empfangsdame, gefallener Engel, wacklige Ente, Eule, Fangzahn, Feldmatratze, Fensterdirne, Fensterhenne, Feudalnutte, Flaniermädchen, Flittchen, Flitze, Flitzer, Fose, Fotomodell, Fräulein Flügel, Frau an der Ecke, marschierende Frau, Freiberufliche, Freiexemplar, Freifrau, Freimädchen, Freimensch, Freischaffende, Freizeitgirl, Frettchen, Gassenfee, Gassenfrau, Gassenkehrerin, Gassenmensch/Gassenmenscherl, Gastarbeiterin, Geheime, Geländenutte, schiefes Gepiss, staatlich Geprüfte, Gestüt, Goldgräberin, Großmutter der Liebe, Hafendame, Halbseidene, Hummel, Hupmädchen, Jungfrau, Jungsau, schicke Kanaille, Kante, Kantensteherin, Kartenfrau, Kasernierte, kesse Katze, Kiekse, Kille, Klassefrau, Kreditfetzen, Laufjule, Laufkatze, Lausmensch/Lausemensch/Lausenmenscherl, Lebefräulein, Lebemädchen, Lehrkörper, Lercherl, fleißiges Liebeslieschen, fleißiges Lieschen, das letzte Loch, Lusthase, Lustmädchen, Lustmieze, Luxusdame, Luxusfrau, Mädchen fürs Geld/Mädchen ums Geld, Mädchen vom Strich, ambulantes Mädchen, spätes Mädchen, Masseuse, gestiefeltes Mäuschen, Mimi, Mitternachtshyäne, Mizzi, Mordsfetzen, Nachtdame, Nachtfalter, Nachtpflanze, Nachtschattengewächs, Nachtschwalbe, Nachtvogel, NATO-Marlene, Naturalienutte, Neppfrau, Nobeldame, Nonne, Notorische, gewöhnliche Nummer, Nutte, Offizielle, Paradiesvogel, Pensionärin, Pferdchen, Pistennutte, Pistenveilchen, Privatdozentin, Private, Puffbiene, Quartalnutte, Randsteindame, Randsteinsirene, Registerdame, Rennpferd, Rinnstein-Engel, Rokokokokotte, Rollbahnbiene, Ruinenratte, Rummelnutte, alte Sau, barmherzige Sau, trichinenfreie Sau, Säule, eingefahrener Schlitten, alte Schnalle, Schnepfe, Schrapnell, alte Schrippe, billiger Schuss, Schwalbe, Sexkätzchen, Sextechnikerin, Sitzjule, Sparbüchse, Spielkätzchen, Spielmädchen, Spinne, Stadtstreicherin, Star des leichten Gewerbes, eine von der Straße, Straßenfeger, Straßenwanze, Streune, Strichbein, Stricherin, Strichfahrerin, Strichhure, Strichlerin, Strichmädchen, Strichninchen, Strichvogel, Strieze/Strizze, Stubenfliege, Sünde vom Dienst, Tante, Täubchen, Tiffe, Tippeline, Tippelmädchen, Tippelmieze, Tippelschickse, Top-Hostess, Trauermädchen, Trina, Trottoirpflanze, Umschaudame, Unterhaltungskünstlerin, Untertarifliche, Verkehrsexpertin, Verkehrshindernis, Veronika, Vögelchen, Wandervogel, ansprechendes Wesen, Wetze, Wilde, Wink-Nutte, Witsche, Zeitungs-Strichmädchen, Zirkuspferd, Zotte, Zugvogel, Zwanzigmarknutte

Gegenwörter:

[1] Goi, Schegez
[2] Dame, Fräulein
[5] Scheecks/Scheeks/Scheks

Oberbegriffe:

[1–5] weibliche Person

Unterbegriffe:

[4] Boulevard-Schickse, Tippelschickse
[*] Judenschickse; Tappelschickse

Beispiele:

[1] „Ich habe aufgehört zu arbeiten und widmete mich nur noch ihm. Ich tat es, ohne zu wissen, ob er mich jemals heiraten würde: eine Schickse, eine Nichtjüdin aus ärmlichen Verhältnissen.“[3]
[2] „Die Großmutter hätte gern, dass diese aufgedonnerten Schicksen gleich mal die Hühner rupfen.“[4]
[2] „Er fängt sich was mit einer Schickse an aus einem Lokal; ’nem Büfettfräulein, was weiß ich!“[5]
[3] „Du hast deine Schickse und du hast mich, aber kaum taucht irgend ’ne Schlampe aus Europa auf, läufst du weg von mir, um dich mit ihr zu treffen.“[6]
[4] „Er war froh, daß wenigstens die Jette entkommen zu sein schien, und folgte den Polizisten, die ihn vorwärts schoben, nachdem sie an die Kunden und Schicksen noch einige Vermahnungen gerichtet hatten.“[7]
[5] „Eine ganze Mandel »Schicksen« waren mit – so nannte er die Mädchen – da würde sich’s schon leben lassen.“[8]

Wortbildungen:

[2] schicksenhaft
[3] schicke Schickse

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:

[1, 2] Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Deutsches Universalwörterbuch. 6. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007, ISBN 978-3-411-05506-7, Seite 1457
[1, 2] Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Das große Fremdwörterbuch. Herkunft und Bedeutung der Fremdwörter. 4. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007, ISBN 978-3-411-04164-0, Seite 1217
[3–5] Heinz Küpper: Wörterbuch der deutschen Umgangssprache. 6. Nachdruck der 1. Auflage. Klett, Stuttgart u.a. 1997, ISBN 3-12-570600-9, Artikel »Schickse«
[1, 2] Wikipedia-Artikel „Schickse
[2] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „Schickse
[*] canoo.net „Schickse
[1, 2] Uni Leipzig: Wortschatz-LexikonSchickse

Quellen:

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Heinz Küpper: Wörterbuch der deutschen Umgangssprache. 6. Nachdruck der 1. Auflage. Klett, Stuttgart u.a. 1997, ISBN 3-12-570600-9, Artikel »Schickse«
  2. 2,0 2,1 Friedrich Kluge, bearbeitet von Elmar Seebold: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 24., durchgesehene und erweiterte Auflage. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2001, ISBN 978-3-11-017473-1, DNB 965096742, Seite 801
  3. Maxi Leinkauf: Interview mit Nadine de Rothschild. "Schlagen Sie niemals die Beine übereinander". In: sueddeutsche.de. 17. Mai 2010, ISSN 0174-4917 (URL, abgerufen am 4. Januar 2014).
  4. André Mielke: Die Würde des Pferdes ist unantastbar. In: Berliner Zeitung Online. 24. März 2004, ISSN 0947-174X (URL, abgerufen am 4. Januar 2014).
  5. Kurt Tucholsky → WP: Essays. In: Projekt Gutenberg-DE. Herr Wendriner erzieht seine Kinder (URL).
  6. Isaac B. Singer → WP: Feinde, die Geschichte einer Liebe, Ausgabe 13, Deutscher Taschenbuch Verlag (dtv), 1976. Seite 81. ISBN 9783423012164. Zitiert nach Google Books
  7. Wolfgang Kirchbach → WP: Das Leben auf der Walze. In: Projekt Gutenberg-DE. Elftes Kapitel (URL).
  8. Willhelm von Polenz: Der Büttnerbauer. In: Projekt Gutenberg-DE. VI. Kapitel (URL).

Ähnliche Wörter:

Jackse; Kiekse; Schicksal; Skizze; Zicke