verschleiern

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verschleiern (Deutsch)[Bearbeiten]

Verb[Bearbeiten]

Person Wortform
Präsens ich verschleiere
du verschleierst
er, sie, es verschleiert
Präteritum ich verschleierte
Konjunktiv II ich verschleierte
Imperativ Singular verschleiere!
Plural verschleiert!
Perfekt Partizip II Hilfsverb
verschleiert haben
Alle weiteren Formen: verschleiern (Konjugation)
[3] während der Belle Époque verschleierten sich die Damen der Gesellschaft

Worttrennung:

ver·schlei·ern, Präteritum: ver·schlei·er·te, Partizip II: ver·schlei·ert

Aussprache:

IPA: [fɛɐ̯ˈʃlaɪ̯ɐn], Präteritum: [fɛɐ̯ˈʃlaɪ̯ɐtə], Partizip II: [fɛɐ̯ˈʃlaɪ̯ɐt]
Hörbeispiele: —
Reime: -aɪ̯ɐn

Bedeutungen:

[1] transitiv: vor etwas einen Schleier geben
[2] transitiv, übertragen: etwas verheimlichen, verbergen
[3] reflexiv: sich mit einem Schleier bedecken
[4] reflexiv: der Himmel vernebelt sich mit einer Dunstglocke oder Wolken
[5] reflexiv: der Blick trübt sich (Tränenflüssigkeit)

Herkunft:

Derivation (Ableitung) des Substantivs Schleier durch Konversion und dem Präfix ver-

Synonyme:

[1] verhüllen, bemänteln
[2] tarnen, verbergen, verhehlen, verheimlichen, vernebeln, verstecken, vertuschen
[3] sich verhüllen
[4] sich vernebeln
[5] sich trüben

Gegenwörter:

[1] enthüllen, entschleiern
[2] aufdecken, aufklären
[3] sich enthüllen / entschleiern
[4] sich aufklären
[5] sich klären

Oberbegriffe:

[1] verdecken
[2] irreführen
[3] kleiden
[4] bewölken
[5] sehen

Beispiele:

[1] Dieser Rauch umschwamm, ohne ihn jedoch zu verschleiern, den Thurm von La Tourgue, dessen ragende Plattform den ganzen Horizont beherrschte.[1]
[1] Die dichten schwarzen Dunstmassen ballen sich über unserem Haupte, und verschleiern auch die letzten Lichter des Himmels.[2]
[1] Sie blinkten seltsam in dem frühen Halbdunkel, denn es war heute der kürzeste Tag des Jahres, und den Hof verschleierte ein frühes Schneegestöber.[3]
[2] Die Innsbrucker Juristen empfehlen, die Frage einer Volksabstimmung "gründlich zu überdenken". Das "tranchenweise" Vorgehen verschleiere demnach den Blick auf die tatsächlichen Änderungen der Grundprinzipien.[4]
[2] Es fehlte ihm nicht an Verstand, den er aber nur anwendete, die schändlichen Eigenschaften seines verdorbenen Herzens zu verschleiern.[5]
[2] Wenn man seine Berichte an den Kaiser mit anderen zeitgenössischen und zuverlässigen Quellen vergleicht, so findet man hier und da Abweichungen, die ohne Zweifel den Zweck haben, gewisse Vorgänge und Tatsachen zu verschleiern.[6]
[3] Falter: Im Iran etwa werden Frauen gezwungen, sich zu verschleiern. Ist das islamisch?[7]
[3] Gesetze gelten immer für alle Staatsbürger eines Landes. Wenn deutsche Geigerinnen im Iran ein Konzert geben, verschleiern sie sich eben.[8]
[4] Gegen Abend verschleierte sich der Himmel und glühte feuerrot im Lichte der untergehenden Sonne.
[5] Unter den aufkeimenden Tränen verschleierte sich ihr Blick.

Redewendungen:

Aufklären statt Verschleiern!

Charakteristische Wortkombinationen:

[1] Gesicht verschleiern
[2] den/die Abfertigungssystem, Aufwand, Besitzverhältnisse, Budgetsituation, Einkünfte, Exporterlöse, Gewinne, Herkunft, Korruption, Kosten, Konsequenzen, Kreditzinsen, Kriminalität, Missstand, Notstand, Skandal, Spekulationsverluste, Tatsachen, Ursache, Verlust, Wucherpreise verschleiern
[2] der/die Autobauer, Banken, Ein-Euro-Jobs, Medienfotos, Politiker, Wirtschaftsbosse verschleiern
[3] Braut, Muslima verschleiert sich
[4] Himmel verschleiert sich
[5] Blick verschleiert sich

Wortbildungen:

[1] Verschleierung

Übersetzungen[Bearbeiten]

? Referenzen und weiterführende Informationen:

[1, 2, 4] Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm „verschleiern
[1–5] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „verschleiern
[*] canoo.net „verschleiern
[1, 2] Uni Leipzig: Wortschatz-Lexikonverschleiern
[1–3] The Free Dictionary „verschleiern
[1–5] Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Hrsg.): Duden, Deutsches Universalwörterbuch. 6. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007, ISBN 978-3-411-05506-7

Quellen:

  1. Victor Hugo: 1793. In: Projekt Gutenberg-DE. Siebentes Buch, Bei Sonnenaufgang (URL).
  2. Jules Verne: Der Chancellor. In: Projekt Gutenberg-DE. Kap. 34 (URL).
  3. Conrad Ferdinand Meyer: Angela Borgia. In: Projekt Gutenberg-DE. Kap. 9 (URL).
  4. Ivo Stitic: Staatsreform: Ist eine Volksabstimmung erforderlich? In: DiePresse.com. (URL, abgerufen am 30. September 2012).
  5. Friedrich Schiller: Geschichten aus dem alten Pitaval. In: Projekt Gutenberg-DE. Kap. 1, Geschichte der Marquise von Gange (URL).
  6. Arthur Schurig: Die Eroberung von Mexiko durch Ferdinand Cortes. In: Projekt Gutenberg-DE. Einleitung (URL).
  7. Florian Klenk, Nina Weissensteiner: Ins Gebet genommen. In: falter.at. Nummer 31/2005 (Online, abgerufen am 30. September 2012).
  8. Internetbeleg

Ähnliche Wörter:

verschleiernd, verschleiert