Geheimpolizei

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Geheimpolizei (Deutsch)[Bearbeiten]

Substantiv, f[Bearbeiten]

Singular

Plural

Nominativ die Geheimpolizei

die Geheimpolizeien

Genitiv der Geheimpolizei

der Geheimpolizeien

Dativ der Geheimpolizei

den Geheimpolizeien

Akkusativ die Geheimpolizei

die Geheimpolizeien

Anmerkung zur Pluralform:

Laut Brockhaus Wahrig ist die Pluralform „selten“[1].

Worttrennung:

Ge·heim·po·li·zei, Plural: Ge·heim·po·li·zei·en

Aussprache:

IPA: [ɡəˈhaɪ̯mpoliˌt͡saɪ̯]
Hörbeispiele: Lautsprecherbild Geheimpolizei (Info)

Bedeutungen:

[1] (vor allem in totalitären Staaten zur Wahrung des herrschenden Regimes und zur Unterdrückung politisch Andersdenkender) geheim operierende Verwaltungseinheit der Polizei mit besonderen Vollmachten zur Verfolgung und Bekämpfung aller staatsfeindlicher Bestrebungen, die nicht der regulären Polizeiverwaltung untersteht und zumeist auch geheim- und nachrichtendienstliche Aufgaben besonders im In- aber bisweilen auch im Ausland übernehmen kann, deren Mitarbeiter zumeist in Zivil agieren und die sich besonders repressiver Methoden von (physischer und psychischer) Gewalt – wie Einschüchterungen, Folter, gezielte Liquidierungen, Mordanschläge, Zersetzung und dergleichen – bedient

Herkunft:

Determinativkompositum aus dem Adjektiv geheim und dem Substantiv Polizei

Oberbegriffe:

[1] Polizei
[1] politische Polizei, Staatspolizei

Unterbegriffe:

  • alle gegenwärtig:
[1] Weißrussland: KDB
[1] für Weitere siehe Englischer Wikipedia-Artikel „List of secret police organizations
[1] Deutschland: Gestapo, Stasi
[1] Italien: OVRA
[1] Jugoslawien: UBDA
[1] Polen: SB
[1] Portugal: PIDE
[1] Rumänien: Securitate
[1] russisches Kaiserreich/zaristisches Russland: Ochrana
[1] Sowjetrussland: Tscheka
[1] Sowjetunion: GPU
[1] Tschechoslowakei: StB/ŠtB
[1] für Weitere siehe Englischer Wikipedia-Artikel „List of historical secret police organizations

Beispiele:

[1] „Er führte mich ins Büro der Geheimpolizei.[2]
[1] „Die Stasi war dabei, aber auch der BND und der Verfassungsschutz, der legendäre israelische Mossad, der französische Geheimdienst, MI 5 und MI 6 in London, der amerikanische Secret Service, die Geheimpolizeien von Ungarn und Rumänien, von Syrien, Irak, Jemen, der PLO.“[3]
[1] „Es gehört jedoch zu den auftragsgemäßen Fertigkeiten von Geheimdiensten und Geheimpolizeien, ihre Tätigkeit kunstvoll zu verdunkeln.“[4]
[1] „Für jeden Syrer signalisiert ein Kombi mit abgedunkelten Scheiben »Mukhabarat« – die Geheimpolizei, die Telefonate abhört und Oppositionelle verfolgt, einsperrt und foltert.“[5]
[1] „Die Shabiha haben Waffen und hören auf Offiziere der Geheimpolizei.[6]
[1] „Nadschibullah war erst 1986 ins Amt gekommen, davor hatte er jahrelang die straff durchorganisierte Geheimpolizei KHAD geleitet.“[7]
[1] „Sie reihen sich ein in eine ganze Liste von Schritten, direkt zurück zum Autoritarismus der Mubarak-Ära: Polizeibrutalität, juristische Schnellverfahren vor Militärgerichten, Verlängerung der Notstandsgesetze um weitere zwei Monate, Änderungen in der Verfassung, die die Rückkehr alter Kader und die Rehabilitation der Geheimpolizei ermöglichen sollen.“[8]
[1] „Der Savak, die Geheimpolizei des Schahs, hatte Goli über die Ansichten der jungen Lehrerin und vor allem über die ihres Mannes Bijan, ihrer Freunde und Bekannten informiert und verlangte einen monatlichen Bericht sowie regelmäßige Verwarnungen.“[9]

Charakteristische Wortkombinationen:

[1] politische Geheimpolizei; von der Geheimpolizei überwacht, verhört werden

Wortbildungen:

[1] geheimpolizeilich, Geheimpolizist (→ Geheimpolizistin)

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:
[1] Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Das große Wörterbuch der deutschen Sprache. In zehn Bänden. 3., völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage. 3. Band Einl–Geld, Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 1999, ISBN 3-411-04763-1, DNB 965408124, Seite 1423.
[1] Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Deutsches Universalwörterbuch. 6. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007, ISBN 978-3-411-05506-7, Seite 657.
[1] Renate Wahrig-Burfeind: Brockhaus Wahrig Deutsches Wörterbuch. Mit einem Lexikon der Sprachlehre. In: Digitale Bibliothek. 9., vollständig neu bearbeitete und aktualisierte Auflage. wissenmedia in der inmedia ONE GmbH, Gütersloh/München 2012, ISBN 978-3-577-07595-4 (CD-ROM-Ausgabe), Stichwort »Geheimpolizei«.
[1] Duden online „Geheimpolizei
[1] wissen.de – Wörterbuch „Geheimpolizei
[1] Wikipedia-Artikel „Geheimpolizei
[1] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „Geheimpolizei
[1] The Free Dictionary „Geheimpolizei
[*] canoonet „Geheimpolizei
[*] Uni Leipzig: Wortschatz-PortalGeheimpolizei
[*] Online-Wortschatz-Informationssystem Deutsch – elexiko „Geheimpolizei

Quellen:

  1. Renate Wahrig-Burfeind: Brockhaus Wahrig Deutsches Wörterbuch. Mit einem Lexikon der Sprachlehre. In: Digitale Bibliothek. 9., vollständig neu bearbeitete und aktualisierte Auflage. wissenmedia in der inmedia ONE GmbH, Gütersloh/München 2012, ISBN 978-3-577-07595-4 (CD-ROM-Ausgabe), Stichwort »Geheimpolizei«.
  2. Siegfried Lenz: Zeit der Schuldlosen. Verlag Hans Bredow-Institut, Hamburg 1961, Seite 81.
  3. Gleich zum Auftakt des Prozesses gegen „Topterrorist“ Weinrich die Aussetzung beantragt. In: Nürnberger Nachrichten. 29. Februar 1996, Seite 7.
  4. Abgeordneter Dr. Hahnemann (PDS): Thüringer Gesetz zur Änderung des Polizei- und Sicherheitsrechts. Gesetzentwurf der Landesregierung - Drucksache 3/2128 - Erste Beratung. In: Thüringer Landtag. 3. Wahlperiode, 55. Sitzung, Plenarprotokoll 3/55. 24. Januar 2002, Seite 4666 (URL: PDF 1,3 MB, abgerufen am 7. Dezember 2014).
  5. Blogger in Syrien: Das Facebook-Verbrechen. In: zenith – Zeitschrift für den Orient. Onlineausgabe. 8. Juli 2011, ISSN 1439-9660 (URL, abgerufen am 7. Dezember 2014).
  6. Muhammad A. (Interviewter): Interview zur Gewalt in Damaskus, Homs und Hama: »Wir Syrer wissen, wer die Shabiha des Assad-Regimes sind«. In: zenith – Zeitschrift für den Orient. Onlineausgabe. 25. August 2011, ISSN 1439-9660 (URL, abgerufen am 7. Dezember 2014).
  7. Christian Parenti: Wer war Nadschibullah? Die sowjetische Invasion und die Irrtümer der afghanischen Kommunisten. In: Le Monde diplomatique Online. Deutschsprachige Ausgabe. Nummer 9875, 10. August 2012 (übersetzt von Edgar Peinelt), ISSN 1434-2561 (URL, abgerufen am 7. Dezember 2014).
  8. Benjamin Moscovici: Ägypten und die Herrschaft der Armee: Orwell am Nil. In: zenith – Zeitschrift für den Orient. Onlineausgabe. Nummer 4/13, 17. September 2013, ISSN 1439-9660 (URL, abgerufen am 7. Dezember 2014).
  9. Marmar Kabir: Marjane und Herr Alipur. Iranische Geschichten von der ganz normalen Überwachung. In: Le Monde diplomatique Online. Deutschsprachige Ausgabe. Nummer 10511, 12. September 2014 (übersetzt von Claudia Steinitz), ISSN 1434-2561 (URL, abgerufen am 7. Dezember 2014).
  10. Mundartnahe Umschrift nach El-Said Badawi, Martin Hinds: A Dictionary of Egyptian Arabic. Arabic-English. Librairie du Liban, Beirut 1986, Stichwort »قسم‎«, Seite 699.