Narrativ

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Narrativ (Deutsch)[Bearbeiten]

Substantiv, n[Bearbeiten]

Singular Plural
Nominativ das Narrativ die Narrative
Genitiv des Narrativs der Narrative
Dativ dem Narrativ den Narrativen
Akkusativ das Narrativ die Narrative

Worttrennung:

Nar·ra·tiv, Plural: Nar·ra·ti·ve

Aussprache:

IPA: [naʀaˈtiːf]
Hörbeispiele: Lautsprecherbild Narrativ (Info)

Bedeutungen:

[1] Soziologie: Geschichte oder Erzählung, welche das Weltbild einer Gruppe beeinflusst
[2] allgemeiner: Geschichte oder Erzählung

Herkunft:

von englisch narrative → en entlehnt, erstmals in einem großen Korpus geschriebener deutscher Sprache im Jahr 1994 belegt; Bedeutung [1] ist im Englischen (grand narratives → en) eine Lehnübersetzung von französisch grands récits → fr[1]

Oberbegriffe:

[1, 2] Geschichte

Unterbegriffe:

[1] Propaganda, Weltbild

Beispiele:

[1] „Kürzlich hat der frühere EU-Kommissar Franz Fischler von der Österreichischen Volkspartei bei einem Kongress mit Schülern über die Zukunft Europas festgestellt, die EU brauche keine Neuordnung, sondern ein neues Narrativ.[2]
[1] „[Katharina Stemberger:] Europa braucht keine weiteren Reportagen, sondern ein Narrativ.[3]
[1] „Dass die Interviewten hier ein tradiertes Narrativ aufgreifen und ihre Praxis damit auf dem Terrain der Identifikation situieren, lässt jedoch zunächst noch offen, auf welche Weise das geschieht.“[4]
[1] „In der politischen Auseinandersetzung werden Fake News zumeist eingesetzt, um ein größeres Narrativ aufzubauen oder zu stützen - und zwar vor allem von rechts. Ob Kampagne gegen Merkel, der Vorwurf der "Lügenpresse" oder erfundene Zitate von Grünen-Politikern: Sie sind alle Teil einer Erzählung, wonach eine verschworene Elite die Bevölkerung "austauschen" wolle und das Land verrate.“[5]
[2] „Ein Narrativ bezeichnet in anthropologischer Perspektive und in der Erzähltheorie (Narratologie) eine auf Geschichte bezogene Äußerung, die sowohl Inhalt als auch Subtext transportiert und deren Funktion es ist, Erlebtes in bekannte Kategorien zu bringen.“[6]
[2] „Die Narrative werden also ausgefeilt, verändert, angepasst. Dadurch wird die Wahrnehmung immer weiter beeinträchtigt. Zum Beispiel neigen Konfliktparteien dazu, Ereignisse in der zeitlichen Reihenfolge zu verwechseln.“[7]
[2] „Die Intention hierbei ist eher ichbezogen als nach außen gerichtet, was heißt, dass die Vergangenheitsbewältigung im Narrativ ausschließlich verdeckt geschieht und WL keine Ambitionen hat, ihre Leser daran zu beteiligen.“[8]
[2] „Das Narrativ von Ödipus wurde zur Kollektiverzählung moderner Liebeskrankheit.“[9]

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:

[1] Wikipedia-Artikel „Narrativ (Sozialwissenschaften)
[2] Wikipedia-Artikel „Erzählung“, dort zu Narrativ
[*] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „Narrativ
[*] canoo.net „Narrativ
[*] Uni Leipzig: Wortschatz-LexikonNarrativ

Quellen:

  1. Gisela Zifonun: Ein Geisterschiff auf dem Meer der Sprache: Das Narrativ. In: Sprachreport. Nummer Heft 3, 2017, Seite 1-3, Bezug Seite 1.
  2. Matthias Heine: Hinz und Kunz schwafeln heutzutage vom „Narrativ“. In: Welt Online. 13. November 2016, ISSN 0173-8437 (URL, abgerufen am 28. März 2017).
  3. Barbara Petsch: Katharina Stemberger: „Europa braucht ein Narrativ“. In: DiePresse.com. 31. Mai 2016, ISSN 1563-5449 (URL, abgerufen am 28. März 2017).
  4. Geschlecht anders gestalten: Drag Kinging, Uta Schirmer. Abgerufen am 17. April 2017.
  5. tagesschau.de, Wahlkampfbilanz. Abgerufen am 27. September 2017.
  6. Wikipedia-Artikel „Erzählung
  7. Jugendliche in der Politik: Chancen und Probleme einer institutionalisierten Jugendbeteiligung, Jens Maßlo. Abgerufen am 17. April 2017.
  8. Autobiographische Spuren im Narrativ ausgewählter deutscher Kinder- und Jugendbuchautoren, Heike Schwering. Abgerufen am 17. April 2017.
  9. Das Narrativ, Brigitte Boothe. Abgerufen am 17. April 2017.