Kadavergehorsam

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Kadavergehorsam (Deutsch)[Bearbeiten]

Substantiv, m[Bearbeiten]

Singular

Plural

Nominativ der Kadavergehorsam

Genitiv des Kadavergehorsams

Dativ dem Kadavergehorsam

Akkusativ den Kadavergehorsam

Worttrennung:

Ka·da·ver·ge·hor·sam, kein Plural

Aussprache:

IPA: [kaˈdaːvɐɡəˌhoːɐ̯zaːm]
Hörbeispiele: Lautsprecherbild Kadavergehorsam (Info)

Bedeutungen:

[1] bedingungsloser Gehorsam eines Gehorchenden gegenüber einem fremden Willen

Herkunft:

Determinativkompositum aus den Substantiven Kadaver und Gehorsam. Der Jesuitenorden verlangte von seinen Mitgliedern, Gott und den Vorgesetzten „wie ein toter Körper“, auf Lateinisch „cadaver“, zu gehorchen. Kluge datiert das Wort ins 19. Jahrhundert.[1]

Oberbegriffe:

[1] Gehorsam

Beispiele:

[1] „Sklaven, Zwangsarbeiter oder im Kadavergehorsam verhaftete Soldaten nehmen im Rahmen eng gesetzter Aufträge oder Befehle die Rolle fremdbestimmter Arbeitsmittel und Waffen ein, die ihren Macht- und Befehlshabern mit Körperkraft und Intelligenz nützliche Dienste erweisen.“[2]
[1] Wenn eine parteiinterne Abstimmung über eine dermaßen kontroverse Vorlage mit 95% Zustimmung ausgeht, muss man sich fragen dürfen, ob da nicht Kadavergehorsam im Spiel war.
[1] „Den Offizieren wurden in den ersten Tagen die Achselstücke von den Schultern gerissen, das Volk wollte nicht einmal ihren Trägern wehe tun, es wollte das Symbol des Herrentums und des Kadavergehorsams zerstören, weil es mit sicherem Instinkt erkannte, daß in Symbolen Traditionen, Gefühle und Wünsche der herrschenden Klasse eingefangen sind.“[3]
[1] [Der Schriftsteller Fritz von] Unruh, ein unermüdlicher Warner vor Kadavergehorsam und Untertanengeist, plädierte [1948 in der Frankfurter Paulskirche] für die politische und moralische Erneuerung Deutschlands.[4]

Charakteristische Wortkombinationen:

[1] mit Adjektiv: blinder Kadavergehorsam, militärischer Kadavergehorsam, preußischer Kadavergehorsam

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:
[1] Wikipedia-Artikel „Kadavergehorsam
[1] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „Kadavergehorsam
[1] Uni Leipzig: Wortschatz-PortalKadavergehorsam
[*] Online-Wortschatz-Informationssystem Deutsch – elexiko „Kadavergehorsam
[1] The Free Dictionary „Kadavergehorsam
[1] Deutsche Welle, Deutsch lernen - Wort der Woche: Michael Stegemann: Der Kadavergehorsam. In: Deutsche Welle. 4. November 2016 (Text und Audio zum Download, Dauer: 01:43 mm:ss, URL, abgerufen am 14. September 2018).

Quellen:

  1. Friedrich Kluge, bearbeitet von Elmar Seebold: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 24., durchgesehene und erweiterte Auflage. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2001, ISBN 978-3-11-017473-1, DNB 965096742, Stichwort: „Kadavergehorsam“, Seite 458.
  2. Wikipedia-Artikel „Arbeit (Philosophie)
  3. Ernst Toller: Eine Jugend in Deutschland. Reclam, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-15-018688-6, Seite 120. Erstauflage 1933.
  4. Otto Langels: Vor 70 Jahren – Fritz von Unruh hielt die "Rede an die Deutschen". In: Deutschlandradio. 18. Mai 2018 (Deutschlandfunk / Köln, Sendereihe: Kalenderblatt, URL, abgerufen am 14. September 2018).