hehr

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hehr (Deutsch)[Bearbeiten]

Adjektiv[Bearbeiten]

Positiv Komparativ Superlativ
hehr hehrer am hehrsten
Alle weiteren Formen: Flexion:hehr

Worttrennung:

hehr, Komparativ: heh·rer, Superlativ: am hehrs·ten

Aussprache:

IPA: [heːɐ̯]
Hörbeispiele: Lautsprecherbild hehr (Info)
Reime: -eːɐ̯

Bedeutungen:

[1] gehoben: beeindruckend durch Großartigkeit und Erhabenheit, Ehrfurcht einflößend
[2] veraltet: stolz, freudig
[3] veraltet: hinsichtlich des gesellschaftlichen Ansehens und der gesellschaftlichen Stellung herausragend
[4] veraltet: gelobt, heilig (bezogen auf Personen und Gegenstände der christlichen Religion)
[5] veraltet, mundartlich: fein, dünn, schmal
[6] veraltet, mundartlich: helltönend

Herkunft:

seit dem 8. Jahrhundert belegt; mittelhochdeutsch hērvornehm, heilig, stolz‘, das zurück auf althochdeutsches hēr ‚alt, ehrwürdig‘ geht.[1] Verwandt sind altsächsisches hēralt, ehrwürdig‘, mittelniederländisches (ghe)heer, altenglisches hār → anggrauweiß, alt‘, englisches hoary → en ‚(alters)grau, ehrwürdig‘ und altnordisches hárr → non ‚grau‘,[2] welchen urgermanisches *hairazgrauhaarig‘ zugrunde liegt.[1] Gemeinsam mit dem mittelirischen cíardunkelbraun‘ und céoNebel‘ sind diese Wörter auf indoeuropäisches *kei-ro- zurückführbar, das insbesondere bei Farbadjektiven mit Bezug zum Braunen und Grauen vorkommt.[2]
Im 18. Jahrhundert wurde hehr von Johann Christoph Adelung als ‚völlig veraltet‘ bezeichnet, aber in der Folge gelangte es in der Dichtersprache wieder zu einiger Verbreitung und wurde dann im 19. Jahrhundert vermehrt zur Beschreibung der Natur benutzt.[3]
Wörter, die sich ebenfalls von hēr ableiten, sind Herr, herrlich, herrschen und Herrschaft.[4]

Sinnverwandte Wörter:

[1] veraltet: sublim

Gegenwörter:

[1] verabscheuungswürdig, verachtenswert, erbärmlich, schnöde
[2] niedergeschlagen

Beispiele:

[1] „Eure fromme Seele ahnt
Eure fromme Seele ahnt
Gott im hehren Vaterland,
Gott, den Herrn, im hehren Vaterland.“[5]
[1] „Und ich wandre aus den Mauern
Bis hinaus in’s freie Feld,
Hehres Glänzen, heil’ges Schauern!
Wie so weit und still die Welt!“[6]
[1] Sieh nur! Ringsum die hehre Natur!
[1] Das sind ja durchaus hehre Motive, die Sie da ins Feld führen!
[2] Mit hehrem Mut machte sich der Handwerksbursche auf die Reise.
[3] Karl war ein hehrer König.
[3] Thusnelda ist keineswegs eine so hehre Frauensperson, wie du es dir vorstellst.
[4] Eine Magd gebar ein Kind, das allen Engeln hehr war.
[4] Bete zu Maria, der hehren Frau.
[4] Christus half der Christenheit durch seine hehren Wunden.
[4] All dies geschah im hehren Namen des Herrn.
[5] Für diese Handarbeit braucht man ein hehres Garn.
[6] Sie sang mit hehrer Stimme.

Charakteristische Wortkombinationen:

[1] hehre Absicht, hehre Motive, hehre Ziele

Wortbildungen:

Hehre, Hehrheit

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:

[1] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „hehr
[1] canoo.net „hehr
[1] Uni Leipzig: Wortschatz-Lexikonhehr
[1–6] Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. 16 Bände in 32 Teilbänden. Leipzig 1854–1961 „hehr“.

Quellen:

  1. 1,0 1,1 Friedrich Kluge, bearbeitet von Elmar Seebold: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 24., durchgesehene und erweiterte Auflage. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2001, ISBN 978-3-11-017473-1, DNB 965096742, Stichwort: „hehr“, Seite 400.
  2. 2,0 2,1 Wolfgang Pfeifer et al.: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. 8. Auflage. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2005, ISBN 3-423-32511-9, „hehr“, Seite 521
  3. Wolfgang Pfeifer et al.: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. 8. Auflage. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2005, ISBN 3-423-32511-9, „hehr“, Seite 521 f.
  4. Wolfgang Pfeifer et al.: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. 8. Auflage. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2005, ISBN 3-423-32511-9, „hehr“, Seite 522
  5. Wikipedia-Artikel „Schweizerpsalm
  6. Wikisource-Quellentext „Joseph von Eichendorff: Weihnachten

Ähnliche Wörter (Deutsch):

ähnlich geschrieben und/oder ausgesprochen: Häher, Heer, her, Herr