Stippvisite

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Stippvisite (Deutsch)[Bearbeiten]

Substantiv, f[Bearbeiten]

Singular Plural
Nominativ die Stippvisite die Stippvisiten
Genitiv der Stippvisite der Stippvisiten
Dativ der Stippvisite den Stippvisiten
Akkusativ die Stippvisite die Stippvisiten

Worttrennung:

Stipp·vi·si·te, Plural: Stipp·vi·si·ten

Aussprache:

IPA: [ˈʃtɪpviˌziːtə], Plural: [ˈʃtɪpviˌziːtn̩]
Hörbeispiele: —, Plural:

Bedeutungen:

[1] Deutschland, Schweiz: kurzer Besuch
[2] Deutschland; übertragen: militärische Operation eines Stoßtrupps
[3] Deutschland; übertragen: intime Berührung mit den Fingerspitzen; gegenseitige sexuelle Stimulierung ohne genitale Vereinigung

Herkunft:

  • strukturell:
Determinativkompositum aus den Substantiven Stipp und Visite
[1] Das Wort ist seit dem (späten[1][2]) 18. Jahrhundert belegt.[3][4] Das Bestimmungswort gehört zu nieder-[3] und norddeutsch[4] StippPunkt[3][4]; kurzer Zeitpunkt[3][4], Augenblick[4]‘ (vergleiche »Stippe«[5], »stippen«[5]). Etymologisch lassen sich englisch stipple → en[3] und niederländisch stip → nl[3] vergleichen.
[2] Diese Bedeutungsübertragung war bereits in beiden Weltkriegen soldatensprachlich.[1][2]
[3] Diese Bedeutung ist ab 1955 bezeugt und wurde vom Jargon der Halbwüchsigen in die breitere Umgangssprache übernommen.[1][2]

Synonyme:

[1] norddeutsch: Stippbesuch

Sinnverwandte Wörter:

[1] Blitzbesuch, Kurzbesuch, Kurzvisite
[1] auf einen Sprung / landschaftlich: einen Sprung
[2] Coup de Main, Handstreich
[3] Petting

Oberbegriffe:

[1] Besuch
[1] veraltet, aber noch scherzhaft: Visite
[2] Operation, Unternehmung
[3] Berührung; Stimulation/Stimulierung

Beispiele:

[1] Er machte noch eine Stippvisite bei seinen Großeltern, bevor er nach Hause ging.
[1] „Ich bin ja wohl nicht der erste, der glaubte, hier eine Stippvisite zu machen, und für den es dann anders kam.“[6]
[1] „Das war ja keine Erholungsreise nach der Krim und keine Stippvisite bei lieben Verwandten.“[7]
[1] „Er war auf eine Stippvisite aus Gaza gekommen, dem sein erster, ausgiebiger Besuch gegolten hatte.“[8]
[1] „Zwischen zwei Stippvisiten setzt er seine Gitarristenlaufbahn fort, flattert von Mädchen zu Mädchen, versucht sein Glück in New York, spielt hier und dort vor und genießt im Dunst der Nacht rückhaltlos seine Jugend.“[9]
[1] „Nach den Stippvisiten Caesars in Britannien sollten 90 Jahre vergehen, ehe sich den Römern unter Kaiser Claudius eine Gelegenheit bot, das Land zu erobern.“[10]

Charakteristische Wortkombinationen:

[1] (bei jemandem) eine Stippvisite machen; eine Stippvisite nach Berlin, ins Ausland machen

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:

[1] Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Deutsches Universalwörterbuch. 6. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007, ISBN 978-3-411-05506-7, Seite 1620.
[1] Renate Wahrig-Burfeind: Brockhaus Wahrig Deutsches Wörterbuch. Mit einem Lexikon der Sprachlehre. In: Digitale Bibliothek. 9., vollständig neu bearbeitete und aktualisierte Auflage. wissenmedia in der inmedia ONE GmbH, Gütersloh/München 2012, ISBN 978-3-577-07595-4 (CD-ROM-Ausgabe), Stichwort »Stippvisite«.
[1] Ulrich Ammon et al. (Herausgeber): Variantenwörterbuch des Deutschen. Die Standardsprache in Österreich, der Schweiz und Deutschland sowie in Liechtenstein, Luxemburg, Ostbelgien und Südtirol. 1. Auflage. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2004, ISBN 978-3-11-016574-6, DNB 972128115, Seite 760.
[1–3] Heinz Küpper: Illustriertes Lexikon der deutschen Umgangssprache in 8 Bänden. 7. Band Sardelle–Susi, Klett, Stuttgart 1984, ISBN 3-12-570170-8, DNB 841057532, Seite 2743.
[1–3] Heinz Küpper: Wörterbuch der deutschen Umgangssprache. In: Digitale Bibliothek. 1. Auflage. 36, Directmedia Publishing, Berlin 2006, ISBN 3-89853-436-7, Stichwort »Stippvisite«.
[1] Duden online „Stippvisite
[1] wissen.de – Wörterbuch „Stippvisite
[1] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „Stippvisite
[1] The Free Dictionary „Stippvisite
[*] canoo.net „Stippvisite
[*] Uni Leipzig: Wortschatz-LexikonStippvisite
[*] Online-Wortschatz-Informationssystem Deutsch – elexiko „Stippvisite

Quellen:

  1. 1,0 1,1 1,2 Heinz Küpper: Illustriertes Lexikon der deutschen Umgangssprache in 8 Bänden. 7. Band Sardelle–Susi, Klett, Stuttgart 1984, ISBN 3-12-570170-8, DNB 841057532, Seite 2743.
  2. 2,0 2,1 2,2 Heinz Küpper: Wörterbuch der deutschen Umgangssprache. In: Digitale Bibliothek. 1. Auflage. 36, Directmedia Publishing, Berlin 2006, ISBN 3-89853-436-7, Stichwort »Stippvisite«.
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 3,5 Friedrich Kluge, bearbeitet von Elmar Seebold: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 24., durchgesehene und erweiterte Auflage. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2001, ISBN 978-3-11-017473-1, DNB 965096742, Stichwort »Stippvisite«, Seite 885.
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 4,4 Wolfgang Pfeifer: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, digitalisierte und aufbereitete Ausgabe basierend auf der 2., im Akademie-Verlag 1993 erschienenen Auflage. Stichwort „Stippvisite“.
  5. 5,0 5,1 Renate Wahrig-Burfeind: Brockhaus Wahrig Deutsches Wörterbuch. Mit einem Lexikon der Sprachlehre. In: Digitale Bibliothek. 9., vollständig neu bearbeitete und aktualisierte Auflage. wissenmedia in der inmedia ONE GmbH, Gütersloh/München 2012, ISBN 978-3-577-07595-4 (CD-ROM-Ausgabe), Stichwort »Stippvisite«.
  6. Thomas Mann: Der Zauberberg. Roman. S. Fischer Verlag, Berlin 1924, Seite 245 (Zitiert nach Google Books).
  7. Stefan Heym: Im Kopf – sauber. Schriften zum Tage. Paul List Verlag, Leipzig 1954, Seite 218 (Zitiert nach Google Books).
  8. Angelika Schrobsdorff: Jericho. Eine Liebesgeschichte. Dritte Auflage, Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1998, ISBN 3-423-12317-6, Seite 147.
  9. Noël Balen: Billie Holiday. Die Seele des Blues. 1. Auflage. Scherz, Bern 2002 (übersetzt von Claudia Kalscheuer), Seite 15.
  10. Ulrike Peters: Kelten. Ein Schnellkurs. DuMont, Köln 2011, ISBN 978-3-8321-9319-5, Seite 63.