umlügen

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umlügen (Deutsch)[Bearbeiten]

Verb, trennbar, unregelmäßig[Bearbeiten]

Person Wortform
Präsens ich lüge um
du lügst um
er, sie, es lügt um
Präteritum ich log um
Konjunktiv II ich löge um
Imperativ Singular lüge um!
Plural lügt um!
Perfekt Partizip II Hilfsverb
umgelogen haben
Alle weiteren Formen: Flexion:umlügen

Worttrennung:

um·lü·gen, Präteritum: log um, Partizip II: um·ge·lo·gen

Aussprache:

IPA: [ˈʊmˌlyːɡn̩] ~ [ˈʊmˌlyːɡŋ̩], Präteritum: [ˌloːk ˈʔʊm], Partizip II: [ˈʊmɡəˌloːɡn̩] ~ [ˈʊmɡəˌloːɡŋ̩]
Hörbeispiele: — ~ —, Präteritum: —, Partizip II: — ~ —

Bedeutungen:

[1] in einer erlogenen, unwahrhaftigen Weise auslegen, (einer Sache) eine erlogene, unwahrhaftige Deutung geben

Herkunft:

Ableitung eines Partikelverbs zum Verb lügen mit der Partikel um-

Sinnverwandte Wörter:

[1] umdeuten, uminterpretieren

Beispiele:

[1] „Selbstgefälliger kann man eine Not nicht zur Tugend umlügen.[1]
[1] „Die Malerin Anna Galactia soll den Sieg über die Türken mit einem Monumentalgemälde zur abendländisch-humanen Großtat umlügen.[2]
[1] „Doch diverse Gruppen und Grüppchen verschliessen sich dieser Erkenntnis, und es ist schwierig auszumachen, welche von ihnen widerlicher und obszöner sind: die Vulgärrevolutionäre vom Schlag der diversen Volks- und ‚demokratischen‘ Fronten, die unter den Fittichen des Zynikers Assad, des Mörders Saddam Hussein oder des Politidioten Moamar al-Kathafi stur auf ihrer sinn- und inhaltslosen Politik der Schlagwörter und Anschläge beharren und furchtbare Attentate wie jene vom Sonntag in Israel zu Heldentaten umlügen; oder die religiösen Fanatiker auf beiden Seiten, die mit willkürlich zusammengeklaubten Koran- und Bibelversen solche Massaker an Andersgläubigen (auch den Massenmord an Palästinensern in Hebron vor exakt zwei Jahren oder die Ermordung von acht ägyptischen Christen am Wochenende) zu rechtfertigen versuchen.“[3]
[1] „Aber nicht nur Schüssel lügt solange das Verfassungsgesetz um, bis es bricht.“[4]
[1] „Eigenartig nur, daß andere zur selben Zeit ebenfalls den Blick in die ferne Zukunft wagten: ‚… und wenn das alles vorüber ist; wenn sich das alles totgelaufen hat: der Hordenwahnsinn, die Wonne in Massen aufzutreten, in Massen zu brüllen und in Gruppen Fahnen zu schwenken, wenn diese Zeitkrankheit vergangen ist, die die niedrigen Eigenschaften der Menschen zu guten umlügt; wenn die Leute zwar nicht klüger, aber müde geworden sind; wenn alle Kämpfe um den Faschismus ausgekämpft und die letzten freiheitlichen Emigranten dahingeschieden sind: Dann wird es eines Tages wieder sehr modern werden, liberal zu sein‘, schrieb Kurt Tucholsky ungefähr zur gleichen Zeit.“[5]
[1] „Da wird staatlicher Zwang zur Freiheit umgelogen.[6]
[1] „Rhetorisch war Goebbels schrille Frage jedoch zweifach: zum einen, weil sie die Ohnmacht des Regimes, die weitgehend schon zertrümmerte ‚Heimat‘ zu schützen, ex negativo in einen Akt chimärischer Gegenwehr umlog; zum anderen, weil er nur noch ein offiziöses Votum für die bereits begonnene ‚Götterdämmerung‘ einforderte, wo doch die deutsche Bevölkerung widerstandslos, wenn nicht sogar mit ‚fanatischem‘ Trotz zur kollektiven Nibelungentreue entschlossen war.“[7]
[1] „Da werden die UN, von den USA ohnehin längst zum Pappkameraden degradiert, vollends ihrer politischen Autorität beraubt, man tritt das Völkerrecht mit Füßen und lügt selbst die eigenen Nato-Vertragsziele um.[8]
[1] „Die Wirklichkeit so umzulügen, die Bedeutung von Bezeichnungen auszutauschen und die grundlegende, auf Konvention beruhende Verbindung zwischen den Worten und den Dingen zu zerstören: läuft das nicht - es sei denn, es gehe um Poesie - auf eine Form der Willkür hinaus?“[9]
[1] „In einem Interview antwortete die Schriftstellerin vor 20 Jahren auf die Frage, wie viel Mut ein Schriftsteller benötigt: ‚Ein Schriftsteller braucht drei Arten von Mut. Den[,] er selber zu sein. Den Mut, nichts umzulügen, die Dinge beim Namen zu nennen. Und drittens den, an die Anrufbarkeit der anderen zu glauben.‘“[10]
[1] „Zum Outcast wird auch ein historisch verbürgter korrupter Politiker der McCarthy-Ära, der seine Aids-Erkrankung jedoch in einen gesellschaftsfähigeren Leberkrebs umlügt.[11]
[1] „Er gierte nach Aufträgen, er malte alles, was man haben wollte, er log die Natur um, wie es gewünscht wurde, und wenn ein neureicher Heringskaufmann seinen Schoner im Format fünf mal drei Meter haben wollte, lieferte Kropf einen weiteren Meter Meerwasser mit, ohne einen Nachschlag zu verlangen.“[12]
[1] „Das Entsetzen der Bevölkerung am nächsten Morgen muss so allgemein gewesen sein, dass der Propagandaminister Joseph Goebbels eilfertig — er hatte bald auch das zynisch abwiegelnde Wortgebilde ‚Reichskristallnacht‘ parat — die Ermordung des deutschen Diplomaten als gezielte Auslösung einer ‚Verschwörung des Weltjudentums‘ und den Pogrom als verständlichen Ausdruck ‚gerechten Volkszorns‘ umzulügen suchte.“[13]
[1] „Ungeniert wird dabei die amtliche Zahl von 25000 Toten in der Elbestadt wie einst schon von den Nazis zu 250000 Opfern umgelogen und in einem skandalösen Vergleich mit dem Holocaust an den Juden gleichgesetzt. Doch Dresden wehrt sich.“[14]
[1] „Jetzt steht die Innovationsmacht Amerika wegen ihres militärisch-industriellen Schnüffelkomplexes am internationalen Pranger – und nicht Diktaturen wie China, Kuba oder Iran, die ihre Internet-Zensur zum nationalen Bürgerschutz umlügen können.“[15]

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:

[1] Duden online „umlügen
[*] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „umlügen
[*] canoo.net „umlügen
[*] Online-Wortschatz-Informationssystem Deutsch – elexiko „umlügen

Quellen:

  1. Peter Sandmeyer: Fluchtpunkt Soana. In: stern. Nummer 41, 40. Jahrgang, 1. Oktober 1987, ISSN 0039-1239, Seite 046.
  2. Kunst, die Sklavin der Macht? In: Neue Kronen-Zeitung. 21. März 1995, Seite 19.
  3. Artur K. Vogel: Kommentar: Kräfte der Dunkelheit. In: Zürcher Tagesanzeiger. Nummer 5, 26. Februar 1996, Seite 1.
  4. Ab in den Irak. In: Salzburger Nachrichten. 29. März 1997.
  5. Die Straße des blutigen Dilettanten. In: Tiroler Tageszeitung. 21. Juni 1997.
  6. Gundolf S. Freyermuth: Fred kam von Las Vegas. In: Frankfurter Rundschau. 53. Jahrgang, 31. Oktober 1997, ISSN 0940-6980, Seite 8.
  7. Wolfram Schütte: W. G. Sebalds Überlegungen zu „Luftkrieg und Literatur“. In: Frankfurter Rundschau. 55. Jahrgang, 27. März 1999, ISSN 0940-6980, Seite 3.
  8. FREIE AUSSPRACHE: Deutschland war Geburtshelfer dieser Katastrophe. In: Frankfurter Rundschau. 55. Jahrgang, 8. April 1999, ISSN 0940-6980, Seite 14.
  9. Pascal Lardellier: Unbekannte Essobjekte. DIE METAMORPHOSE DES FLEISCHS IN ZEITEN DER GLOBALISIERUNG. In: Le Monde diplomatique Online. Deutschsprachige Ausgabe. Nummer 7208, 14. November 2003 (übersetzt von Bodo Schulze), ISSN 1434-2561 (URL, abgerufen am 7. Dezember 2014).
  10. Peter Mohr: Drei Arten von Mut erfordert das Gedicht. In: Mannheimer Morgen. 59. Jahrgang, 27. Juli 2004.
  11. Das Orchester spielt im 7. Stock. Ende der Ära Ingo Metzmacher in Hamburg mit einer Erst- und einer Uraufführung. In: Nürnberger Nachrichten. 27. Juni 2005.
  12. Norbert Klugmann: Die Nacht des Narren. Historischer Kriminalroman. 1. Auflage. Gmeiner-Verlag, Meßkirch 2008, ISBN 978-3-8392-3022-0, Seite ‹ohne Seitenangabe› (E-Book, zitiert nach Google Books).
  13. Pogromnacht: Erlebnisse eines 13-Jährigen – Die Wohnungsdecke bebte. In: Nürnberger Zeitung. 8. November 2008, Seite 11.
  14. Dresden wehrt sich gegen Rechts- und Linksextreme: Instrumentalisierte Geschichte. In: Nürnberger Zeitung. 15. Februar 2010, Seite 2.
  15. Matthias Rüb: Kommentar: Vor einer post-amerikanischen Ära. In: FAZ.NET. 26. Oktober 2013, ISSN 0174-4909 (URL, abgerufen am 7. Dezember 2014).

Ähnliche Wörter:

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