viel

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viel (Deutsch)[Bearbeiten]

Adjektiv, Indefinitpronomen[Bearbeiten]

Positiv Komparativ Superlativ
viel mehr am meisten
Alle weiteren Formen: viel (Deklination)

Anmerkung zur Wortart:

Welcher Wortart viel zugeschrieben werden kann, ist unsicher. „Bei viel und wenig handelt es sich um einen Grenzfall von Adjektiv und Artikelwort/Pronomen (in diesem Fall: Indefinitum).“[1]
Die Flexion des Wortes deutet dabei auf ein Adjektiv hin. So ist beispielsweise die Flexionsart dem adjektivischen Muster entsprechend (mein vieles Geld). Außerdem wird viel parallel zu Adjektiven flektiert (viele schlimme Dinge), was ebenfalls auf eine Wortart „Adjektiv“ hindeutet.
Dagegen sprechen die unflektierten Formen (Wir mussten viel sagen) und der Superlativ (Das stört mich am meisten.). Das Muster dieser Formen entspricht dem von Gradpartikeln.

Anmerkung zur Substantivierung:

Wird viel substantivisch gebraucht, ist die Großschreibung nicht obligat und es wird für gewöhnlich kleingeschrieben. Die Großschreibung kann daher eine besondere Betonung des Substantivischen sein.[2][3]

Worttrennung:

viel, Komparativ: mehr, Superlativ: am meis·ten
Alte Rechtschreibung: viel, Komparativ: mehr, Superlativ: am mei·sten

Aussprache:

IPA: [fiːl], [meːɐ̯], am [ˈmaɪ̯stn̩], [ˈmaɪ̯stən]
Hörbeispiele: Lautsprecherbild viel (Info); Lautsprecherbild viel (österreichisch) (Info), Komparativ: Lautsprecherbild mehr (Info), Superlativ: Lautsprecherbild am meisten (Info)
Reime: -iːl

Bedeutungen:

[1] eine unbestimmte, große Menge von etwas; reichlich
[2] zeitlich häufig auftretend; häufig
[3] Verstärkung des Komparativs

Anmerkung:

[1, 2] je nach persönlicher Auffassung und persönlichem Standpunkt kann der Ausdruck eine sehr große Bandbreite von Mengen beschreiben

Herkunft:

zum Standardwortschatz gehörend, Indefinitpronomen, Adverb, Adjektiv, im Sinne von: eine große Menge oder Anzahl, zahlreich, sehr, bedeutend; althochdeutsch filu → goh, ›filo → goh[4], (8. Jahrhundert), mittelhochdeutsch vil → gmh, vile → gmh, altsächsisch filo → osx, filu → osx, mittelniederdeutsch vēl → gml, vēle → gml, mittelniederländisch vēle → dum, niederländisch veel → nl, altenglisch feolu → ang, fela → ang, ›feola → ang[5], ›feala → ang[4],altfriesisch ful → ofs, fulo → ofs,[4] altnordisch (nur in Zusammensetzungen) fjǫl- → non, gotisch filu → got ist ursprünglich ein (im germanischen Sprachbereich untergegangenes)[6] substantiviertes Adjektiv (germanisch *felu-, neutraler u-Stamm). Es wird daher im Sinne von große Menge unflektiert als Substantiv gebraucht (viel hilft viel) und kann dabei einen abhängigen Genitiv bei sich haben (viel Aufhebens). Bei Nominativen und Akkusativen erhält viel den Charakter eines Indefinitpronomens beziehungsweise eines unbestimmten Zahlworts (viel Geld, viel Erfreuliches), in Verbindung mit Verben entwickelt sich adverbieller Gebrauch (viel arbeiten). Schließlich nimmt viel adjektivische Flexion an (viele Leute, vielen Dank). Außergermanische Verwandte sind altindisch purū-, ›purú-ḥ[6] - viel, reichlich, griechisch πολύς (polýs) → el - viel, (beachte auch poly…, Poly… in Fremdwörtern wie polyphon, Polygamie)[6] lateinisch plūs → la - mehr, altirisch il → sga - viel, so daß von indoeuropäisch *pelu-, *pḷlu- - Menge, viel, eigentlich füllend, ausgegangen werden kann, einer Weiterbildung der Wurzel indoeuropäisch *pel-, *pelə-, *plē- - gießen, fließen, aufschütten, einfüllen, füllen wozu auch voll, Fülle, fließen, fliegen, (siehe dort) gehört.[7][6][4][5]

Synonyme:

[1] genügend, reichlich, zahlreich
[1] in Hülle und Fülle
[2] häufig, oft

Gegenwörter:

[1] wenig
[3] ein wenig, etwas, kaum

Beispiele:

[1] Sie kaufte viel Obst.
[1] Er kennt viel mehr Leute als ich.
[2] Er kümmerte sich viel um uns.
[3] Der Unterschied ist jetzt viel größer geworden.

Redewendungen:

[1] viel Feind', viel Ehr'
[1] viel Lärm um nichts
[1] viel hilft viel

Wortbildungen:

Adjektive/Adverbien: vieldeutig, vielfach, vielfarbig, vielgeliebt, vielgestaltig, vielleicht, vielmals, vielmehr
Substantive: Vielfalt, Vielfraß

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:

[1–3] Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. 16 Bände in 32 Teilbänden. Leipzig 1854–1961 „viel
[1–3] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „viel
[1–3] canoo.net „viel
[1–3] Uni Leipzig: Wortschatz-Lexikonviel

Quellen:

  1. Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Die Grammatik. Unentbehrlich für richtiges Deutsch. In: Der Duden in zwölf Bänden. 7. Auflage. Band 4, Dudenverlag, Mannheim u.a. 2005, ISBN 3-411-04047-5
  2. Duden online „Groß- oder Kleinschreibung von ein, andere, viel, wenig
  3. Duden online: Rechtschreibregeln, Regel 77
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 Friedrich Kluge, bearbeitet von Elmar Seebold: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 25., durchgesehene und erweiterte Auflage. Walter de Gruyter, Berlin/Boston 2011, ISBN 978-3-11-022364-4, DNB 1012311937, Seite 959f., unter „viel“
  5. 5,0 5,1 Online Etymology Dictionary „fela, feola“
  6. 6,0 6,1 6,2 6,3 Günther Drosdowski (Herausgeber): Duden, Das Herkunftswörterbuch. Etymologie der deutschen Sprache. In: Der Duden in zwölf Bänden. Band 7, Dudenverlag, Mannheim/Wien/Zürich 1963, ISBN 3-411-00907-1, Seite 744, unter „viel“
  7. Wolfgang Pfeifer: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, digitalisierte und aufbereitete Ausgabe basierend auf der 2., im Akademie-Verlag 1993 erschienenen Auflage. Stichwort „viel“.

Ähnliche Wörter:

fiel