die Kirche im Dorf lassen

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die Kirche im Dorf lassen (Deutsch)[Bearbeiten]

Redewendung[Bearbeiten]

Worttrennung:

die Kir·che im Dorf las·sen

Aussprache:

IPA: [diː ˌkɪʁçə ɪm ˈdɔʁf ˌlasn̩]
Hörbeispiele: Lautsprecherbild die Kirche im Dorf lassen (Info)

Bedeutungen:

[1] nicht übertreiben, bei den Tatsachen bleiben

Herkunft:

Früher zogen die Prozessionen der katholischen Kirchen durch das Dorf. Da aber manchmal das Dorf zu klein war, zog man "mit der Kirche um das Dorf". Sprich "die Kirche im Dorf lassen" heißt, nicht so aufblähend, übertreibend sein. [Quellen fehlen]
Während der Zeit der mittelalterlichen Stadtgründungen hatten neu gegründete Städte oft keine eigene Pfarrei, sondern wurden von der Pfarrei eines Dorfes mitbetreut. Die Bewohner der Dörfer hatten ein großes Interesse daran, eine Pfarrei nicht an die neu gegründete Stadt abzugeben, da dies auch mit dem Verlust von Einfluss und Einnahmen verbunden war.[Quellen fehlen]

Synonyme:

[1] den Ball flach halten

Beispiele:

[1] Lass doch mal die Kirche im Dorf!
[1] Jetzt wollen wir mal die Kirche im Dorf lassen, mein Frollein! Beruhige dich erst einmal.
[1] Jetzt lass mal die Kirche im Dorf, sonst schepperts/hagelts!
[1] Georg Winkens, ein Proband der Studie, der während der Pressekonferenz eher mürrisch auf seinem Stuhl saß, polterte bei der einzigen Frage an ihn: „Ich halte die Diskussion für überhitzt, wir sollten die Kirche im Dorf lassen. Nein! Ich spüre keine Nachwirkungen!“[1]
[1] Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU): „Aber ich denke, man muss da die Kirche im Dorf lassen. Wenn jemand [ein Parlamentarier] erlaubterweise mit seiner Frau einen 400-Euro-Job abgeschlossen hat, damit die die Post macht, das Telefon bedient, während er im Parlament ist oder unterwegs ist auf Reisen, dann ist das was, was man nicht angreifen kann.“[2]

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:

[1] Redensarten-Index „die Kirche im Dorf lassen
[1] Duden online „Kirche
[1] Rolf-Bernhard Essig: Für die Katz … / Die Kirche im Dorf lassen. In: Deutschlandradio. 4. April 2008 (Deutschlandfunk Kultur / Berlin, Sendereihe: Essigs Essenzen, URL, abgerufen am 25. August 2018).

Quellen:

  1. Judith Hartl: Stickstoffdioxid - Einsicht ja, Reue nein: Wissenschaftler legen NO2-Studie an Menschen offen. In: Deutsche Welle. 2. Februar 2018 (URL, abgerufen am 25. August 2018).
  2. Gudula Geuther: "Sicherheit duldet keinen Aufschub". In: Deutschlandradio. 15. März 2013 (Deutschlandfunk / Köln, Sendereihe: Interview der Woche, Interview mit Hans-Peter Friedrich, CSU, Innenminister, URL, abgerufen am 25. August 2018).