Kapelle

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Kapelle (Deutsch)[Bearbeiten]

Substantiv, f[Bearbeiten]

Kasus Singular Plural
Nominativ die Kapelle die Kapellen
Genitiv der Kapelle der Kapellen
Dativ der Kapelle den Kapellen
Akkusativ die Kapelle die Kapellen
[1] eine Kapelle
[2] abgeteilte Kapelle in der Simultanpfarrkirche Mariä Himmelfahrt; Taufkapelle mit Taufstein
[3] eine Kapelle mit Blasinstrumenten

Veraltete Schreibweisen:

Capelle

Worttrennung:

Ka·pel·le, Plural: Ka·pel·len

Aussprache:

IPA: [kaˈpɛlə], Plural: [kaˈpɛlən]
Hörbeispiele: —, Plural:
Reime: -ɛlə

Bedeutungen:

[1] Religion: einfach gestaltetes Andachtsgebäude, kleines Gotteshaus, das nicht für regelmäßige Gottesdienste einer Gemeinde bestimmt ist
[2] abgeteilter Raum in einem größeren Gotteshaus oder sonstigen Gebäude, der für Gottesdienste, Taufen und dergleichen genutzt wird
[3] Musik: kleines Musiker-Ensemble, das insbesondere Tanz- und Unterhaltungsmusik spielt
[4] im Mittelalter: Sängerchor, der in Kirchen für Darbietungen reiner Gesangsmusik sorgte
[5] veraltet: logenähnliche Räumlichkeiten in Kirchen, die bestimmten Familien oder Behörden zur Nutzung überlassen wurden
[6] veraltet, scherzhaft: Abtritt, Toilette
[7] veraltet, Hüttenwesen: Schmelztiegel

Herkunft:

[1, 2] Kapelle in diesen Bedeutungen geht auf das althochdeutsche kappella oder kapella (kleine Kultstätte, die dem Andenken eines Heiligen gewidmet ist) und das mittelhochdeutsche kappelle oder kapelle zurück, die bereits die heute gebräuchlichen Bedeutungen aufwiesen. Dies sind Entlehnungen aus dem mittellateinischen cappella → la oder capella → la mit denselben Bedeutungen, das aber ursprünglich für ‚Kapuzenmantel‘ stand. Der Diminutiv zum spätlateinischen cappa → la (Art der Kopfbedeckung, Mantel mit Kapuze) bezeichnete um das Jahr 660 herum den als etwas Heiliges verehrten Mantelrest von Martin von Tours, über welchem die fränkischen Könige einen Raum zum Beten errichtet hatten. Die Bezeichnung des Kleidungsstückes wurde in der Folge auf den Aufbewahrungsraum übertragen, woraufhin sich die Bedeutungen ‚Raum für Gottesdienste in der königlichen Pfalz‘ und später ‚kleine Kirche‘ entwickelten.[1]
[3, 4] Etymologisch ergeben sich für Kapelle bei diesen Bedeutungen keine Unterschiede zu den erstgenannten. Im 16. Jahrhundert wurde die Bedeutung ‚Gesellschaft von Musikanten‘ allerdings aus dem Italienischen übernommen, nachdem die Bezeichnung cappella → it (kleine Kirche) auf die bei außergewöhnlichen Anlässen in einer fürstlichen Kapelle zu musikalischen Darbietungen zusammengekommenen Musiker und Sänger übertragen worden war.[2]
[6] Laut den Gebrüdern Grimm stammt diese Bedeutung aus dem klösterlichen Umfeld.[3]
[7] Nach den Gebrüdern Grimm ist diese Bedeutung dadurch entstanden, dass zwischen Kapelle und dem lateinischen cupella → la (kleine Kufe, kleine Tonne[4]), einem Diminutiv zu cupa → la[4] (Tonne, Fass[5]), das mit dem französischen coupelle → fr (Schale, Näpfchen[6]), dem italienischen coppella → it (Kuppelle[7]) und dem spanischen copela → es (Kuppelle[8]) verwandt ist, fälschlicherweise eine Verbindung angenommen worden ist.[9]

Synonyme:

[1] Karner, Seitenaltar
[3] A cappelle, Band, Ensemble, Gruppe, Musikgruppe, kleineres Orchester, Truppe
[6] Abort, Abtritt, Donnerbalken, Klo, Klosett, Latrine, Toilette
[7] Kupelle

Verkleinerungsformen:

[1, 6] Kapellchen

Oberbegriffe:

[1] Gotteshaus

Unterbegriffe:

[1] Bergkapelle, Bootskapelle, Brückenkapelle, Burgkapelle, Feldkapelle, Friedhofskapelle, Gedächtniskapelle, Grabkapelle, Laubenkapelle, Marienkapelle, Matthiaskapelle, Michaelskapelle, Pestkapelle, Turmkapelle, Votivkapelle, Waldkapelle, Wallfahrtskapelle, Wegkapelle, Werktagskapelle
[2] Leichenkapelle, Seitenkapelle, Sakramentskapelle, Taufkapelle, Gnadenkapelle
[3] Attraktionskapelle, Blaskapelle, Bordkapelle, Bundesschützenkapelle, Damenkapelle, Egerländerkapelle, Feuerwehrkapelle, Heurigenkapelle, Jazzkapelle, Kurkapelle, Militärkapelle, Musikkapelle, Schülerkapelle, Schützenkapelle, Staatskapelle, Stimmungskapelle, Tanzkapelle, Theaterkapelle, Trachtenkapelle, Vereinskapelle, Vokalkapelle, Zigeunerkapelle
[1, 3] Stadtkapelle
[1, 3, 4] Bergmannskapelle, Dorfkapelle, Familienkapelle, Gemeindekapelle, Grubenkapelle, Hauskapelle, Hofkapelle, Kolpingskapelle, Schiffskapelle, Schlosskapelle
[1, 2, 3, 5] Ratskapelle

Beispiele:

[1] Der Gläubige fand in der Kapelle bei einem Gebet Ruhe und Geborgenheit.
[1] Die wohl schönste gotische Kapelle der Welt ist die Sainte Chapelle in Paris.
[1] Wo Gott eine Kirche hat, baut der Teufel seine Kapelle daneben.
[1] „Man sprach die Juden schuldig, ein Pogrom begann, und lange genug war die Kapelle ein Wallfahrtsort der Verfolger.“[10]
[2] Im Flughafen gibt es jetzt eine neue Kapelle.
[2] „Gerade wird er im großen Stil saniert: ein Glücksfall für die Archäologen, die bei Erdarbeiten nicht nur auf Azelins Grundmauern, sondern auch auf alte Fußböden, Gräber und Reste der ersten Kapelle stießen, die hier um 815 nach Christus stand.“[11]
[3] Die Kapelle spielte einen Marsch.

Charakteristische Wortkombinationen:

französische, geweihte, katholische, mittelalterliche Kapelle
Bruder-Klaus-, Heilig-Kreuz-, Nikolaus-, Sankt Anna-, Sixtinische Kapelle
Kapelle St. Elisabeth – Eltville

Wortbildungen:

[1] Kaplan, Kapellenbildstock, Kapellmeisterei
[3] Kapellmeister, Kapellmeistermusik, Kapellmusik
[7] kapellieren
Substantive: Kapellenberg, Kapellenbild, Kapellenfest, Kapellenruine, Kapellenthurm, Kapellknabe


Übersetzungen[Bearbeiten]

? Referenzen und weiterführende Informationen:

[1, 2] Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion, Annette Klosa u. a. (Hrsg.): Duden, Deutsches Universalwörterbuch. 4. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2001, ISBN 3-411-05504-9, „1Kapelle“, Seite 875
[1, 3] Wikipedia-Artikel „Kapelle
[1, 3] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „Kapelle
[3, 4] Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion, Annette Klosa u. a. (Hrsg.): Duden, Deutsches Universalwörterbuch. 4. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2001, ISBN 3-411-05504-9, „2Kapelle“, Seite 875
[5, 6] Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm „Kapelle
[7] Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm „Kapelle
[1, 2, 3, 4, 5, 7] Duden online „Kapelle
  • canoo.net „Kapelle
  • Uni Leipzig: Wortschatz-LexikonKapelle

Ähnliche Wörter:

Kapella

Quellen:

  1. Wolfgang Pfeifer et al.: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. 8. Auflage. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2005, ISBN 3-423-32511-9, „1Kapelle“, Seite 618
  2. Wolfgang Pfeifer et al.: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. 8. Auflage. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2005, ISBN 3-423-32511-9, „2Kapelle“, Seite 618f.
  3. Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm „Kapelle
  4. 4,0 4,1 Georges: Ausführliches lateinisch-deutsches Handwörterbuch, 1913, „cupella
  5. Josef Maria Stowasser, Michael Petschenig, Franz Skutsch: Stowasser. Lateinisch-deutsches Schulwörterbuch. 1994 f. Auflage. Oldenbourg, München 1994, ISBN 3-486-13405-1, „cupa“, Seite 134
  6. LEO Französisch-Deutsch, Stichwort: „coupelle
  7. LEO Italienisch-Deutsch, Stichwort: „coppella
  8. LEO Spanisch-Deutsch, Stichwort: „copela
  9. Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm „Capelle
  10. Christian Graf von Krockow: Die Rheinreise. Landschaften und Geschichte zwischen Basel und Rotterdam. Engelhorn, Stuttgart 1998, ISBN 3-87203-255-0, Seite 50f.
  11. Simon Benne: Bagger im Gotteshaus. In: Eichsfelder Tageblatt. Nummer 294, 15. Dezember 2012, Seite 4. Abkürzungen aufgelöst.


Nachname[Bearbeiten]

Kasus Singular Plural
Nominativ Kapelle (die) Kapelles
Genitiv Kapelles (der) Kapelles
Dativ Kapelle (den) Kapelles
Akkusativ Kapelle (die) Kapelles

Worttrennung:

Keim, Plural: Kei·ms

Aussprache:

IPA: [], Plural: []
Hörbeispiele: —, Plural:
Reime: -…

Bedeutungen:

[1] deutscher Familienname

Beispiele:

Heinz-Kapelle-Straße; 10407 Berlin - Prenzlauer Berg im Stadtplan Berlin

Übersetzungen[Bearbeiten]

? Referenzen und weiterführende Informationen:

[1] Wikipedia-Artikel „Kapelle