Zivil

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Zivil (Deutsch)[Bearbeiten]

Substantiv, n[Bearbeiten]

Singular

Plural

Nominativ das Zivil

Genitiv des Zivils

Dativ dem Zivil

Akkusativ das Zivil

Nicht mehr gültige Schreibweisen:
Civil

Worttrennung:
Zi·vil

Aussprache:
IPA: standardsprachlich (Deutschland, Österreich): [t͡siˈviːl][1][2][3]
standardsprachlich (Schweiz): [t͡siˈfiːl] ~ [t͡siˈviːl][4]
Hörbeispiele:
Reime: -iːl

Bedeutungen:
[1] selten: Bereich der Gesellschaft, des Lebens beziehungsweise Teil der Bevölkerung, der nicht zum Militär gehört
[2] im Privat- beziehungsweise Zivilleben getragene Kleidung; bürgerliche (zivile), nicht dienstliche Kleidung
[3] schweizerisch: rechtlicher Status einer Person in Bezug darauf, ob sie ledig, verheiratet, verwitwet oder geschieden ist

Herkunft:
Die erste Bedeutung des Wortes, die wohl nach dem gleichbedeutenden französischen Ausdruck (tenue) civile → fr[5][6][7][8] lehngebildet wurde, ist seit Anfang des 18. Jahrhunderts[9], zunächst in der Form Civil[9], bezeugt. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts[9] wurde die zweite Bedeutung aus dem französischen civil → fr[10] übernommen (vergleiche »Räuberzivil«[9]).

Synonyme:
[2] Zivilkleidung
[2] umgangssprachlich[11]: Zivilbrocken, Zivilgelump, Zivilpelle
[3] Personenstand
[3] Deutschland, Österreich[12]: Familienstand; Kurzwort: Stand
[3] Belgien[13], Luxemburg[13], Schweiz[13] amtssprachlich[14]: Zivilstand

Sinnverwandte Wörter:
[1] Zivilleben; Zivilbevölkerung

Gegenwörter:
[1] Militär
[2] Arbeitskleidung, Dienstkleidung, Uniform
[2] umgangssprachlich: Kluft
[2] veraltend[5][6][8] bis veraltet[7]: Montur

Oberbegriffe:
[2] Kleidung

Unterbegriffe:
[2] Räuberzivil

Beispiele:
[1] „Links die Herren Offiziere waren, wie Diederich feststellte, durch ihre ins Blut übergegangen Disziplin befähigt, sich und ihre Damen ohne fremde Hilfe einzurichten; alle Strenge der polizeilichen Überwachung war nach rechts verlegt, wo das Zivil sich um die Sitze balgte.“[15]
[1] „Auf der Offizierstribüne litt selbstverständlich die Haltung nicht im geringsten, beim Zivil machte sich immerhin eine gewisse Unruhe bemerklich.“[16]
[1] „Manche spielen mit, manche grinsen darüber oder zucken die Achseln; man spielt ja auch, denkt der laufende Mann, mit ihnen Heer im Kriege, während sie doch nur noch verhaftetes Zivil sind, beschlagnahmtes Volk, zu Kriegsdiensten gepreßt von den herrschenden Klassen, den Fürsten, Fabrikherren, Beamten, Berufsoffizieren, Junkern, Bankleuten, Oberlehrern, Pastoren, Zeitungsschreibern und ihren Weibern, ihrem Anhang.“[17]
[1] „Gerade fuhr ein Zug, besetzt mit deutschen Soldaten, ein. Kein Platz für Zivil.[18]
[1] „Nach dem Willen des Führers und der Partei war das Volk vollständig nach militaristischen Grundsätzen organisiert, es wurde gewissermaßen im Ganzen aus dem verachteten Stand des Zivils zum Soldatischen befördert.“[19]
[1] „In Zivil war er Fotograf.“[20]
[1] „Aber ein Artilleriebeschuss auf Gaza wäre inakzeptabel, weil dabei vor allem das Zivil Gazas getroffen würde.“[21]
[2] „Ich hatte am folgenden Nachmittag keinen Dienst und zog mir Zivil an, um bei dem schönen Wetter etwas spazieren zu gehen.“[22]
[2] „Bei unserem Polizeirevier holte ich einen Kriminalbeamten in Zivil ab, dessen Aufgabe es war, Brummers Heimkehr zu sichern.“[23]
[2] „Ständig klappten die Türen, immer kamen und gingen Beamte in Zivil, in Uniform.“[24]
[2] „Die gleißenden Uniformen des Vergnügens und die Schultern und Schenkel und überirdischen Gesichter: der eine Uhrenschlag hatte sie alle gefressen, jetzt eilten sie, unterschiedslos, in hartem Zivil, auseinander.“[25]
[2] „Und selbst ein Soldat, der den ganzen Grundwehrdienst von 15 Monaten abgeleistet hat, muß, wenn er denn hernach vor seiner ersten Einberufung zu einer Wehrübung als Verweigerer anerkannt wird, noch fünf Monate in Zivil nachdienen, damit er die ‚lästige Alternative‘ erfüllt.“[26]
[2] „Der Arzt kam schnell, ein hochgewachsener und gutaussehender Mittvierziger; er maß ebenfalls den Blutdruck, hörte das Herz ab, gab mir ein Medikament (nachdem er das von mir mitgeführte als »wahrscheinlich schon zu alt« abgewiesen hatte), verordnete Ruhe und setzte sich danach an den für ihn neu gedeckten Frühstückstisch zu fröhlicher Unterhaltung mit dem Hausherrn (der jetzt ein abgenutztes Zivil trug) und der Pani Helena.“[27]
[2] „Nur die Machtfaktoren sind umgewichtet; statt des (Räuber-) Zivils der korrupten Oligarchen bestimmen die Uniformen das Bild.“[28]
[2] „Mittlerweile gab es kaum noch gesunde junge Männer, die nicht in Uniform herumliefen, so daß ich jetzt erst recht auffiel, weil ich Zivil trug, was mich um so befangener machte.“[29]
[3] Beim Verhör hatten sie ihr Zivil anzugeben.
[3] Nach ihrem Zivil befragt, hob sie – genervten Blickes – die Hand vor das Gesicht ihres Visavis und streckte den beringten Ringfinger heraus ohne ein Wort zu verlieren.

Redewendungen:
[2] aussehen wie das Leiden Christi in Zivil
[2] in Zivil umsteigen
[2] Leiche in Zivil
[2] Sekt in Zivil

Charakteristische Wortkombinationen:
[1] bei/seltener auch: beim, in/seltener auch: im Zivil
[2] Zivil anlegen, anziehen, tragen; in Zivil: in Zivil sein, jemanden (einen Polizisten, Soldaten oder dergleichen) in Zivil antreffen
[3] jemanden nach seinem Zivil befragen; sein Zivil angeben

Wortbildungen:
[1] Zivilangehöriger, Zivilbaumeister, Zivilgebäude, Zivilingenieur, Zivilperson, Zivilrecht
[2] Zivilanzug, Zivilkleid
[1, 3] Zivilrecht, Zivilstandsamt, Zivilstandsregister

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:
[1–3] Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Das große Wörterbuch der deutschen Sprache. In zehn Bänden. 3., völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage. 10. Band Vide–Zz, Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 1999, ISBN 3-411-04833-6, DNB 965409295, Seite 4644.
[1–3] Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Deutsches Universalwörterbuch. 6. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007, ISBN 978-3-411-05506-7, Seite 1982.
[1–3] Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Das große Fremdwörterbuch. Herkunft und Bedeutung der Fremdwörter. 4. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007, ISBN 978-3-411-04164-0, Seite 1443.
[2] Renate Wahrig-Burfeind (Herausgeber): Wahrig, Fremdwörterlexikon. 4. Auflage. Bertelsmann Lexikon-Verlag, Gütersloh/München 2001, ISBN 978-3-577-10603-0, Seite 1012.
[2] Renate Wahrig-Burfeind: Brockhaus Wahrig Deutsches Wörterbuch. Mit einem Lexikon der Sprachlehre. In: Digitale Bibliothek. 9., vollständig neu bearbeitete und aktualisierte Auflage. wissenmedia in der inmedia ONE GmbH, Gütersloh/München 2012, ISBN 978-3-577-07595-4 (CD-ROM-Ausgabe), Stichwort »Zivil«.
[1–3] Duden online „Zivil
[2, 3] wissen.de – Wörterbuch „Zivil
[2] Wahrig Fremdwörterlexikon „Zivil“ auf wissen.de
[2] wissen.de – Lexikon „Zivil
[1–3] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „Zivil
[1–3] The Free Dictionary „Zivil
[*] canoonet „Zivil
[*] Uni Leipzig: Wortschatz-LexikonZivil
[*] Online-Wortschatz-Informationssystem Deutsch – elexiko „Zivil
[1, 2] Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. 16 Bände in 32 Teilbänden. Leipzig 1854–1961 „Zivil

Quellen:

  1. Vergleiche Max Mangold und Dudenredaktion: Duden Aussprachewörterbuch. In: Der Duden in zwölf Bänden. 6. Auflage. Band 6, Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2005, ISBN 978-3-411-04066-7, DNB 975190849, Stichwort »zivil, Z…«, Seite 853.
  2. Vergleiche Eva-Maria Krech, Eberhard Stock, Ursula Hirschfeld, Lutz Christian Anders et al.: Deutsches Aussprachewörterbuch. Mit Beiträgen von Walter Haas, Ingrid Hove, Peter Wiesinger. 1. Auflage. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2009, ISBN 978-3-11-018202-6, DNB 999593021, Stichwort »zivil«, Seite 1071.
  3. ÖBV im Auftrag des Bundesministeriums für Unterricht und Kulturelle Angelegenheiten (Herausgeber): Österreichisches Wörterbuch. Neubearbeitung auf der Grundlage des amtlichen Regelwerks. Schulausgabe – 38. neubearbeitete Auflage. ÖBV, Pädag. Verl., Wien 1997, ISBN 3-215-07910-0 (Bearbeitung: Otto Back et al.; Red.: Herbert Fussy)
  4. Vergleiche Kurt Meyer: Wie sagt man in der Schweiz? Wörterbuch der schweizerischen Besonderheiten. Dudenverlag, Mannheim/Wien/Zürich 1989, ISBN 3-411-04131-5, DNB 891057218, Stichwort »zivil«, Seite 334.
  5. 5,0 5,1 Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Das große Wörterbuch der deutschen Sprache. In zehn Bänden. 3., völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage. 10. Band Vide–Zz, Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 1999, ISBN 3-411-04833-6, DNB 965409295, Seite 4644.
  6. 6,0 6,1 Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Deutsches Universalwörterbuch. 6. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007, ISBN 978-3-411-05506-7, Seite 1982.
  7. 7,0 7,1 Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Das große Fremdwörterbuch. Herkunft und Bedeutung der Fremdwörter. 4. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007, ISBN 978-3-411-04164-0, Seite 1443.
  8. 8,0 8,1 Duden online „Zivil
  9. 9,0 9,1 9,2 9,3 Wolfgang Pfeifer: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, digitalisierte und aufbereitete Ausgabe basierend auf der 2., im Akademie-Verlag 1993 erschienenen Auflage. Stichwort „Zivil“.
  10. Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. 16 Bände in 32 Teilbänden. Leipzig 1854–1961 „Zivil
  11. 11,0 11,1 Alle nach Heinz Küpper: Illustriertes Lexikon der deutschen Umgangssprache. In 8 Bänden. Klett, Stuttgart 1982–1984, DNB 550923802 und/oder Heinz Küpper: Wörterbuch der deutschen Umgangssprache. In: Digitale Bibliothek. 1. Auflage. 36, Directmedia Publishing, Berlin 2006, ISBN 3-89853-436-7.
  12. Ulrich Ammon et al. (Herausgeber): Variantenwörterbuch des Deutschen. Die Standardsprache in Österreich, der Schweiz und Deutschland sowie in Liechtenstein, Luxemburg, Ostbelgien und Südtirol. 1. Auflage. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2004, ISBN 978-3-11-016574-6, DNB 972128115, Seite 231.
  13. 13,0 13,1 13,2 Ebenda, Seite 894.
  14. Kurt Meyer: Wie sagt man in der Schweiz? Wörterbuch der schweizerischen Besonderheiten. Dudenverlag, Mannheim/Wien/Zürich 1989, ISBN 3-411-04131-5, DNB 891057218, Stichwort »Zivilstand«, Seite 334.
  15. Heinrich Mann: Der Untertan. Roman. 5. Auflage. Aufbau Verlag, Berlin 1949, Seite 476 (Illustriert von Martin Hänisch).
  16. Ebenda, Seite 487.
  17. Arnold Zweig: Einsetzung eines Königs. Roman. Aufbau Verlag, Berlin 1950, Seite 9 (Der 4. Roman des Grischa-Zyklus. - Ausgabe für Berlin und die DDR. - Copyright 1937 by Querido-Verlag Amsterdam).
  18. Tilla Durieux: Eine Tür steht offen. Erinnerungen. Herbig, Berlin-Grunewald 1954, Seite 322 (Zitiert nach Google Books).
  19. Hagen Schulze: Staat und Nation in der europäischen Geschichte. 2., durchgesehene Auflage. C.H. Beck, München 1994, ISBN 3-406-38507-9, Seite 311 (Zitiert nach Google Books).
  20. Elisabeth Herrmann: Das Kindermädchen. Roman. Rotbuch Verlag, Hamburg 2005, ISBN 978-3-434-53138-8, Seite 245 (Zitiert nach Google Books).
  21. Michael Wolffsohn, Roderich Kiesewetter, Rainer Stinner, Claudia Haydt, Agnieszka Brugger, Andrej Hunko, Melanie Kuhn: Braucht Deutschland Killerdrohnen? In: taz.die tageszeitung. Nummer 10034, Jahrgang 34 (Sonntaz), 16. Februar 2013, ISSN 0931-9085, Seite 18.
  22. Ludwig Renn: Adel im Untergang. Aufbau Verlag, Berlin 1947, Seite 268 (Zitiert nach Google Books).
  23. Johannes Mario Simmel: Affäre Nina B. Roman. Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 1960 (rororo Taschenbuch; Ausgabe 359), Seite 162 (Lizenz des Zsolnay Verlag, Hamburg/Wien).
  24. Hans Fallada: Wolf unter Wölfen. Roman. 4. Auflage. Teil 1: Die Stadt und ihre Ruhelosen, Aufbau Verlag, Berlin/Weimar 1979, Seite 224 (Ausgabe für die sozialistischen Länder).
  25. Martin Walser: Ehen in Philippsburg. Roman. 1. Auflage. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1985, ISBN 3-518-37709-4, Seite 85.
  26. Hans Schueler: Der Streit um den Zivildienst: Trägt die Uniform sich schwerer? Keine neuen Argumente vor dem Bundesverfassungsgericht. In: DIE ZEIT. Nummer 07, 8. Februar 1985, ISSN 0044-2070 (Zeit-Archiv, abgerufen am 7. Dezember 2014).
    Im Originalsatz ist einzig das Wort »wenn« kursiv gesetzt.
  27. Willy Kramp: Wider die Krebsangst. Chronik eines Kampfes. 1. Auflage. Quell Verlag, Stuttgart 1986, ISBN 3-7918-1068-5, Seite 92 (Zitiert nach Google Books).
  28. Karl Grobe: Gefährliche Studenten. In: Frankfurter Rundschau. 27. Mai 1998, ISSN 0940-6980, Seite 3.
  29. Hans J. Massaquoi; mit einem Nachwort von Ralph Giordano: »Neger, Neger, Schornsteinfeger!« Meine Kindheit in Deutschland. Völlständige Taschenbuchausgabe, Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur, ©1999 (Originaltitel: Destined to Witness, übersetzt von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann aus dem Amerikanischen), ISBN 978-3-426-61854-7, Seite 222 (Lizenzausgabe mit Genehmigung des Scherz Verlages, Bern/München/Wien).
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