Zores
Aus Wiktionary, dem freien Wörterbuch
5 Änderungen dieser Version sind noch nicht markiert.
Die gesichtete Version wurde am 7. April 2011 markiert.
[Bearbeiten] Zores (Deutsch)
[Bearbeiten] Substantiv, m / f
| Kasus | Singular | Plural |
|---|---|---|
| Nominativ | der Zores |
|
| Genitiv | des Zores |
|
| Dativ | dem Zores |
|
| Akkusativ | den Zores |
|
| Kasus | Singular | Plural |
|---|---|---|
| Nominativ |
|
die Zores |
| Genitiv |
|
der Zores |
| Dativ |
|
den Zores |
| Akkusativ |
|
die Zores |
Anmerkung zur Deklination:
- Laut dem »Variantenwörterbuch des Deutschen« sowie dem »Duden. Deutsches Universalwörterbuch« hat das Wort in Deutschland ein männliches Genus und kommt nur in der Singularform vor. In Österreich hingegen ist das Wort weiblichen Geschlechts und wird einzig als Pluralwort empfunden.[1][2]
Worttrennung:
- Zo·res
Aussprache:
- IPA: [ˈʦoːʀəs]
- Hörbeispiele: —
Bedeutungen:
- [1]
- [a] landschaftlich: Durcheinander, Wirrwarr
- [b] mittelwestdeutsch, österreichisch: Ärger; zänkisches Streiten; Ärgernisse
- [2] landschaftlich: eine als asozial, verbrecherisch (oder ähnlich) angesehene Gruppe von Menschen, die aufgrund dessen verachtet und abgelehnt wird
Herkunft:
- [1] seit dem 19. Jahrhundert bezeugt; Entlehnung über das Rotwelsche zores aus dem Westjiddischen צרות, YIVO tsores, der Pluralform von צרה, YIVO tsore, „Leiden, Mühe, Not, Pein, Qual, Sorge, Unglück, Unruhe“; dieses entstammt seinerseits dem Hebräischen צָרָה, CHA ṣārā(h), „Bedrängnis, Drangsal, Kummer, Not“ (Plural: צָרוֹת, CHA ṣārōt)[3][2][4][1][5]
- [2] Laut Littmann und Kluge handelt es sich hierbei vermutlich um eine durch Bedeutungsattraktion an das andere unter [1] erwähnte rotwelsche zores hervorgegangene Entlehnung über ein weiteres rotwelsches zores aus dem Westjiddischen צעיר, YIVO tsoyr, „Geringer, Niedriger, Kleiner“, das seinerseits dem Hebräischen צָעִיר, CHA ṣāʿīr, „jung“ entstammt[6][3]. Althaus bezeichnet diese Annahme als fragwürdig.[5]
Sinnverwandte Wörter:
- [1a] Chaos, Charivari, Gewirr, Ginnungagap, Kuddelmuddel, Tohuwabohu, Unordnung, Wirrnis, Wirrsal
- [1b] bildlich: Clinch, bildungssprachlich: Disharmonie, abwertend: Gezänk/Gezanke, gehoben: Hader, gehoben: Händel, umgangssprachlich: Knatsch, umgangssprachlich: Knies, umgangssprachlich: Krach, bildungssprachlich: Querele, Reiberei, abwertend: Streiterei, Streitigkeit, umgangssprachlich abwertend: Stunk, Unannehmlichkeit, Zankerei, gehoben: Zerwürfnis, Deutschland, Schweiz: Zoff, gehoben: Zwietracht, gehoben: Zwist, gehoben: Zwistigkeit
- [2] Abschaum, Gesindel, Kanaille, Mob, Pack, Plebs, Pöbel
Gegenwörter:
- [1a] Ordnung
- [1b] gehoben: Einklang, Einigkeit, Eintracht, Frieden, Harmonie
- [2] Crème de la Crème, Elite, Oberschicht, Schickeria
Oberbegriffe:
- [1a] Unordnung
- [1b] Auseinandersetzung
- [2] Personengruppe, Unterschicht
Beispiele:
- [1b] „Samuels Mischpoke kommt mit Kaftan und Gebetsriemen leicht überzeichnet daher; es gibt Zores über die Frage, ob man am Sabbat telefonieren darf; am Ende entscheidet der Rabbi.“[7]
- [1b] „Und, wichtig: Ein Passivhaus möge es sein, denn mit aufwändigen Heizungs-Umrüstungen hatten sie in der Vergangenheit schon genug Zores.“[8]
- [2] „Als dann der gute Pfarrer dieser zigeunerischen Lebensphilosophie und diesem Rotwelsch gegenüber den sittlichen Gesichtspunkt betonte und die Gefahren andeutete, welchen ein so junges, leichtsinniges und unerfahrenes Mädchen in der Welt ausgesetzt sei, gab ihm die würdige Mutter die tröstliche Versicherung, 's Elsi sei gar nicht so unerfahren, wie er glaube, 's Elsi sei kein schlimiil Gambes, es werde sich nicht mit Zores einlassen, und was seine Tugend angehe, o, da brauche der Herr Gallach keine Sorge zu haben, 's Elfi sei viel zu gewitzt, als daß es sich nur so mir nichts dir nichts zur Nafkine machen ließe.“[9]
Charakteristische Wortkombinationen:
[Bearbeiten] Übersetzungen
|
? Referenzen und weiterführende Informationen:
- [1, 2] Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Hrsg.): Duden, Deutsches Universalwörterbuch. 6. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007, ISBN 978-3-411-05506-7, Seite 1984
- [1, 2] Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Hrsg.): Duden, Das große Fremdwörterbuch. Herkunft und Bedeutung der Fremdwörter. 4. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007, ISBN 978-3-411-04164-0, Seite 1445
- [1b] VWD, Seite 896
- [1b] Datenbank zur deutschen Sprache in Österreich „Zores“
- [1a] Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm „Zores“
- [1] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „Zores“
- [1] canoo.net „Zores“
- [1] Uni Leipzig: Wortschatz-Lexikon „Zores“
Quellen:
- ↑ 1,0 1,1 VWD, Seite 896
- ↑ 2,0 2,1 Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Hrsg.): Duden, Deutsches Universalwörterbuch. 6. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007, ISBN 978-3-411-05506-7, Seite 1984
- ↑ 3,0 3,1 Friedrich Kluge, bearbeitet von Elmar Seebold: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 24., durchgesehene und erweiterte Auflage. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2001, ISBN 978-3-11-017473-1, DNB 965096742, Seite 1016
- ↑ Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Hrsg.): Duden, Das große Fremdwörterbuch. Herkunft und Bedeutung der Fremdwörter. 4. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007, ISBN 978-3-411-04164-0, Seite 1445
- ↑ 5,0 5,1 Hans Peter Althaus: Zocker, Zoff & Zores. Jiddische Wörter im Deutschen. Beck, München 2002, Seite 58-59. ISBN 3-406-47616-3.
- ↑ Enno Littmann: Morgenländische Wörter im Deutschen, 2. vermehrte und verbesserte Auflage, Tübingen 1924. Seite 51, 54
- ↑ Online-Ausgabe der tageszeitung, So koscher wie Schweinekotelett, 08.01.2005
- ↑ Online-Ausgabe der Kleine Zeitung, Homestory: Ein Haus bekennt Farbe, 17.11.2008
- ↑ Gutenberg: Johannes Scherr: Rosi Zurflüh, 1860
Ähnliche Wörter:

