täppisch

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täppisch (Deutsch)[Bearbeiten]

Adjektiv[Bearbeiten]

Positiv Komparativ Superlativ
täppisch täppischer am täppischsten
Alle weiteren Formen: Flexion:täppisch

Worttrennung:

täp·pisch, Komparativ: täp·pi·scher, Superlativ: am täp·pischs·ten

Aussprache:

IPA: [ˈtɛpɪʃ]
Hörbeispiele:
Reime: -ɛpɪʃ

Bedeutungen:

[1] zumeist abwertend; besonders von Bewegungen junger Leute und junger Tiere: auf unbeholfene und ungeschickte, bisweilen plumpe und schwerfällige Art und Weise

Herkunft:

Es handelt sich um ein seit dem 14. Jahrhundert[1] bezeugtes Erbwort aus mittelhochdeutschem tæpisch → gmh[1], einer desubstantiven Ableitung von tāpe → gmhPfote‘ (siehe »Tappe«)[1], mit der eigentlichen Bedeutung von ‚wie mit der Pfote (statt mit der geschickten Hand) vorgehend‘[1].

Synonyme:

[1] landschaftlich: tappig

Sinnverwandte Wörter:

[1] hölzern, plump, schwerfällig, steif, unbeholfen, ungeschickt, ungewandt
[1] gehoben: ungelenk
[1] umgangssprachlich: staksig, tapsig, wie ein Elefant im Porzellanladen
[1] abwertend: bäurisch, linkisch, ungraziös

Beispiele:

[1] „Es war mal ein Ritter trübselig und stumm,
Mit hohlen, schneeweißen Wangen;
Er schwankte und schlenderte schlotternd herum,
In dumpfen Träumen befangen.
Er war so hölzern, so täppisch, so links,
Die Blümlein und Mägdlein, die kicherten rings,
Wenn er stolpernd vorbeigegangen.“[2]
[1] „Als der Zwerg sich von dem ersten Schrecken erholt hatte, sprach er ‚konntet ihr nicht säuberlicher mit mir umgehen, gerissen habt ihr an meinem dünnen Röckchen daß es überall zerfetzt und durchlöchert ist, unbeholfenes und täppisches Gesindel das ihr seyd!‘“[3]
[1] „Diese verwandeln sich im Nu wieder in Ungethüme, wie wir sie im ersten Akte gesehen, und aus dem graziösesten Ringelreihen in die täppischste und barockste Ronde überplumpsend, versinken sie zuletzt unter sprühenden Flammen in den sich öffnenden Boden.“[4]
[1] „Die Psychologie mußte springen, bis sie sich endlich den Hals brach, immer täppischere Intrigen wurden immer wirksamer, und die Darsteller bezogen in ihre Mimik ein, was sie für den Schalk der Handlung hielten.“[5]
[1] „Aus der welkenden Ehe des Bildhauers Friedlein, der erlöschenden Liaison seiner leichtlebigen Nichte, die ihre Amouren nur als Beiwerk ihrer beginnenden Schauspielerkarriere pflegt, und der pubertär verquollenen Erotik des knabenhaft täppischen Sohnes webt Schnitzler eine kammermusikalische Elegie auf die Flüchtigkeit des Beziehungsglücks.“[6]
[1] „Die Elbe, die den Selbstmordkandidaten Beckmann ausspuckt, ist eine schöne Hure im Reifrock, der liebe Gott, an den keiner mehr glaubt, tritt als streitbare Putzfrau auf, und der Leidensmann selbst stolpert als täppischer Riese ins Wirtschaftswunder.“[7]
[1] „Graziella Contratto steht auf dem Dirigentenpult wie ein Puma vor dem Absprung: ‚Im Tempo eines gemächlichen Ländlers, etwas täppisch und sehr derb - ok‘, zitiert sie die Anweisung Mahlers für seine 9. Symphonie und fügt hinzu: ‚Ich weiß, es ist sehr schwer.‘“[8]
[1] „Und dann die recht zahmen, täppischen Murmeltiere um den Funtensee.“[9]
[1] „Er verwies meinen Onkel, der täppischen Schrittes gegen die Haltestange der Markise getaumelt war und damit die Stoffbahnen – mit ihnen die über den Kies kriechenden, längsseitig gesprenkelten Schatten – zum Zittern gebracht hatte wie unter dem Eindruck eines Bebens, brüsk des Lokals.“[10]
[1] „Zu sehen ist jedes Mal die linkisch ausgestreckte Hand des Präsidenten, wie sie, ungeschüttelt von seinen Gästen, täppisch in der Luft hängt.“[11]

Charakteristische Wortkombinationen:

[1] ein täppischer Bär, ein täppisches Kätzchen; ein täppischer Bursche, ein täppisches Mädchen; täppische Bewegungen; täppische Hände; sich (bei etwas) täppisch anstellen, sich täppisch benehmen, täppisch dreinblicken, täppisch zugreifen; die täppische Possierlichkeit junger wilder Tiere; täppisch hinter jemandem hergehen

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:
[1] Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Das große Wörterbuch der deutschen Sprache. In zehn Bänden. 3., völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage. 9. Band Tach–Vida, Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 1999, ISBN 3-411-04823-9, DNB 96540921X, Seite 3856.
[1] Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Deutsches Universalwörterbuch. 6. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007, ISBN 978-3-411-05506-7, Seite 1662.
[1] Renate Wahrig-Burfeind: Brockhaus Wahrig Deutsches Wörterbuch. Mit einem Lexikon der Sprachlehre. In: Digitale Bibliothek. 9., vollständig neu bearbeitete und aktualisierte Auflage. wissenmedia in der inmedia ONE GmbH, Gütersloh/München 2012, ISBN 978-3-577-07595-4 (CD-ROM-Ausgabe), Stichwort »täppisch«.
[1] Duden online „täppisch
[1] wissen.de – Wörterbuch „täppisch
[1] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „täppisch
[1] The Free Dictionary „täppisch
[*] canoonet „täppisch
[*] Uni Leipzig: Wortschatz-Portaltäppisch
[*] Online-Wortschatz-Informationssystem Deutsch – elexiko „täppisch
[1] Johann Christoph Adelung: Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart mit beständiger Vergleichung der übrigen Mundarten, besonders aber der oberdeutschen. Zweyte, vermehrte und verbesserte Ausgabe. Leipzig 1793–1801 „täppisch
[1] Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. 16 Bände in 32 Teilbänden. Leipzig 1854–1961 „täppisch

Quellen:

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Friedrich Kluge, bearbeitet von Elmar Seebold: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 24., durchgesehene und erweiterte Auflage. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2001, ISBN 978-3-11-017473-1, DNB 965096742, Seite 906.
  2. Heinrich Heine: Prolog. In: Buch der Lieder. Lyrisches Intermezzo. 1822–1823. 1. Auflage. Hoffmann und Campe, Hamburg 1827, Seite 109 (Zitiert nach Deutscher Wikisource-Quellentext „Prolog (Lyrisches Intermezzo 1827)“ (Stabilversion)).
  3. Brüder Grimm (Herausgeber): Schneeweißchen und Rosenroth. In: Kinder- und Haus-Märchen. Dritte vermehrte und verbesserte Auflage. Zweiter Band. Grosse Ausgabe. Mit zwei Kupfern, Druck und Verlag der Dieterichischen Buchhandlung, Göttingen 1837, Seite 327 (Zitiert nach Deutscher Wikisource-Quellentext „Schneeweißchen und Rosenroth (1837)“ (Stabilversion)).
  4. Heinrich Heine: Der Doktor Faust. Ein Tanzpoem, nebst kuriosen Berichten über Teufel, Hexen und Dichtkunst. Hamburg, Hoffmann und Campe 1851, Seite 28 (Zitiert nach Google Books).
  5. Uwe Johnson: Der 5. Kanal. Erstausgabe. 1. Auflage. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1987, ISBN 3-518-11336-4, Seite 139 (Zitiert nach Google Books).
  6. Die Flüchtigkeit des Glücks: Überraschung vom Intendanten. Günther Beelitz inszenierte Schnitzlers „Im Spiel der Sommerlüfte“ in München. In: Nürnberger Nachrichten. 19. April 1993, Seite 16.
  7. Peter Müller: Schlappes Grünzeug mit frischen Gipfeli. In: Zürcher Tagesanzeiger. Nummer 20, 21. Mai 1997, Seite 77.
  8. Margit Motzek: Gustav Mahler swingt in Harlem. In: Berliner Morgenpost. 29. Oktober 1999, Seite 25.
  9. Renate Just: P R O: geliebte Gipfel. In: DIE ZEIT. Nummer 39, Jahrgang 57, 19. September 2002, ISSN 0044-2070, Seite 69 (DIE ZEIT Archiv-URL, abgerufen am 7. Dezember 2014).
  10. Ronald Pohl: Die algerische Verblendung. Roman. Literaturverlag Droschl, Graz 2007, ISBN 978-3-85420-715-3, Seite 65–66 (Zitiert nach Google Books).
  11. Arno Frank: Bildsprache in der Politik: Die Macht der zwei Finger. In: Spiegel Online. 3. Mai 2014, ISSN 0038-7452 (URL, abgerufen am 7. Dezember 2014).
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