Fuß fassen

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Fuß fassen (Deutsch)[Bearbeiten]

Redewendung[Bearbeiten]

Alternative Schreibweisen:

Schweiz und Liechtenstein: Fuss fassen

Worttrennung:

Fuß fas·sen

Aussprache:

IPA: [fuːs ˈfasn̩]
Hörbeispiele:

Bedeutungen:

[1] (auch übertragen): mit den Füßen sicher auf dem Boden auftreten
[2] sich im Beruf oder einem Lebensbereich (Geistes- oder Gesellschaftsleben, Politik etc.) etablieren
[3] sich niederlassen, seinen dauernden Wohnsitz begründen
[4] einen Markt erobern, sich wirtschaftlich behaupten

Herkunft:

den Fuß fest und haftend auf den Boden aufsetzen (um zum Beispiel zum Kampf gerüstet zu sein)[1]

Synonyme:

[1] sicher auftreten
[2] sich etablieren
[3] sich niederlassen
[4] Marktanteile gewinnen, sich wirtschaftlich behaupten

Sinnverwandte Wörter:

[1] festen Boden unter den Füßen gewinnen

Gegenwörter:

[1] abheben
[2] versagen
[3] wegziehen
[4] wirtschaftlich Schiffbruch erleiden

Oberbegriffe:

[1] stehen
[2] reüssieren
[3] wohnen
[4] expandieren

Beispiele:

[1] »Das mit Bleiplatten bedeckte Dach«, sagte er, »ist so abschüssig, daß Sie nicht darauf werden gehen können, denn Sie werden kaum imstande sein, sich aufrecht zu halten; das Dach ist allerdings mit sieben oder acht Dachluken versehen, aber diese sind sämtlich mit eisernen Stäben vergittert, und sie sind unzugänglich, weil sie alle weit vom Rande entfernt sind und weil man vor ihnen nicht festen Fuß fassen kann.[2]
[1] Dennoch verhehlte er sich selbst nicht das Misliche seiner Lage, und mit völliger Ruhe sagte er zu seinen Freunden: »Ich sehe voraus, daß mein Tod dem der englischen Freiheiten folgen muß. Die Willkürherrschaft wird erst festen Fuß fassen, wenn mein Blut vergossen ist.«[3]
[2] Er verstand nicht sich, verstand nicht die anderen; aber wir verstehen es. Man kann in einem Hause, in einer Familie sein, und doch nicht festen Fuß fassen, man plaudert miteinander, wie man in einem Postwagen plaudert, kennt einander, wie man im Postwagen sich kennt, geniert einander und wünscht sich selbst oder den guten Nachbar Meilen weit fort.[4]
[2] Sie sind eine Handarbeiterin, die Fuß fassen will in den Herzen der Männer, indem sie ihnen die Köpf' verrückt durch melancholischen Anstrich und scheinheilige Kokettur![5]
[3] Dort ist Hoffnung, daß wir noch vor dem Winter festen Fuß fassen, oder wenigstens Kiew gewinnen, um daselbst zu kantonieren.[6]
[4] 350.000 bis 500.000 Euro wird das Unternehmen wohl in den kommenden zwei Jahren in die Hand nehmen müssen, um in den Nachbarländern wirklich Fuß fassen zu können.[7]

Charakteristische Wortkombinationen:

am/im/in Arbeitsmarkt, Deutschland, Europa, Fotomarkt, Indien, Land, Leben, Musikgeschäft, Westen Fuß fassen
hier, neu, nicht, problemlos, schnell, stärker, überregional, wieder, wirklich Fuß fassen
Fuß fassen können, müssen, wollen

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:

[1–3] Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. 16 Bände in 32 Teilbänden. Leipzig 1854–1961 „Fuß
[*] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „Fuß fassen
[1, 4] Uni Leipzig: Wortschatz-LexikonFuß
[1, 4] Uni Leipzig: Wortschatz-Lexikonfassen
[1–4] Redensarten-Index „Fuß fassen

Quellen:

  1. Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Redewendungen. Wörterbuch der deutschen Idiomatik. In: Der Duden in zwölf Bänden. 3., überarbeitete und aktualisierte Auflage. Band 11, Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2008, ISBN 978-3-411-04113-8, Seite 252.
  2. Giacomo Casanova: Erinnerungen. In: Projekt Gutenberg-DE. Band 2, Einunddreißigstes Kapitel (URL).
  3. Willibald Alexis: Der neue Pitaval. In: Projekt Gutenberg-DE. Band 7, William Lord Russell - 1683 (URL).
  4. Hans Christian Andersen: Des Junggesellen Nachtmütze. In: Projekt Gutenberg-DE. (URL).
  5. Johann Nestroy: Das Mädel aus der Vorstadt. In: Projekt Gutenberg-DE. (URL).
  6. Ludwig Rellstab: 1812 - Ein historischer Roman. In: Projekt Gutenberg-DE. Zehntes Buch, Erstes Kapitel. (URL).
  7. Miriam Koch: Exportvolumen Österreichs steigt deutlich. In: DiePresse.com. 31. August 2007, ISSN 1563-5449 (URL, abgerufen am 18. November 2011).

Ähnliche Wörter (Deutsch):

ähnlich geschrieben und/oder ausgesprochen: Mut fassen