augenscheinlich

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augenscheinlich (Deutsch)[Bearbeiten]

Adjektiv[Bearbeiten]

Positiv Komparativ Superlativ
augenscheinlich augenscheinlicher am augenscheinlichsten
Alle weiteren Formen: Flexion:augenscheinlich

Worttrennung:

au·gen·schein·lich, Komparativ: au·gen·schein·li·cher, Superlativ: am au·gen·schein·lichs·ten

Aussprache:

IPA: [ˈaʊ̯ɡn̩ˌʃaɪ̯nlɪç], [ˈaʊ̯ɡŋ̩ˌʃaɪ̯nlɪç]; auch: [ˌaʊ̯ɡn̩ˈʃaɪ̯nlɪç], [ˌaʊ̯ɡŋ̩ˈʃaɪ̯nlɪç]
Hörbeispiele: Lautsprecherbild augenscheinlich (Info)
Reime: -aɪ̯nlɪç

Bedeutungen:

[1] gehoben: (auf den ersten Blick) klar erkennbar, klar ersichtlich
[2] gehoben: dem Anschein, Augenschein nach; so wie es scheint

Herkunft:

Ableitung zum Substantiv Augenschein mit dem Derivatem (Ableitungsmorphem) -lich

Synonyme:

[1, 2] offenbar, offensichtlich

Sinnverwandte Wörter:

[1] auffallend, auffällig, augenfällig, ausgeprägt, deutlich, eklatant, erkennbar, erwiesen, ins Auge fallend/ins Auge springend/in die Augen fallend/in die Augen springend, offenkundig, schreiend, sichtbar, unübersehbar, unverkennbar, vordergründig
[1] bildungssprachlich: evident, flagrant, manifest
[1] abwertend: aufgelegt
[2] anscheinend, möglicherweise, vermutlich, wahrscheinlich, womöglich, wohl
[2] gehoben: mutmaßlich
[2] landschaftlich, besonders süddeutsch, schweizerisch: scheint’s

Gegenwörter:

[1] geheim, verborgen, verdeckt, versteckt

Beispiele:

[1] „Pineiß ſah den Spiegel mißtrauiſch an und ſagte: »Wärſt Du wohl im Stande, Bürſchchen! mir den Schatz ein wenig nachzuweiſen und augenſcheinlich zu machen?«“[1]
[1] „Am augenscheinlichsten stelle sich der extreme Sorgfaltsverstoß der Beklagten in der Dienstanweisung des Bundesministeriums vom 6. April 1984 dar, wonach angeordnet worden sei, daß Wildschutzzäune nur dann zu errichten seien, wenn mehr als 5 Wildunfälle pro Jahr und Kilometer gemeldet würden; […]“[2]
[1] „Am augenscheinlichsten werden die Dimensionen bei einem Blick auf die Branche der Steuerberater.“[3]
[1] „Die augenscheinlichsten Neuerungen finden sich vorne, wo scharf gezogene Linien dem Transporter einen ernsten Gesichtsausdruck verleihen.“[4]
[1] „Am augenscheinlichsten wird das Sicherheitsbedürfnis der Österreicher aber bei der Zahl der im vergangenen Jahr abgeschlossenen Ganzjahresversicherungen: […]“[5]
[1] „Noch an einem anderen Ort hat die Neuvermessung ihre Spuren hinterlassen: Auf dem Rand der aktuellsten Schweizer Landeskarten ist ein neues Koordinatensystem eingezeichnet – die augenscheinlichste Änderung der neuen Landesvermessung.“[6]
[1] „In Frankreich gab es natürlich nichts, was mit den politischen Institutionen in den Kolonien vergleichbar gewesen wäre, doch die Mentalität war die gleiche; was Tocqueville in Frankreich als »Passion« und »Geschmack« bezeichnete, war in Amerika eine Erfahrung, die schon seit Beginn der Kolonisation augenscheinlich war, ja im Grunde seit dem Mayflower-Vertrag, der eine veritable Schule öffentlicher Gesinnung und öffentlicher Freiheit gewesen war.“[7]
[2] Hier handelt es sich um ein augenscheinliches Wunder.
[2] Die Waschmaschine zieht augenscheinlich nicht genug Wasser.
[2] „Als bald darauf der Wagen anhielt, trat von der Haustreppe die Magd in augenſcheinlicher Haſt heran: […].“[8]

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:
[1, 2] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „augenscheinlich
[*] canoonet „augenscheinlich
[*] Online-Wortschatz-Informationssystem Deutsch – elexiko „augenscheinlich
[1] The Free Dictionary „augenscheinlich
[1, 2] Duden online „augenscheinlich
[2] wissen.de – Wörterbuch „augenscheinlich
[*] PONS – Deutsche Rechtschreibung „augenscheinlich
[*] Uni Leipzig: Wortschatz-Portalaugenscheinlich

Quellen:

  1. Gottfried Keller: Die Leute von Seldwyla. Erzählungen. 1. Auflage. Druck und Verlag von Friedrich Vieweg und Sohn, Braunſchweig 1856, Seite 500 (Zitiert nach Deutsches Textarchiv).
  2. Beschluss des österreichischen Obersten Gerichtshofs. 26. Februar 1992, abgerufen am 24. Juli 2016.
  3. Thiemo Heeg: Abschreibungskünstler im Aufschwung. In: FAZ.NET. 14. Juni 2004, ISSN 0174-4909 (URL, abgerufen am 24. Juli 2016).
  4. Thomas Harloff, Felix Reek: Nichts für Nostalgiker. In: sueddeutsche.de. 14. September 2015, ISSN 0174-4917 (URL, abgerufen am 30. Mai 2016).
  5. Antonia Löffler: Die zwei Seiten der Tourismuskrise. In: DiePresse.com. 30. März 2016, ISSN 1563-5449 (URL, abgerufen am 24. Juli 2016).
  6. Boas Ruh: Die Schweiz auf Expansionskurs. In: NZZOnline. 6. April 2016, ISSN 0376-6829 (URL, abgerufen am 23. Juli 2016).
  7. Hannah Arendt; [m]it einem Nachwort von Thomas Meyer: Die Freiheit, frei zu sein. Deutsche Erstausgabe, 5. Auflage. dtv, München 2018 (Originaltitel: The freedom to be free, übersetzt von Andreas Wirthensohn), ISBN 978-3-423-14651-7, Seite 19.
  8. Theodor Storm: Schweigen. Zweite Auflage. Verlag von Gebrüder Paetel, Berlin 1902, Seite 89 (Zitiert nach Internet Archive).