Wiktionary:Dativ-e

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Das Dativ-e bezeichnet eine Variante für den Dativ Singular bei der Deklination stark gebeugter Substantive (das heißt solchen, die den Genitiv mit -(e)s bilden) männlichen oder sächlichen Geschlechts.

Diese Dativbildung war im Mittelhochdeutschen üblich und wurde bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts häufig in der Schriftsprache gebraucht. Seither wurde sie zunehmend verdrängt, ist aber dennoch anzutreffen. Eine Ausnahme bilden die ostmitteldeutschen Dialekte, in denen die Form deutlich verbreiteter ist.

In der heutigen Standardsprache tritt das Dativ-e am ehesten bei einsilbigen und endbetonten zweisilbigen Substantiven und Wörten des Grundwortschatzes auf. In der Regel drückt das Dativ-e einen gehobenen Sprachstil aus, beispielsweise in liturgischen Formeln: „Beim letzten Abendmahle nahm Jesus Brot und Wein.“ Auch aus rhythmischen Gründen (etwa in Liedern) kann dem Dativ-e der Vorzug gegeben werden: „Am Brunnen vor dem Tore / Da steht ein Lindenbaum.“

Außerdem gibt es Wendungen, in denen die Dativ-Form mit -e üblich ist, zum Beispiel bei feststehenden Wendungen wie „zum Gruße“, „am Hofe“, „im Jahre“ und in Redewendungen wie „jemanden zu Tode erschrecken“, „in aller Munde sein“, „im Grunde genommen“, „zu Rate ziehen“ und vielen weiteren.

Beachte, dass in unseren Flexionstabellen der betroffenen Substantive die Dativ-e-Form immer genannt wird, wenn sie grammatikalisch möglich ist, auch wenn sie sehr unüblich ist. Sie steht dann an zweiter Stelle nach der Form ohne das Dativ-e (eingebunden durch den Parameter |Dativ Singular*=). In den Einträgen der flektierten Formen wird die Dativ-e-Form immer mit einem Kommentar („Variante für den Dativ Singular“) versehen.

Alle Formen mit Dativ-e im deutschen Wiktionary findest du unter Kategorie:Deklinierte Form Dativ-e (Deutsch).

Quellen[Bearbeiten]

Internes[Bearbeiten]