Acht

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Acht (Deutsch)[Bearbeiten]

Substantiv, f, Zahl[Bearbeiten]

Singular Plural
Nominativ die Acht die Achten
Genitiv der Acht der Achten
Dativ der Acht den Achten
Akkusativ die Acht die Achten
[2] eine Acht an einem Fahrrad
[4] Acht der Farbe Karo

Worttrennung:

Acht, Plural: Ach·ten

Aussprache:

IPA: [aχt]
Hörbeispiele: Lautsprecherbild Acht (Info)
Reime: -aχt

Bedeutungen:

[1] die natürliche Zahl zwischen der Sieben und der Neun; die Ziffer 8
[2] etwas, das der Form der Ziffer 8 ähnelt; schweizerisch, bundesdeutsch (ohne südostdeutsch) insbesondere: Verformung (eines Rades)
[3] umgangssprachlich scherzhaft: verschließbare, aus einem Metallring bestehende, aufklappbare Fesseln um die Handgelenke
[4] Spielkarte mit dem Wert 8
[5] umgangssprachlich: Verkehrsstrecke der Linie 8 eines öffentlichen Verkehrsmittels (Bahn, Straßenbahn, Bus oder dergleichen); öffentliches Verkehrsmittel (Bahn, Straßenbahn, Bus oder dergleichen) der Linie 8
[6] Figur, deren Form eine 8 darstellt
[7] etwas, das mit der Ziffer 8 (in einer Liste, Uhrzeit oder dergleichen) bezeichnet ist

Herkunft:

Substantivierung des Zahlworts acht

Synonyme:

[1, 2, 5, 6] Achter
[2] Seitenschlag
[2] schweizerisch: Achti
[3] Handschellen
[3] sondersprachlich (Gaunersprache): Brasselette

Oberbegriffe:

[1] Zahl (gerade Zahl, natürliche Zahl), Zahlzeichen, Ziffer
[3] Fessel, Handfessel
[4] Karte, Spielkarte
[4] Lusche
[5] Linie
[6] Figur

Beispiele:

[1] Die Acht ist der Nachfolger der Sieben.
[1] Die Zahl 88 besteht aus zwei Achten.
[1] „«Also merke dir die Zahlen: drei, vier, fünf, am Schluß die Acht.» Krämer nickte.“[1]
[1] „Aus Fünf und Sechs, So sagt die Hex, Mach Sieben und Acht, So ist’s vollbracht: Und Neun ist Eins, Und Zehn ist keins.“[2]
[1] „Es war ein verwickelter und verwirbelter Zahlenhaufen, mehr als hundert Ziffern, und bald erkannte ich, eine Null war keine Null, und eine Sechs war keine Sechs, und eine Sieben war beinahe nie eine Sieben, und eine Zwei war eine Acht.[3]
[2] „Oder wenn anklagend einer sein zu einer verschrumpelten Acht zusammengefahrenes Fahrrad hochhebt oder wenn gar, noch schlimmer, Rad und Mensch unter dem Wagen liegen, nur weil man nicht rechtzeitig abgestoppt oder voller Angst vielleicht Bremse und Gashebel verwechselt hat oder nicht daran dachte, daß man bei Glatteis nicht Caracciola spielen soll.“[4]
[2] „Eine Wand war bemalt mit Motiven, die einer Acht glichen, durchbrochen von Ornamentbändern mit stilisierten Myrtenzweigen.“[5]
[2] „Während sein eigenes Rad noch fahrbereit ist, zeigt das Vorderrad des Unfallgegners eine irreparable Acht, so dass es gänzlich auszubauen ist.“[6]
[2] „Daran fehlen ein paar Speichen und die Felge ist so stark verbeult, das[s] Radfahrer von einer Acht sprechen.“[7]
[3] „Da schlägt Torsten mit der Acht, die seine Hände zusammenhält, gegen die Wand.“[8]
[3] „Ihr Handy in der Tasche piepte, und sie ging ein Stück beiseite, schaute zum Fenster hinaus auf den Hof, wo gerade zwei in der Acht geschlossene Frauen aus einem Polizeiauto gebracht wurden, eine der Frauen schrie und versuchte, eine Polizeibeamtin zu treten.“[9]
[4] Die Acht sticht immerhin die Sieben.
[4] „Sie traten in das Kasino. […] ‚Hundert Mark auf die Acht.‘ Und er warf seinen Schein auf den Tisch.“[10]
[4] „Carl Brenten erzählte auf dem Rückweg von kuriosen Spielen, die er gemacht, einen Pik ohne Fünfe, einen Null ouvert mit Sieben, Acht und – König.“[11]
[4] „Aufgabe: Die Karten sollen so verlegt werden, daß in der 1. Reihe auf jedem Platz die Zweien, Fünfen, Achten und Buben in gleicher Farbe übereinander liegen.“[12]
[4] „Der Hausmeister, durch seinen Stich wie gestochen, kam mit Karo Aß hinterher, ich mußte bedienen, Jan pfefferte die Zehn rein, Kobyella strich weg, zog den König, ich hätte stechen sollen, stach aber nicht, warf Kreuz Acht ab, Jan talgte, was er konnte, kam sogar ans Spiel mit Pique Zehn, da stach ich und verdammt, Kobyella mit Pique Bube drüber, den hatte ich vergessen oder dachte, den hätte Jan, aber Kobyella hatte, stach drüber und wieherte, natürlich jetzt Pique hinterher, ich mußte abwerfen, Jan talgte, was er konnte, dann endlich kamen sie mir mit Herzen, aber das half alles nix mehr: […].“[13]
[5] „Wer mit der Linie 3 aus Mögeldorf kommt und in die ‚Acht‘ umsteigen will, sollte dies am Hauptbahnhof tun.“[14]
[6] „Sie war im Begriffe zu antworten, als wir uns [beim Tanz] ſcheiden mußten die groſſe Achte zu machen, und mich duͤnkte einiges Nachdenken auf ihrer Stirne zu ſehen, als wir ſo vor einander vorbeykreuzten.“[15]
[6] „Aber Melusine lachte nur und fuhr fort, Bogen zu schneiden, Achten zu ziehen und sich mit halb erhobenen Armen und herabhängenden Händen zu den Walzertakten, die sie trällerte, zu wiegen.“[16]
[6] „Die Schüler laufen diagonal in der Form einer Acht ([…]).“[17]
[6] „Auf dem Weg zur Bahn patrouillieren radfahrende Landjäger, sie fahren wie Kunstfahrer kleine Bögen und graziöse Achten, auf dem Bahnsteig schreite ich eine Ehrenkompagnie schwerbewaffneter Gendarmen ab.“[18]
[6] „Er ging in Achten um die Sessel rum.“[19]
[6] „Es schlägt mit Hals und Kopf nervös eine Acht.[20]
[7] „Von der Jerusalemer Kirche schlug es Acht.[21]
[7] „Ich habe seit Acht auf Dich gewartet.“[22]
[7] „Er hatte sie ‚in die Acht‘ geladen - in den achten Stock der Berliner Regierungszentrale.“[23]
[7] „Der Flüchtlingspolitiker Hakan Tas hat mit der Acht einen sicheren Listenplatz bei der Linken.“[24]

Redewendungen:

[2] salopp: eine Acht bauen
[5] umgangssprachlich: nasse Acht

Charakteristische Wortkombinationen:

[1] die Zahl, Ziffer Acht; eine arabische, römische Acht; eine Acht drucken, malen, schreiben
[2] eine Acht im Hinterrad, Vorderrad haben
[3] jemandem die (stählerne) Acht anlegen
[4] die Acht abwerfen
[5] die Acht nehmen, verpassen; in die Acht einsteigen, steigen, umsteigen; mit der Acht fahren
[6] eine Acht (mit dem Fahrrad, mit den Rollschuhen, Schlittschuhen) fahren, laufen

Wortbildungen:

[1] Goldene Acht

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:

[1–3] Wikipedia-Artikel „Acht (Begriffsklärung)
[1] Wikipedia-Artikel „Acht
[2] Wikipedia-Artikel „Seitenschlag
[*] canoo.net „Acht
[*] Online-Wortschatz-Informationssystem Deutsch – elexiko „Acht
[1, 2, 5, 6] The Free Dictionary „Acht
[1–7] Duden online „Acht
[1, 2, 5, 6] wissen.de – Wörterbuch „Acht
[*] PONS – Deutsche Rechtschreibung „Acht
[*] Uni Leipzig: Wortschatz-LexikonAcht
[1, 2, 4, 5] Ulrich Ammon et al. (Herausgeber): Variantenwörterbuch des Deutschen. Die Standardsprache in Österreich, der Schweiz und Deutschland sowie in Liechtenstein, Luxemburg, Ostbelgien und Südtirol. 1. Auflage. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2004, ISBN 978-3-11-016574-6, DNB 972128115, Stichwort »Acht«, Seite 19.
[1, 5] Renate Wahrig-Burfeind: Brockhaus Wahrig Deutsches Wörterbuch. Mit einem Lexikon der Sprachlehre. In: Digitale Bibliothek. 9., vollständig neu bearbeitete und aktualisierte Auflage. wissenmedia in der inmedia ONE GmbH, Gütersloh/München 2012, ISBN 978-3-577-07595-4 (CD-ROM-Ausgabe), Stichwort »Acht¹«.
[1–7] Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Deutsches Universalwörterbuch. Das umfassende Bedeutungswörterbuch der deutschen Gegenwartssprache. 8., überarbeitete und erweiterte Auflage. Dudenverlag, Berlin 2015, ISBN 978-3-411-05508-1, Stichwort »¹Acht«, Seite 108.
[2] Ulrich Ammon et al. (Herausgeber): Variantenwörterbuch des Deutschen. Die Standardsprache in Österreich, der Schweiz, Deutschland, Liechtenstein, Luxemburg, Ostbelgien und Südtirol sowie Rumänien, Namibia und Mennonitensiedlungen. 2., völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2016, ISBN 978-3-11-024543-1, DNB 108083964X, Stichwort »Acht¹«, Seite 18.

Quellen:

  1. Bruno Apitz: Nackt unter Wölfen. Roman. Ungekürzte Ausgabe, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1961 (rororo Taschenbuch 416/417), Seite 56 (Erstausgabe 1958).
  2. Helmut Kracke; Zeichnungen von Rudolf Bertig: Aus eins mach zehn und zehn ist keins. Glanz und Elend der Mathematik. Wunderlich Verlag Leins, Tübingen 1968, Seite 15.
  3. Jan Koneffke: Paul Schatz im Uhrenkasten. 1. Auflage. DuMont Buchverlag, Köln 2000, ISBN 3-7701-5219-0, Seite 67.
  4. Gertrud Oheim; Illustration und erklärende Zeichnungen im Text von Gerhart Kraaz: Einmaleins des guten Tons. Bertelsmann, Gütersloh 1957, Seite 320 (Erstausgabe 1955).
  5. Kerstin Jentzsch: Seit die Götter ratlos sind. Roman. Heyne Verlag, München 1996, ISBN 3-453-09954-0, Seite 176.
  6. Holger Burckhart (Herausgeber): Sprache der Didaktik – Didaktik der Sprache. Festschrift für Hans Messelken. Königshausen und Neumann, Würzburg 2003, ISBN 3-8260-2553-9, Seite 235.
  7. Peter Besser: Mit dem Fahrrad zum Mond. Books on Demand, Norderstedt 2009, ISBN 978-3-8391-9213-9, Seite 24.
  8. Willi Bredel: Die Prüfung. Roman aus einem Konzentrationslager. 1.–30. Tausend, Aufbau-Verlag, Berlin 1946, Seite 84 (Erstausgabe 1934).
  9. Franz Josef Degenhardt: Für ewig und drei Tage. Roman. 1. Auflage. Aufbau-Verlag, Berlin 1999, ISBN 3-351-02857-1, Seite 143.
  10. Hanns Heinz Ewers: Alraune. Die Geschichte eines lebenden Wesens. Siebzehnte Auflage. Georg Müller Verlag, München [circa 1914], Seite 145–146 (Zitiert nach Internet Archive; Erstaugabe 1911).
  11. Willi Bredel: Die Väter. Roman. 4. Auflage. Aufbau-Verlag, Berlin 1952, Seite 40 (Erstausgabe 1941).
  12. Friedrich Meister: Leichte und schwierige Patiencen. Philler, Minden 1959, Seite 42 (Erstausgabe 1936).
  13. Günter Grass: Die Blechtrommel. Roman. 323.–372. Tausend, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1964, Seite 194 (Erstausgabe im Verlag Luchterhand, Neuwied am Rhein/Darmstadt/Berlin-Spandau 1959).
  14. Umweg für Linie 8. In: Nürnberger Nachrichten. 9. Juli 1992, Seite 16.
  15. Johann Wolfgang von Goethe: Die Leiden des jungen Werthers. 1. Auflage. Erſter Theil, in der Weygandſchen Buchhandlung, Leipzig 1774, Seite 36, 40 (Zitiert nach Deutsches Textarchiv).
  16. Manfred Hausmann: Der Überfall. Gesammelte Erzählungen. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1952, Seite 266.
  17. Günter Borrmann, Hans Mügge: Gerätturnen in der Schule. Volk und Wissen, Berlin 1957, Seite 127.
  18. Ernst Toller: Eine Jugend in Deutschland. Ungekürzte Ausgabe [1.–30. Tausend], Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1963 (rororo Taschenbuch Ausgabe 583), Seite 167 (Zitiert nach Internet Archive; Erstausgabe im Querido Verlag, Amsterdam 1933).
  19. Walter Kempowski: Uns geht’s ja noch gold. Roman einer Familie. Carl Hanser Verlag, München 1972, ISBN 3-446-11620-6, Seite 313.
  20. Judith Kuckart: Lenas Liebe. Roman. 1. Auflage. DuMont Literatur und Kunst Verlag, Köln 2002, ISBN 3-8321-5918-5, Seite 243.
  21. Dora Duncker; illustriert von Friedrich Stahl: Grossstadt. Roman. 1. bis 10. Tausend, Rich. Eckstein Nachf. (H. Krüger), Berlin [1899], Seite 52.
  22. Maximilian Quenel: Wiedergeburt. In: Hermann Kesten (Herausgeber): 24 neue deutsche Erzähler. Frühwerke der neuen Sachlichkeit. Verlag Kurt Desch, München/Wien/Basel 1973, ISBN 3-420-04685-5, Seite 38 (Nachdruck der Ausgabe Kiepenheuer, Berlin 1929).
  23. Wolfgang Reuter: Codename „Alpha“. In: Der Spiegel. Nummer 10, 7. März 2005, ISSN 0038-7452, Seite 76 (SPIEGEL-Archiv URL, abgerufen am 5. November 2017).
  24. Hülya Gürler: Mit erweitertem Blick. In: taz.die tageszeitung. 15. September 2016, ISSN 0931-9085, Seite 21 (taz Print-Archiv, abgerufen am 5. November 2017).

Substantiv, f, Ächtung[Bearbeiten]

Singular Plural
Nominativ die Acht
Genitiv der Acht
Dativ der Acht
Akkusativ die Acht

Worttrennung:

Acht, kein Plural

Aussprache:

IPA: [aχt]
Hörbeispiele: Lautsprecherbild Acht (Info)
Reime: -aχt

Bedeutungen:

[1] historisch (Mittelalter): (durch Rechtsspruch als weltliche Strafe gegenüber einer Person erteilte) Verwehrung des Rechtsschutzes (wodurch diese vogelfrei wird)
[2] übertragen: Ausschluss aus einer Gemeinschaft; Verurteilung (als gemeinschaftsfeindlich)

Herkunft:

Das Wort geht über die mittelhochdeutschen Formen āhte → gmh[1][2] / āht → gmh,[3] æhte → gmh[1][3] auf die seit dem 11. Jahrhundert[3][1] bezeugte althochdeutsche Form āhta → goh[1][3][2] ‚(durch Rechtsspruch angeordnete) Verfolgung,[1][2] Friedlosigkeit[1][3] zurück. Diese Formen lassen sich wie mittelniederdeutsches achte → gml,[1][2] mittelniederländisches achte → dum,[1] altfriesisches acht → ofs / achte → ofs[3] und altenglisches ōht → ang[4] auf eine (nicht überlieferte) westgermanische Ausgangsform zurückführen,[1][3][2] die *āhtō f[3] gelautet haben und womöglich[1] aus einer älteren Form *anhtō[1][3] hervorgegangen sein müsste.
Dudens Herkunftswörterbuch zufolge sei das Wort verwandt mit altirischem écht → sgaTotschlag aus Rache‘ und somit ein den Kelten und Germanen gemeinsames Wort, dessen weitere Herkunft jedoch dunkel ist.[2] Pfeifer spricht hierzu nicht von Verwandtschaft, sondern meint, es ließe sich mit irischem ēcht → ga ‚Totschlag (aus Rache)‘ verknüpfen.[1] Kluge formuliert noch vorsichtiger und hält zunächst allgemein fest, dass das Wort außergermanisch mit einer Reihe von lautlich und semantisch ähnlichen Wörtern verglichen werden kann, der Zusammenhang in allen Einzelfällen jedoch unsicher und unklar sei:[3] Einerseits lasse es sich ihm zufolge vergleichen mit altirischem écht → sga, dessen Bedeutung er mit ‚Mord, Totschlag‘ sowie ‚Erschlagener‘ angibt, dabei jedoch einwirft, dass es auch antizipatorisch gebraucht werden könne, und er das Wort letztlich auf eine erschlossene Ausgangsform *anktu- zurückführt, sowie mit hethitischem ? (Lauffenburger: henkan-; Kloekhorst: ḫenkan-; ḫe-en-kan) → hitSeuche, Tod‘,[5][6] das auf eine indoeuropäische Ausgangsform *henk- zurückgehe.[3] Andererseits sei es vergleichbar mit griechischem ἀνάγκη (DIN 31634: anankē) → grc,[7] altirischem éicen → sga und kymrischem angen → cyZwang, Notwendigkeit‘ sowie lateinischem necesse → launausweichlich, unumgänglich, unabänderlich, notwendig, erforderlich[8].[3] Pfeifer merkt hierzu an, dass außerhalb des Westgermanischen und Keltischen weitere Verwandte nicht mit Sicherheit feststellbar seien, sodass die Herkunft des Wortes ungeklärt bleibt.[1]

Synonyme:

[2] Ächtung, Verfemung

Sinnverwandte Wörter:

[1] Ächtung, Bann, Verbannung, Friedlosigkeit, Verfestung, Vogelfreiheit

Oberbegriffe:

[1] Strafe, Sühne

Unterbegriffe:

[1] Aberacht/Oberacht/Überacht, Contumaxacht, Landesacht, Reichsacht, Stadtacht

Beispiele:

[1] „Der Kaiſer verſaͤumte nicht, den Pfalzgrafen Caſimir mit Acht und Aberacht zu bedrohen, und Abmahmahnungsſchreiben an ſeine Truppen zu erlaſſen, die doch in der That zuletzt die Aufloͤſung des pfaͤlziſchen Heeres bewirkten.“[9]
[1] „Hin und wieder wurde vermittelt und beraten, aber keine Verſtaͤndigung erzielt, worauf der Kaiſer endlich uͤber die hartnaͤckige Stadt die Acht verhaͤngte und den Herzog von Bayern zum Vollſtrecker derſelben erklaͤrte.“[10]
[1] „Den hat der Kaiſer in allen Städten auf Gaſſen und Plätzen in die offene Acht ausblaſen laſſen, ich kenn’ ihn nicht — ich bin der Hauptmann Glasäpflein — hab’ keinen andren Namen — jetzt — wieder hat’s einer gerufen: ‚Wildgraf am Rhein!‘“[11]
[1] „Durch die Lösung von der Acht erhielt der einstmals Geächtete seine volle bürgerliche Stellung und auch sein Vermögen wie vor der Acht wieder.“[12]
[1] „Noch ein Jahr zuvor verließen der Heidelberger und der sächsische Kurfürst mit der als Protestation bezeichneten Aktion den Reichstag von Speyer, als der Kaiser Luther mal wieder in die Acht nehmen wollte.“[13]
[2] „Jetzt verhängt, wie Dr. Robert mitteilt, auch der Reichstheaterrat angeſichts jener Inſzenierung die Acht über ihn.“[14]
[2] „Seither tickt im ‚Runden Eck‘ eine Zeitbombe für die DDR - tonnenweise Belege für die Jahrzehnte flüssiger Zusammenarbeit der verschiedensten gesellschaftlichen Kräfte mit der in Acht und Bann geratenen Repressionsbehörde.“[15]

Redewendungen:

[1] jemanden in Acht und Bann tun/jemanden in Acht und Bann erklären
[1] jemanden in die Acht erklären/jemanden in die Acht tun

Charakteristische Wortkombinationen:

[1, 2] über jemanden die Acht aussprechen, erklären, verhängen; jemanden mit der Acht belegen; in der Acht sein; der Acht verfallen sein

Wortbildungen:

[1] Substantive: Achtschatz
[1, 2] Verben: ächten

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:

[1] Wikipedia-Artikel „Reichsacht
[1, 2] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „Acht
[*] canoo.net „Acht
[*] Online-Wortschatz-Informationssystem Deutsch – elexiko „Acht
[1] The Free Dictionary „Acht
[1] Duden online „Acht
[1] wissen.de – Wörterbuch „Acht
[1] wissen.de – Lexikon „Acht
[1] PONS – Deutsche Rechtschreibung „Acht
[*] Uni Leipzig: Wortschatz-LexikonAcht
[1] Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. 16 Bände in 32 Teilbänden. Leipzig 1854–1961 „Acht“.
[1] Renate Wahrig-Burfeind: Brockhaus Wahrig Deutsches Wörterbuch. Mit einem Lexikon der Sprachlehre. In: Digitale Bibliothek. 9., vollständig neu bearbeitete und aktualisierte Auflage. wissenmedia in der inmedia ONE GmbH, Gütersloh/München 2012, ISBN 978-3-577-07595-4 (CD-ROM-Ausgabe), Stichwort »Acht³«.
[1] Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Deutsches Universalwörterbuch. Das umfassende Bedeutungswörterbuch der deutschen Gegenwartssprache. 8., überarbeitete und erweiterte Auflage. Dudenverlag, Berlin 2015, ISBN 978-3-411-05508-1, Stichwort »²Acht«, Seite 108.

Quellen:

  1. 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 1,10 1,11 1,12 Wolfgang Pfeifer: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, digitalisierte und aufbereitete Ausgabe basierend auf der 2., im Akademie-Verlag 1993 erschienenen Auflage. Stichwort „Acht“.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Das Herkunftswörterbuch. Etymologie der deutschen Sprache. In: Der Duden in zwölf Bänden. neu bearbeitete 5. Auflage. Band 7, Dudenverlag, Berlin/Mannheim/Zürich 2013, ISBN 978-3-411-04075-9, Stichwort »¹Acht«, Seite 102.
  3. 3,00 3,01 3,02 3,03 3,04 3,05 3,06 3,07 3,08 3,09 3,10 3,11 Friedrich Kluge, bearbeitet von Elmar Seebold: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 24., durchgesehene und erweiterte Auflage. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2001, ISBN 978-3-11-017473-1, DNB 965096742, Stichwort »Acht¹«, Seite 14.
  4. Bosworth-Toller Anglo-Saxon Dictionary: „óht
  5. Nach Alwin Kloekhorst: The Hittite Inherited Lexicon. Leiden University Centre for Linguistics, Faculty of Arts, Leiden University, 2007, Seite 395 (Dissertation; URL).
  6. Nach Olivier Lauffenburger: Hittite Grammar. 14. August 2008, Seite 20 (E-Book: URL: PDF 800 kB, abgerufen am 5. November 2017).
  7. Wilhelm Pape, bearbeitet von Max Sengebusch: Handwörterbuch der griechischen Sprache. Griechisch-deutsches Handwörterbuch. Band 1: Α–Κ, Band 2: Λ–Ω. 3. Auflage, 6. Abdruck, Vieweg & Sohn, Braunschweig 1914. Stichwort „ἀνάγκη“.
  8. Karl Ernst Georges: Ausführliches lateinisch-deutsches Handwörterbuch: „necesse“ (Zeno.org)
  9. Leopold Ranke: Die roͤmiſchen Paͤpſte, ihre Kirche und ihr Staat im ſechszehnten und ſiebzehnten Jahrhundert. 1. Auflage. Zweiter Band, Duncker und Humblot, Berlin 1836, Seite 112–113 (Zitiert nach Deutsches Textarchiv).
  10. Ricarda Huch: Der große Krieg in Deutſchland. Erſter Band, Das Vorſpiel, 1585—1620, Inſel-Verlag, Leipzig 1912, Seite 106 (Zitiert nach Internet Archive).
  11. Leo Perutz: Die dritte Kugel. 6. Auflage. Albert Langen, München 1915, Seite 23 (Zitiert nach Google Books).
  12. Wikipedia-Artikel „Reichsacht“ (Stabilversion)
  13. Idealer Ort für Jagdausflüge und Gespräche. In: Mannheimer Morgen. 10. September 2012, Seite 21 (Ausgabe Rhein-Neckar).
  14. Der Fall Robert. In: Voſſiſche Zeitung. Berliniſche Zeitung von Staats- und gelehrten Sachen. Nummer 120, 5. März 1920, Seite [3] (Abend-Ausgabe; URL, abgerufen am 5. November 2017).
  15. Jeder Tag ein Alptraum. DDR-Bürgerkomitees bewachen den Stasi-Nachlaß – und werden mit dem Aktenberg nicht fertig. In: Der Spiegel. Nummer 17, 23. April 1990, ISSN 0038-7452, Seite 50 (SPIEGEL-Archiv URL, abgerufen am 5. November 2017).

Substantiv, f, Beachtung[Bearbeiten]

Singular Plural
Nominativ die Acht
Genitiv der Acht
Dativ der Acht
Akkusativ die Acht

Worttrennung:

Acht, kein Plural

Aussprache:

IPA: [aχt]
Hörbeispiele: Lautsprecherbild Acht (Info)
Reime: -aχt

Bedeutungen:

[1] veraltet: Aufmerksamkeit, Beachtung; Fürsorge

Herkunft:

Das Wort geht über die mittelhochdeutschen Formen ahte → gmh[1][2][3] / aht → gmh[1][2] auf die seit dem 8. Jahrhundert[1][2] bezeugte althochdeutsche Form ahta → goh[1][2][3]Überlegung; Meinung; Ansehen[1] zurück. Diese Formen lassen wie mittelniederdeutsches achte → gml / acht → gml,[1] mittelniederländisches achte → dum / acht → dum,[1] altfriesisches achte → ofs[2] und altenglisches eaht → ang[1][2][3] / aht → ang / æht → ang / eht → ang[4] eine (nicht überlieferte) westgermanische Ausgangsform *ahtō fBeachtung (und dergleichen)‘[2] annehmen. Das hierzu verwandte, nicht mit einem Dental erweiterte gotische 𐌰𐌷𐌰 (aha) → gotSinn, Verstand[1][2][3] lässt eine (erschlossene) germanische Verbalwurzel *ah-denken, meinen‘ erkennen.[1] Somit wären die erstgenannten Formen t-Erweiterungen eines (erschlossenen) germanischen Stammes *ah-.[3] Wegen der wenig prägnanten Lautform ist die weitere Herkunft unklar:[2] Kluge meint, dass für die t-Bildungen ein Anschluss an die Sonderbedeutung ‚wiegen, erwägen, wägen‘ bei der (erschlossenen) indoeuropäischen Wurzel *aǵ-bewegen, treiben‘ erwogen werden könnte, doch müssten dann die Bildungen ohne t abgetrennt werden.[2] Auch wäre ihm zufolge ein möglicher Anschluss an die (erschlossene) indoeuropäische Wurzel *aḱ-scharf, spitzig‘ (vergleiche »Ecke«) mit übertragener Bedeutung denkbar.
Außergermanische Beziehungen sind unsicher:[3] Ob sich die germanische Gruppe mit außergermanischen Formen wie griechisches ὄκνος (DIN 31634: oknos) → grc[5]Zaudern,[5] Zögern,[5][2] Bedenklichkeit;[1] Scheu[2] und ὀκνεῖν (DIN 31634: oknein) → grczaudern, zögern, Bedenken tragen[6], tocharisches 𑀆𑀓𑀲- (āks-) → txbwach sein‘ verbinden und der (erschlossenen) indoeuropäischen Wurzel *ok-überlegen‘ zuordnen lässt, ist, Pfeifer zufolge, nicht mit Sicherheit zu erweisen.[1] Kluge meint, dass zu einer Ausgangsbedeutung ‚(hoch) achten‘ griechisches ὄκνος (DIN 31634: oknos) → grc an sich semantisch sehr gut passe, doch stimme das nicht zum sonstigen Bedeutungsumfang der germanischen Wörter.[2] Ihm zufolge könne hierbei ein sekundärer Zusammenfall der letztgenannten indoeuropäischen Wurzeln *aḱ-spitzig, scharfsinnig‘ und *ok-scheuen‘ erwogen werden.[2]

Beispiele:

[1] „Der Kleine widerſtrebte, ſteif und unbeweglich, indes er an der Mutter vorbeiſtarrte, gerade hinaus mit offenen, tränenvollen Augen, den Mund vom Weinen zuckend, ohne Acht auf die ſtreichelnden Hände.“[7]
[1] „Worüber ist das Buch: sagt Marie endlich, ohne Acht für Unhöflichkeit und Benehmen im Restaurant gegen Fremde.“[8]
[1] „Dabei bleibt jedoch die Zeitstruktur, die notwendige Momenthaftigkeit, außer Acht.[9]

Redewendungen:

[1] etwas außer Acht lassen/selten: etwas aus der Acht lassen, etwas außer aller Acht lassen
[1] etwas in Acht nehmen
[1] sich in Acht nehmen

Wortbildungen:

Adjektive/Adverbien: achtbar, achtlos, achtsam
Substantive: Achtung, Obacht
Verben: achten, achtgeben/Acht geben, achthaben/Acht haben, beachten, erachten, verachten

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:

[1] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „Acht
[*] canoo.net „Acht
[*] Online-Wortschatz-Informationssystem Deutsch – elexiko „Acht
[1] The Free Dictionary „Acht
[1] wissen.de – Wörterbuch „Acht
[*] PONS – Deutsche Rechtschreibung „Acht
[*] Uni Leipzig: Wortschatz-LexikonAcht
[1] Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. 16 Bände in 32 Teilbänden. Leipzig 1854–1961 „Acht“.
[1] Renate Wahrig-Burfeind: Brockhaus Wahrig Deutsches Wörterbuch. Mit einem Lexikon der Sprachlehre. In: Digitale Bibliothek. 9., vollständig neu bearbeitete und aktualisierte Auflage. wissenmedia in der inmedia ONE GmbH, Gütersloh/München 2012, ISBN 978-3-577-07595-4 (CD-ROM-Ausgabe), Stichwort »Acht²«.
[1] Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Deutsches Universalwörterbuch. Das umfassende Bedeutungswörterbuch der deutschen Gegenwartssprache. 8., überarbeitete und erweiterte Auflage. Dudenverlag, Berlin 2015, ISBN 978-3-411-05508-1, Stichwort »³Acht«, Seite 108.

Quellen:

  1. 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 1,10 1,11 Wolfgang Pfeifer: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, digitalisierte und aufbereitete Ausgabe basierend auf der 2., im Akademie-Verlag 1993 erschienenen Auflage. Stichwort „Acht“.
  2. 2,00 2,01 2,02 2,03 2,04 2,05 2,06 2,07 2,08 2,09 2,10 2,11 2,12 2,13 Friedrich Kluge, bearbeitet von Elmar Seebold: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 24., durchgesehene und erweiterte Auflage. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2001, ISBN 978-3-11-017473-1, DNB 965096742, Stichwort »Acht²«, Seite 14.
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 3,5 Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Das Herkunftswörterbuch. Etymologie der deutschen Sprache. In: Der Duden in zwölf Bänden. neu bearbeitete 5. Auflage. Band 7, Dudenverlag, Berlin/Mannheim/Zürich 2013, ISBN 978-3-411-04075-9, Stichwort »²Acht«, Seite 102.
  4. Bosworth-Toller Anglo-Saxon Dictionary: „eaht
  5. 5,0 5,1 5,2 Wilhelm Pape, bearbeitet von Max Sengebusch: Handwörterbuch der griechischen Sprache. Griechisch-deutsches Handwörterbuch. Band 1: Α–Κ, Band 2: Λ–Ω. 3. Auflage, 6. Abdruck, Vieweg & Sohn, Braunschweig 1914. Stichwort „ὄκνος“.
  6. Wilhelm Pape, bearbeitet von Max Sengebusch: Handwörterbuch der griechischen Sprache. Griechisch-deutsches Handwörterbuch. Band 1: Α–Κ, Band 2: Λ–Ω. 3. Auflage, 6. Abdruck, Vieweg & Sohn, Braunschweig 1914. Stichwort „ὀκνέω“.
  7. Ilse Frapan-Akunian: Arbeit. Roman. Zweite Auflage. Verlag von Gebrüder Paetel, Berlin 1903, Seite 6 (Zitiert nach Internet Archive).
  8. Uwe Johnson: Jahrestage. Aus dem Leben von Gesine Cresspahl. [Band 1], Suhrkamp, Frankfurt am Main 1970, Seite 284.
  9. Niklas Luhmann: Soziale Systeme. Grundriß einer allgemeinen Theorie. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1984, ISBN 3-518-28266-2, Seite 211.

Ähnliche Wörter (Deutsch):

ähnlich geschrieben und/oder ausgesprochen:
Levenshtein-Abstand von 1: Ach, ach, Achat, Ache, Achte, achte, ascht, echt, facht, Jacht, lacht, Macht, macht, Nacht, Pacht, pacht, sacht, Wacht, wacht, Yacht



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