Klamotte

Aus Wiktionary, dem freien Wörterbuch
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Klamotte (Deutsch)[Bearbeiten]

Substantiv, f[Bearbeiten]

Singular

Plural

Nominativ die Klamotte

die Klamotten

Genitiv der Klamotte

der Klamotten

Dativ der Klamotte

den Klamotten

Akkusativ die Klamotte

die Klamotten

[1a] mit Klamotten durchsetzter Schutt

Worttrennung:

Kla·mot·te, Plural: Kla·mot·ten

Aussprache:

IPA: [klaˈmɔtə]
Hörbeispiele: Lautsprecherbild Klamotte (Info)
Reime: -ɔtə

Bedeutungen:

[1] landschaftlich:
[1a] größerer Stein; Gesteinsbrocken
[1b] besonders berlinisch abwertend; zumeist Plural: zerbrochener Mauerstein
[1c] besonders berlinisch abwertend; zumeist Plural: Dreck, Schmutz
[2] salopp; zumeist Plural:
[2a] Kleidungsstück; Gesamtheit der Kleidungsstücke
[2b] abwertend: altes Kleidungsstück, das abgetragen ist
[2c] alter, wertloser Gegenstand; minderwertiges Stück
[3]
[3a] Jargon; umgangssprachlich abwertend: allgemein unbekannt gewordenes, für Unterhaltung sorgendes Theaterstück, Buch, Lied oder Ähnliches, das wieder an die Öffentlichkeit gebracht wurde
[3b] Jargon; umgangssprachlich abwertend: (geistig) anspruchsloses Theaterstück
[3c] umgangssprachlich abwertend: niveauloser, derber Schwank, bei dem grobe Späße zum Besten gegeben werden

Herkunft:

seit dem 20. Jahrhundert bezeugt; aus der Gaunersprache, genauer dem Rotwelschen, übernommenes Wort; dort bedeutete es eigentlich „zerbrochener Mauer-, Ziegelstein“, später im übertragenen Sinne dann „wertloser Gegenstand“; die weitere Herkunft ist unklar[1][2][3]

Sinnverwandte Wörter:

[2a] landschaftlich, oft abwertend: Kledage/Kledasche
[2b] Lumpen, veraltend: Zeug
[2c] Bettel, Flitter, Gerümpel, Hokuspokus, Klimbim, Kram, Krimskrams, Plunder, Ramsch, Schamott, Schund, Talmi, Tand, Tinnef, Zeug
[3a] Theaterstück: Burleske, Komödie, Lustspiel, Posse, Possenspiel, Schmierenkomödie
[3a] Buch: Scharteke, alter Schinken, alter Schmöker
[3a] Lied: abgedroschener, alter Schlager
[3b] Boulevardtheater, Provinztheater, veraltend: Scharteke, Schmiere, Schmierentheater
[3c] Burleske, Farce, Grand-Guignol

Gegenwörter:

[2b] Ehrenkleid, Festkleid, Festkleidung, Festrobe, Gala, gehoben, sonst süddeutsch und österreichisch: Gewandung, salopp: Schale, umgangssprachlich veraltend: Staat

Oberbegriffe:

[1a, 1b] Stein
[2a, 2b] Bekleidung, Garderobe, Kleidung, Outfit
[2c] Gegenstand
[3c] Schwank

Unterbegriffe:

[2a] Markenklamotte, Zivilklamotte
[3a] Filmklamotte

Beispiele:

[1a] „‚[…]Als der Riese schlief, tauschten sie den Stein gegen eine viel schwerere Klamotte aus‘, erzählt Rudolph.“[4]
[1a] „Wenn ein Gesteinsblock aus dem Steinbruch kommt, ist er nicht mehr als eine große ‚Klamotte‘.[…]Aus der ‚Klamotte‘ entstehen in unvergleichbarer Schönheit Fliesen, Platten, Treppen, Fensterbänke, Verkleidungen, Arbeits- und Waschtischplatten, Verblender, Säulen, Kamine und vieles mehr.“[5]
[1b] „Der Mufti ist ein solches Gnuff, daß er auch nicht die kleinste Klamotte von dem Schutt hergiebt.“[6]
[1c] Die Kinder hatten sich mit Klamotten beworfen.
[2a] „Dass in den Filialen der Ketten offenbar Klamotten aus genmanipulierter Baumwolle als ‚bio‘ verkauft wurden, hat die Branche am Freitag gewaltig aufgeschreckt.“[7]
[2a] „Unsere zwei Kinder wachsen nämlich so schnell, dass sie die meisten coolen Klamotten, die wir ihnen kaufen, immer nur kurze Zeit tragen können.“[8]
[2b] „So kommt es, dass Leute in verschwitzten, abgerissenen Klamotten - Fahrradkuriere, Studenten, Einwanderer und Obdachlose - in den Fluren des Kongressgebäudes herumhängen, bis die korrekt gekleideten Lobbyisten die freigehaltenen Zuschauerplätze bei den Hearings im Kongress einnehmen.“[9]
[2b] „In zerknitterten Klamotten ging er zurück ins Zimmer, zog sein Notizheft aus der Tasche.“[10]
[2c] „So reifte in mir der Entschluß: »Du mußt selber einen Fokker fliegen lernen, dann wird es vielleicht besser gehen.« / Mein Sinnen und Trachten ging nun dahin, zu lernen, selbst »den Knüppel zu führen«. Denn ich war bisher immer nur Beobachter gewesen. Es bot sich bald Gelegenheit, auf einer alten Klamotte in der Champagne zu schulen. Ich betrieb das mit großem Eifer und war nach fünfundzwanzig Schulflügen vor dem Alleinflug.“[11]
[2c] „So aber geriet das Duell zu einer Klamotte, in der der Volksheld Witali Klitschko keine Meriten erwerben konnte.“[12]
[3a] „Dort sind lauter Originale aus DDR-Zeiten ausgestellt. Vom Sandmännchen über Ausweise und Orden findet der Betrachter Spielzeug, Seife und Einlegesohlen aus der alten Zeit. ‚Was da für alte Klamotten ausgegraben wurden, ist unglaublich!‘ meint Lydia Remke fasziniert.“[13]
[3b] „Was Shakespeare als anregenden Exkurs über das Wesen der Erotik niederschrieb, der Komponist entsprechend einfühlsam vertonte, geriet mit der vergewaltigenden Adaption von ‚The Fairy Queen‘ im Theater am Halleschen Ufer zur vordergründigen Klamotte (Inszenierung: Rhys Martin).“[14]
[3c] „Die populären britischen Komiker Peter Cook und Dudley Moore, die zusammen mit Morissey das Drehbuch schrieben und die beiden Hauptrollen spielen, mögen eine deftige Persiflage der Konventionen des Kriminalund [sic] Horrorfilms beabsichtigt haben: in Morrisseys plumper Inszenierung ist das Resultat eine derbe Klamotte mit dürftigen Kalauern.“[15]
[3c] „Was hätte das werden können! Ein deutscher Alptraum und ein Hohngelächter über die Gespenster der Vergangenheit. Statt dessen: Volkstheater für Fortgeschrittene, eine derbe Klamotte, komisch und einigermaßen harmlos.“[16]

Redewendungen:

[2a] Jargon: jemandem nicht an die Klamotten können
[2b] nicht aus den Klamotten herausgekommen sein

Charakteristische Wortkombinationen:

[2a] angesagte Klamotten, coole Klamotten, geile Klamotten, hässliche Klamotten, schräge Klamotten, schrille Klamotten; sich neue Klamotten kaufen, Klamotten shoppen
[2b] alte Klamotten, schäbige Klamotten, speckige Klamotten, verdreckte Klamotten, zerlumpte Klamotten
[2c–3c] eine alte Klamotte/alte Klamotten ausgraben
[3a–3c] eine alte Klamotte, eine schrille Klamotte, eine urkomische Klamotte
[3a, 3c] eine Klamotte bringen
[3c] eine pantomimische Klamotte

Wortbildungen:

[1b] Klamottenbeine, Klamottenschmeißer, Mont Klamott
[2a] Klamottengeschäft
[2a, 2b] Klamottenkiste

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:
[1a, 2a–3b] Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Das große Fremdwörterbuch. Herkunft und Bedeutung der Fremdwörter. 4. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007, ISBN 978-3-411-04164-0, Seite 715
[2a–2c, 3a, 3c] Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Deutsches Universalwörterbuch. 6. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007, ISBN 978-3-411-05506-7, Seite 956
[1a, 1b, 2a, 3c] Wikipedia-Artikel „Klamotte
[1b–2c] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „Klamotte
[*] canoonet „Klamotte
[2b–3c] Uni Leipzig: Wortschatz-PortalKlamotte
[2a, 2c, 3a] The Free Dictionary „Klamotte

Quellen:

  1. Friedrich Kluge, bearbeitet von Elmar Seebold: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 24., durchgesehene und erweiterte Auflage. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2001, ISBN 978-3-11-017473-1, DNB 965096742 unter dem Lemma »Klamotten«, Seite 492
  2. Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Deutsches Universalwörterbuch. 6. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007, ISBN 978-3-411-05506-7, Seite 956
  3. Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Das große Fremdwörterbuch. Herkunft und Bedeutung der Fremdwörter. 4. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007, ISBN 978-3-411-04164-0, Seite 715
  4. Katrin Bischoff: Die Streiche der Mutzel. Ein Journalist will mit einer Idee Familien nach Klein-Mutz locken. In: Berliner Zeitung Online. 20. November 2004, ISSN 0947-174X (URL, abgerufen am 14. Januar 2014).
  5. Naturstein. www.fliesenlehmann.de, abgerufen am 8. März 2010 (Deeplink obsolet).
  6. Julius Stinde → WP: Frau Buchholz im Orient. In: Projekt Gutenberg-DE. Zweiter Aufenthalt in Kairo (URL).
  7. Sabine Hamacher, Jutta Maier, Ursula Rüssmann: Betrugsverdacht bei Biotextilien: Klamotten in Verruf. In: Frankfurter Rundschau. 23. Januar 2010, ISSN 0940-6980 (URL, abgerufen am 14. Januar 2014).
  8. Wladimir Kaminer: Meine kaukasische Schwiegermutter. Goldmann, Berlin 2012, ISBN 978-3-442-47366-3, Seite 20.
  9. Giano Cromley: Die Platzhalter auf dem Capitol Hill: Ein Tag im Leben einer Demokratie. In: Le Monde diplomatique Online. Deutschsprachige Ausgabe. Nummer 7283, 13. Februar 2004 (übersetzt von Niels Kadritzke), ISSN 1434-2561 (URL, abgerufen am 14. Januar 2014).
  10. Fiston Mwanza Mujila: Tram 83. Zsolnay, Wien 2016, ISBN 978-3-552-05797-5, Seite 34. Französisches Original 2014.
  11. Manfred von Richthofen → WP: Der rote Kampfflieger. In: Projekt Gutenberg-DE. Wie ich Boelcke kennenlernte (URL).
  12. Hans-Joachim Leyenberg: Klitschko besiegt Johnson: Klamotte in der Eishalle. In: FAZ.NET. 13. Dezember 2009, ISSN 0174-4909 (URL, abgerufen am 14. Januar 2014).
  13. Sause mit Soljanka und Braunem. In: Westfälische Nachrichten. 30. Juni 2008 (Online, abgerufen am 14. Januar 2014).
  14. Peter Buske: Schrille Klamotte. Theater am Halleschen Ufer zeigt Purcells „Fairy Queen“. In: Berliner Zeitung Online. 21. November 1994, ISSN 0947-174X (URL, abgerufen am 14. Januar 2014).
  15. Helmut W. Banz: Kunstkalender. Berlin: Rainer Kriester. In: Zeit Online. Nummer 31/1978, 28. Juli 1978, ISSN 0044-2070 (URL, abgerufen am 14. Januar 2014).
  16. Peter Laudenbach: Deutschland - ein Irrenhaus. Volksbühne: Castorfs „Die Schlacht“ und „Pension Schöller“. In: Berliner Zeitung Online. 23. April 1993, ISSN 0947-174X (URL, abgerufen am 14. Januar 2014).

Ähnliche Wörter (Deutsch):

ähnlich geschrieben und/oder ausgesprochen: Bergamotte, Garotte/Garrotte, Gavotte, Kalotte, Kapotte, Karotte, Marmotte, Schamotte