Offizium

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Offizium (Deutsch)[Bearbeiten]

Substantiv, n[Bearbeiten]

Singular Plural
Nominativ das Offizium die Offizien
Genitiv des Offiziums der Offizien
Dativ dem Offizium den Offizien
Akkusativ das Offizium die Offizien

Nebenformen:

Officium

Worttrennung:

Of·fi·zi·um, Plural: Of·fi·zi·en

Aussprache:

IPA: [ɔˈfiːt͡si̯ʊm]
Hörbeispiele: Lautsprecherbild Offizium (Info)
Reime: -iːt͡si̯ʊm

Bedeutungen:

[1] Christentum: zu bestimmten Zeiten im Laufe des Tages gehaltene Gebete, zu deren Vollzug bestimmte Personen innerhalb der Kirche (zum Beispiel alle Priester) verpflichtet sind
[2] historisch, Katholizismus, das heilige Offizium: Zentralbehörde der römisch-katholischen Kirche, deren Aufgabe es war, die Glaubens- und Sittenlehre in der ganzen katholischen Kirche zu fördern und vor Häresien zu schützen
[3] Katholizismus: eucharistischer Gottesdienst
[4] Katholizismus: Amt eines Priesters
[5] veraltet: Dienstpflicht

Synonyme:

[1] Brevier, Stundengebet, Tagzeiten, Tagzeitengebet
[3] Eucharistie, Messe, heilige Messe
[4] Amt
[5] Dienstpflicht

Sinnverwandte Wörter:

[2] Inquisition

Oberbegriffe:

[1] Gebet

Beispiele:

[1] Franz von Assisi stellte aus Bibelzitaten ein Offizium für das Stundengebet seiner Brüder zusammen.
[1] „[…] [J]eden Tag nahm ich fromm an Messe, Offizium und Predigt teil.“[1]
[2] Ein ehemaliger Bischof von Dresden starb im Gefängnis des heiligen Offiziums.
[2] „Die Mauern des Gebäudes waren voll von Soldaten des heiligen Offiziums.“[2]
[2] „Der erste Mönch fragte mich nach Namen und Taufnamen und ob ich schon einmal vor dem Heiligen Offizium gestanden habe, was ich verneinte.“[3]
[3] „Er ging in die Kirche und wohnte dem göttlichen Offizium bei.“[4]
[3] „Am Sonnabend aber sang man eine löbliche Messe von der Botschaft Unserer Frauen und drei Sonntage von der Auferstehung des Herrn, und wenn das Offizium geschehen war, so sang man: Tedeum laudamus.“[5]
[4]
[5] „Nichts geschieht an diesem Donnerstag, was die ungeheure Erwartung der Menge befriedigen könnte. Die Dame ist ebensowenig eine Schauspielernatur wie Bernadette, um durch Bereitschaft der Zuschauer hingerissen zu werden. Die Dame geht großen Effekten immer wieder aus dem Wege. Es bleibt beim üblichen Offizium: Kräuter-Essen, Waschen, Trinken, Rosenkranzgebet, Grüßen, Lächeln, Erschrockensein, Erleichtertsein, Lauschen, Flüstern. “[6]
[5] „Raus mit ihm, Base! Wenn ich ihn nicht überlege als Mensch und wenn ich ihn nicht haue als Oheim, Pate und Vormund, so ist es mein Offizium als Meister von die löbliche Schusterzunft, daß ich ihm die Büchse prall ziehe. “[7]

Charakteristische Wortkombinationen:

[2] das heilige Offizium/Heiliges Offizium

Wortbildungen:

Festoffizium, Hochoffizium, Totenoffizium

Wortfamilie:

Offizialat, Offiziant, Offiziator, Offizierender, Offiziertum, Offizio, Offiziös, Offiziosität, Offiziosum, Offiziosus

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:
[1] Wikipedia-Artikel „Stundengebet“ (Weiterleitung von „Offizium“)
[2] Wikipedia-Artikel „Kongregation für die Glaubenslehre“ (Weiterleitung von „Heiliges Offizium“)
[1–5] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „Offizium
[*] Online-Wortschatz-Informationssystem Deutsch – elexiko „Offizium
[1–5] Duden online „Offizium

Quellen:

  1. Casanova: Erinnerungen, Band 2. In: Projekt Gutenberg-DE. 2, Georg Müller, 1911 (übersetzt von Heinrich Conrad), Sechstes Kapitel (URL, abgerufen am 19. Dezember 2021).
  2. Franz Helbing: Die Tortur. Erster Teil: Vom Altertum bis zur Reformation. In: Projekt Gutenberg-DE. Dr. P. Langenscheidt, 2001, VIII. Kapitel. (URL, abgerufen am 19. Dezember 2021).
  3. Stendhal: Eine Geldheirat. In: Projekt Gutenberg-DE. (übersetzt von Arthur Schurig) Erinnerungen eines römischen Edelmannes (URL, abgerufen am 19. Dezember 2021).
  4. Bonaventura: Leben des heiligen Franziskus von Assisi. In: Projekt Gutenberg-DE. Verlag von Friedrich Pustet., 1874 (übersetzt von P. Chrysostomus), Sechszehntes Kapitel. (URL, abgerufen am 19. Dezember 2021).
  5. Ernst Wichert: Heinrich von Plauen. In: Projekt Gutenberg-DE. Deutsche Buch-Gemeinschaft G.m.b.H., 49. DIE ABSETZUNG (URL, abgerufen am 19. Dezember 2021).
  6. Franz Werfel: Das Lied von Bernadette. In: Projekt Gutenberg-DE. Bertelsmann-Lesering, 1953, Kapitel Fünfundzwanzig. Du spielst mit dem Feuer, o Bernadette (URL, abgerufen am 19. Dezember 2021).
  7. Wilhelm Raabe: Der Hungerpastor. In: Projekt Gutenberg-DE. Deutsche Buchgemeinschaft, Berlin / Darmstadt 1952, Fünftes Kapitel (URL, abgerufen am 19. Dezember 2021).