Backfisch

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Backfisch (Deutsch)[Bearbeiten]

Substantiv, m[Bearbeiten]

Singular Plural
Nominativ der Backfisch die Backfische
Genitiv des Backfisches
des Backfischs
der Backfische
Dativ dem Backfisch
dem Backfische
den Backfischen
Akkusativ den Backfisch die Backfische
[1] Backfisch mit Kartoffelsalat
[3] zeitgenössische Darstellung eines Backfisches (1908)

Worttrennung:

Back·fisch, Plural: Back·fi·sche

Aussprache:

IPA: [ˈbakˌfɪʃ]
Hörbeispiele: Lautsprecherbild Backfisch (Info) Lautsprecherbild Backfisch (Österreich) (Info)

Bedeutungen:

[1] ein gebackener oder paniert gebratener Fisch
[2] noch nicht ausgewachsener Fisch
[3] veraltend, scherzhaft: heranwachsendes Mädchen etwa im Alter zwischen 13 und 17 Jahren

Herkunft:

Das Wort ist seit dem 16. Jahrhundert belegt.[1]
[1] Determinativkompositum aus dem Stamm des Verbs backen und dem Substantiv Fisch
[2] Die Bezeichnung Backfisch für einen noch nicht ausgewachsenen Fisch könnte einerseits daher rühren, dass sich solche Fische noch nicht gut zum Kochen eignen, sondern besser gebacken oder gebraten werden.[2] Auch denkbar ist eine Herkunft von Back (Backbord): Kleine Fische wurden noch an Bord des Fischereischiffes aussortiert und über die Back wieder ins Meer geworfen.[2] Angegeben wird weiterhin, dass das Wort aus dem britischen Anglerlatein stamme, wo ein solcher noch heranwachsender Fisch, der ins Wasser zurückgeworfen wird, als backfish → en bezeichnet werde.[3] Diese letzte Erklärung gibt jedoch zu Zweifeln Anlass: Bereits 1894 wurde sie als „unnatürlich“ angesehen.[4] Zudem findet man in englischen Wörterbüchern keinen Eintrag backfish.[5] Im Gegenteil findet sich backfisch → en mit der hiesigen Bedeutung [3], das 1888 erstmals verwendet und aus dem Deutschen übernommen worden sein soll.[6]
[3] Der Backfisch als junges Mädchen ist seit der Mitte des 16. Jahrhunderts in Gebrauch[1], aber zunächst erst spärlich in Quellen zu finden[7]. Die Bedeutung wird verbreitet damit erklärt, dass es sich bei den für die Speise Backfisch [1] verwendeten Fischen oftmals um die unter [2] erwähnten noch nicht ausgewachsenen Exemplare handelt.[8][9] Auf die jungen Mädchen übertragen bedeutet dies, dass sie weder Kinder noch Erwachsene sind.[3] Dementsprechend wäre der Backfisch ein bildlicher Ausdruck für ‚halbwüchsig‘.[10] Jedoch gibt es eine alternative Erklärung, die Bezug nimmt auf die Studentensprache: Ein sehr früher Nachweis des Wortes Backfisch kommt 1557 in einem studentischen Kontext vor.[11] Es könnte daher sein, dass sich die Bedeutung ‚heranwachsendes Mädchen‘ aus einer vorherigen Bedeutung ‚junger Student‘ (Bakkalaureus) entwickelt hat.[7] Dieser läge eine Verballhornung des mittellateinischen baccalarius ‚niedrigster akademischer Grad‘ zugrunde.[12]

Synonyme:

[1] Bratfisch
[3] Frischling (veraltet), Heranwachsende, Mädchen, Teenager

Gegenwörter:

[1] Kochfisch, Räucherfisch

Oberbegriffe:

[2] Fisch, Tier
[3] Kind, Mensch

Beispiele:

[1] Nimm doch bitte den Backfisch aus dem Ofen.
[3] Alle seine Freundinnen waren ohne Ausnahme Backfische.
[3] „Ich suchte einen Backfisch auf, der mir einmal zu einer Liebesgabe einen naiven Brief an Unbekannt geschrieben hatte, was damals zu einer lustigen längeren Korrespondenz führte.“[13]
[3] „Andrew ist so unpraktisch und versponnen wie ein Backfisch.“[14]
[3] „Als Käthe, eine Lampe in der Hand, die Straße überquerte, fragte sie sich, warum sie und die beiden Thelen-Töchter sich auf dem Speicher wie Backfische benommen hatten, obwohl sie doch alle drei längst und in jeder Beziehung aus dem Backfischalter heraus waren.“[15]
[3] „Vor wenigen Jahren verschied nach längerem seelischen Leiden sanft der Backfisch, und es begann der Einmarsch der Teenager.“[16]

Redewendungen:

[3] auf Backfisch machen

Wortbildungen:

[3] Backfischalter, Backfischaquarium, backfischhaft, Backfischjahre, Backfischkaserne, Backfischroman, Backfischschnute, Backfischschwärmerei

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:
[1, 3] Wikipedia-Artikel „Backfisch
[2 (?), 3] Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. 16 Bände in 32 Teilbänden. Leipzig 1854–1961 „Backfisch
[1, 3] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „Backfisch
[1, 3] Uni Leipzig: Wortschatz-PortalBackfisch
[1, 3] Duden online „Backfisch
[1–3] wissen.de – Wörterbuch „Backfisch

Quellen:

  1. 1,0 1,1 Wolfgang Pfeifer: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, digitalisierte und aufbereitete Ausgabe basierend auf der 2., im Akademie-Verlag 1993 erschienenen Auflage. Stichwort „Backfisch“.
  2. 2,0 2,1 Wahrig Herkunftswörterbuch „Backfisch“ auf wissen.de.
  3. 3,0 3,1 Bodo Mrozek: Lexikon der bedrohten Wörter. 10. Auflage. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 2008, ISBN 978-3-499-62077-5, „Backfisch“, Seite 30.
  4. Herman Schrader: Der Bilderschmuck der deutschen Sprache in Tausenden volksthümlicher Redensarten. Zweite, vermehrte und verbesserte Auflage. Verlag von Emil Felber, Weimar 1894, Seite 475 f. (Google Books).
  5. Д. Евгененко: Лингвокраїнознавство німецькомовних країн. 2008, ISBN 9789663821313, Seite 392 (Google Books).
  6. Merriam-Webster Online Dictionary „backfisch“.
  7. 7,0 7,1 Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 8. verbesserte und vermehrte Auflage. Verlag von Karl J. Trübner, Strassburg 1914–15, DNB 36107106X, „Backfisch“, Seite 31.
  8. Christoph Gutknecht: Pustekuchen! Lauter kulinarische Wortgeschichten C.H. Beck, München 2002, ISBN 3-406-47621-X, „Backfisch“, Seite 26.
  9. Duden online „Backfisch“.
  10. Friedrich Kluge, bearbeitet von Elmar Seebold: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 25., durchgesehene und erweiterte Auflage. Walter de Gruyter, Berlin/Boston 2011, ISBN 978-3-11-022364-4, DNB 1012311937, „Backfisch“, Seite 81.
  11. Erasmus Alberus: Das Buch von der Tugent und Weißheit. Peter Braubach, Franckfurdt am Mayn 1557, Seite 155 (links) (Google Books).
  12. Friedrich Kluge, bearbeitet von Elmar Seebold: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 25., durchgesehene und erweiterte Auflage. Walter de Gruyter, Berlin/Boston 2011, ISBN 978-3-11-022364-4, DNB 1012311937, „Backfisch“, Seite 81 f.
  13. Joachim Ringelnatz: Als Mariner im Krieg. Diogenes, Zürich 1994, Seite 148. ISBN 3-257-06047-5. (Der Text erschien unter dem Namen Gustav Hester im Jahr 1928.)
  14. Christopher Morley: Eine Buchhandlung auf Reisen. Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2016, ISBN 978-3-455-65139-3, Seite 24. Englisches Original 1917.
  15. Alfred Andersch: Winterspelt. Roman. Diogenes, Zürich 1974, ISBN 3-257-01518-6, Seite 212 f.
  16. Loriot (Verfasser); Susanne von Bülow, Peter Geyer, OA Krimmel (Herausgeber): Der ganz offene Brief. Hoffmann und Campe, Hamburg 2014, ISBN 978-3-455-40514-9, Seite 121.

Ähnliche Wörter (Deutsch):

ähnlich geschrieben und/oder ausgesprochen: Bakschisch