Bahre

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Bahre (Deutsch)[Bearbeiten]

Substantiv, f[Bearbeiten]

Kasus Singular Plural
Nominativ die Bahre die Bahren
Genitiv der Bahre der Bahren
Dativ der Bahre den Bahren
Akkusativ die Bahre die Bahren
[1] Soldaten transportieren einen Verwundeten auf einer Bahre
[2] eine hölzerne Bahre

Anmerkung:

[1] Das Wort »Bahre« ist im Empfinden vieler Menschen eindeutig mit dem Tod assoziiert, sodass als Bezeichnung für ein Gerät zum Transport Kranker oder Verletzter auf die Synonyme »Trage« oder »Traggestell« ausgewichen werden sollte.[1]

Worttrennung:

Bah·re, Plural: Bah·ren

Aussprache:

IPA: [ˈbaːʀə], Plural: [ˈbaːʀən]
Hörbeispiele: —, Plural:
Reime: -aːʀə

Bedeutungen:

[1] einer leicht zusammenlegbaren und transportablen einfachen Liege ähnelndes Gestell, mit dem kranke, verletzte oder tote Personen transportiert werden
[2] für die Trauerfeier vorgesehenes Gestell, auf dem, während dieser, der (zumeist eingesargte) Leichnam liegt

Herkunft:

Bei dem Wort handelt es sich um ein seit dem 8.[2][3]/9.[3] Jahrhundert bezeugtes Erbwort, dessen althochdeutsche Form bāra → goh[2][3][4] lautete (vergleiche altsächsisch bāra → osx[2][3]) und im Mittelhochdeutschen die Form bāre → gmh[2][3][4] ‚Bahre, Sänfte[3] (vergleiche mittelniederdeutsch bāre → gml[3], mittelniederländisch bāre → dum[3]) ergab. All diese Formen entstammen der (nicht belegten aber rekonstruierten) westgermanischen[2][4] Form *bǣrō f ‚Bahre‘[2], die ebenfalls Ursprung der über das westaltsächsische bǣr → osx[3] hervorgegangenen altenglischen Formen bǣr → ang[2] und bēr → ang[3] sowie der altfriesischen bere → ofs[2] ist. Diese Formen sind dehnstufige Instrumentalbildungen[2] und schließen sich an ein im althochdeutschen beran → goh[3][4]tragen[4], im mittelhochdeutschen bern → gmhFrucht tragen, gebären[3] vorliegendes, und im Neuhochdeutschen untergegangenes[4], (nicht belegtes aber rekonstruiertes) gemeingermanisches Verb[3][4] *ber-a- ‚tragen‘[2] an (siehe »entbehren«[3], »gebären«[2][3][4]). Der (ebenfalls erschlossene) germanische Verbalstamm *ber- lässt sich wiederum zusammen mit altindisch [[|]] (bhárati) → saträgt‘, lateinisch ferre → la sowie feretrum → la n ‚Bahre‘, altgriechisch φέρειν (phérein) → grc sowie φέρετρον (phéretron) → grc n ‚Bahre‘, altslawisch бьрати (bьrati) → cusammeln, wählen‘ und russisch брать (ISO 9: bratʹ) → runehmen‘ auf die (nicht belegte aber rekonstruierte) indoeuropäische Wurzel *bher(ə)- ‚tragen, bringen‘ zurückführen[3]. Aus dem Germanischen wurden ebenfalls französisches bière → fr und italienisches bara → it, beide ‚Bahre‘, entlehnt[3].
Das Wort bedeutet also eigentlich ‚das, womit getragen wird[2]; Trage[4]. Im älteren Neuhochdeutschen kommt häufig die einsilbige Form bar (15./16. Jahrhundert), Baar, Bahr (16./17. Jahrhundert) vor[3].

Synonyme:

[1] Tragbahre, Trage, Traggestell
[2] Totenbahre

Sinnverwandte Wörter:

[2] Katafalk, Paradebett

Gegenwörter:

[1, 2] Bett

Oberbegriffe:

[1, 2] Gestell

Unterbegriffe:

[1] Feldbahre, Krankenbahre, Leichenbahre, Tragbahre, Transportbahre
[2] Totenbahre

Beispiele:

[1] Er wurde auf einer Bahre ins Krankenhaus gebracht, da er nicht gut laufen konnte.
[1] „Der Priester mit der Monstranz geht vorüber, eine schreit von ihrer Bahre auf: »Ich bin gesund!« Hat weiterhin Knochentuberkulose ohne Veränderung.“[5]
[1] „Erstens weit und breit kein Arzt zur Stelle, und den Sanitäter mußte man auch erst suchen, keine Bahre, auf die man einen Verwundeten legen konnte.“[6]
[1] „Auf einer Bahre liegt ein Mann in den Vierzigern, seine Gesichtszüge sind verzerrt, er atmet mit Mühe. Er hat einen Darmdurchbruch und wartet seit drei Tagen in der Hitze auf seine Operation.“[7]
[1] „Auf dem Weg ins Waidspital, angeschnallt auf der Bahre, beklagt er sich über die Fahrweise von Markus Reutemann, der am Steuer des Rettungswagens sitzt: «Muss das so holpern?», fragt er wiederholt, worauf ihm Andrea Müller im Fond des Wagens geduldig versichert, ihr Kollege fahre ganz anständig.“[8]
[1] „Wir befördern die Verwundeten auf Bahren und laufen los, um sie auf dem Pritschenwagen unterzubringen.“[9]
[1] „Der Sieger erhielt im Anschluss einen Ölzweig und einen Geldbetrag, während der Unterlegene auf einer mit Tüchern behängten Bahre aus der Arena getragen und bestatten wurde.“[10]
[1] „Im Hintergrund wird der ebenfalls getötete Vater der Kleinen auf einer Bahre getragen.“[11]
[2] „Keinen Pfaffen hört’ man singen,
Keine Glocke klagte schwer;
Hinter deiner Bahre gingen
Nur dein Hund und dein Friseur.“[12]
[2] „Blaß und auf immer stumm, auf immer! liegst du
Hingestreckt, o Geliebte, auf der Bahre![13]
[2] „Fünf Tage lang lag die Leiche auf dem Paradebett, und etwa 300 000 Männer und Frauen defilierten an der Bahre vorbei, während die Straßen vom Grand Corrido de Leon Trotzky von einer Volksballade widerhallten, die ein anonymer Barde verfaßt hatte.“[14]
[2] „Je näher die Bahre, desto höher das Bare.“[15]
[2] „Barack Obama konnte die Tränen nicht zurückhalten. So wie jeder, der sich vorstellt, an der Bahre sechsjähriger Kinder zu stehen, die von einem Geistesgestörten mit Kriegswaffen niedergemetzelt wurden.“[16]

Redewendungen:

[2] von der Wiege bis zur Bahre

Charakteristische Wortkombinationen:

[1] auf einer Bahre liegen; eine Bahre herbeischaffen; jemanden auf eine Bahre legen; jemanden auf einer Bahre wegtragen
[2] auf einer Bahre liegen; vor der Bahre des Toten niederstürzen

Wortbildungen:

[2] aufbahren, Bahrtuch


Übersetzungen[Bearbeiten]

? Referenzen und weiterführende Informationen:

[1, 2] Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Hrsg.): Duden, Das große Wörterbuch der deutschen Sprache. In zehn Bänden. 3., völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage. 1. Band A–Bedi, Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 1999, ISBN 3-411-04743-7, DNB 96540756X, Seite 445.
[1, 2] Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Hrsg.): Duden, Deutsches Universalwörterbuch. 6. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007, ISBN 978-3-411-05506-7, Seite 241.
[1] Renate Wahrig-Burfeind: Brockhaus Wahrig Deutsches Wörterbuch. Mit einem Lexikon der Sprachlehre. In: Digitale Bibliothek. 9., vollständig neu bearbeitete und aktualisierte Auflage. wissenmedia in der inmedia ONE GmbH, Gütersloh/München 2012, ISBN 978-3-577-07595-4 (CD-ROM-Ausgabe), Stichwort »Bahre«.
[1, 2] Duden online „Bahre
[1, 2] wissen.de – Wörterbuch „Bahre
[1] Wikipedia-Artikel „Bahre
[1, 2] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „Bahre
[1] The Free Dictionary „Bahre
[*] canoo.net „Bahre
[*] Uni Leipzig: Wortschatz-LexikonBahre
[*] Online-Wortschatz-Informationssystem Deutsch „Bahre
[1, 2] Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart „Bahre
[1] Krünitz: Oeconomische Encyclopädie „Bahre
[1, 2] Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm „Bahre
[1, 2] Pierer’s Universal-Lexikon „Bahre

Quellen:

  1. Vergleiche Dudenredaktion: Duden, Das Synonymwörterbuch. Ein Wörterbuch sinnverwandter Wörter. In: Der Duden in zwölf Bänden. 3., vollständig neu erarbeitete Auflage. Band 8, Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2004, ISBN 3-411-04083-1 (CD-ROM), Stichwort »Bahre«.
  2. 2,00 2,01 2,02 2,03 2,04 2,05 2,06 2,07 2,08 2,09 2,10 2,11 Friedrich Kluge, bearbeitet von Elmar Seebold: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 24., durchgesehene und erweiterte Auflage. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2001, ISBN 978-3-11-017473-1, DNB 965096742, Seite 83.
  3. 3,00 3,01 3,02 3,03 3,04 3,05 3,06 3,07 3,08 3,09 3,10 3,11 3,12 3,13 3,14 3,15 3,16 3,17 Wolfgang Pfeifer: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, digitalisierte und aufbereitete Ausgabe basierend auf der 2., im Akademie-Verlag 1993 erschienenen Auflage. Stichwort „Bahre“.
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 4,4 4,5 4,6 4,7 4,8 Dudenredaktion (Hrsg.): Duden, Das Herkunftswörterbuch. Etymologie der deutschen Sprache. In: Der Duden in zwölf Bänden. 4. Auflage. Band 7, Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2006, ISBN 978-3-411-04074-2, Seite 65.
  5. Franz Kafka; Max Brod (Hrsg.): Gesammelte Werke. Taschenbuchausgabe in sieben Bänden. 7. Band: Tagebücher 1910–1923. Ungekürzte Ausgabe, Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1976, ISBN 3-436-02351-5 (Lizenzausgabe des S. Fischer Verlags, Frankfurt am Main, zitiert nach Franz Kafka: Tagebücher 1910-1923. In: Projekt Gutenberg-DE. (URL).).
  6. Stefan Heym; Peter Mallwitz (Hrsg.): Reden an den Feind. Ungekürzte Ausgabe, Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 1988, ISBN 3-596-29250-6, Seite 112 (Lizenzausgausgabe des Bertelsmann-Verlags, München 1986, zitiert nach Google Books).
  7. Florence Beaugé: Elend und Selbsthilfe im Mama-Yemo-Krankenhaus von Kinshasa. In: Le Monde diplomatique Online. Deutschsprachige Ausgabe. Nummer 5103, 13. Dezember 1996 (übersetzt von Eveline Passet), ISSN 1434-2561, Seite 8–9 (URL, abgerufen am 3. August 2013).
  8. Marcel Gyr: Vom Leben, vom Tod und von zu vielen Promillen. Nachts im Einsatz mit den Zürcher Rettungssanitätern. In: NZZOnline. 22. Juni 2009, ISSN 0376-6829 (URL, abgerufen am 3. August 2013).
  9. Jo Wilding: Augenzeugenbericht aus dem Irak: In der Schusslinie. In: sueddeutsche.de. 17. Mai 2010, ISSN 0174-4917 (URL, abgerufen am 3. August 2013).
  10. Arne Dettmann: Römische Gladiatorenschule nahe Wien entdeckt. In: Cóndor Online. 7. Oktober 2011 (URL, abgerufen am 3. August 2013).
  11. Foto für „Dagens Nyheter“: Bild toter Kinder im Gaza-Streifen ist Pressefoto des Jahres. In: GrenzEcho Online. 15. Februar 2013 (URL, abgerufen am 3. August 2013).
  12. Heinrich Heine: Pomare. In: Derselbe (Hrsg.): Romanzero. Hoffmann und Campe, Hamburg 1851, Seite 38 (Zitiert nach Wikisource-Quellentext „Pomare“).
  13. Nicolaus Lenau: An der Bahre der Geliebten. In: Derselbe (Hrsg.): Gedichte. Erster Band, J. G. Cotta’scher Verlag, Stuttgart und Augsburg 1858, Seite 124 (Zitiert nach Google Books).
  14. Isaac Deutscher: Trotzki. 3. Band: Der verstoßene Prophet, 1929-1940. 2. Auflage. W. Kohlhammer, Stuttgart/Berlin/Köln/Mainz 1972 (Originaltitel: Trotzky: The Prophet Outcast, übersetzt von Harry Maòr), ISBN 3-17-232201-7, Seite 469 (Zitiert nach Google Books).
    Im Originalsatz ist die Wortgruppe »Grand Corrido de Leon Trotzky« kursiv gesetzt.
  15. Höhere Privatpension für dicke Raucher. In: DiePresse.com. 10. August 2009 (URL, abgerufen am 3. August 2013).
  16. Hans Rauscher: Bürgerbewegung gegen die Waffenverrücktheit. Schusswaffen sind Teil der amerikanischen Psyche und Folklore. In: Der Standard digital. 18. Dezember 2012 (URL, abgerufen am 3. August 2013).

Ähnliche Wörter:

bare, fahre, paare, Paare, wahre