indogermanisch

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indogermanisch (Deutsch)[Bearbeiten]

Adjektiv[Bearbeiten]

Positiv Komparativ Superlativ
indogermanisch
Alle weiteren Formen: Flexion:indogermanisch

Worttrennung:

in·do·ger·ma·nisch, keine Steigerung

Aussprache:

IPA: [ˌɪndoɡɛʁˈmaːnɪʃ]
Hörbeispiele: —
Reime: -aːnɪʃ

Bedeutungen:

[1] Linguistik: zur gleichnamigen Sprachfamilie gehörig, diese betreffend
[2] Linguistik: zur rekonstruierten Ursprache Indogermanisch gehörig, diese betreffend
[3] Linguistik: zum diese Sprache sprechenden, hypothetischen Volk gehörig, dieses betreffend

Abkürzungen:

[1–3] idg., indog., indogerm., indogerman.

Herkunft:

[1] nach den beiden, im 19. Jahrhundert als am weitesten voneinander entfernt angesehenen Sprachgruppen, der indischen und der germanischen (mit dem Isländischen reicht diese auch heute noch weiter nach Westen als die keltische Gruppe); die Bezeichnung stammt vom dänischen Geografen Conrad Malte-Brun (1775-1826): langues indo-germaniques (1810) [1]

Synonyme:

[1–3] indoeuropäisch
[2, 3] proto-indogermanisch, urindogermanisch

Gegenwörter:

[1] afroasiatisch (Unterbegriff: semitisch), finno-ugrisch / finnisch-ugrisch, sinotibetisch, polynesisch

Unterbegriffe:

[1–3] vorindogermanisch
[1–3] anatolisch, baltisch, germanisch, griechisch, indoiranisch / arisch (Unterbegriffe: indoarisch, iranisch), italisch (Unterbegriffe: lateinisch, romanisch), keltisch, slawisch (Unterbegriffe: ostslawisch, südslawisch, westslawisch); albanisch, armenisch, illyrisch, thrakisch, tocharisch

Beispiele:

[1] Das Albanische ist eine indogermanische Sprache.
[1] Estnisch, Finnisch und Ungarisch gehören nicht zu den indogermanischen, sondern zu den finnisch-ugrischen Sprachen.
[1] Baskisch gehört nicht zu den indogermanischen Sprachen, sie ist eine isolierte Sprache.
[1] „Zu den wichtigsten Lautwechseln aus früher Zeit gehört der Ablaut - ein geregeltes System von Vokalwechseln in Flexion und Wortbildung der indogermanischen Sprachen.“[2]
[1] „Aus den gemeinsamen Anfängen der indogermanischen Sprachfamilie, zu der auch Griechisch, Persisch oder Sanskrit gehören, hat sich im Zuge der ersten oder germanischen Lautverschiebung eine Art Urgermanisch entwickelt.“[3]
[1] „Vor allem ist Barcelona eine Metropole des europäischen Jugendstils. Daneben gibt es noch Galicien im Nordwesten nördlich von Portugal als eigene Sprachregion, wo man das Gallego spricht; und im Norden, an der Grenze zu Frankreich, in Navarra und Guipuscoa gibt es ein Volk, das durch seine charakteristische Mütze und die Terrororganisation ETA bekanntgeworden ist und eine Sprache spricht, die mit keiner indogermanischen Sprache verwandt ist: die Basken. Das Herzland Spaniens aber ist Kastilien, das Land der Kastelle.“[4]
[1, 2] „Gäbe es hier vielleicht eine gemeinsame Wurzel, indogermanisch oder - wie schon von anderer Seite erwähnt - vorindogermanisch zu den gleichlautenden Worten in den germanischen Sprachen? (Quelle: www.“[5]
[2] „Cahiers Ferdinand de Saussure 8 (1949) 21 - 36.. Er stimmt der allgemeinen Auffassung zu, daß das lateinische Perfectum die Merkmale des indogermanischen Perfekts und des indogermanischen Aorists in sich vereinigt.“[6]
[2] Das Wort „hundert“ stammt vom indogermanischen „*kmtom“ ab.
[2] „Seine Ansichten über eine ursprünglich gemeinsame indoeuropäische (= indogermanische) Sprache entwickelte er in einer Reihe von Vorträgen, die er als Präsident und Gründer der Asiatic Society of Calcutta hielt.“[7]
[3] „Freilich ist nie zu vergessen, daß manche indogermanische Völker gar keine oder nur eine ganz untergeordnete Rolle in der geschichtlichen Entwicklung gespielt haben, so die Thraker, Illyrier, Skythen, Litauer und Letten, und daß andere erst sehr spät durch den Gang der weltgeschichtlichen Entwicklung, nicht durch eigene Initiative, zu historischem Leben und selbständiger Bedeutung gelangt sind, so die Kelten, die Germanen, die Slawen.“[8]
[3] „Als die Finnen, aus Südrußland kommend, sich in ihren heutigen Wohngebieten niederließen, erinnerten sie sich auch der Schwitzgewohnheiten der Skythen, eines indogermanischen Hirten- und Bauernvolkes in Südrußland.“[9]

Charakteristische Wortkombinationen:

[1] indogermanische Sprachgruppe, indogermanische Sprachfamilie, indogermanische Sprachen

Wortbildungen:

Indogermanisch, Indogermanist, Indogermanistik

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:

[1–3] Wikipedia-Artikel „indogermanisch
[1–3] Duden online „indogermanisch
[*] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „indogermanisch
[*] canoo.net „indogermanisch
[*] Uni Leipzig: Wortschatz-Lexikonindogermanisch
[1, 2] The Free Dictionary „indogermanisch

Quellen:

  1. Conrad Malte-Brun (1810), Précis de la géografie universelle. Bad I, Seite 577
  2. Friedrich Kluge, bearbeitet von Elmar Seebold: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 24., durchgesehene und erweiterte Auflage. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2001, ISBN 978-3-11-017473-1, DNB 965096742, Seite XXXIX. Fett gedruckt: Ablaut.
  3. Dietmar Pieper: Das Rätsel von Jastorf. In: Norbert F. Pötzl, Johannes Saltzwedel (Herausgeber): Die Germanen. Geschichte und Mythos. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2013, ISBN 978-3-421-04616-1, Seite 66-75, Zitat Seite 68.
  4. Dietrich Schwanitz: indogermanisch. In: Bildung. Das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, 1999, Seite 459, archiviert vom Original am 1999 abgerufen am 14. Januar 2015 (HTML, Deutsch, Frankfurt a.M.: Eichborn).
  5. indogermanisch. Wortschatz Lexikon Uni Leipzig, 21. Januar 2011, abgerufen am 14. Januar 2015 (HTML, Deutsch, Quelle: OVB-Online).Parameter „archiv-url“ darf ausschließlich mit dem Parameter „archiv-datum“ zusammen verwendet werden. (Hilfe)
  6. Harald Weinrich: indogermanisch. In: Tempus. Das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, 1964, Seite 297, archiviert vom Original am 1964 abgerufen am 14. Januar 2015 (HTML, Deutsch, Stuttgart: Kohlhammer).
  7. Maurice Pope: Das Rätsel der alten Schriften. Hieroglyphen, Keilschrift, Linear B. Pawlak, Herrsching 1990, Seite 118. ISBN 3-88199-676-1.
  8. Eduard Meyer: Geschichte des Altertums.
  9. indogermanisch. In: Sauna. Das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, 1974, Seite 10, archiviert vom Original am 1974 abgerufen am 14. Januar 2015 (HTML, Deutsch, München: Gräfe und Unzer).