Fußlappen

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Fußlappen (Deutsch)[Bearbeiten]

Substantiv, m[Bearbeiten]

Singular Plural
Nominativ der Fußlappen die Fußlappen
Genitiv des Fußlappens der Fußlappen
Dativ dem Fußlappen den Fußlappen
Akkusativ den Fußlappen die Fußlappen

Alternative Schreibweisen:

Schweiz und Liechtenstein: Fusslappen

Nebenformen:

veraltet: Fußlappe

Worttrennung:

Fuß·lap·pen, Plural: Fuß·lap·pen

Aussprache:

IPA: [ˈfuːsˌlapn̩] ~ [ˈfuːsˌlapm̩]
Hörbeispiele: Lautsprecherbild [ˈfuːsˌlapm̩] (Info)

Bedeutungen:

[1] Lappen, den man statt eines Strumpfes um den Fuß wickeln kann
[2] veraltet: Lappen, mit dem man sich die Füße oder die lederne Fußbekleidung abwischen kann
[3] soldatensprachlichsaloppumgangssprachlich; nur im Plural: Kohl, dessen grünlich weiße Blätter sich zu einem festen Kopf zusammenschließen; Essen mit großen Stücken dieses Kohls
[4] soldatensprachlichumgangssprachlich; nur im Singular: Stück Fleisch, das zäh ist

Herkunft:

  • strukturell:
Determinativkompositum aus den Substantiven Fuß und Lappen
[3] Die anfangs kundensprachliche, dann soldatensprachliche Bedeutung ist seit dem späten 19. Jahrhundert bezeugt.[1] Die Bedeutungsübertragung fußt darauf, dass die statt eines Strumpfes um die Füße gewickelten Lappen in übertriebener Auffassung den Kohlblättern ähneln, vor allem dem sogenannten Krautwickelgefüllte Kohlroulade‘.[1]
[4] Diese Bedeutung ist ab 1939 soldatensprachlich bezeugt.[1]

Synonyme:

[1] umgangssprachlich: Käsebinde
[1] historisch regional (Ostpreußen: Pillkallen; Memelland): Aute
[2] veraltet: Fußhader, Fußlumpe
[3] besonders norddeutsch: Weißkohl
[3] besonders süddeutsch, österreichisch: Weißkraut

Oberbegriffe:

[1] Lappen

Beispiele:

[1] „An Stelle der Schuhe aber waren zwei prachtvoll rote Fußlappen um die Füße gewickelt, leider aber war die Farbe nicht mehr zu erkennen.“[2]
[1] „Täglich mitansehen zu müssen, wie die Kameraden geschlagen und getriezt werden, wie dieselben S.S.-Männer, denen man abends humoristische Einakter und Gedichte einstudierte und sogar die Hand drückte, sich tagsüber gegen die Mitgefangenen in der brutalsten Weise benahmen; einem Kommandanten freundlich ins Gesicht lächeln zu müssen, der bei den grausigen Verhören, die oft in seinem Vorzimmer stattfanden, dabei war und selbst mitschlug, der die Kranken, die sich im Revier meldeten, mit Fußtritten und Ohrfeigen zurückjagte, der auf den Stationen nächtliche Razzien und Ueberfälle vornahm, bei denen die Kameraden im Hemd auf den Hof getrieben wurden, während die S.S.-Männer oben im Saal die ärmlichen Habseligkeiten der Gefangenen, Kleider, Lebensmittel, Marmeladentöpfe, Butter, Brillen und Fußlappen durcheinander warfen, die Strohsäcke aufrissen und das Stroh über das Ganze ausschütteten und dann den Befehl erteilten, daß in wenigen Minuten der ganze Saal wieder in vollster Ordnung sein müsse; von einem Kommandanten eine Zigarette oder ein Glas Bier annehmen zu müssen, der den Stationsleiter öffentlich lobte, weil er einem kranken Gefangenen die Kniescheibe eingetreten hatte - wer kann ermessen, wie groß der seelische Druck war, die Verzweiflung, Wut, Gram und Haß, die mich erfüllten!“[3]
[1] „Die Fußlappen hängen draußen auf der Leine, auch die Bänder.“[4]
[1] „Er wollte leben wie ein Muschik, zog den Bauernkittel an und ging in Fußlappen und selbstgenähten Stiefeln.“[5]
[1] „Und wenn er am kältesten Tag des Jahres Schuhe anzog, so doch niemals Socken oder Strümpfe oder Fußlappen.[6]
[1] „Für Malka hatte es keine Schuhe gegeben, sie hatten der Kleinen Fußlappen umgebunden und darunter, statt Sohlen, mit großen Stichen Wachstuchstreifen genäht.“[7]
[1] „Die Fußlappen bewähren sich gut.“[8]
[1] „Aber sie hatte mir ein paar Fußlappen geschickt, die sie aus einem Stück Flanell geschnitten hatte.“[9]
[2] Schmeiß bloß die alten Fußlappen weg!
[3, 4] Wie abwechslungsreich – heute gibt es schon wieder Fußlappen zum Mittag!

Redewendungen:

[3] umgangssprachlich: Fußlappen mit Flöhen

Wortbildungen:

[3] Fußlappenkohl, Fußlappenroulade, Fußlappensuppe

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:

[1] Wikipedia-Artikel „Fußlappen
[1, 3] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „Fußlappen
[*] canoo.net „Fußlappen
[*] Online-Wortschatz-Informationssystem Deutsch – elexiko „Fußlappen
[1] Duden online „Fußlappen
[1] wissen.de – Wörterbuch „Fußlappen
[*] PONS – Deutsche Rechtschreibung „Fußlappen
[*] Uni Leipzig: Wortschatz-LexikonFußlappen
[1, 2] Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. 16 Bände in 32 Teilbänden. Leipzig 1854–1961 „FUSZLAPPE, heute gewöhnlich fuszlappen“.
[3, 4] Heinz Küpper: Wörterbuch der deutschen Umgangssprache. In: Digitale Bibliothek. 1. Auflage. 36, Directmedia Publishing, Berlin 2006, ISBN 3-89853-436-7, Stichwort »Fußlappen«.
[1] Renate Wahrig-Burfeind: Brockhaus Wahrig Deutsches Wörterbuch. Mit einem Lexikon der Sprachlehre. In: Digitale Bibliothek. 9., vollständig neu bearbeitete und aktualisierte Auflage. wissenmedia in der inmedia ONE GmbH, Gütersloh/München 2012, ISBN 978-3-577-07595-4 (CD-ROM-Ausgabe), Stichwort »Fußlappen«.
[1] Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Deutsches Universalwörterbuch. Das umfassende Bedeutungswörterbuch der deutschen Gegenwartssprache. 8., überarbeitete und erweiterte Auflage. Dudenverlag, Berlin 2015, ISBN 978-3-411-05508-1, Stichwort »Fußlappen«, Seite 661.

Quellen:

  1. 1,0 1,1 1,2 Heinz Küpper: Wörterbuch der deutschen Umgangssprache. In: Digitale Bibliothek. 1. Auflage. 36, Directmedia Publishing, Berlin 2006, ISBN 3-89853-436-7, Stichwort »Fußlappen«.
  2. Carl May: Durchs Wilde Kurdiſtan. Reiſeerlebniſſe. 1. Auflage. Verlag von Friedrich Ernſt Fehlenfeld, Freiburg i. B. [1892], Seite 625 (Zitiert nach Deutsches Textarchiv).
  3. Wolfgang Langhoff; mit einem Vorwort von Willi Dickhut: Die Moorsoldaten. 13 Monate Konzentrationslager. 4. Auflage. Schweizer Spiegel Verlag, Zürich 1935, Seite 290 (Zitiert nach Google Books).
  4. Johannes Bobrowski: Levins Mühle. 34 Sätze über meinen Großvater. Roman. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1964, Seite 127 (Lizenz des VOB Union Verlag, Berlin).
  5. Ein wenig die Peitsche. In: Der Spiegel. Nummer 46, 12. November 1984, ISSN 0038-7452, Seite 246 (SPIEGEL-Archiv URL, abgerufen am 24. Mai 2017).
  6. Martin Walser: Ein springender Brunnen. Roman. 1. Auflage. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1998, ISBN 3-518-41010-5, Seite 23.
  7. Mirjam Pressler: Malka Mai. Roman. Beltz & Gelberg, Weinheim/Basel 2001, ISBN 978-3-407-80879-0, Seite 67.
  8. Egon Erwin Kisch: Schreib das auf, Kisch! Ein Kriegstagebuch. Aufbau Verlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-351-03557-0, Seite 91 (Textgrundlage 1914/15).
  9. Ludwig Renn: Krieg. Aufbau Verlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-351-03515-0, Seite 154 (Erstveröffentlichung 1928 in der Frankfurter Societäts-Druckerei).