schier

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schier (Deutsch)[Bearbeiten]

Adjektiv[Bearbeiten]

Positiv Komparativ Superlativ
schier schierer am schiersten
Alle weiteren Formen: Flexion:schier

Worttrennung:

schier, Komparativ: schie·rer, Superlativ: schiers·ten

Aussprache:

IPA: [ʃiːɐ̯]
Hörbeispiele: Lautsprecherbild schier (Info)
Reime: -iːɐ̯

Bedeutungen:

[1] rein, von gleichmäßiger Beschaffenheit, ohne Beimengung
[2] sich in einem außerordentlichen, erstaunlichen Zustand oder Ausmaß befindend

Herkunft:

vom mittelhochdeutschen schīr, germanisch *skeira- „rein, lauter“; das Wort gehört etymologisch zur Wortgruppe von scheinen; es ist seit dem 13. Jahrhundert belegt.[1]

Synonyme:

[1] pur, rein, glatt, makellos, tadellos, einwandfrei; antiquiert: lauter
[2] beinahe, fast

Gegenwörter:

[1] durchwachsen

Beispiele:

[1] Bitte geben Sie mir ein schieres Stück Fleisch. (ohne Knochen und Fett)
[1] Deine Haut ist so glatt und schier!
[2] „Doch lassen sich die Titanenkämpfe der Epoche nicht trennen von literarischem Futterneid, persönlichen Animositäten und der schieren Lust an der Invektive.“[2]
[2] Das ist der schiere Wahnsinn!
[2] Das ist schier unmöglich.

Charakteristische Wortkombinationen:

[1] schieres Fleisch
[2] schier aussichtslos sein, schier ausweglos sein, schier endlos sein, schier grenzenlos sein, schier unaufhaltsam sein, schier' unbezahlbar sein, schier undurchdringlich sein, schier unendlich sein, schier unermesslich sein, schier unersättlich sein, schier unerschöpflich sein, schier unerschwinglich sein (Lautsprecherbild Audio (Info)), schier unerträglich sein, schier unglaublich sein, schier unlösbar sein, schier unvorstellbar sein, schier unüberschaubar sein, schier unübersehbar sein, schier unüberwindbar sein, schier unüberwindlich sein
[2] die schiere Fülle, das schiere Gegenteil, die schiere Größe, die schiere Masse, in schierer Verzweiflung sein

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:
[1] Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. 16 Bände in 32 Teilbänden. Leipzig 1854–1961 „schier, adj.
[1] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „schier
[1] canoonet „schier
[1] Uni Leipzig: Wortschatz-Portalschier

Quellen:

  1. Friedrich Kluge, bearbeitet von Elmar Seebold: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 24., durchgesehene und erweiterte Auflage. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2001, ISBN 978-3-11-017473-1, DNB 965096742, Stichwort: „schier2“, Seite 802.
  2. Bruno Preisendörfer: Der waghalsige Reisende. Johann Gottfried Seume und das ungeschützte Leben. Galiani, Berlin 2012, ISBN 978-3-86971-060-0, Seite 242.

Adverb[Bearbeiten]

Worttrennung:

schier

Aussprache:

IPA: [ʃiːɐ̯]
Hörbeispiele: Lautsprecherbild schier (Info)
Reime: -iːɐ̯

Bedeutungen:

[1] fast, bald, beinahe, gar

Herkunft:

vom mittelhochdeutschen schier (schnell, bald) und schiere (fast, beinahe), althochdeutsch skiari (Adjektiv), skiaro (Adverb), weitere Herkunft unklar. Das Wort ist seit dem 8. Jahrhundert belegt.[1]

Synonyme:

[1] einfach, geradezu, glatt, glattweg, reinweg, schlechterdings, schlichtweg

Beispiele:

[1] Das ist schier unmöglich.
[1] Du machst dich schier unmöglich!
[1] „Es war doch ein Unding, neben solch einem schier einzigartigen Steppenrestaurant zu leben und nie dort gewesen zu sein.“[2]
[1] „Eine größere Verletzung der Ehre war schier nicht denkbar.“[3]

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:
[1] Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. 16 Bände in 32 Teilbänden. Leipzig 1854–1961 „schier
[1] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „schier
[1] canoonet „schier
[1] Uni Leipzig: Wortschatz-Portalschier

Quellen:

  1. Friedrich Kluge, bearbeitet von Elmar Seebold: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 24., durchgesehene und erweiterte Auflage. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2001, ISBN 978-3-11-017473-1, DNB 965096742, Stichwort: „schier1“, Seite 802.
  2. Wladimir Kaminer: Meine kaukasische Schwiegermutter. Goldmann, Berlin 2012, ISBN 978-3-442-47366-3, Seite 101.
  3. Luigi Brogna: Spätzle al dente. Neue Geschichten von meiner sizilianischen Familie. 7. Auflage. Ullstein, Berlin 2009, ISBN 978-3-548-26671-8, Seite 233.

Ähnliche Wörter (Deutsch):

Anagramme: Erichs, Reichs, schrei, Schrei, schrie