Gehirnwäsche

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Gehirnwäsche (Deutsch)[Bearbeiten]

Substantiv, f[Bearbeiten]

Singular

Plural

Nominativ die Gehirnwäsche

die Gehirnwäschen

Genitiv der Gehirnwäsche

der Gehirnwäschen

Dativ der Gehirnwäsche

den Gehirnwäschen

Akkusativ die Gehirnwäsche

die Gehirnwäschen

[1] künstlerische Darstellung einer Gehirnwäsche

Worttrennung:
Ge·hirn·wä·sche, Plural: Ge·hirn·wä·schen

Aussprache:
IPA: [ɡəˈhɪʁnˌvɛʃə]
Hörbeispiele: Lautsprecherbild Gehirnwäsche (Info)

Bedeutungen:
[1] durch starken physischen und psychischen Druck erzwungene Änderung der Urteilskraft und eigener (politischer, weltanschaulicher) Einstellungen

Herkunft:
  • strukturell:
Determinativkompositum aus den Substantiven Gehirn und Wäsche
Es handelt sich um eine seit 1954[1] bezeugte Lehnübersetzung des englischen Ausdrucks brainwashing → en[2], der seinerseits eine Lehnübersetzung von chinesisch 洗腦 (Pinyin: xǐnăo) → zh / 洗脑 (Pinyin: xǐnăo) → zh ist[3], das wörtlich ‚Gehirn waschen‘ bedeutet. Der Ausdruck ist in China im Zusammenhang mit den Befragungs- und Foltermethoden an den Gefangenen des Koreakrieges aufgekommen.[1][3]

Synonyme:
[1] Brainwashing, Mentizid

Sinnverwandte Wörter:
[1] Gesinnungswäsche

Oberbegriffe:
[1] Folter, Umerziehung

Beispiele:
[1] Nach dem Krieg wurden alle Kriegsgefangenen einer Gehirnwäsche unterzogen.
[1] „Überhaupt schien der Beamte ein umgänglicher Vertreter seines Standes zu sein, keiner von der glatten und kalten Sorte, keiner von den ehrgeizigen jungen Burschen, die sich für Lügendetektoren auf Beinen hielten und aus jeder Befragung eine halbe Gehirnwäsche machten.“[4]
[1] „Stratton — so argwöhnen die Amerikaner jetzt — wurde ein Opfer jener psychischen Tortur, die Rotchinesen während des Korea-Krieges erstmals an US-Kriegsgefangenen erprobten: der Gehirnwäsche.[5]
[1] „Unter dem Deckmantel einer philosophischen Vereinigung habe die Sekte ihre Mitglieder ausgebeutet und sie einer systematischen Gehirnwäsche unterzogen, um ihren Willen und ihre Entscheidungsfreiheit zu brechen.“[6]
[1] „1962 schrieb er seinen berühmten Essay «Nach dem Kalten Krieg»: «Wir können uns nicht mehr zufriedengeben mit dem Orwellschen Bild einer vollständig und unwiderruflich entmenschlichten totalitären Welt von Robotern, von Gehirnwäschen und ‹spontanen Geständnissen›, von an Stelle des Denkens getretenen Pawlowschen Reflexen … »“[7]
[1] „Stattdessen schließen sich immer mehr Perspektivlose nach Gehirnwäsche in den Hinterhofmoscheen von Kairouan oder Sousse militanten Gruppen in den Bergen in Tunesiens Süden oder Libyen an.“[8]

Charakteristische Wortkombinationen:
[1] jemandem einer Gehirnwäsche unterziehen

Wortbildungen:
jemandem das Gehirn waschen, gehirnwaschen, Gehirnwäscher

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:
[1] Wikipedia-Artikel „Gehirnwäsche
[1] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „Gehirnwäsche
[*] canoonet „Gehirnwäsche
[*] Online-Wortschatz-Informationssystem Deutsch – elexiko „Gehirnwäsche
[1] Duden online „Gehirnwäsche
[1] wissen.de – Wörterbuch „Gehirnwäsche
[1] wissen.de – Lexikon „Gehirnwäsche
[1] PONS – Deutsche Rechtschreibung „Gehirnwäsche
[*] Uni Leipzig: Wortschatz-LexikonGehirnwäsche
[1] Heinz Küpper: Wörterbuch der deutschen Umgangssprache. In: Digitale Bibliothek. 1. Auflage. 36, Directmedia Publishing, Berlin 2006, ISBN 3-89853-436-7, Stichwort »Gehirnwäsche«.
[1] Renate Wahrig-Burfeind: Brockhaus Wahrig Deutsches Wörterbuch. Mit einem Lexikon der Sprachlehre. In: Digitale Bibliothek. 9., vollständig neu bearbeitete und aktualisierte Auflage. wissenmedia in der inmedia ONE GmbH, Gütersloh/München 2012, ISBN 978-3-577-07595-4 (CD-ROM-Ausgabe), Stichwort »Gehirnwäsche«.
[1] Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Deutsches Universalwörterbuch. Das umfassende Bedeutungswörterbuch der deutschen Gegenwartssprache. 8., überarbeitete und erweiterte Auflage. Dudenverlag, Berlin 2015, ISBN 978-3-411-05508-1, Stichwort »Gehirnwäsche«, Seite 691.

Quellen:

  1. 1,0 1,1 Heinz Küpper: Wörterbuch der deutschen Umgangssprache. In: Digitale Bibliothek. 1. Auflage. 36, Directmedia Publishing, Berlin 2006, ISBN 3-89853-436-7, Stichwort »Gehirnwäsche«.
  2. Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Deutsches Universalwörterbuch. Das umfassende Bedeutungswörterbuch der deutschen Gegenwartssprache. 8., überarbeitete und erweiterte Auflage. Dudenverlag, Berlin 2015, ISBN 978-3-411-05508-1, Stichwort »Gehirnwäsche«, Seite 691.
  3. 3,0 3,1 Online Etymology Dictionary „brainwashing
  4. Hermann Kant: Die Aula. Roman. Rütten & Loening, Berlin 1965, Seite 74.
  5. Worte hinterm Vorhang. In: DER SPIEGEL. Nummer 20, 8. Mai 1967, ISSN 0038-7452, Seite 130 (DER SPIEGEL Archiv-URL, abgerufen am 2. Dezember 2016).
  6. Keine Chance. In: DIE ZEIT. Nummer 07, 7. Februar 1997, ISSN 0044-2070, Seite 10 (DIE ZEIT-Archiv URL, abgerufen am 2. Dezember 2016).
  7. Tobias Kaestli: Den Kern des Stalinismus entlarvt. In: NZZ am Sonntag. 4. Januar 2004, Seite 55 (NZZ-Archiv URL, abgerufen am 2. Dezember 2016).
  8. Mirco Keilberth: Es beginnt wieder in Tunis. In: zenith – Zeitschrift für den Orient. Onlineausgabe. 14. Januar 2016, ISSN 1439-9660 (URL, abgerufen am 2. Dezember 2016).
  9. El-Said Badawi, Martin Hinds: A Dictionary of Egyptian Arabic. Arabic-English. Librairie du Liban, Beirut 1986, Stichwort »بلشف‎«, Seite 98.