Peitsche

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des Jahres 2009 das Wort der Woche.

Peitsche (Deutsch)[Bearbeiten]

Substantiv, f[Bearbeiten]

Singular Plural
Nominativ die Peitsche die Peitschen
Genitiv der Peitsche der Peitschen
Dativ der Peitsche den Peitschen
Akkusativ die Peitsche die Peitschen
[1] eine Peitsche

Worttrennung:

Peit·sche, Plural: Peit·schen

Aussprache:

IPA: [ˈpaɪ̯ʧə], Plural: [ˈpaɪ̯ʧn̩]
Hörbeispiele: Lautsprecherbild Peitsche (Info), Plural: Lautsprecherbild Peitschen (Info)

Bedeutungen:

[1] längerer biegsamer Stock, an dessen einem Ende eine Schnur oder ein Lederriemen befestigt ist und der insbesondere dazu verwendet wird, Zugtiere anzutreiben, früher aber auch als Instrument zur Züchtigung diente
[2] Botanik: ein Stängel oder eine Ranke in peitschenförmig zulaufender Form
[3] vier oder fünf Karten einer Farbe beim Kartenspiel
[4] in Bayern: Schimpfwort für eine Prostituierte
[5] Hüttenwesen: breiter Schlägel aus Holz, mit dem Kupferblech glatt geschlagen wird
[6] Weberei: eine der zwei an den Schützentreibern befestigten Schnüre, die an der Mitte des Webstuhls in einem Heft aus Holz vereinigt sind

Herkunft:

Die frühesten nachgewiesenen Vorformen sind das oberdeutsche (nordbairische) picze, das im 14. Jahrhundert vorkam, das ostmitteldeutsche pytcze um das Jahr 1400 und piczsche im 15. Jahrhundert sowie das böhmische peitsche zum Ende des 14. Jahrhunderts, das schlesische peytsche und das oberfränkische peitsch gegen Ende des 15. Jahrhunderts. All diese Wörter stammen wahrscheinlich vom maskulinen altsorbischen *bič (Geißel) oder dem alttschechischen bič mit derselben Bedeutung ab. Dies sind gemeinslawische postverbale Bildungen zum urslawischen *biti (schlagen), das auch mit dem gleichbedeutenden altslawischen biti und dem ebenfalls gleichbedeutenden russischen бить (bit’) → ru verwandt ist. Im Deutschen fanden eine Diphthongierung des ī zu ei und eine Anlautverstärkung statt. Peitsche verbreitete sich ausgehend vom Oberdeutschen vor allem durch die Bibelübersetzung Martin Luthers in ganz Deutschland. Mit der Zeit verdrängte es das Wort Geißel, nahm aber dessen feminines Genus an.[1]

Synonyme:

[1] Knute, Zagel
[3] Fahne, Flöte
[4] Hure, Nutte

Sinnverwandte Wörter:

[1] Gerte

Verkleinerungsformen:

[1] Peitschlein

Oberbegriffe:

[1] Schlaggerät, Züchtigungsinstrument

Unterbegriffe:

[1] Bullenpeitsche, Fahrpeitsche, Geißel, Goaßl, Klopfpeitsche, Neunschwänzige Katze, Riemenpeitsche, Signalpeitsche, Stockpeitsche

Beispiele:

[1] Der Kutscher ließ die Peitsche knallen.
[1] „Und als er die Peitsche hob, war ich bereits zur Stelle und hieb sie mit einem einzigen Schlag meines Degens mitten entzwei, so wie eine Sense Gras schneidet.“[2]
[2] „Bei den weißen Sorten sind die Peitschen kürzer. Nach der Blüten [sic!] hängen sie nur noch braun herum, deshalb schneide ich sie ab. Die Peitschen wurzeln, wenn man sie frühzeitig einpflanzt, also bevor sie braun werden.“[3]
[5] Eine Peitsche ist „ein Holz zwo Ellen lang, eine halbe Elle breit, damit die Kupferbleche in den Kupferhütten gleich gezogen werden“.[4]
[6] „Um sie von rechts nach links zu schnellen, dazu bedarf aber der Weber nach Kay’s Erfindung nur Einer Hand, indem er an der „Peitsche“ bald rechts bald links zieht.“[5]

Redewendungen:

[1] die Peitsche geben

Charakteristische Wortkombinationen:

[1] Zuckerbrot und Peitsche

Wortbildungen:

peitschen, Peitschenhieb, Peitschenjunker, Peitschenknall, Peitschenlampe, Peitschenleder, Peitschenleuchte, Peitschenschnur, Peitschenstiel, Peitschenstock

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:

[1] Wikipedia-Artikel „Peitsche
[1] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „Peitsche
[1] canoo.net „Peitsche
[1] Uni Leipzig: Wortschatz-LexikonPeitsche
[1–4] Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm „Peitsche
[5, 6] Pierer’s Universal-Lexikon „Peitsche

Quellen:

  1. Wolfgang Pfeifer et al.: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. 8. Auflage. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2005, ISBN 3-423-32511-9, „Peitsche“, Seite 986
  2. John Goldsmith: Die Rückkehr zur Schatzinsel. vgs verlagsgesellschaft, Köln 1987, ISBN 3-8025-5046-3, Seite 164. Englisches Original „Return to Treasure Island“ 1985.
  3. Garten-Literatur Forum: Glockenblumen Campanula
  4. Bergmännisches Wörterbuch, 1778, „Peitsche
  5. Der Erfinder der mechanischen Spinnerei und Weberei, in: Das Ausland Nr. 38, 12. September 1863, S. 889