Faulenzer

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Faulenzer (Deutsch)[Bearbeiten]

Substantiv, m[Bearbeiten]

Singular

Plural

Nominativ der Faulenzer

die Faulenzer

Genitiv des Faulenzers

der Faulenzer

Dativ dem Faulenzer

den Faulenzern

Akkusativ den Faulenzer

die Faulenzer

[1] Künstlerische Darstellung eines Faulenzers (Bronze-Skulptur „Der Faulenzer“ von Karl Heinz Engelin in Hamburg-Volksdorf).
[3] Darstellung der Faulenzer (Lazy-Jacks) an einem Segelboot
[5] Die Buchstaben m und n mit Faulenzer.
[6] Ein Faulenzer.
[9] Ein gelber Faulenzer.
[10] Ein Bembel im Faulenzer.

Worttrennung:

Fau·len·zer, Plural: Fau·len·zer

Aussprache:

IPA: [ˈfaʊ̯lɛnt͡sɐ]
Hörbeispiele: Lautsprecherbild Faulenzer (Info)

Bedeutungen:

[1] eine faule Person
[2] umgangssprachlich, seit dem späten 19. Jahrhundert, heute veraltet: Unterlage, um auf unliniertem Blatt gerade schreiben zu können
[3] veraltet: Leine als Hilfe beim Segelbergen, die vom Mast zum Baum gespannt ist
[4] Schülersprache ab 1900: Übersetzung eines fremdsprachigen Textes
[5] umgangssprachlich, ab 1920: Strich über den Buchstaben m und n, der anzeigt, dass dieser Buchstabe als doppelt geschrieben gelten soll
[6] umgangssprachlich, im 19. Jahrhundert: Hilfsmittel für Berechnungen, etwa Rechenschieber oder Buch mit Tabellen für Umrechnungen oder für Ähnliches
[7] umgangssprachlich, ab 1920: Schraube am Hinterrad eines Fahrrads, die das Aufsteigen erleichtert
[8] umgangssprachlich, im 19. Jahrhundert: bequeme Sitzgelegenheit, etwa Lehnstuhl, Couch oder Liegestuhl
[9] umgangssprachlich, in Norddeutschland: Etui, in dem verschiedene Schreibutensilien wie Stifte, Lineal, Radiergummi oder Tintenpatronen ungeordnet aufbewahrt werden
[10] umgangssprachlich: Metallgestell mit Kippfunktion, in das ein Bembel gestellt wird, damit man ihn bequem so weit kippen kann, dass das Einschenken des Inhalts in Gläser mühelos möglich ist

Herkunft:

Ableitung des Substantivs) vom Stamm des Verbs faulenzen mit dem Derivatem (Ableitungsmorphem) -er

Synonyme:

[1] Drückeberger, Faulpelz, Müßiggänger, Nichtsnutz, Pflastertreter, Phlegmatiker, Sesselfurzer, Tagedieb, Tunichtgut, übertragen: Faultier, veraltet: Bärenhäuter
[2] Linienblatt, Linienspiegel
[3] Lazy-Jack
[5] Überstrich
[9] Schlamper, Schlampermäppchen

Gegenwörter:

[1] Fleißiger, Strebsamer

Weibliche Wortformen:

[1] Faulenzerin

Oberbegriffe:

[1] Person

Beispiele:

[1] „Will dieser Faulenzer etwa den ganzen Tag im Bett bleiben?“
[1] „Dabei war Paris einmal die Stadt der Boheme und der Langschläfer, der großen Denker an Café-Tischen und der Faulenzer.“[1]
[2] „V. erklärte, er benötige zur Abfassung des Testamentes Papier und einen »Faulenzer«, worauf Dechant R. noch angab, wo Papier und Faulenzer zu finden seien.“[2]
[3] Der Faulenzer ist die vom Mast zum Baum gespannte Leine, die verhindern soll, dass ein Segel während des Bergens über Bord geht.
[4]
[5]
[6]
[7]
[8]
[9]
[10] „Zum Glück brauchte er nicht nachzubestellen, denn sofort füllte ihm der Schankmeister aus dem Bembel, der im Faulenzer stand, nach.“[3]

Charakteristische Wortkombinationen:

[1] notorischer Faulenzer

Wortbildungen:

[1] Faulenzerei, Faulenzerherz, faulenzerisch, Faulenzerleben, Faulenzerschule, Faulenzerstuhl


Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:

[1, 2] Wikipedia-Artikel „Faulenzer
[3] Wikipedia-Artikel „Lazy-Jack
[1] Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. 16 Bände in 32 Teilbänden. Leipzig 1854–1961 „Faulenzer
[1] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „Faulenzer
[1] canoo.net „Faulenzer
[1] Uni Leipzig: Wortschatz-LexikonFaulenzer
[1, 2] ÖBV im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung (Herausgeber): Österreichisches Wörterbuch. Vollständige Ausgabe mit dem amtlichen Regelwerk. 43. Auflage. ÖBV, Wien 2016, ISBN 978-3-209-08514-6 (Bearbeitung: Magdalena Eybl et al.; Red.: Christiane M. Pabst, Herbert Fussy, Ulrike Steiner), Seite 234, Eintrag „faul“.
[3] Klüver, Back und Quarterdeck, Ingo Kroll
[2, 4–8] Heinz Küpper: Illustriertes Lexikon der deutschen Umgangssprache in 8 Bänden. 2. Band Blau–Faul, Klett, Stuttgart 1983, ISBN 3-12-570120-1, DNB 830485171, „Faulenzer“, Seite 787.
[6] Allgemeines Verzeichniß der Bücher, welche in der Frankfurter oder Leipziger Ostermesse des 1837. Jahres ganz neu gedruckt oder neu aufgelegt worden sind, auch derer, die künftig herauskommen sollen. Weidmann’sche Buchhandlung, Leipzig, Seite 248 (Google Books)
[9] Jürgen Eichhoff (Herausgeber): Wortatlas der deutschen Umgangssprachen. Dritter Band, K.G. Saur Verlag AG, München/New Providence/London/Paris/Bern 1993, ISBN 3-907820-48-7, Seite 80 (Google Books)
[10] Frank Demant: Das Grauen im Bembelparadies. 1. Auflage. Röschen-Verlag, Frankfurt am Main 2013, Seite 46 (Google Books)
[10] Matthias Alexander (Herausgeber): Frankfurt am Main. Zwischen Goethe-Klassik und Bankenhauptstadt. F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main 2014, ISBN 978-3-89843-374-7, Seite 170 (Google Books).

Quellen:

  1. Pascale Hugues: Deutschland à la française. Rowohlt, Reinbek 2017, ISBN 978-3-498-03032-2, Seite 173. Französisches Original 2017.
  2. Spruch des österreichischen OGH vom 2. Februar 1966
  3. Gerd Fischer: Ebbelwoijunkie. mainbook Verlag, 2017, ISBN 9783946413646, Seite 42 (Google Books).