HB-Männchen

Aus Wiktionary, dem freien Wörterbuch
Zur Navigation springen Zur Suche springen

HB-Männchen (Deutsch)[Bearbeiten]

Substantiv, n[Bearbeiten]

Singular

Plural

Nominativ das HB-Männchen

die HB-Männchen

Genitiv des HB-Männchens

der HB-Männchen

Dativ dem HB-Männchen

den HB-Männchen

Akkusativ das HB-Männchen

die HB-Männchen

Worttrennung:

HB-Männ·chen, Plural: HB-Männ·chen

Aussprache:

IPA: [haːˈbeːˌmɛnçən]
Hörbeispiele: Lautsprecherbild HB-Männchen (Info)

Bedeutungen:

[1] Zeichentrickfigur aus einer Zigarettenwerbung der Marke HB der 60er Jahre, die jedesmal am Ende der Spots aufgrund eines Wutanfalls in die Luft geht. Daraufhin beruhigt der Sprecher aus dem Off die Figur mit dem Slogan: „Wer wird denn gleich in die Luft gehen? Greife lieber zur HB!“
[2] veraltend: Person, die entsprechend [1] einen Wutanfall hat

Herkunft:

siehe Bedeutung [1]

Synonyme:

[1] Choleriker, Hitzkopf

Beispiele:

[1] Früher gab es im Reklamefernsehen das HB-Männchen. Das schlug in jedem Spot vor Wut alles kurz und klein, weil der eingeschlagene Nagel nicht hielt oder der Liegestuhl immer wieder zusammenklappte. Das Reklamemännchen ging dann jedes Mal zornesrot wortwörtlich in die Luft.[1]
[1] Der Traum von der Vollbeschäftigung gehörte zur alten Bundesrepublik wie Persil, das HB-Männchen oder der VW Golf.[2]
[1] In den Vierzigern und Fünfzigern gab es kaum einen Werbefilm in Deutschland, der nicht durch Salas Klang-Konstruktionen seinen eigenen Charakter erhielt, beispielsweise das legendäre HB-Männchen.[3]
[1] „Gerade in dieser Zeit, wenn es in Richtung Wirtschaftswunder – in Anführungszeichen – geht, ist ja das HB-Männchen so eine Art von Karikatur des Westdeutschen in der Zeit. Ihm passieren andauernd welche Malheure.“[4]
[1] Manchmal erinnert die Hauptfigur von Guy Delisle ein bisschen an das HB-Männchen mit so einer langen Nase.[5]
[1] Neurologie. - Von Null auf 180 in wenigen Sekunden. Aggressionen können blitzschnell hervorbrechen, wie beim HB-Männchen aus einer Zigarettenreklame der siebziger Jahre.[6]
[1] Menschen, die ständig wegen geringsten Ärgernissen aus der Fassung geraten, wie einst das HB-Männchen im Werbefernsehen, sollten hinterfragen, was den Ärger auslöst, und sich in Gelassenheit üben – allerdings ist das nicht so leicht, da die Ärgeremotion vom autonomen Nervensystem gesteuert wird.[7]
[2] „Höre auf, Dich wie ein HB-Männchen aufzuführen. Das ändert gar nichts!“
[2] „Es bringt doch nichts, wenn ich zum HB-Männchen werde, sobald mal etwas nicht klappt“, sagt der 65-Jährige [Schulrektor Eberhard Laspe].[8]
[2] Dieser Trainer ist mal anders: der rennt nicht die ganze Zeit an der Seitenlinie auf und ab und benimmt sich auch sonst nicht wie ein HB-Männchen, wenn mal etwas nicht funktioniert.
[2] Die Werbung ist längst passé. Doch das cholerische Strichmännchen einer Zigarettenwerbung ist mittlerweile zum Geflügelten Wort avanciert. Man führt sich auf wie ein HB-Männchen, wenn man die Fassung verliert.[9]
[2] Es ist schon einige Jahre her, als dem HB-Männchen Michel Friedman in einer Talkshow der Kragen platzte.[10]
[2] Aber Welke, der wie ein HB-Männchen in Stasi-Uniform durch die Handlung poltert, erweist sich als unserer Wut nicht wert: Er bleibt eine bloße Karikatur, der jede glaubwürdige Motivation fehlt, aus der ein Eigenleben wachsen könnte.[11]
[2] Die Linke fügt sich ins Alltagsgeschäft ein und CDU und FDP gehen nicht mehr ab wie ein HB-Männchen.[12]
[2] [Hamlet-Musical in Stuttgart:] […] der gelernte Zyniker Schmidt kommt nun als Polonius in Strumpfhosen daher, und um ihn herum springen richtige Schauspieler wie HB-Männchen durch die Gegend.[13]

Charakteristische Wortkombinationen:

[1] in die Luft gehen wie ein HB-Männchen

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:
[1] Wikipedia-Artikel „HB-Männchen
[*] Uni Leipzig: Wortschatz-PortalHB-Männchen
[1] Deutsche Welle, Wort der Woche: Hanna Grimm: HB-Männchen. In: Deutsche Welle. 17. August 2009 (Text und Audio, Dauer 00:59 mm:ss, URL, abgerufen am 11. Juni 2018).

Quellen:

  1. Gerd Brendel: Ohne Affekt - Reihe "Über Wut" im HKW Berlin. In: Deutschlandradio. 13. März 2010 (Deutschlandfunk Kultur/Berlin, Sendereihe: Fazit, URL, abgerufen am 11. Juni 2018).
  2. Karin Hartewig: Sinnlose Arbeit und versteckte Arbeitslosigkeit. In: Deutschlandradio. 20. November 2009 (Deutschlandfunk Kultur/Berlin, Sendereihe: Lesart, URL, abgerufen am 11. Juni 2018).
  3. Hans Zimmer: Kultur - Pionier der elektronischen Musik. In: Deutsche Welle. 1. März 2002 (URL, abgerufen am 11. Juni 2018).
  4. Christian Forberg: Kleine Kulturgeschichte der Zigarette - Wer wird denn gleich an die Luft gehen?. In: Deutschlandradio. 6. Juli 2017 (Deutschlandfunk/Köln, Sendereihe: Aus Kultur- und Sozialwissenschaften, URL, abgerufen am 11. Juni 2018).
  5. Maike Albath: "Der Vorteil von Comics ist, dass sie sehr konkret sind". In: Deutschlandradio. 25. Dezember 2012 (Deutschlandfunk Kultur/Berlin, Sendereihe: Lesart, URL, abgerufen am 11. Juni 2018).
  6. Michael Lange: Wütend auf Knopfdruck - Optogenetik erhellt das Zusammenspiel von Sex und Gewalt. In: Deutschlandradio. 10. Februar 2011 (Deutschlandfunk/Köln, Sendereihe: Forschung aktuell, URL, abgerufen am 11. Juni 2018).
  7. Kathrin Burger: Wissenschaft des Ärgerns - Die Wut im Bauch rauslassen. In: taz.de. 21. September 2014, ISSN 1434-2006 (URL, abgerufen am 11. Juni 2018).
  8. Carolin Schneider: Rektor vor Ruhestand - "Als erstes schmeiße ich den Wecker weg". In: sueddeutsche.de. 18. Februar 2018, ISSN 0174-4917 (URL, abgerufen am 11. Juni 2018).
  9. Gisela Schinawa: Alltagsdeutsch – Podcast - Werbesprache. In: Deutsche Welle. 31. Januar 2007 (URL, abgerufen am 11. Juni 2018).
  10. Juri Sternburg: Kolumne Lügenleser - Mehr Antisemiten als Katholiken. In: taz.de. 20. März 2018, ISSN 1434-2006 (URL, abgerufen am 11. Juni 2018).
  11. Hartmut Kasper: Roman - Christoph Brumme: "Ein Gruß von Friedrich Nietzsche". In: Deutschlandradio. 23. Februar 2016 (Deutschlandfunk/Köln, Sendereihe: Büchermarkt, URL, abgerufen am 11. Juni 2018).
  12. Susanne Schrammar: Wirklich alles zu bunt? - Wenn fünf Parteien im Landtag sitzen. In: Deutschlandradio. 9. April 2009 (Deutschlandfunk Kultur/Berlin, Sendereihe: Länderreport, URL, abgerufen am 11. Juni 2018).
  13. Christian Gampert: Der Entertainer und der Dänenprinz - Über das Hamlet-Musical von und mit Harald Schmidt in Stuttgart. In: Deutschlandradio. 26. Oktober 2008 (URL, abgerufen am 11. Juni 2018).