Habibi

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Habibi (Deutsch)[Bearbeiten]

Substantiv, m[Bearbeiten]

Singular

Plural

Nominativ der Habibi

die Habibis

Genitiv des Habibis

der Habibis

Dativ dem Habibi

den Habibis

Akkusativ den Habibi

die Habibis

Worttrennung:

Ha·bi·bi, Plural: Ha·bi·bis

Aussprache:

IPA: [haˈbiːbiː]
Hörbeispiele: Lautsprecherbild Habibi (Info)

Bedeutungen:

[1] geliebte männliche Person
[2] (vertrauliche Anrede an eine) Person, mit der man in Freundschaft verbunden ist

Herkunft:

Es handelt sich um eine Entlehnung der arabischen Koseform حَبِيبِي‎ (DMGḥabīb-ī) →ar ‚mein Liebling, mein Lieber, mein Freund‘, die zusammengesetzt ist aus dem Substantiv حَبِيب‎ (DMGḥabīb) →ar ‚Liebling, Lieber, Freund‘[1] und dem Possessivsuffix der 1. Person Singular ـِي‎‎ () →ar.
Im Vulgärarabischen wird die Kose-Anredeform insbesondere für Kinder beziehungsweise nach dem Prinzip der umgekehrten Anrede für die Eltern gebraucht; oft wird die maskuline Form auch für Frauen benutzt, dies gilt insbesondere bei noch ganz kleinen Kindern.[2]
Das Wort ist im Deutschen seit mindestens der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts sporadisch als Exotismus bezeugt.[3]

Synonyme:

[1] Darling, Ein und Alles, Geliebter, Herz, Herzblatt, Herzchen, Liebhaber, Liebling, Lover
[1] gehoben: Erwählter, Verehrter
[1] umgangssprachlich: Kerl, Romeo, Typ; abwertend: Galan; veraltend: Flamme; süddeutsch, österreichisch: Gspusi; bayrisch, österreichisch: Herzbinkerl
[1] familiär: Baby, Honey
[1] scherzhaft: Auserwählter, Schmuckstück
[1] zumeist scherzhaft: Angebeteter
[1] scherzhaft, sonst veraltend: Gespiele
[1] scherzhaft, sonst veraltet: Kavalier
[1] veraltend: Herzallerliebster
[1] veraltet: Amant, Favorit, Liebchen, Liebster; dichterisch: Buhle
[1] jugendsprachlich: Macker
[1, 2] Freund, Lieber
[1, 2] österreichisch umgangssprachlich: Haberer, Habschi
[2] umgangssprachlich: Freundchen, Kumpel
[2] jugendsprachlich: Alter, Alte

Weibliche Wortformen:

[1, 2] Habibti

Oberbegriffe:

[1, 2] Kosename

Beispiele:

[1] „‚Was ist das denn, Habibi?‘ Der Frau mit dem dezent gemusterten Kopftuch steht die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Der Habibi, ihr Liebling, ihr Ehemann also, guckt genauso ratlos.“[4]
[1] „Als ich meinen Habibi kennen gelernt habe, war mir die tunesisch/arbische Küche absolut fremd.“[5]
[1] „‚Habibi (Liebling), dazu bist du noch viel zu klein‘, erwiderte Mama schnell.“[6]
[1] „Der einzige Hinweis, dass es sich um das Elternschlafzimmer handeln soll, sind zwei rote Plüschherzen, auf denen Habibi steht, mein Schatz.“[7]
[2] „Der Wirt nennt ihn ‚Habibi‘, zu deutsch ‚mein Lieber‘.“[8]
[2] „Die Verlängerung einer Aufenthaltsgenehmigung verspricht Dollarsegen: ‚Habibi‘, mein Freund, macht sich der Zuständige an mich heran: ‚Leg ein paar Dollarscheine in den Paß, aber so, daß es niemand sieht. Für die Mühe, die ich und der Beamte im Ministerium haben.‘“[9]
[2] „Sie nennen ihn ‚Habibi‘, den guten Freund.“[10]
[2] „Der Vater, Mutter Amira, Tochter Fatima, die Söhne Muhamed und Ahmed, waren bald recht froh über die Mitbewohner, die fortan ‚Habibis‘ genannt wurden. Was soviel bedeutet wie ‚geliebte Fremde‘.“[11]
[2] „Er lacht mich aus. Arbeit ist was für Ausländer. Inländer haben das Land und die Macht. Die omanische Sozialökonomie ist so einfach. Aber ist Said nicht Touristenführer? ‚Habibi, wie sonst könnte ich dich kennenlernen?‘ Habibi heißt Freundchen.“[12]
[2] „‚Habibi‘, ruft er und hält mich am Arm fest. ‚Habibi‘, und dann vollführt er mitten auf der Gleimstraße vor seinem Antikmöbelladen ein kleines Tänzchen und singt dazu in einer mir fremden Sprache. Seine Augen leuchten und ein paar Passanten drehen sich um. Ich erröte. Anfangs gab es nur einen festen Händedruck und ein gehauchtes ‚Habibi‘, wann immer ich an seinem Geschäft vorbeikam. […] Er singt und tanzt und ruft ‚Habibi‘, aber für eine andere Frau.“[13]
[2] „‚Wenn zwei Araberinnen auf dem gleichen Flug Dienst haben, stecken sie automatisch in jeder freien Minute die Köpfe zusammen: Habibi guck mal, Habibi hör mal - das kann andere in der Crew irritieren‘, sagt Jacques, 40, ein Libanese, der seit 14 Jahren dabei ist.“[14]
[2] „Er ruft voller Leidenschaft ins Telefon: ‚Habibi, so Allah will, schicke ich Dir gleich morgen das Geld!‘ […] Einem Habibi setzt man nicht die Daumenschrauben an. Und Habibi wird man in dem Moment, in dem man den Handschlag auf ein Geschäft gibt. Das Lexikon übersetzt Habibi mit Liebling (für männliche Personen). In Wirklichkeit bedeutet es mehr: Kumpel, Alter, Freund, Bruder. Dein Habibi ist dein Partner im Überlebenskampf. Irgendwie ist jeder dein Habibi.[15]
[2] „Nachdem Heinz mit einem trommelfellzerreißenden ‚Wie geht es dir, Habibi?‘ das Café betreten hat, küsst er den verdutzten türkischen Inhaber auf beide Wangen.“[16]
[2] „Broder und Follath übrigens kennen und schätzen sich, was sie aber nicht daran hindert, in ihrem Dialog zum Angriff überzugehen – in den Worten Broders: ‚Jallah, Habibi! Auf geht’s, mein Lieber.‘“[17]
[2] „Mustafa: ‚[…] Der is’ doch Habibi von Ahmed.‘“[18]
[2] „Seine markante Stimme schallt durch die Ruinen: ‚Habibi, yallah, yallah.‘ Das bedeutet so viel wie ‚Freunde, los geht’s.‘ Er könne sich nicht die Namen aller Gäste merken, deswegen seien alle seine ‚Habibis‘, erklärt Ahmed, der den Touristen in Luxor außerdem das Tal der Könige mit bislang 64 entdeckten Königsgräbern - darunter das von Tutenchamun -, die Memnonkolosse und den Tempel der Hatschepsut zeigt.“[19]

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:
[*] Wikipedia-Artikel „Habibi
[*] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „Habibi
[*] Uni Leipzig: Wortschatz-PortalHabibi
[1, 2] Stefan Zehentmeier: Neue Farben in der Sprache. In: jetzt. 23. Dezember 2012 (URL, abgerufen am 4. Februar 2016).
[1] PONS, Wörterbuch der Jugendsprache. Mit 1.500 Einträgen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, von Schülerinnen und Schülern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. 1. Auflage. PONS, Stuttgart 2014, ISBN 978-3-12-010079-9, Seite 55 (Google Books).

Quellen:

  1. Hans Wehr, unter Mitwirkung von Lorenz Kropfitsch: Arabisches Wörterbuch für die Schriftsprache der Gegenwart. Arabisch - Deutsch. 5. Auflage. Otto Harrassowitz, Wiesbaden 1985, ISBN 3-447-01998-0, DNB 850767733, Stichwort »حبيب‎«, Seite 223.
  2. Ulrich Seeger; unter Mitarbeit von Taḥsīn ʿAlāwnih: Der arabische Dialekt der Dörfer um Ramallah. Teil 2: Glossar. 1. Auflage. Harrassowitz, Wiesbaden 2009 (Semitica viva ; Band 44, ISSN 0931-2811), ISBN 978-3-447-05836-0, Seite 49 (Zitiert nach Google Books)
  3. Siehe zum Beispiel: „Er aber wuſste sich besser zu beherrschen: ‚Habibi‘ (Freund), redete er mich mit fester, lauter Stimme an, ‚das geht nicht! glauben Sie, daſs wir unsern Herrn Abraham verkaufen?‘“ (G. Rosen: ⅩⅦ. Die Patriarchengruft zu Hebron, deren Besuch durch den Prinzen von Wales und ihre Bedeutung für die biblische Archaeologie. In: Zeitschrift für Allgemeine Erdkunde. Vierzehnter Band, Verlag von Dietrich Reimer, Berlin 1863, Seite 406 (Zitiert nach Google Books).)
  4. Frank Herrmann: Diana-Brunnen wird „entschärft“. In: Rhein-Zeitung. 14. August 2004.
  5. Jacey Derouich: Habibi.… ich kann jetzt tunesisch kochen! Ein Stückchen Tunesien für jeden Tag!. Books on Demand, Norderstedt 2013, ISBN 978-3-8482-4067-8, Seite [ohne Seitenangabe] (E-Book; zitiert nach Google Books).
  6. Elke Seidel: Die Katze, die ihr Glück sucht. Der vierte Fritzi Kullerkopf Roman. 1. Auflage. Books on Demand, Norderstedt 2014, ISBN 978-3-7386-6233-7, Seite [ohne Seitenangabe] (E-Book; zitiert nach Google Books).
  7. Dunja Ramadan: Leben in der Schwebe. In: Süddeutsche Zeitung. 12. Juni 2017, ISSN 0174-4917, Seite 6.
  8. Jamal Tuschick: Im „Gauß“ treffen sich Anwälte und Lehrer zum Skat. In: Frankfurter Rundschau. 6. Februar 1997, ISSN 0940-6980, Seite 11..
  9. „Für die Mühe, Habibi“. In: Salzburger Nachrichten. 14. März 1998.
  10. Dachs, K-B, Klingst: Fahrplan nach Jerusalem. In: DIE ZEIT. Nummer 19, 30. April 2003, ISSN 0044-2070, Seite 3 (DIE ZEIT Archiv-URL, abgerufen am 6. Juni 2018)..
  11. Der Besuch des „geliebten Fremden“. In: Kurier. 17. Juli 2004, Seite 13.
  12. Arbeit ist etwas für Ausländer. In: Süddeutsche Zeitung. 10. Mai 2005, ISSN 0174-4917, Seite 40.
  13. Mareike Barmeyer: berliner szenen Öffentliche Verehrung. Habibi. In: taz.die tageszeitung. Nummer 7756, 31. August 2005, ISSN 0931-9085, Seite 25 (taz Print-Archiv, abgerufen am 6. Juni 2018).
  14. Bernhard Zand: Heidi ja, Kate nein danke. In: DER SPIEGEL. Nummer 26, 3. Juni 2006, ISSN 0038-7452, Seite 124 (DER SPIEGEL Archiv-URL, abgerufen am 6. Juni 2018).
  15. Tewe Pannier: Wenn man ein Habibi ist. In: Der Tagesspiegel Online. 19. Juni 2006 (URL, abgerufen am 6. Juni 2018).
  16. Andreas Resch: berliner szenen Im Internetcafé. Heinz und seine Tante. In: taz.die tageszeitung. Nummer 8233, 23. März 2007, ISSN 0931-9085, Seite 25 (taz Print-Archiv, abgerufen am 6. Juni 2018).
  17. „Geht’s noch ohne Psychiater?“ In: DER SPIEGEL. Nummer 49, 30. November 2009, ISSN 0038-7452, Seite 156 (DER SPIEGEL Archiv-URL, abgerufen am 6. Juni 2018).
  18. SKA: Immer mehr Jugendliche sprechen ein völlig falsches Deutsch. Stadträtin fordert: Schluss mit Türksprech!. In: Berliner Kurier. 21. Oktober 2010 (URL, abgerufen am 4. Februar 2016).
  19. Marcel Wolber: Neue Hoffnungen am Nil. Der Tourismus in Ägypten. In: General-Anzeiger. 14. März 2015, Seite 62.