Kleptokratie

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Kleptokratie (Deutsch)[Bearbeiten]

Substantiv, f[Bearbeiten]

Singular Plural
Nominativ die Kleptokratie die Kleptokratien
Genitiv der Kleptokratie der Kleptokratien
Dativ der Kleptokratie den Kleptokratien
Akkusativ die Kleptokratie die Kleptokratien

Worttrennung:

Klep·to·kra·tie, Plural: Klep·to·kra·ti·en

Aussprache:

IPA: [ˌklɛptokʀaˈtiː]
Hörbeispiele: Lautsprecherbild Kleptokratie (Info)
Reime: -iː

Bedeutungen:

[1] Herrschaftssystem, in dem diejenigen, die in entsprechenden Machtpositionen sind, vor allem in die eigene Tasche wirtschaften; spezieller: diktatorisches oder despotisches Herrschaftssystem der nepotistischen, korrupten, sich selbst bereichernden Staatsklasse, die sich durch Ausnutzen gesellschaftlicher Privilegien – unter anderem in Form von privater Aneignung öffentlicher Einkommen (vor allem Devisen), von Schröpfung des Mehrproduktes, von Verstaatlichung ausländischer Unternehmen sowie von willkürlicher Verfügungsgewalt über Besitz und Einkünfte der nicht der Staatsklasse angehörenden Bevölkerungsteile – selbst bereichert, und diese staatlich legalisierte Ausbeutung durch einen (nach innen) schlagkräftigen Repressionsapparat, durch Kooptation von Staatsklassen-Klientel in der Geschäftswelt und unter den (nicht zur Staatsklasse zählenden) Staatsbediensteten sowie ein von Interessengegensätzen überlagertes, durch Korruption geschmiertes Zweckbündnis zwischen Staatsklasse und metropolitanem Bürgertum absichert[1]

Herkunft:

  • strukturell:
Ableitung von Kleptokrat mit dem Derivatem (Ableitungsmorphem) -ie
Es handelt sich um einen Neologismus zu griechisch κλέπτειν (kléptein) → grcstehlen‘ und κρατεῖν (kratein) → grcherrschen[2] nach dem Vorbild ähnlicher Ableitungen auf -kratie wie Aristokratie, Autokratie, Demokratie, Meritokratie, Monokratie, Nomokratie, Ochlokratie, Xenokratie und dergleichen, und bedeutet wörtlich also so viel wie ‚Herrschaft der Diebe‘, ‚Herrschaft der Räuber‘ oder ‚Herrschaft durch Diebstahl und Raub‘[2].

Oberbegriffe:

[1] Herrschaftsform, Herrschaftssystem

Unterbegriffe:

[1] Narkokleptokratie

Beispiele:

[1] „Es war falsch, von den Russen zu verlangen, noch vor einer neuen Verfassung und vor einem neuen Rechtssystem die freie Marktwirtschaft einzuführen. Damit haben wir lediglich dazu beigetragen, eine Kleptokratie zu schaffen.“[3]
[1] „Am Beispiel Ungarns kann man sehr gut sehen, wie antikommunistische und antiliberale Demagogie einer Kleptokratie zur Macht verholfen hat.“[4]
[1] „Nigeria verwandelte sich in eine Kleptokratie, die nigerianische Korruption war bald legendär.“[5]

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:

[1] Wikipedia-Artikel „Kleptokratie
[*] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „Kleptokratie
[1] Duden online „Kleptokratie
[*] Uni Leipzig: Wortschatz-LexikonKleptokratie
[1] Horst Wolfgang Boger: Bürger & Staat: Nomokratie Demokratie Bürokratie KLEPTOKRATIE. In: HUMONDE. Zeitschrift für eine humane Welt und Wirtschaft. Nummer 02/2004, 1. April 2004, ISSN 1613-7418 (Onlineausgabe: URL/URL, abgerufen am 19. Juni 2017).

Quellen:

  1. Nach Peter Körner: Zaïre. Verschuldungskrise und IWF-Intervention in einer afrikanischen Kleptokratie. Deutsches Institut für Afrika-Forschung, Hamburg 1988 (Hamburger Beiträge zur Afrika-Kunde ; Band 32, ISSN 0440-1670), ISBN 3-923519-78-8, Seite 3 (Zitiert nach Google Books).
  2. 2,0 2,1 Horst Wolfgang Boger: Bürger & Staat: Nomokratie Demokratie Bürokratie KLEPTOKRATIE. In: HUMONDE. Zeitschrift für eine humane Welt und Wirtschaft. Nummer 02/2004, 1. April 2004, ISSN 1613-7418 (Onlineausgabe: URL/URL, abgerufen am 19. Juni 2017), Fußnote 1.
  3. Hans Hoyng, Stefan Simons (Interviewer); Zbigniew Brzezinski (Interviewter): „Bush ist kein Dummkopf“. In: Der Spiegel. Nummer 1/2001, 1. Januar 2001, ISSN 0038-7452, Seite 105 (SPIEGEL-Archiv URL, abgerufen am 19. Juni 2017).
  4. Gábor Miklós: Aber wohin wandern die Österreicher aus? In: Zeit Online. 20. Mai 2016, ISSN 0044-2070 (URL, abgerufen am 19. Juni 2017).
  5. Asfa-Wossen Asserate: Die neue Völkerwanderung. Wer Europa bewahren will, muss Afrika retten. Propyläen, Berlin 2016, ISBN 978-3-549-07478-7, Seite 117.