amerikanischer Traum

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amerikanischer Traum (Deutsch)[Bearbeiten]

Substantiv, m, Wortverbindung, adjektivische Deklination[Bearbeiten]

starke Deklination ohne Artikel
Singular Plural
Nominativ amerikanischer Traum amerikanische Träume
Genitiv amerikanischen Traums
amerikanischen Traumes
amerikanischer Träume
Dativ amerikanischem Traum
amerikanischem Traume
amerikanischen Träumen
Akkusativ amerikanischen Traum amerikanische Träume
schwache Deklination mit bestimmtem Artikel
Singular Plural
Nominativ der amerikanische Traum die amerikanischen Träume
Genitiv des amerikanischen Traums
des amerikanischen Traumes
der amerikanischen Träume
Dativ dem amerikanischen Traum
dem amerikanischen Traume
den amerikanischen Träumen
Akkusativ den amerikanischen Traum die amerikanischen Träume
gemischte Deklination (mit Possessivpronomen, »kein«, …)
Singular Plural
Nominativ ein amerikanischer Traum keine amerikanischen Träume
Genitiv eines amerikanischen Traums
eines amerikanischen Traumes
keiner amerikanischer Träume
Dativ einem amerikanischen Traum
einem amerikanischen Traume
keinen amerikanischen Träumen
Akkusativ einen amerikanischen Traum keine amerikanischen Träume

Worttrennung:

ame·ri·ka·ni·scher Traum, Plural: ame·ri·ka·ni·sche Träu·me

Aussprache:

IPA: [ˌameʁiˌkaːnɪʃɐ ˈtʁaʊ̯m]
Hörbeispiele: Lautsprecherbild amerikanischer Traum (Info)

Bedeutungen:

[1] ironisierend: „für die amerikanische Lebensauffassung charakteristischer Glaube an Ideale wie Demokratie, Freiheit, Gleichheit, menschlichen Fortschritt und möglichen Erfolg jedes einzelnen, unabhängig vom gesellschaftlichen Hintergrund“[1]

Herkunft:

Es handelt sich um eine mindestens seit 1964[2] (ehemalige DDR) beziehungsweise 1971[1][3] (ehemaliges Westdeutschland) im Deutschen bezeugte Lehnübersetzung[4][5] des englischen Ausdrucks American Dream → en[1][4]. Dieser wurde 1931 von James Truslow Adams in seinem Buch ›The Epic of America‹ geprägt; das Konzept des American Dream → en spielte jedoch schon bei der Gründung der USA eine wichtige Rolle und brachte die Hoffnungen der ersten Siedler in Bezug auf einen neuen Anfang in einem anderen Land zum Ausdruck.[1]
Nach dem Third Barnhart Dictionary of New English wurde der Begriff American Dream → en dadurch bekannt, dass er als Titel für literarische Werke benutzt wurde (zum Beispiel: Edward Albees The American Dream von 1961 oder Norman Mailers An American Dream von 1965).[1]
Da sich schon sehr bald nach der Gründung der USA herausstellte, dass sich die ursprünglichen Ideale nur schwer realisieren ließen, entstand die Vorstellung vom gescheiterten »amerikanischen Traum« beziehungsweise vom amerikanischen Albtraum (American Nightmare → en).[1] Auch im Deutschen wird »amerikanischer Traum« häufig mit unterschwelliger Ironie verwendet.[1]

Synonyme:

[1] American Dream/seltener: American dream/selten: american dream

Beispiele:

[1] „Sylvia verschmilzt mit den elterlichen Werten: im überdimensionalen rosa Brautkleid der Mutter, auf Vaters Krücken, erscheint sie als Popanz des amerikanischen Traums.[6]
[1] „Seine erfolgreichen Romane trugen ihm den Ruf ein, ein äußerst genauer Beobachter und Darsteller des allgemeinen Aufwachens aus dem amerikanischen Traum zu sein.“[7]
[1] „In den Texten setzt sich Hank Roberts kritisch mit amerikanischen Träumen und Realitäten auseinander.“[8]
[1] „Die Chance also des amerikanischen Traumes von persönlicher Selbstverwirklichung impliziert, daß Beziehungen von Zusammengehörigkeit an Wert verlieren - ein wohl spezifischer Verlust für die Afro-Amerikaner.“[9]
[1] „Sicher ist, dass ihr persönlicher amerikanischer Traum an dieser Geschichte zerbrochen ist.“[10]
[1] „Cowboy Mikes Leben ist komplizierter, als die Fotografen ahnen, die ihn porträtieren; aber die Fotos sind nicht nur gelogen. Sie verkörpern etwas von jenem amerikanischen Traum, dem alle Figuren Gilbs die Treue halten, mal in gelassener Zuversicht, mal in heroischer Melancholie.“[11]
[1] „Der Aufstieg vom Emigranten zum Großunternehmer ist ein amerikanischer Traum.[12]
[1] „Kühn hatte der Duke in vielen Talkshows jenen Moderatoren die rhetorisch geschickte Seite gezeigt, die ihn thematisch zu dem degradieren wollten, was er nach sozial geltenden Normen fast sein ganzes Leben lang war: ein Schwarzer eben, der zwar den amerikanischen Traum leben durfte, aber eigentlich immer damit rechnen musste, sich dafür rechtfertigen zu müssen.“[13]
[1] „Petasch stirbt, nicht einmal 20 Jahre alt, nach einer als nicht ernsthaft beschriebenen Verwundung bei der Schlacht von Shiloh an Typhus - das banal-ernüchternde Ende eines amerikanischen Traums.[14]
[1] „Ein amerikanischer Traum in Reinkultur: 1994 werkelten die Stanford-Studenten Jerry Yang und David Filo noch im Wohnwagen an einem Internetverzeichnis namens Yang’s Guide, dem Prototyp aller Webkataloge.“[15]
[1] „Um eine lange Geschichte kurz zu machen: Heute bezahlt die ganze Welt dafür, dass einige Millionen Amerikaner ihren amerikanischen Traum während sieben Jahren ausleben konnten!“[16]
[1] „Oscar-Preisträger Ang Lee spürt auch in seinem neuen Film amerikanischen Träumen und Mythen nach[.]“[17]
[1] „Mit seinem Nachbarn und Freund Barny Geröllheimer glaubt er unerschütterlich an das, was ein paar Jahrtausende nach der Steinzeit einmal als amerikanischer Traum die Fantasie der Menschen beflügeln sollte.“[18]
[1] „Und wir sind dann auch noch zutiefst emotional berührt, wenn wir feststellen, dass uns Hansons Figuren nur eine einzige Botschaft übermitteln wollen: Mit ausdruckslosem Blick starren sie alle vor sich hin und signalisieren, dass sämtliche amerikanischen Träume geplatzt sind, dass der Alltag in den USA dunkel, düster und trist daherkommt, dass selbst spielende Kinder so viel Verlorenheit verströmen, dass man konstatieren muss, dass der früher so viel gerühmte American Way of Life längst in der Sackgasse gelandet ist.“[19]

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:

[1] Wikipedia-Artikel „amerikanischer Traum
[1] Duden online „Traum
[1] Broder Carstensen (Begründer), fortgeführt von Ulrich Busse und Regina Schmude: Anglizismen-Wörterbuch. Band 1: A - E, Walter de Gruyter, Berlin/New York 1993, ISBN 3-11-012854-3, DNB 931395585, Stichwort »amerikanischer Traum«, Seite 36.
[1] Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Deutsches Universalwörterbuch. 6. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007, ISBN 978-3-411-05506-7, Stichwort »Traum«, Seite 1701.
[1] Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Deutsches Universalwörterbuch. 7. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2011, ISBN 978-3-411-05507-4 (CD-ROM-Ausgabe), Stichwort »Traum«.

Quellen:

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 Broder Carstensen (Begründer), fortgeführt von Ulrich Busse und Regina Schmude: Anglizismen-Wörterbuch. Band 1: A - E, Walter de Gruyter, Berlin/New York 1993, ISBN 3-11-012854-3, DNB 931395585, Stichwort »amerikanischer Traum«, Seite 36.
  2. Ben H. Bagdikian: Die unsichtbaren Amerikaner. In: Neues Deutschland. 21. Februar 1964, Seite 6 (Berliner Ausgabe).
              „[…] Der bürgerliche amerikanische Journalist Ben H. Bagdikian bemühte sich in einer langen Reportage in der in Philadelphia, USA-Staat Pennsylvania, erscheinenden Illustrierten, ein Bild von der anderen Seite des reichsten Landes der kapitalistischen Welt zu entwerfen. Wir veröffentlichen auf dieser Seite Auszüge aus dieser Reportage, die wir der Illustrierten entnahmen.
              Es gibt eine Welt in den USA, wo der amerikanische Traum stirbt. Es ist eine Welt, in der jeder aufsteht, wenn es nachts regnet, um seine Betten aus den Pfützen wegzutragen - wo es keinen elektrischen Strom gibt, Kühlschränke aber trotzdem geschätzt werden, um das Essen vor den Ratten sicher aufzubewahren - wo regelmäßig am Ende des Monats ganze Familien von Beeren und Brot leben - wo die Kinder im Winter auf dem Fußboden in Pappkartons schlafen und mit zwölf Jahren die Röntgenbilder ihrer Lungen wie die alter Männer aussehen - wo Schüler hungrig und apathisch die Schulen hinter sich bringen und ihre Eltern zehn, zwanzig und dreißig Jahre früher als ihre Landsleute sterben.“
  3. Das bei Carstensen (siehe 1. Fußnote) für das Jahr 1971 zugrundeliegende Zitat lautet: „Vorn trägt er das handgewebte Kostüm des amerikanisches [sic] Traums […]“ und stammt aus der Zeitung »Die Welt« vom 3. September 1971, Seite 16.
  4. 4,0 4,1 Duden online „Traum
  5. Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Deutsches Universalwörterbuch. 7. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2011, ISBN 978-3-411-05507-4 (CD-ROM-Ausgabe), Stichwort »Traum«.
  6. Norbert Servos: Vater, Mann und Tod. In: Die Zeit. Nummer 7, 8. Februar 1985, ISSN 0044-2070, Seite 48.
  7. Sylvia Adrian: Drei Grazien und ein falscher Amor. In: Mannheimer Morgen. Nummer 157, 11. Juli 1985, Seite 27.
  8. [Titel nicht einsehbar]. In: Nürnberger Nachrichten. 15. September 1990, Seite 2.
  9. Als der Jazz entstand. In: Süddeutsche Zeitung. 30. Juni 1993, ISSN 0174-4917, Seite 17.
  10. Dante Andrea Franzetti: Letztes Geleit für Joseph O’Dell. In: Zürcher Tagesanzeiger. Nummer 31, 2. August 1997, Seite 6.
  11. Rolf Spinnler: Dagoberto Gilbs Erzählungen über Chicanos in den USA: „Sieg auf der ganzen Linie“. In: Frankfurter Rundschau. 14. März 1998, ISSN 0940-6980, Seite 4.
  12. Exil-Österreicher erfand Shopping Mall. In: Vorarlberger Nachrichten. 6. März 1999, Seite F16.
  13. Der Soundtrack zum Jahrhundert. In: Berliner Morgenpost. 19. September 1999, Seite 33.
  14. Briefe aus dem amerikanischen Bürgerkrieg. In: General-Anzeiger. 30. August 2003, Seite 22.
  15. Grit Beecken: Sturz vom Internetthron. In: Hannoversche Allgemeine. 2. Februar 2008, Seite 11.
  16. Die ganze Welt bezahlt für den amerikanischen Traum. In: Luxemburger Tageblatt. 5. November 2008.
  17. Der große Sommer der Liebe. In: Abendzeitung. 3. September 2009, ISSN 0177-5367, Seite 4.
  18. Donnerkiesel, ist ja steinstark. In: Aachener Nachrichten. 30. September 2010, Seite 16.
  19. Der amerikanische Albtraum. In: Neue Württembergische Zeitung. 30. November 2010, Seite 16.