Orkan

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Orkan (Deutsch)[Bearbeiten]

Substantiv, m[Bearbeiten]

Singular

Plural

Nominativ der Orkan

die Orkane

Genitiv des Orkans
des Orkanes

der Orkane

Dativ dem Orkan
dem Orkane

den Orkanen

Akkusativ den Orkan

die Orkane

Worttrennung:

Or·kan, Plural: Or·ka·ne

Aussprache:

IPA: [ɔʁˈkaːn]
Hörbeispiele:
Reime: -aːn

Bedeutungen:

[1] Meteorologie: (durch ein außertropisches Tiefdruckgebiet entstandener) Sturm der zwölften Stufe der Beaufort-Skala; äußerst heftiger Sturm

Herkunft:

Das Wort wurde in der 2. Hälfte[1] des 17. Jahrhunderts[1][2] aus gleichbedeutend[2] niederländischen orkaan → nl entlehnt,[1][2][3] das wie französisches ouragan → fr, italienisches uragano → it, englisches hurricane → en (vergleiche »Hurrikan«)[2] auf das spanische huracán → es[1][2][3]Wirbelsturm;[1][2] Hurrikan; Orkan‘[4] zurückgeht. Das Wort stammt letztlich aus dem Taíno,[1][2] einer westindischen Indianersprache,[2] in dem huracan → tnqschwerer Sturm‘ bedeutet, jedoch eigentlich den Namen eines Unwettergottes bezeichnet.[1] Auszugehen ist wohl von dem Maya-Wort hunrakan → mynEinbein‘, der Bezeichnung für das Sternbild des Großen Wagens (dessen Deichsel in dieser Gegend nach unten zeigt), da unter diesem Zeichen die Herbststürme auftreten.[1] Obwohl ein kultureller Austausch zwischen den Taíno und Maya, und somit eine Entlehnung aus der Maya-Sprache früher angezweifelt wurde,[5] spricht heute die frappierende Ähnlichkeit der Bezeichnungen sowie der Darstellung der damit bezeichneten Gottheit in beiden Kulturen dafür.[6]
Die Bezeichnung selbst ist im Deutschen älter, was Formen belegen, die der Entlehnung aus dem Niederländischen vorausgehen, wie Furacan, Furacanum (16. Jahrhundert) aus portugiesischem furacão → pt oder aus im frühen 16. Jahrhundert bezeugten spanischem furacan → es (vergleiche modernes asturisch furacán → ast[7]); Hurracan von der Hell (Name eines Sturmriesen im Amadisroman, Ende des 16. Jahrhunderts) aus spanischem huracán → es; Houraganes, Pl., (Ende des 16. Jahrhunderts), vereinzelt auch Ouragan (17. Jahrhundert) aus mittelfranzösischem houracan → frm und französischem ouragan → fr; Orocaan (17. Jahrhundert).[1]

Oberbegriffe:

[1] Sturm

Unterbegriffe:

[1] übertragen: Beifallsorkan

Beispiele:

[1] Das gesamte Dorf musste wegen eines Orkanes evakuiert werden.
[1] „Schon ſchmilzt der wuͤtende Orkan,
(Einſt zuͤchtigt’ er den Ozean
Mit raſſelndem Gegeiſſel)
In liſpelndes Geſaͤuſel.“[8]
[1] „Dann ſaß ich auf einer Bank in meinem Park, und ſah einem furchtbaren Orkane zu, der bald alle alten Bäume fern und nah entwurzelte, und ſie wie Reiſigbündel übereinander thürmte.“[9]
[1] „Dann bricht es und ſplittert es und dagegen kann kein Orkan oder Steinſchlag etwas, das iſt ein Geſchoß aus einer Kanone, eine Mine, die fliegt.“[10]
[1] „Der Orkan war vorübergezogen, der Himmel grau, und es regnete schwach.“[11]
[1] „Hier also gingen wir wegen eines gewaltigen Orkans oder Wirbelsturms, der uns in große Gefahr brachte, vor Anker.“[12]
[1] „Ein gelles, ungeheures Pfeifen wird im nächsten Augenblick anheben und durch ganz Rom gehen, ein Orkan von Hohn und Gelächter.“[13]
[1] „Und dann war ein Orkan wilder Wut über ihm zusammengeschlagen.“[14]
[1] „Sicherlich, es wäre nur ein kleiner Sieg gewesen, eine rasch verwehende Tat, morgen ausgelöscht im Orkan der Niederlage - aber er hätte genügt, hätte den Staatsstreich in ein für alle sichtbares Blutbad verwandelt und den Schein der ‚Ordnung‘ zerstört.“[15]
[1] „Wie Hagel auf ein Kornfeld drosch er auf sie ein, wie ein Orkan zerstäubte er das Geluder und ersäufte es in einer riesigen reinigenden Sintflut destillierten Wassers.“[16]
[1] „Wenn also die Männer der Französischen Revolution sagen, daß alle Macht beim Volk liegt, so verstehen sie unter Macht eine Art Naturkraft außerhalb des politischen Bereichs, deren ungeheure Gewalt erst durch die Revolution entbunden wird, um dann wie ein Orkan alle Institutionen des Ancien Régime wegzufegen.“[17]

Charakteristische Wortkombinationen:

[1] ein furchtbarer, tosender, verheerender Orkan; ein Orkan bricht los, tobt, lässt nach
[1] übertragen: ein Orkan der Begeisterung, der Entrüstung, des Beifalls

Wortbildungen:

Adjektive/Adverbien: orkanartig
Substantive: Orkanbö/Orkanböe, Orkanflut, Orkangeschwindigkeit, Orkanschaden, Orkanstärke, Orkantief, Orkanwarnung

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:

[1] Wikipedia-Artikel „Orkan
[1] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „Orkan
[*] canoo.net „Orkan
[*] Online-Wortschatz-Informationssystem Deutsch – elexiko „Orkan
[1] The Free Dictionary „Orkan
[1] Duden online „Orkan
[1] wissen.de – Wörterbuch „Orkan
[1] Wahrig Fremdwörterlexikon „Orkan“ auf wissen.de
[1] wissen.de – Lexikon „Orkan
[1] PONS – Deutsche Rechtschreibung „Orkan
[*] Uni Leipzig: Wortschatz-LexikonOrkan
[1] Renate Wahrig-Burfeind (Herausgeber): Wahrig, Fremdwörterlexikon. 4. Auflage. Bertelsmann Lexikon-Verlag, Gütersloh/München 2001, ISBN 978-3-577-10603-0, Stichwort »Orkan«, Seite 664.
[1] Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Das Fremdwörterbuch. In: Der Duden in zwölf Bänden. 9. Auflage. Band 5, Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2006, ISBN 978-3-411-04059-9, DNB 98178948X (CD-ROM-Ausgabe), Stichwort »Orkan«.
[1] Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Das große Fremdwörterbuch. Herkunft und Bedeutung der Fremdwörter. 4. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007, ISBN 978-3-411-04164-0, Stichwort »Orkan«, Seite 974.
[1] Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Die deutsche Rechtschreibung. In: Der Duden in zwölf Bänden. 25. Auflage. Band 1, Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2009, ISBN 978-3-411-04015-5 (CD-ROM-Ausgabe), Stichwort »Orkan«.
[1] Renate Wahrig-Burfeind: Brockhaus Wahrig Deutsches Wörterbuch. Mit einem Lexikon der Sprachlehre. In: Digitale Bibliothek. 9., vollständig neu bearbeitete und aktualisierte Auflage. wissenmedia in der inmedia ONE GmbH, Gütersloh/München 2012, ISBN 978-3-577-07595-4 (CD-ROM-Ausgabe), Stichwort »Orkan«.
[1] Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Deutsches Universalwörterbuch. Das umfassende Bedeutungswörterbuch der deutschen Gegenwartssprache. 8., überarbeitete und erweiterte Auflage. Dudenverlag, Berlin 2015, ISBN 978-3-411-05508-1, Stichwort »Orkan«, Seite 1303.

Quellen:

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 1,7 1,8 Wolfgang Pfeifer: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, digitalisierte und aufbereitete Ausgabe basierend auf der 2., im Akademie-Verlag 1993 erschienenen Auflage. Stichwort „Orkan“.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 2,6 2,7 Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Das Herkunftswörterbuch. Etymologie der deutschen Sprache. In: Der Duden in zwölf Bänden. neu bearbeitete 5. Auflage. Band 7, Dudenverlag, Berlin/Mannheim/Zürich 2013, ISBN 978-3-411-04075-9, Stichwort »Orkan«, Seite 607.
  3. 3,0 3,1 Friedrich Kluge, bearbeitet von Elmar Seebold: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 24., durchgesehene und erweiterte Auflage. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2001, ISBN 978-3-11-017473-1, DNB 965096742, Stichwort »Orkan«, Seite 671.
  4. Real Academia Española, Diccionario de la lengua española, 2001 „huracán
  5. Siehe C[laudius]. H[enricus]. de Goeje: Nouvel examen des langues des Antilles avec notes sur les langues arawak-maipure et caribes et vocabulaires shebayo et guyana (Guyane). Société des Américanistes, Paris 1939, Seite 12.
  6. Martin Brennan: The Hidden Maya. A New Understanding of Maya Glyphs. Bear & Company Publishing, Santa Fe (New Mexico) 1998, ISBN 1-879181-24-X, Seite 126 (Zitiert nach Google Books).
  7. Diccionariu de la Llingua Asturiana (DALLA): „furacan
  8. Friedrich Schiller: Der Triumf der Liebe, eine Hymne. In: Anthologie auf das Jahr 1782. 1. Auflage. J. B. Metzler, Stuttgart 1782, Seite 60 (Zitiert nach Deutsches Textarchiv).
  9. [Hermann von Pückler-Muskau]: Briefe eines Verſtorbenen. Ein fragmentariſches Tagebuch aus Deutſchland, Holland und England, geſchrieben in den Jahren 1826, 1827 und 1828. Dritter Theil, Hallberger’ſche, vormals Franckh’ſche Verlagshandlung, Stuttgart 1831, Seite 381 (Zitiert nach Deutsches Textarchiv).
  10. Alfred Döblin: Berlin Alexanderplatz. S. Fischer Verlag, Berlin 1930, Seite 402 (Zitiert nach Google Books; Erstveröffentlichung 1929).
  11. Johannes Mario Simmel: Der Stoff, aus dem die Träume sind. Roman. Droemer Knaur, München/Zürich 1971, ISBN 3-426-08998-X, Seite 367.
  12. Daniel Defoe: Das Leben, die Abenteuer und die Piratenzüge des berühmten Kapitän Singleton. Verlag Neues Leben, Berlin 1985 (Originaltitel: The life, adventures, and piracies of the famous Captain Singleton, übersetzt von Lore Krüger aus dem Englischen), Seite 181 (Englische Erstveröffentlichung 1720).
  13. Lion Feuchtwanger: Die Söhne. Roman. Querido-Verlag, Amsterdam 1935, Seite 539 (Zitiert nach Google Books).
  14. Willi Bredel: Die Väter. 4. Auflage. Aufbau-Verlag, Berlin/Weimar 1967, Seite 414 (Zitiert nach Google Books; Erstveröffentlichung im Verlag für Fremdsprachige Literatur, Moskau 1941).
  15. Alfred Andersch: Die Kirschen der Freiheit. Ein Bericht. Unveränderte Neuausgabe, 1.–6. Tausend, Diogenes Verlag, Zürich 1971 (Diogenes-Taschenbuch ; 1), Seite 35 (Erstveröffentlichung in der Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 1952).
  16. Patrick Süskind: Das Parfum. Die Geschichte eines Mörders. Diogenes, Zürich 1985, ISBN 3-257-01678-6, Seite 159.
  17. Hannah Arendt: Über die Revolution. Piper ebooks, München 2017 (Originaltitel: On Revolution, übersetzt von der Verfasserin selbst aus dem Englischen), ISBN 978-3-492-96445-6, Seite ‹ohne Seitenangabe› (E-Book; zitiert nach Google Books; Amerikanische Originalausgabe bei The Viking Press, New York 1963).

Ähnliche Wörter (Deutsch):

ähnlich geschrieben und/oder ausgesprochen:
Levenshtein-Abstand von 1: Organ
Levenshtein-Abstand von 2: Oktan