tschüssikowski

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tschüssikowski (Deutsch)[Bearbeiten]

Grußformel, Interjektion[Bearbeiten]

Nicht mehr gültige Schreibweisen:
tschüßikowski

Worttrennung:
tschüs·si·kows·ki

Aussprache:
IPA: [t͡ʃʏsiˈkɔfski]
Hörbeispiele: Lautsprecherbild tschüssikowski (Info)

Bedeutungen:
[1] jugendsprachlich, umgangssprachlich salopp scherzhaft: informeller Abschiedsgruß

Herkunft:
Die Herkunft des Wortes ist unklar.
Einerseits soll das Wort, neben MafiatortePizza‘ und GummiadlerHähnchen‘, der Synchronsprecher der britischen Fernsehserie „Die 2Rainer Brandt erfunden haben.[1][2]
Andererseits soll das Wort bereits in den 1980er Jahren von dem Moderator Willem als regelmäßige Abschiedsformel im Radiosender NDR gebraucht worden sein.[3] Dieser arbeitete vor seiner Karriere als Musiker und Moderator um 1970 als Osteuropa-Experte eines Industriekonzerns.[3] Es sei jedoch unwahrscheinlich, dass er das Wort aus der Jugendsprache der DDR übernommen habe.[3] Weil der NDR auch in großen Teilen der DDR zu hören war, ist es sogar eher wahrscheinlich, dass das Wort via Radio in den ostdeutschen Jugendjargon eingeschmuggelt wurde.[3] Aber mit Bestimmtheit lässt sich das wohl nicht mehr klären – wie alle sprachlichen Entwicklungen, die sich im flüchtigen Bereich des Mündlichen abgespielt haben.[3]
In der DDR ist das Wort in dem 1989 publizierten „Kleines Wörterbuch der Jugendsprache“ von Margot Heinemann verzeichnet.[4] Zu den Slogans der Anti-SED-Demonstrationen von 1989 gehörte auch „Tschüssikowski, Ceau-bowski“ (gemeint war Günter Schabowski, das Ceau- ist eine Anspielung auf den abgesetzten und hingerichteten rumänischen Diktator Nicolae Ceaușescu).[3] 1990, kurz vor der Wiedervereinigung, beklagt in der DDR-Zeitschrift „Sprachpflege“ ein Autor:[3] ‚Im Jugendradio DT 64 sind gelegentlich die Diminutivform tschüssi und sogar die Nonsensbildung tschüssikowski, die auch von M[argot]. Heinemann verzeichnet wurde, zu hören.‘[5] 1992 findet sich das Wort in Christian Geisslers Lyrikband „Prozeß im Bruch“,[3] in dem es heißt, „dass die zonis nie tschüs immer bloß tschüssikowski sagen.“[6]

Beispiele:
[1] Sie sagte: „Bis morgen! Tschüssikowski!“ und verschwand im Hauseingang.
[1] „Könnte sein, daß ick meene Droschke bald vakoofe und als Schreiberling tschüssikowski sage.“[7]
[1] „Noch ein Rotwein, und ich verabschiede mich. Ciao, adieu, arrivederci, adiós, tschüssikowski![8]
[1] „Ich denke, das reicht für heute. Und tschüssikowski.[9]
[1] „Stehen Sie einmal auf der Marmolada, dem höchsten Berg der Dolomiten, 3343 Meter über dem Meer, und lassen irgendetwas unbefugt rumbaumeln, das ist aber so etwas von weg, sage ich Ihnen, flutsch durch die Südwand oder nördlich, glitsch, in die nächste Gletscherspalte, tschüssikowski![10]
[1] „Da zitieren wir lieber Victor Hugo: Vierzig Jahre sind das Alter der Jugend, fünfzig die Jugend des Alters. Also hat das Alter gerade erst begonnen. Und wenn es vorbei ist: Na dann, tschüssikowski![11]
[1] „Macht’s gut, das war toll mit euch, Kinder, tschüssikowski, ich hab euch alle lieb!“[12]

Alle weiteren Informationen zu diesem Begriff befinden sich im Eintrag tschüs.
Ergänzungen sollten daher auch nur dort vorgenommen werden.

Referenzen und weiterführende Informationen:
[1] Wikipedia-Artikel „Tschüs
[*] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „tschüssikowski“ (Korpus)
[1] PONS – Deutsche Rechtschreibung „tschüssikowski
[*] Uni Leipzig: Wortschatz-LexikonTschüssikowski
[1] Margot Heinemann: Kleines Wörterbuch der Jugendsprache. 1. Auflage. VEB Bibliographisches Institut, Leipzig 1989, ISBN 3-323-00273-3, Seite 37.

Quellen:

  1. Thomas Groß: Cool ist auf einmal jeder. In: Mannheimer Morgen. 12. März 2004.
  2. Nora Schmidt: Liebesbeweis für außergewöhnliche Berliner. In: Berliner Morgenpost. 21. Januar 2014, Seite 24.
  3. 3,0 3,1 3,2 3,3 3,4 3,5 3,6 3,7 Matthias Heine: Das schwierigste Wort der deutschen Sprache. In: Welt Online. 21. September 2013, ISSN 0173-8437 (URL, abgerufen am 14. Dezember 2018).
  4. Margot Heinemann: Kleines Wörterbuch der Jugendsprache. 1. Auflage. VEB Bibliographisches Institut, Leipzig 1989, ISBN 3-323-00273-3, Seite 37.
  5. Tschüs in Varianten. In: Sprachpflege. Zeitschrift für gutes Deutsch in Schrift und Wort. VEB Bibliographisches Institut, Leipzig 1990, ISSN 0049-2019, Seite 123 (Zitiert nach Google Books).
  6. Christian Geissler: Prozeß im Bruch. Schreibarbeit Februar 89 bis Februar 92, Musik mit Singstimme und Trommel, Messungen und Messer. 1. Auflage. Edition Nautilus, Hamburg 1992, ISBN 3-89401-206-4, Seite 137 (Zitiert nach Google Books).
  7. Kasupke sagt, wie es ist… In: Berliner Morgenpost. 13. September 2005, Seite 1.
  8. Vertraue mir! In: Hamburger Morgenpost. 4. März 2007, Seite 30–31.
  9. Hermann Schreiber: Redensarten: Ein ergebnisoffenes Tschüssikowski! In: Hamburger Abendblatt. 17. März 2007, Seite 1.
  10. Christine Lemke-Matwey: Von den Bergen sollt ihr baumeln. In: Der Tagesspiegel. 25. September 2011.
  11. Alte Zwanzig ist die neue Zehn. In: Reutlinger General-Anzeiger. 27. Juli 2013.
  12. Abschied wurde für Gemeinde zu einer Herzensangelegenheit. In: Gießener Anzeiger. 5. November 2015.