Fata Morgana

Aus Wiktionary, dem freien Wörterbuch
Wechseln zu: Navigation, Suche
Nuvola apps korganizer.png Dieser Eintrag war in der 37. Woche
des Jahres 2013 das Wort der Woche.

Fata Morgana (Deutsch)[Bearbeiten]

Wortverbindung, Substantiv, f[Bearbeiten]

Singular Plural 1 Plural 2
Nominativ die Fata Morgana die Fata Morganen die Fata Morganas
Genitiv der Fata Morgana der Fata Morganen der Fata Morganas
Dativ der Fata Morgana den Fata Morganen den Fata Morganas
Akkusativ die Fata Morgana die Fata Morganen die Fata Morganas
[1] Fata Morgana in der Mojave-Wüste

Worttrennung:

Fa·ta Mor·ga·na, Plural 1: Fa·ta Mor·ga·nen Plural 2: Fa·ta Mor·ga·nas

Aussprache:

IPA: [ˈfaːta mɔʁˈɡaːna], Plural 1: [ˈfaːta mɔʁˈɡaːnən], Plural 2: [ˈfaːta mɔʁˈɡaːnas]
Hörbeispiele: Lautsprecherbild Fata Morgana (Info), Plural 1: Lautsprecherbild Fata Morganen (Info) Plural 2:
Reime: -aːna

Bedeutungen:

[1] Physik: Luftspiegelung entfernter Objekte verursacht durch Reflexionen an Luftschichten unterschiedlicher Temperatur in Bodennähe
[2] übertragen: eine falsche Vorstellung

Herkunft:

aus dem Italienischen fata morgana → it, ursprünglich fata → it „Fee“ Morgana, eine Sagengestalt in arabischen Märchen und in der Dichtung um König Artus, die ihre Macht besonders in Luftspiegelungen zeigte, wie sie auch heute noch in der Straße von Messina auftreten; der italienische Ausdruck fata stammt von spätlateinisch Fāta „Schicksalsgöttin“, einer Nebenform von lateinisch fatum → la „Götterspruch, Schicksal, Bestimmung“, das im Plural (Fāta) auch die Schicksalsgöttinnen oder Parzen bezeichnet; der Name Morgana leitet sich ab von arabisch margān „Koralle“, das auf altgriechisch μαργαρίτης (margarites) → grc, μάργαρον (margaron) → grc „Perle“ zurückgeht; die Verwendung von Fata Morgana als atmosphärisches Phänomen wird um 1800 erstmals nachgewiesen; der Name der Fee Morgana wird aber auch beim altfranzösischen Autor Chrétien de Troyes als la fée Morgue (Akkusativ: Morgain) verwendet; bei Wolfram von Eschenbach werden die Ländernamen Feimurgān, Fāmorgān in seinem Werk ‚Parzival‘ und bei Johann Fischart die Fee als Meerfein Morgana erwähnt[1]; in mittelhochdeutschen Texten wird sie feimorgan → gmh oder famorgan → gmh genannt; in der bretonischen Sage ist sie die zauberkundige Stiefschwester des Königs Artur, Lanzelots verschmähte Geliebte, die in einem kristallenen Palast am Grunde des Meeres bei Messina wohnt und zur Zeit des Sonnenunterganges mit ihren Freundinnen in vielerlei Gestalt auftaucht[2]

Synonyme:

[1] Luftspiegelung
[2] Sinnestäuschung, Täuschung, Trugbild, Wahngebilde

Sinnverwandte Wörter:

[2] Hoffnung, Illusion, Seifenblase, Talmi, Traum, Utopie, Wunschtraum, Zukunftsmusik

Gegenwörter:

[2] Realität, Wahrheit

Oberbegriffe:

[1] Spiegelung
[2] Vorstellung

Beispiele:

[1] Dieses Alföld, welches Petöfi ein offenes Buch nennt, ist eine tolle Gegend. Bei Tage zeigt es mit seiner Fata Morgana das Land als Wasser, des Nachts das Wasser als Land. (Wann soll der Mensch ihm glauben?)[3]
[1] Und hinter diesem Gartenringe erglänzt die Stadt, von den Arabern ›Schamm‹ genannt, wie eine Wahrheit gewordene Fata Morgana des sich nach Labung und Erquickung sehnenden Wüstenpilgers.[4]
[2] Er hält Desertec für eine gewaltige „Fata Morgana“ und glaubt, das Projekt sei viel zu teuer.[5]
[2] Aber im selben Augenblick überkam es sie bang und düster, und in ihrer Seele rief eine Stimme: Fata Morgana.[6]
[2] Vision oder Fata Morgana? Der Text wurde im Jahr 1988 veröffentlicht, genau ein Jahr nach Krenns Bischofsweihe.[7]

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:

[1] Wikipedia-Artikel „Fata Morgana
[1, 2] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „Fata Morgana
[1, 2] Uni Leipzig: Wortschatz-LexikonFata+Morgana
[1, 2] Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Deutsches Universalwörterbuch. 6. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007, ISBN 978-3-411-05506-7
[1, 2] Duden online „Fata Morgana

Quellen:

  1. Wolfgang Pfeifer et al.: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. 6. Auflage. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2003, ISBN 3-423-32511-9, Seite 327 f.
  2. Meyers Großes Konversationslexikon, 6. Auflage, Leipzig und Wien 1905, Band 6, Seite 350.
  3. Kálmán Mikszáth: Der Zauberkaftan. In: Projekt Gutenberg-DE. Fünftes Kapitel (URL).
  4. Karl May: Von Bagdad nach Stambul. In: Projekt Gutenberg-DE. In Damaskus (URL).
  5. Michael Thumann: Besser als jeder Militärpakt. Desertec & Nabucco. In: Zeit Online. 16. Juli 2009, ISSN 0044-2070 (URL, abgerufen am 21. Januar 2013).
  6. Theodor Fontane: Schach von Wuthenow. In: Projekt Gutenberg-DE. Achtzehntes Kapitel: Fata Morgana (URL).
  7. Josef Dirnbeck: Reibebaum Krenn: vom Papstfrühstück zu den "Bubendummheiten". Abgerufen am 30. Oktober 2014.