das Leben ist kein Ponyhof

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das Leben ist kein Ponyhof (Deutsch)[Bearbeiten]

Redewendung, Sprichwort[Bearbeiten]

Nebenformen:

das Leben ist kein Krippenspiel, das Leben ist kein Picknick, das Leben ist kein Rosengarten, das Leben ist kein Wunschkonzert

Worttrennung:

das Le·ben ist kein Po·ny·hof

Aussprache:

IPA: [das ˈleːbn̩ ʔɪst ˌkaɪ̯n ˈpɔniˌhoːf], [das ˈleːbm̩ ʔɪst ˌkaɪ̯n ˈpɔniˌhoːf]
Hörbeispiele: Lautsprecherbild das Leben ist kein Ponyhof (Info)

Bedeutungen:

[1] umgangssprachlich: das Leben ist nicht immer ein Vergnügen, nicht immer einfach und leicht; es läuft nicht immer alles so im Leben, wie man sich das vorstellt

Herkunft:

In den 80er Jahren entstand der satzwertige Phraseologismus das Leben ist kein(e) X.[1][2] Die Komponente X wird mit Substantiven besetzt, die mit Leben semantisch kompatibel sind, da sie häufig einen Vorgang beschreiben, zum Beispiel Wunschkonzert, Zuckerschlecken.[1][2] Das Substantiv Ponyhof dagegen beschreibt eher ein reales Faktum.[1][2] Die durch die assoziierte ländliche Idylle entstandene Bildhaftigkeit führt dazu, dass sich die Wortverbindung das Leben ist kein Ponyhof festigt und allgemeinere Verbreitung findet.[1][2] Für das Aufkommen kommt der Titel eines Albums der deutschen Punkband „Die Schröders“ infrage:[1][2]
„Nachdem die Jungs aus Bad Gandersheim nun ihr fünftes Album ‚Das Leben ist kein Ponyhof‘ herausgebracht haben, sind sie wieder auf Deutschland-Tournee.“[3]
Für die Verbreitung dürfte Christoph Maria Herbst mit seiner Comedy-Fernsehserie „Stromberg“, die von 2004 bis 2012 ausgestrahlt wurde, gesorgt haben:[1][2]
„Es scheint, als gehe dem Zeitgeist mal wieder der Gaul durch. Seit einiger Zeit macht ein Spruch Karriere, der vielleicht als T-Shirt-Aufdruck taugt (gibt es tatsächlich!), aber sonst keine vernünftigen Einsichten bietet: ‚Das Leben ist kein Ponyhof‘. Populär gemacht hat diese fragwürdige Ansicht die TV-Comedyfigur Stromberg.“[4]
Der Phraseologismus ist somit seit Mitte des ersten Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts in Gebrauch.[2]

Sinnverwandte Wörter:

[1] kein Honiglecken sein/kein Honigschlecken sein, kein Zuckerlecken sein/kein Zuckerschlecken sein
[1] c’est la vie/such is life/so ist das Leben shit happens, wie das Leben so spielt

Beispiele:

  • Deutschland:
[1] „Dafür ist so manche Lebensweisheit in Verruf geraten: ‚So jung kommen wir nie wieder zusammen‘, diese zentrale Einsicht in die Entwicklungslogik menschlichen Daseins, hat ebenso ausgespielt wie das realistische Grundaxiom ‚Das Leben ist kein Ponyhof‘.“[5]
[1] „Denn schließlich ist das Leben, besonders in Hannover, kein Ponyhof.[6]
[1] „Das Leben des Autors ist tatsächlich kein Ponyhof gewesen.[7]
[1] „Das Leben ist bekanntlich kein Ponyhof, und soziale Netze sind kein Kinderspielplatz.“[8]
[1] „Das Leben sei nun mal kein Ponyhof, wird gerne mahnend gesagt, wenn verwöhnte Zeitgenossen, Teenager zumal, sich nicht dem Ernst des Alltags stellen wollen.“[9]
[1] „Man sollte anstatt zu warten, einfach mal etwas selbst in die Hand nehmen, auch wenn man sich das eigentlich anders gewünscht hätte – aber das Leben ist nun mal kein Ponyhof und Hellseher sind auch eher rar.“[10]
[1] „Bisschen mehr Platz, besseres Futter und ab und zu an die frische Luft: Das Leben des Bio-Schweins ist auch kein Ponyhof.[11]
[1] „Rezepte gegen die neue Weltangst gibt es nicht, und es wäre töricht, sie unter den konservativen Weltbildteppich zu kehren und den chronisch Furchtsamen einzureden, das Leben sei kein Ponyhof.[12]
[1] „Das Leben ist nicht nur kein Ponyhof; es ist auch kein sozialpädagogischer Workshop.“[13]
  • Österreich:
[1] „Das ist aber ungerecht! ‚Stimmt‘, sagt Missy dann. ‚Das Leben ist eben kein Ponyhof.‘“[14]
[1] „So etwas passiert, da hilft keine Bildungsreform, das ist okay, man muss so etwas ertragen lernen, das Leben ist auch keine Hetz, keine Kinderjause und kein Ponyhof.[15]
  • Schweiz:
[1] „Für beide war das Leben bislang kein Ponyhof, sie sind schlecht bezahlt und haben selbst genug Probleme – trotzdem retten sie fremde Menschen.“[16]
[1] „Sollte er tatsächlich ins Gefängnis müssen, wäre das Leben des 26-Jährigen kein Ponyhof mehr.“[17]
  • Luxemburg:
[1] „Das Leben in der Playboy-Mansion ist kein Ponyhof.[18]

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:

[1] Redensarten-Index „das Leben ist kein Ponyhof
[1] Online-Wortschatz-Informationssystem Deutsch – Neologismenwörterbuch „etwas ist kein Ponyhof
[*] Uni Leipzig: Wortschatz-LexikonPonyhof
[1] Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Redewendungen. Wörterbuch der deutschen Idiomatik. In: Der Duden in zwölf Bänden. 4., neu bearbeitete und aktualisierte Auflage. Band 11, Dudenverlag, Berlin/Mannheim/Zürich 2013, ISBN 978-3-411-04114-5, Stichwort »Ponyhof«, Seite 575 mit Verweis auf das Stichwort »Leben: das Leben ist kein Krippenspiel/Picknick/Ponyhof/Rosengarten/Wunschkonzert«, Seite 460.
[1] Doris Steffen, Doris al-Wadi: Neuer Wortschatz. Neologismen im Deutschen, 2001–2010. 2., durchgesehene Auflage. Band 2: kiten–Z, Institut für Deutsche Sprache, Mannheim 2014, ISBN 978-3-937241-43-2, Stichwort »Ponyhof: etwas ist kein Ponyhof«, Seite 349–350.

Quellen:

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 Doris Steffen, Doris al-Wadi: Neuer Wortschatz. Neologismen im Deutschen, 2001–2010. 2., durchgesehene Auflage. Band 2: kiten–Z, Institut für Deutsche Sprache, Mannheim 2014, ISBN 978-3-937241-43-2, Stichwort »Ponyhof: etwas ist kein Ponyhof«, Seite 349.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 2,6 Online-Wortschatz-Informationssystem Deutsch – Neologismenwörterbuch „etwas ist kein Ponyhof
  3. „Die Schröders“ sind auf Tour. In: Rhein-Zeitung. 25. April 2001.
  4. Lügen und Ponys … haben kurze Beine. In: Hannoversche Allgemeine. 29. Dezember 2009.
  5. Herzlichen Glühstrumpf, liebe Leser! In: Spiegel Online. 28. Januar 2005, ISSN 0038-7452 (URL, abgerufen am 1. November 2018).
  6. Muss ja! In: Hannoversche Allgemeine. 6. Oktober 2008, Seite 8.
  7. Von Zähnen und Warzen - Das Leben ist keine Waldorfschule, weiß Mischa-Sarim Verollt… In: Thüringer Allgemeine. 7. November 2009, Seite 107 (TCF).
  8. Tobias H. Strömer: Machen soziale Netzwerke unsozial? In: taz.die tageszeitung. Nummer 9160, 10. April 2010, ISSN 0931-9085, Seite 18 (taz Print-Archiv, abgerufen am 1. November 2018).
  9. Das Letzte. In: DIE ZEIT. Nummer 36, 1. September 2011, ISSN 0044-2070.
  10. Zweifel und Glitzerkonfetti. In: Süddeutsche Zeitung. 9. Januar 2012, ISSN 0174-4917, Seite 33.
  11. Die Legende von glücklichen Schweinen. Bio ist ein Milliardenmarkt - für wirklich artgerechte Haltung bleibt da immer weniger Raum. In: Hamburger Morgenpost. 3. September 2012, Seite 02.
  12. Thomas Assheuer: Herz der Finsternis. In: Zeit Online. Nummer 38, 21. September 2013, ISSN 0044-2070 (URL, abgerufen am 20. Oktober 2013).
  13. Michael Wuliger: Schwätzen gegen Antisemitismus. Zu Judenhass hat jeder etwas zu sagen. Aber selten Nützliches. In: Jüdische Allgemeine Online. 1. Februar 2018, ISSN 1618-9698 (URL, abgerufen am 1. November 2018).
  14. Porno, Pop und Ponyhof. In: Falter. 6. März 2013, ISSN 1605-671X, Seite 28.
  15. Verteidigung der 50-Minuten-Stunde. In: Die Presse. 17. September 2014, ISSN 1563-5449, Seite 23, DNB 947702091.
  16. programme. Geisterfahrer ZDF 20.15. In: St. Galler Tagblatt. Nummer 58, 11. März 2013, Seite 12.
  17. «Es hätte Tote geben können». In: Sonntagsblick. 28. Juli 2013, Seite s2.
  18. Hugh Hefners skurrilste Sex-Gewohnheiten. In: L’essentiel Online. 3. August 2011 (URL, abgerufen am 1. November 2018).