Kauderwelsch

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Kauderwelsch (Deutsch)[Bearbeiten]

Substantiv, n[Bearbeiten]

Singular

Plural

Nominativ das Kauderwelsch

Genitiv des Kauderwelsch
des Kauderwelschs

Dativ dem Kauderwelsch

Akkusativ das Kauderwelsch

Worttrennung:
Kau·der·welsch, kein Plural

Aussprache:
IPA: [ˈkaʊ̯dɐˌvɛlʃ]
Hörbeispiele:

Bedeutungen:
[1] schwer- oder unverständliche Sprache; aus Elementen verschiedener Sprachen gemischte Ausdrucksweise, fehlerhafte Ausdrucksweise

Herkunft:
"kauder": die Fachliteratur gibt keine übereinstimmende Deutung; es wird einerseits mit dem Rätoromanischen der schweizer Stadt Chur in Verbindung gebracht, andererseits mit einem Verb "kaudern" "plappern" und noch anderen Deutungsmöglichkeiten. "welsch": im Sinne von "undeutsch", "unverständlich". Das Wort ist seit dem 16. Jahrhundert belegt.[1][2]

Sinnverwandte Wörter:
[1] Kreol, Pidgin

Beispiele:
[1] Sein Kauderwelsch aus Spanisch und Deutsch war kaum verständlich.
[1] Man kann einen Satz, in dem Wörter oder grammatische Strukturen unterschiedlicher sprachlicher Herkunft gemischt werden, als Kauderwelsch bezeichnen.
[1] Auch eine unverständliche Ausdrucksweise kann als Kauderwelsch bezeichnet werden.
[1] Auf Fremde wirkt der Hamburger manchmal leicht befremdlich, weil er ein nicht leicht verständliches Kauderwelsch, das Hamborger Platt, als Verständigungsmittel einsetzt. [3]
[1] Der Linguist [Reiner Pogarell] hat beobachtet, dass das Aufbegehren gegen Denglisch-Kauderwelsch in Firmen stärker wird […][4]
[1] „Wir haben .. wiederholt auf das zähe westliche Vorurteil bei Jud und Christ hingewiesen, wonach Jiddisch nichts anderes sei als ein Jargon, ein verdorbenes, mit fremden Brocken anorganisch durchwürfeltes Deutsch, ein Kauderwelsch.[5]
[1] „Für das, was er für Englisch hielt, hätte es ohnehin eines Dolmetschers bedurft, es handelte sich um ein Kauderwelsch aus Schwäbisch und Globalesisch.[6]
[1] „Und wenn Eltern eine Sprache vermitteln wollen, die sie selbst nur mangelhaft beherrschen, kommt dabei oft eher ein Kauderwelsch heraus.“[7]
[1] „Wir besaßen jeder nicht weniger als dreißigtausend Fuß in den »reichsten Gruben der Erde«, wie es im wilden Kauderwelsch der Minensprache hieß - und hatten Schulden beim Metzger.“[8]
[1] „Soll man nun beim Jiddisch des Ostens nach wie vor von Mischsprache oder Kauderwelsch sprechen?“[9]

Charakteristische Wortkombinationen:
[1] mit Verb: ein Kauderwelsch reden, ein Kauderwelsch sprechen, jemandes Kauderwelsch (nicht) verstehen
[1] mit Adjektiv: bürokratisches Kauderwelsch, fachsprachliches Kauderwelsch, juristisches Kauderwelsch, komisches Kauderwelsch, seltsames Kauderwelsch, technisches Kauderwelsch, unverständliches Kauderwelsch, wirres Kauderwelsch

Wortbildungen:
kauderwelschen

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:
[1] Wikipedia-Artikel „Kauderwelsch
[1] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „Kauderwelsch
[*] canoonet „Kauderwelsch
[*] Uni Leipzig: Wortschatz-LexikonKauderwelsch
[*] Online-Wortschatz-Informationssystem Deutsch – elexiko „kauderwelschen
[1] PONS – Deutsche Rechtschreibung „Kauderwelsch
[1] The Free Dictionary „Kauderwelsch
[1] Duden online „Kauderwelsch
[1] Deutsche Welle, Deutsch lernen - Wort der Woche: Hanna Grimm: Das Kauderwelsch. In: Deutsche Welle. 5. März 2012 (Text und Audio zum Download, Dauer: 01:41 mm:ss, URL, abgerufen am 19. Oktober 2018).

Quellen:

  1. Friedrich Kluge, bearbeitet von Elmar Seebold: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 24., durchgesehene und erweiterte Auflage. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2001, ISBN 978-3-11-017473-1, DNB 965096742, Stichwort: „kauderwelsch“.
  2. Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Das Herkunftswörterbuch. Etymologie der deutschen Sprache. In: Der Duden in zwölf Bänden. 3. Auflage. Band 7, Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2001, ISBN 3-411-04073-4, Stichwort: „kauderwelsch“.
  3. Rainer Link: Hamburg sammelt bedrohte Wörter. Aus dem traditionellen Wortschatz des Plattdeutschen. In: Deutschlandradio. 26. Juli 2010 (URL, abgerufen am 19. Oktober 2018).
  4. Heinz-Jörg Graf: Das „Denglisch“-Problem. Wie deutsche Unternehmer ihre Muttersprache vernachlässigen. In: Deutschlandradio. 29. Juli 2007 (Deutshlandfunk / Köln, Sendereihe: Hintergrund Wirtschaft, URL, abgerufen am 19. Oktober 2018).
  5. Salcia Landmann: Jiddisch. Abenteuer einer Sprache. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1964, Seite 75.
  6. Asfa-Wossen Asserate: Draußen nur Kännchen. Meine deutschen Fundstücke. 3. Auflage. Scherz, Frankfurt/Main 2010, Seite 162. ISBN 978-3-502-15157-9.
  7. Sprachwissenschaftler: Jeder kann Platt lernen. Interview von Simon Benne mit dem Göttinger Germanisten Dieter Stellmacher. In: Eichsfelder Tageblatt, 15.2.2011, S. 12.
  8. Mark Twain: Durch dick und dünn. Insel, Frankfurt/Main 1985, Seite 210. ISBN 3-485-32531-X. Das englische Original Roughing It ist 1872 zuerst erschienen.
  9. Salcia Landmann: Jiddisch. Das Abenteuer einer Sprache. Ullstein, Frankfurt/Main, Berlin 1988, ISBN 3-548-35240-5, Seite 21.