Canossagang

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Canossagang (Deutsch)[Bearbeiten]

Substantiv, m[Bearbeiten]

Singular Plural
Nominativ der Canossagang die Canossagänge
Genitiv des Canossaganges
des Canossagangs
der Canossagänge
Dativ dem Canossagang
dem Canossagange
den Canossagängen
Akkusativ den Canossagang die Canossagänge

Alternative Schreibweisen:

Kanossagang

Worttrennung:

Ca·nos·sa·gang, Plural: Ca·nos·sa·gän·ge

Aussprache:

IPA: [kaˈnɔsaˌɡaŋ]
Hörbeispiele: Lautsprecherbild Canossagang (Info)

Bedeutungen:

[1] Plural selten, erniedrigend: Gang zu jemandem, den man demütig um Verzeihung bitten muss für etwas, was man gegen dessen Willen/gegen dessen Interessen gesagt oder getan hat

Herkunft:

Determinativkompositum (Zusammensetzung) aus den Substantiven Canossa und Gang
nach dem Gang nach Canossa[1] im Jahr 1077, einer Reise König Heinrichs IV. zur Burg Canossa (zwischen Bologna und Parma) zu Papst Gregor VII., damit dieser den vom ihm ein Jahr zuvor ausgesprochenen Kirchenbann aufhebe[2]

Synonyme:

[1] Gang nach Canossa

Sinnverwandte Wörter:

[1] Bittgang, Bußgang, Kniefall, Unterwerfung
[1] Abbitte

Beispiele:

[1] „Wer einen Canossagang von George W. Bush vor den Vereinten Nationen erwartet hatte, sah sich getäuscht.“[3]
[1] „Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) trat, nachdem er bekundet hatte, er würde seine Kinder nicht auf eine Kreuzberger Schule schicken, einen Canossagang in die Morgenstern-Schule an und brachte „zwei neue Lehrer mit“, so Lammers.“[4]
[1] „Griechenland muss den IWF um Geld bitten – Es wirkt wie ein Canossagang, wenn die Syriza-Regierung den ungeliebten Währungsfonds um einen neuen Kredit bitten muss.“[5]
[1] „Ausgerechnet jetzt, nach dem Canossagang der Griechen, verlangen wir ihren Austritt aus dem Euro?“[6]
[1] „Die AIBA kann wieder atmen. Das IOC hatte die Zuwendungen von 16 Millionen Dollar in diesem Olympia-Zyklus in der Hoffnung gestoppt, der Boxverband würde unter der gewaltigen Schuldenlast reumütig den Canossagang antreten. Tat er aber nicht.“[7]
[1] „Christian Wulff wäre vielleicht heute noch Bundespräsident, wenn er sich zu einem Canossagang hätte entschließen können. Reue, Demut, Bitte um Entschuldigung.“[8]
[1] [Brexit 2019:] „Was passiert nach der Abstimmung? Ein wahrscheinliches Szenario ist, dass die britische Premierministerin Theresa May einmal mehr den Canossagang nach Brüssel antreten muss, um erneut Zugeständnisse zu erbitten.“[9]
[1] [Ersatztorwart Oliver Kahn, Fußball-WM 2006:] „»Ich verspüre in den Trainingsabläufen nichts Demotivierendes.« Nur bei den Spielen, wenn er den Canossagang zur Bank antreten muss, mache sich Frust breit.“[10]
[1] „Wer dagegen den Weg nach Canossa antrat, war in der Geschichte meist langfristig der Sieger.“ […] „Es galt auch für Angela Merkel, die ihrem Rivalen Edmund Stoiber 2002 in einem Canossagang die Spitzenkandidatur antrug. Drei Jahre später war sie Kanzlerin.“[11]
[1] „Mein Vater war außer sich und sagte, dass er den Vorwurf bekäme, er hätte seine Tochter falsch erzogen. Ich habe einen schrecklichen Canossagang machen müssen, denn ich hatte Angst, von der Schule gewiesen zu werden.“[12]

Charakteristische Wortkombinationen:

[1] mit Verb: einen Canossagang antreten / unternehmen, sich auf einen Canossagang begeben, sich zu einem Canossagang aufmachen, zu einem Canossagang gezwungen sein
[1] mit Adjektiv: demütigender Canossagang

Übersetzungen[Bearbeiten]

 [1erniedrigend: Gang zu jemandem, den man demütig um Verzeihung bitten muss für etwas, was man gegen dessen Willen/gegen dessen Interessen gesagt oder getan hat
Referenzen und weiterführende Informationen:
[1] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „Canossagang
[*] Uni Leipzig: Wortschatz-PortalCanossagang
[*] Online-Wortschatz-Informationssystem Deutsch – elexiko „Canossagang
[*] Wikipedia-Suchergebnisse für „Canossagang
[1] PONS – Deutsche Rechtschreibung „Canossagang
[1] Duden online „Canossagang
[1] Wahrig Fremdwörterlexikon „Canossagang“ auf wissen.de

Quellen:

  1. Wikipedia-Artikel „Gang nach Canossa
  2. Wahrig Herkunftswörterbuch „Canossagang“ auf wissen.de
  3. Daniel Scheschkewitz: New York ist nicht Canossa. In: Deutsche Welle. 23. September 2003 (URL, abgerufen am 2. April 2022).
  4. Roman Schmidseder: Antisemitismus-Debatte – Opfer der Medien. In: taz.de. 16. Februar 2007, ISSN 2626-5761 (URL, abgerufen am 2. April 2022).
  5. Griechenland muss den IWF um Geld bitten. In: Deutsche Welle. 24. Juli 2015 (URL, abgerufen am 2. April 2022).
  6. Lorenzo Bini Smaghi: Debatte zu Griechenland:Die deutschen Vorurteile. In: sueddeutsche.de. 26. August 2015, ISSN 0174-4917 (URL, abgerufen am 2. April 2022).
  7. Boxen: Wegen Rachimow: Sanktionen oder russische Lösung?. In: sueddeutsche.de. 4. November 2018, ISSN 0174-4917 (URL, abgerufen am 2. April 2022).
  8. Harald Martenstein: Martenstein reist rückwärts – Rubikon Hinterm geht’s weiter. In: Der Tagesspiegel Online. 15. Juli 2012 (URL, abgerufen am 2. April 2022).
  9. LIVETICKER – Der Tag der Abstimmung im Rückblick. news.orf.at, ORF Online und Teletext GmbH & Co KG, Wien, Österreich, abgerufen am 2. April 2022.
  10. Markus Völker: Vom Titanen zum Zahmen. In: taz.de. 23. Juni 2006, ISSN 2626-5761 (URL, abgerufen am 2. April 2022).
  11. Ralph Bollmann: Die Kanzlerin und der Papst: Revanche für Canossa. In: taz.de. 5. Februar 2009, ISSN 2626-5761 (URL, abgerufen am 2. April 2022).
  12. Godela Orff, Schauspielerin und Dozentin im Gespräch mit Dr. Ernst Emrich. In: Bayerischer Rundfunk. 15. September 2003 (URL, abgerufen am 2. April 2022).
  13. Collins Wörterbuch: Canossagang