Chammer

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Chammer (Deutsch)[Bearbeiten]

Substantiv, m[Bearbeiten]

Singular Plural 1 Plural 2
Nominativ der Chammer die Chamaurem die Chameranzen
Genitiv des Chammers der Chamaurem der Chameranzen
Dativ dem Chammer den Chamaurem den Chameranzen
Akkusativ den Chammer die Chamaurem die Chameranzen

Worttrennung:

Cham·mer, Plural 1: Cha·mau·rem, Plural 2: Cha·me·ran·zen

Aussprache:

IPA: [ˈxamɐ]
Hörbeispiele: Lautsprecherbild Chammer (Info)
Reime: -amɐ

Bedeutungen:

[1] sondersprachlich (Rotwelsch): zur Gattung der Pferde gehörendes (männliches) Huftier, das ein (je nach Art / Unterart) graues bis braunes, fahlgelbes bis ockerfarbenes oder rötliches bis rotbraunes Fell mit dunklem Aalstrich, eine kurze, aufrecht stehende Nackenmähne, lange Ohren und einen Quastenschwanz besitzt, und dessen domestizierte Vertreter als Nutz-, Last- und Reittier dienen (Asinus)
[2] jüdisch familiär, sondersprachlich (Rotwelsch), landschaftlich umgangssprachlich selten: jemand, der dumm, einfältig, unbeholfen, ungeschickt sowie, mitunter, störrisch ist oder ähnliche für das unter [1] beschriebene Tier typisch geltende Eigenschaften besitzt
[3] jüdisch familiär, sondersprachlich (Rotwelsch), landschaftlich umgangssprachlich selten: jemand, der grob, ungehobelt ist

Herkunft:

Das seit dem 18. Jahrhundert[1] bezeugte Wort ist dem jiddischen חמור‎ (YIVOkhamer) → yi entlehnt[1][2][3] (vergleiche niederländisches chammer → nl und gammor → nl).

Synonyme:

[1, 2] Esel
[3] Grobian

Beispiele:

[1] bildlich: „Ohne auch nur einen Blick vom Eiſe weg auf den Commiſſar zu wenden, entgegnete der Angeredete mit fertiger Zunge: ‚Wenn der Chammer[…] Hörner hätt’ un’ der Ochs wüßt’ von ſeiner Kraft, hätt’ die Welt kein Kijum[…] [= Bestand]. […]‘“[4]
[2] „Gott ſteh mer bei, was bin ich für ä Chammer![5]
[3] „Das ſind keine Menſchen, das ſind grobbe Chamaurem.[6]

Redewendungen:

[2] Chammer, sag li

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:
[2] Heinz Küpper: Illustriertes Lexikon der deutschen Umgangssprache in 8 Bänden. 2. Band Blau–Faul, Klett, Stuttgart 1983, ISBN 3-12-570120-1, DNB 830485171, Stichwort »Chammer«, Seite 545.
[1, 2] Siegmund A. Wolf: Wörterbuch des Rotwelschen. Deutsche Gaunersprache. 2., durchgesehene Auflage. Helmut Buske Verlag, Hamburg 1985, ISBN 3-87118-736-4, Stichwort »Chammer [831]«, Seite 70 (Google Books; korrigierter Nachdruck der Ausgabe Mannheim, Bibliographisches Institut, 1956).
[2, 3] Heidi Stern: Wörterbuch zum jiddischen Lehnwortschatz in den deutschen Dialekten. Max Niemeyer Verlag, Tübingen 2000 (Lexicographica: Series Maior ; 102, ISSN 0175-9264), ISBN 978-3-484-39102-4, DNB 959920579, Stichwort »Chamer«, Seite 71.
[2] Heinz Küpper: Wörterbuch der deutschen Umgangssprache. In: Digitale Bibliothek. 1. Auflage. 36, Directmedia Publishing, Berlin 2006, ISBN 3-89853-436-7, Stichwort »Chammer«.
[2, 3] Hans Peter Althaus: Kleines Lexikon deutscher Wörter jiddischer Herkunft. Originalausgabe. 3., durchgesehene Auflage. C.H. Beck, München 2010, ISBN 978-3-406-60677-9, Stichwort »Chammer«, Seite 59.

Quellen:

  1. 1,0 1,1 Heinz Küpper: Illustriertes Lexikon der deutschen Umgangssprache in 8 Bänden. 2. Band Blau–Faul, Klett, Stuttgart 1983, ISBN 3-12-570120-1, DNB 830485171, Stichwort »Chammer«, Seite 545.
    Heinz Küpper: Wörterbuch der deutschen Umgangssprache. In: Digitale Bibliothek. 1. Auflage. 36, Directmedia Publishing, Berlin 2006, ISBN 3-89853-436-7, Stichwort »Chammer«.
  2. Heidi Stern: Wörterbuch zum jiddischen Lehnwortschatz in den deutschen Dialekten. Max Niemeyer Verlag, Tübingen 2000 (Lexicographica: Series Maior ; 102, ISSN 0175-9264), ISBN 978-3-484-39102-4, DNB 959920579, Stichwort »Chamer«, Seite 71.
  3. Hans Peter Althaus: Kleines Lexikon deutscher Wörter jiddischer Herkunft. Originalausgabe. 3., durchgesehene Auflage. C.H. Beck, München 2010, ISBN 978-3-406-60677-9, Stichwort »Chammer«, Seite 59.
  4. Friedrich Chriſtian Benedict Avé-Lallemant: Der Erb- und Gerichtsherr. Ein Polizeiroman. Erſter Theil, Carl Rümpler, Hannover 1870, Seite 20–21 (Zitiert nach Google Books).
  5. Robert Linderer (Herausgeber): Einer von unſ’re Leut. In: Polterabend-Lexicon. Erſte Lieferung. A–C, Verlag von Eduard Bloch, Berlin [1868], Seite 243 (Zitiert nach Google Books).
  6. Dr. Hermann Schiff: Schabbesſchmuh der Familie Abſatz. Humoriſtiſch-politiſche Geſpräche aus den Jahren 1850–51. In: Dr. Hermann Schiff, L. Kompert et al. (Herausgeber): Israelitiſche Novellen. Band Ⅳ: Die wilde Rabbizin. Nebſt Anhang: Corolaria Ⅱ. Schabbesſchmuh der Familie Abſatz. Humoriſtiſch-politiſche Geſpräche aus den Jahren 1850–51, Jean Paul Friedrich Eugen Richter, Hamburg 1866, Seite 38 (Zitiert nach Google Books).

Ähnliche Wörter (Deutsch):

ähnlich geschrieben und/oder ausgesprochen:
Levenshtein-Abstand von 1: Hammer