Teutone

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Teutone (Deutsch)[Bearbeiten]

Substantiv, m[Bearbeiten]

Singular

Plural

Nominativ der Teutone

die Teutonen

Genitiv des Teutonen

der Teutonen

Dativ dem Teutonen

den Teutonen

Akkusativ den Teutonen

die Teutonen

Worttrennung:

Teu·to·ne, Plural: Teu·to·nen

Aussprache:

IPA: [tɔɪ̯ˈtoːnə]
Hörbeispiele:
Reime: -oːnə

Bedeutungen:

[1] im Plural Teutonen: ein germanischer Volksstamm, der ursprünglich im Gebiet des heutigen Schleswig-Holsteins und Jütlands siedelte; der Stamm verließ um 120 v.Chr. zusammen mit den Kimbern sein altes Siedlungsgebiet und drang in das Römische Reich ein. Die Teutonen besiegten die Römer 113 v. Chr. bei Neureja und 105 v. Chr. bei Arausio. Der römische Feldherr Gajus Marius besiegte 102 v. Chr. endgültig die Teutonen bei Aquae sextiae.
[2] im Singular: ein Angehöriger des Volksstammes der Teutonen
[3] meist abwertend für einen: Deutschen

Herkunft:

Teutone ist die keltische Bezeichnung für Volk. Für den griechischen Geschichtsschreiber und Geographen Strabon wie auch für spätere Historiker besteht jedoch zwischen Kelten und Germanen, gemäß einer von Cäsar erfundenen Diktion für die Völker östlich des Rheins, kein Unterschied.

Synonyme:

[3] Deutsche
[3] pejorativ: Boche, Kraut, Piefke, Saupreuß

Gegenwörter:

[1] Ambrone, Gote, Harude, Kimber, Normanne, Tougener, Vandale
[3] pejorativ: Katzelmacher, Ostmärker, Tommy, Tschusch

Weibliche Wortformen:

Teutonin

Oberbegriffe:

[1] Germane
[3] Europäer, Mensch

Beispiele:

[1] Vandalen, Ostgoten, Westgoten, Langobarden, Kimbern, Teutonen: Das waren nicht biologisch determinierte Gemeinschaften, wie römische Zeitgenossen sich das vorstellten, sondern Verbände mehrerer, oft recht mobiler Gruppen. Sie veränderten ihre Zusammensetzung gewaltig und mussten sich als ethnische Gemeinschaften ständig neu behaupten.[1]
[1] Marius besiegte die Zimbern und Teutonen, unterlag aber im Bürgerkrieg Sulla, der 82-79 diktatorisch regierte.[2]
[1] Geizige und anspruchslose Konsumenten wohnen in allen Ecken der Bundesrepublik, das ist bekannt, seit Tacitus den Teutonen prüfend unters Strohdach guckte.[3]
[1] Ein Musterbeispiel für eine solche spannende und gelungene Dokumentation bescherte der ORF dem Publikum am Donnerstag. "Kimbern und Teutonen", der erste Teil einer vierteiligen Reihe über die Völkerwanderung, schaffte es, den hohen Erwartungen gerecht zu werden.[4]
[3] Morgens Besuch von Dr. Vulpius, dem Großneffen Goethes. Ein schöner aber noch unbeleckter junger Teutone, der viel in Bolivien gewesen ist, als Morgenspaziergang über die Kordilleren wandert und in gleichen Stiefeln und mit gleichem Schritt durch die Salons schreitet.[5]
[3] »Aber hören Sie, lieber Teutone,« rief ihm Pfeffel zu, »haben Sie denn vergessen, daß Sie hier auf den Feldern der Republik stehen? …«[6]
[3] Zudem war es ein eisig kalter Morgen, und ich war die ganze Nacht auf den Beinen gewesen; und ich war denn doch Teutone genug, um mir vorzunehmen, daß sie mir für diese sinnlose Durchkreuzung meiner Pläne gründlich büßen sollten.[7]
[3] Auf den Autobahnen, auf denen früher nur Teutonen und andere Ausländer das Limit von 130 km/h souverän missachteten, stellen die Einheimischen längst selbst die Raser.[8]
[3] Ein Teutone musste kommen, um vieles von dem zu widerlegen, was man den Griechen, die jahrelang als Nachzügler der EU galten, nicht nur im Fußball nachgesagt hat.[9]

Wortbildungen:

[*] teutonisch
[3] Teutonengrill (für die Strände Italiens), Teutonismus

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:
[1] Wikipedia-Artikel „Teutonen
[1] Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. 16 Bände in 32 Teilbänden. Leipzig 1854–1961 „Teutonen
[1] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „Teutonen
[1] canoonet „Teutonen
[1] Uni Leipzig: Wortschatz-PortalTeutonen

Quellen:

  1. Anne-Catherine Simon: Mittelalter: "Ideales Laboratorium der Migrationsforschung". In: DiePresse.com. 17. Januar 2005, ISSN 1563-5449 (URL, abgerufen am 21. September 2012).
  2. Wikisource-Quellentext „Seite:LA2-Blitz-0317.jpg“.
  3. lfram Siebeck: Auf kleiner Flamme. In: Zeit Online. Nummer 23/2004, 27. Mai 2004, ISSN 0044-2070 (URL, abgerufen am 21. September 2012).
  4. bau: Düstere Zeiten. In: DiePresse.com. 6. April 2002, ISSN 1563-5449 (URL, abgerufen am 21. September 2012).
  5. Elisabeth von Heyking: Tagebücher aus vier Weltteilen. In: Projekt Gutenberg-DE. Chile (Valparaiso), Juli 1886 bis Februar 1889 (URL).
  6. Friedrich Lienhard: Oberlin. In: Projekt Gutenberg-DE. Siebentes Kapitel, Ausklang in Birkenweier (URL).
  7. Thomas Edward Lawrence: Aufstand in der Wüste. In: Projekt Gutenberg-DE. Kap. 23, Kampf um Tafileh (URL).
  8. Michael Frank: Autofahren in Österreich: Die pädagogische Anstalt der Nation. In: DiePresse.com. 10. November 2006, ISSN 1563-5449 (URL, abgerufen am 21. September 2012).
  9. Josef Metzger: Leitartikel: Griechische Fabel, europäische Parabel. In: DiePresse.com. ISSN 1563-5449 (URL, abgerufen am 21. September 2012).