auf eigene Faust

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auf eigene Faust (Deutsch)[Bearbeiten]

Redewendung[Bearbeiten]

Worttrennung:
auf ei·ge·ne Faust

Aussprache:
IPA: [aʊ̯f ˌʔaɪ̯ɡənə ˈfaʊ̯st]
Hörbeispiele: Lautsprecherbild auf eigene Faust (Info)

Bedeutungen:
[1] umgangssprachlich: aus eigenem Antrieb, durch eigene Tatkraft, ohne fremde Hilfe; auf eigene Verantwortung

Herkunft:
Die seit dem 18. Jahrhundert[1] bezeugte Wendung schließt an »Faust« als Sinnbild der Stärke, Macht, Verantwortungslosigkeit[1] und Gewalt[1] an.[2]

Sinnverwandte Wörter:
[1] im Alleingang, eigenmächtig, eigenständig, selbstständig, von sich aus; auf eigene Gefahr, eigenverantwortlich

Beispiele:
[1] „Lieber ein Narr sein auf eigne Faust, als ein Weiser nach fremdem Gutdünken!“[3]
[1] „Daß ich zu Klamm gelangen will, weißt du, daß du mir dazu nicht verhelfen kannst und daß ich es daher auf eigene Faust erreichen muß, weißt du auch, daß es mir bisher noch nicht gelungen ist, siehst du.“[4]
[1] „Klenk drohte, er werde auf eigene Faust losschlagen.“[5]
[1] „Wenn er nur nichts auf eigene Faust unternimmt.“[6]
[1] „Andere der 46 Todeskandidaten hatten sich auf eigene Faust Verstecke ausfindig gemacht.“[7]
[1] „Er gab dem Besucher sogar zwei Leute seiner Leibwache mit, die ihn zu einem Bahnhof der Tunnellinie nach New York bringen sollten, die aber unterwegs auf den Versuch verfielen, diesen Europäer einmal auf eigene Faust ein bißchen auszunehmen, und ihn zwei Tage lang auf das höflichste im Hinterzimmer eines Friseursalons in Newark in Gewahrsam hielten.“[8]
[1] „Die Aberration ist eigentlich nur der Kurzschluß der Anpassung: die offene Narretei des einen ruft irrtümlich im anderen die Narretei des Ganzen beim richtigen Namen, und der Paranoiker ist das Spottbild des richtigen Lebens, indem er auf eigene Faust dem falschen es gleichzutun beliebt.“[9]
[1] „Er wolle es nun auf eigene Faust mit ihm aufnehmen, falls das Syndikat damit einverstanden sei.“[10]
[1] „Sie war nun entschlossen, auf eigene Faust (und eigene Rechnung) die Arbeit fortzusetzen und die verstellte Person, die sich auf keine Fläche bannen ließ, aus ihren Gründen oder Fesseln zu heben, loszumachen, mit allen Mitteln des Handwerks und der Verführung.“[11]
[1] „In diesem Augenblick faßte sie entgegen Frohners Ermahnung den Entschluß, die fünf Leute auf eigene Faust zu suchen.“[12]
[1] „Wir haben bisher Psychologie auf eigene Faust getrieben; es ist Zeit, sich nach den Lehrmeinungen umzusehen, welche die heutige Psychologie beherrschen, und deren Verhältnis zu unseren Aufstellungen zu prüfen.“[13]
[1] „Es tut mir leid, daß ich auf eigene Faust gehandelt habe.“[14]
[1] „Wieder also öffnet sich auch hier der große ratlose Überschuß, der in keine Einheit mehr hinübergenommen wird, der nur hinterher, von innen her, auf eigene Faust und nach selbsterfundenen Methoden sozusagen, dem mangelhaften Tatbestand abzuhelfen, ihn zu ergänzen suchen muß.“[15]
[1] „Also kann diese Treue wiederum abstrakt sein, sie kann sich mit Sturem verbinden und sogar, der Sache selber viel weniger treu, als es den Anschein hat, mit einem Narren auf eigene Faust.[16]
[1] „Seine Sprache ahmt auf eigene Faust die straffe Konstruktion der Gesellschaft nach und wähnt, sie hätte den Beton zur Rede erweckt.“[17]

Charakteristische Wortkombinationen:
[1] auf eigene Faust handeln; etwas auf eigene Faust durchsetzen, tun, unternehmen, veranlassen, versuchen, vollenden

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:
[1] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „Faust
[1] Duden online „Faust
[1] wissen.de – Wörterbuch „Faust
[1] Redensarten-Index „auf eigene Faust
[1] Wander: Deutsches Sprichwörter-Lexikon „Faust“, Stichpunkt 16.
[1] Heinz Küpper: Wörterbuch der deutschen Umgangssprache. In: Digitale Bibliothek. 1. Auflage. 36, Directmedia Publishing, Berlin 2006, ISBN 3-89853-436-7, Stichwort »Faust Ⅱ«.
[1] Renate Wahrig-Burfeind: Brockhaus Wahrig Deutsches Wörterbuch. Mit einem Lexikon der Sprachlehre. In: Digitale Bibliothek. 9., vollständig neu bearbeitete und aktualisierte Auflage. wissenmedia in der inmedia ONE GmbH, Gütersloh/München 2012, ISBN 978-3-577-07595-4 (CD-ROM-Ausgabe), Stichwort »Faust«.
[1] Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Redewendungen. Wörterbuch der deutschen Idiomatik. In: Der Duden in zwölf Bänden. 4., neu bearbeitete und aktualisierte Auflage. Band 11, Dudenverlag, Berlin/Mannheim/Zürich 2013, ISBN 978-3-411-04114-5, Stichwort »Faust: auf eigene Faust«, Seite 206.
[1] Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Deutsches Universalwörterbuch. Das umfassende Bedeutungswörterbuch der deutschen Gegenwartssprache. 8., überarbeitete und erweiterte Auflage. Dudenverlag, Berlin 2015, ISBN 978-3-411-05508-1, Stichwort »Faust«, Seite 585.

Quellen:

  1. 1,0 1,1 1,2 Heinz Küpper: Wörterbuch der deutschen Umgangssprache. In: Digitale Bibliothek. 1. Auflage. 36, Directmedia Publishing, Berlin 2006, ISBN 3-89853-436-7, Stichwort »Faust Ⅱ«.
  2. Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Redewendungen. Wörterbuch der deutschen Idiomatik. In: Der Duden in zwölf Bänden. 4., neu bearbeitete und aktualisierte Auflage. Band 11, Dudenverlag, Berlin/Mannheim/Zürich 2013, ISBN 978-3-411-04114-5, Stichwort »Faust: auf eigene Faust«, Seite 206.
  3. Friedrich Nietzsche: Also sprach Zarathustra. Ein Buch für Alle und Keinen. 1. Auflage. Vierter und letzter Theil, Druck und Verlag von C. G. Naumann, Leipzig 1891, Seite 23 (Zitiert nach Deutsches Textarchiv).
  4. Franz Kafka; Max Brod (Herausgeber): Das Schloss. Roman. Kurt Wolff Verlag, München 1926, Seite 308 (Zitiert nach Wikisource-Quellentext „Seite:De_Kafka_Schloß_308.jpg“ (Stabilversion)).
  5. Lion Feuchtwanger: Erfolg. Drei Jahre Geschichte einer Provinz. Erster Band, Querido Verlag, Amsterdam 1934, Seite 702 (Zitiert nach Google Books; Erstausgabe bei Gustav Kiepenheuer, Berlin 1930).
  6. Anna Seghers: Das siebte Kreuz. Aufbau Verlag, Berlin 1961, Seite 253 (Zitiert nach Google Books; Erstausgabe im Verlag “El Libro Libre”, Mexiko 1942).
  7. Bruno Apitz: Nackt unter Wölfen. Roman. Ungekürzte Ausgabe, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1961 (rororo Taschenbuch 416/417), Seite 286 (Erstausgabe 1958).
  8. Uwe Johnson: Jahrestage. Aus dem Leben von Gesine Cresspahl. [Band 1], Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1970, Seite 396.
  9. Theodor W. Adorno: Minima Moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1971, Seite 215 (Erstausgabe 1951).
  10. Hans Magnus Enzensberger: Der kurze Sommer der Anarchie. Buenaventura Durrutis Leben und Tod. Roman. 1. Auflage. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1972, ISBN 3-518-02760-3, Seite 23.
  11. Botho Strauß: Niemand anderes. Carl Hanser Verlag, München/Wien 1987, ISBN 3-446-14890-6, Seite 164.
  12. Kerstin Jentzsch: Ankunft der Pandora. Roman. Heyne, München 1997, ISBN 3-453-13055-3, Seite 239 (Erstausgabe im Verlag Das Neue Berlin, Berlin 1996).
  13. Sigmund Freud: Ⅶ Zur Psychologie der Traumvorgänge. In: Alexander Mitscherlich, Angela Richards, James Strachey (Herausgeber): Sigmund Freud. Studienausgabe. Limitierte Sonderausgabe. Band Ⅱ: Die Traumdeutung (1900), Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2000, ISBN 3-596-50360-4, Seite 579.
  14. Martin Suter: Lila, Lila. Roman. Diogenes, Zürich 2004, ISBN 978-3-257-06386-8, Seite 89.
  15. Lou Andreas-Salomé: Die Erotik. In: Martin Buber (Herausgeber): Die Gesellschaft. Sammlung sozialpsychologischer Monographien. Dreiunddreissigster Band, Literarische Anstalt Rütten & Loening, Frankfurt am Main 1910, Seite 42–43 (Zitiert nach Deutsches Textarchiv).
  16. Ernst Bloch: Das Prinzip Hoffnung. 2. Band, Aufbau Verlag, Berlin 1956, Seite 24.
  17. Theodor W. Adorno: Minima Moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1971, Seite 295 (Erstausgabe 1951).