Serbokroatisch

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Serbokroatisch (Deutsch)[Bearbeiten]

Substantiv, n[Bearbeiten]

Singular 1 Singular 2 Plural
Nominativ (das) Serbokroatisch das Serbokroatische
Genitiv (des) Serbokroatischs des Serbokroatischen
Dativ (dem) Serbokroatisch dem Serbokroatischen
Akkusativ (das) Serbokroatisch das Serbokroatische

Anmerkung zur Flexion:

Die Form »das Serbokroatische« wird nur mit bestimmtem Artikel verwendet. Die Form »Serbokroatisch« wird sowohl mit als auch ohne bestimmten Artikel verwendet.

Anmerkung zur Verwendung der Sprachbezeichnung:

Da sich die Sprachvarietäten/Varianten seit dem Zerfall des ehemaligen Jugoslawien als Nationalsprachen zunehmend getrennt entwickeln, wird »Serbokroatisch« als Bezeichnung für die aktuellen Sprachzustände von den meisten Sprecherinnen und Sprechern abgelehnt. Als historische Bezeichnung, besonders bei Herkunftsangaben, bleibt »Serbokroatisch« in der Sprachwissenschaft jedoch erhalten.[1]

Nebenformen:

Kroatoserbisch; seltener: Serbochorvatisch

Worttrennung:

Ser·bo·kro·a·tisch, Singular 2: das Ser·bo·kro·a·ti·sche

Aussprache:

IPA: [ˌzɛʁbokʀoˈaːtɪʃ], Singular 2: [ˌzɛʁbokʀoˈaːtɪʃə]
Hörbeispiele: —, Singular 2:

Bedeutungen:

[1] Sammelbezeichnung für die Sprachvarietäten/Varianten einer westsüdslawischen Sprache, die, seit dem Zerfall Jugoslawiens als deklarierte Nationalsprachen, in Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Montenegro und Serbien gesprochen wird, und die, laut der jugoslawischen Verfassung, bis 2002 offizielle Sprache Jugoslawiens war

Abkürzungen:

[1] Skr.
[1] ISO 639-1: sh, ISO 639-3: hbs

Herkunft:

Substantivierung des Adjektivs serbokroatisch durch Konversion beziehungsweise syntaktischer Umsetzung

Synonyme:

[1] Kroatoserbisch; seltener: Serbochorvatisch

Gegenwörter:

[1] andere südslawische Sprachen: Bulgarisch, Mazedonisch, Slowenisch

Oberbegriffe:

[1] slawische Sprache

Unterbegriffe:

[1] Bosnisch, Kroatisch, Montenegrinisch, Serbisch

Beispiele:

[1] Sprechen Sie Serbokroatisch?
[1] Wie heißt das auf Serbokroatisch?
[1] Wie kann ich mein Serbokroatisch verbessern?
[1] Das Serbokroatische unterscheidet sich deutlich vom Slowenischen.
[1] „In der Verfassung der SFR Jugoslawien waren das Serbokroatische, Slowenische und Makedonische gleichberechtigte Nationalsprachen der Republik. Das Serbokroatische war Amtssprache in Bosnien und Herzegowina (mit ca. 3,746 Mio. Einwohnern), Kroatien (mit ca. 4,427 Mio. Einwohnern), Montenegro (mit 0,53 Mio. Einwohnern) und Serbien (mit 8,44 Mio Einwohnern) (Haarmann 1975, 169).“[2]
[1] „Das zentrale Thema der jugoslawischen und ihr nachfolgenden Sprachwissenschaft bis heute ist und war ‚Gesellschaft und Sprache‘, bedingt durch die Vielsprachigkeit der Region, die Kontakte zwischen den Sprachen, durch die staatliche Sprachplanung, die spezifische Situation der Sprachvarianten, die unter dem Namen Serbokroatisch zusammengefaßt wurden, durch die verschiedenen Schriften.“[3]
[1] „Die Orthographie des Serbokroatischen wurde im Vertrag von Novi Sad (1954) geregelt und erschien in einer kyrillischen/lateinschriftlichen (kroatischen/serbischen) Parallelausgabe als Pravopis 1960. Danach waren im Serbokroatischen das lateinische und kyrillische Alphabet gleichberechtigt zugelassen, doch wurde das kyrillische im Wesentlichen nur von den Serben (in Serbien, Bosnien, Kroatien) und den Montenegrinern verwendet, daneben aber in zunehmendem Maße auch das lateinische; in Kroatien wurde das kyrillische Alphabet zwar gelehrt, verwendet wurde aber nur das lateinische.“[4]
[1] „Der eigentliche Grund, warum in der vorliegenden Arbeit auf den zusammenfassenden Begriff ‚Serbokroatisch‘ verzichtet wird, ist ein politischer: er berücksichtigt nicht zuletzt die Tatsache, daß die Sprecher der kroatischen Dialekte das Kroatische in jüngerer Zeit nachdrücklich als eigene Sprache verstanden sehen möchten und die Zusammenfassung mit den serbischen Dialekten ablehnen.“[5]

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:

[1] Hadumod Bußmann (Herausgeber): Lexikon der Sprachwissenschaft. 3., aktualisierte und erweiterte Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2002, ISBN 978-3-520-45203-0, DNB 965554066, Seite 598.
[1] Helmut Glück (Herausgeber): Metzler-Lexikon Sprache. 4., aktualisierte und überarbeitete Auflage. Metzler, Stuttgart/Weimar 2010, ISBN 978-3-476-02335-3, DNB 1002407257, Seite 611–612.
[1] Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Deutsches Universalwörterbuch. 6. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007, ISBN 978-3-411-05506-7, Seite 1534.
[1] wissen.de – Lexikon „Serbokroatisch
[1] wissen.de – Wörterbuch „Serbokroatisch
[1] Wikipedia-Artikel „Serbokroatische Sprache
[*] canoo.net „Serbokroatisch
[*] Uni Leipzig: Wortschatz-LexikonSerbokroatisch
[*] Online-Wortschatz-Informationssystem Deutsch „Serbokroatisch

Quellen:

  1. Vergleiche Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Deutsches Universalwörterbuch. 6. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007, ISBN 978-3-411-05506-7, Seite 1534.
  2. Gabriella Schubert: Einzelaspekte neuer Mehrsprachigkeit im ehemaligen Jugoslawien. In: sociolinguistica (1997). 11. Band, Walter de Gruyter, Berlin/New York 2009, ISBN 978-3-11-024516-5, Seite 83.
    Im ersten Satz sind ebenfalls die Wörter »Slowenische« und »Makedonische« im Original kursiv gesetzt.
  3. Gerhard Neweklowsky: Soziolinguistische Forschung zum Serbokroatischen und seinen Nachfolgesprachen. In: Ulrich Ammon, Klaus J. Mattheier, Peter H. Nelde, Gesellschaft für Angewandte Linguistik (GAL), Forschungszentrum für Mehrsprachigkeit (FFM), Association Internationale de Sociologie (Herausgeber): sociolinguistica (2000). 14. Band, Walter de Gruyter, Berlin/New York 2009, ISBN 978-3-11-024519-6, Seite 192.
  4. Peter Rehder: Serbokroatisch. In: Miloš Okuka (Herausgeber): Lexikon der Sprachen des europäischen Ostens. Klagenfurt 2002, Seite 461–462 (Reihe: Wieser Enzyklopädie des europäischen Ostens, Band 10, URL: PDF 347 KB sowie zitiert nach URL, abgerufen am 19. April 2011).
    Im ersten Satz ist das Wort »Pravopis« im Original kursiv gesetzt.
  5. Elke Hentschel (Herausgeber): Negation und Interrogation. Studien zur Universalität ihrer Funktionen (1998). 195. Band, Walter de Gruyter, Berlin/New York 2010, DOI: 10.1515/9783110919028.1, ISBN 978-3-484-31195-4 (Print), ISBN 978-3-11-091902-8 (eBook), Seite 1 (Fußnote).