Schweigerose

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Schweigerose (Deutsch)[Bearbeiten]

Substantiv, f[Bearbeiten]

Singular

Plural

Nominativ die Schweigerose

die Schweigerosen

Genitiv der Schweigerose

der Schweigerosen

Dativ der Schweigerose

den Schweigerosen

Akkusativ die Schweigerose

die Schweigerosen

Worttrennung:

Schwei·ge·ro·se, Plural: Schwei·ge·ro·sen

Aussprache:

IPA: [ˈʃvaɪ̯ɡəˌʁoːzə]
Hörbeispiele:

Bedeutungen:

[1] eine stilisierte Rose in Rittersälen und mittelalterlichen Verhandlungsräumen, die als Zeichen der absoluten Verschwiegenheit in Hinsicht auf das im Raum gesprochene galt

Herkunft:

Kompositum aus dem Stamm „Schweige“ des Verbs schweigen und dem Substantiv Rose

Oberbegriffe:

[1] Symbol

Beispiele:

[1] „Um diese Offenheit zu ermöglichen kommt es darauf an, den Teilnehmern ein Gefühl für Sicherheit in einem „geschützten Rahmen“ zu realisieren. Dafür eignet sich das Symbol der „Schweigerose“, einem Zeichen für die im Seminar geltende Verschwiegenheitspflicht. […] Es handelt sich um eine in Stein gemeißelte Blume, die sich in manchen Schlössern des Mittelalters am Ausgang von jenen Räumen befand, in welchen bedeutsame Dinge besprochen wurden. […] Auf diese Schweigerose werden alle Teilnehmer des Seminares konsensual verpflichtet.“[1]
[1] „„Seien Sie vorsichtig mit dem was Sie sagen!.“ „Selbstverständlich“ entgegnete Cabestani ungerührt. […] Er legte eine Kunstpause ein und schaute demonstrativ zu der stilisierten Rose, die auf der Wand über dem Kamin gemalt war. Eine Schweigerose, die von jeher das Versprechen symbolisiert, das das gesprochene Wort den Raum nicht verlässt.“[2]
[1] „Wer einer anderen Person etwas streng Geheimes mitteilen wollte, stellte sich mit ihr unter die Schweigerose und verpflichtete sie damit zum absoluten Stillschweigen.“[3]
[1] „Über der spitzbogigen Ausgangstür sieht man andererseits eine rote Schweigerose, die dazu ermahnt, nach dem Verlassen des Saals über Geschehenes und Gesagtes zu schweigen.“[4]
[1] „Während die Schweigerose das Siegel für Stillschweigen ist (an Beichtstühlen, in Klöstern und in Burgen), symbolisiert die Narrenmaske Redefreiheit. Im gleichen Rittersaal können sich beide Zeichen befinden. Als ich von der Schweigerose hörte, dachte ich nach über das Wirken des Schweigens und die Notwendigkeit des Redens.“[5]
[1] „Erst lehnt sich FDP-Chef und Vizekanzler Philipp Rösler aus dem Fenster und spricht sich für eine "geordnete Insolvenz" Griechenlands aus, dann gießt FDP-Generalsekretär Christian Lindner Öl ins Feuer und verwahrt sich gegen ein Schweigegelübde für die "längst überfällige Debatte" einer möglichen Zahlungsunfähigkeit der Hellenen. […] FDP und CSU brauchen eine Schweigerose. Das im Mittelalter an Rittersälen, Klöstern und Beichtstühlen genutzte Symbol einer stilisierten Rose stand für Verschwiegenheit, dafür, dass das gesprochene Wort nicht den Raum verlässt. Erblühte die Schweigerose doch wieder - die Märkte würden es danken.“[6]
[1] „Wie der lachende Maskenmund und die Schweigerose die soziale Funktion eines besonderen Raums im mittelalterlichen Burgenbau anzuzeigen hatten und diesen Raum gleichzeitig als Ausnahmebereich im sozialen Leben der Burg deklarierten, so wies auch die Marquise von Rambouillet den zentralen Raum, in dem sie ihre Freunde und Besucher versammelte, durch eine – traditionsstiftende – Farbgebung als Sonderbereich aus.“[7]

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:
[1] Wikipedia-Artikel „Schweigerose

Quellen:

  1. Sebastian Roth: Einsatznachbereitungsseminare der Bundeswehr als erwachsenenpädagogisches Handlungsfeld, 2009 (Grin Verlag), ISBN 3640264924, Seite 8, Kapitel 3.2 „Schweigerose“
  2. Jochen Krautheim: Das Geschenk aus Terramonia, 2009 (Books on Demand), ISBN 383912784X, Seite 35 f.
  3. Engelbert Humperdinck, Eva Humperdinck: Der unbekannte Engelbert Humperdinck im Spiegel des Briefwechsels mit seinen Zunftgenossen: 1884-1893, 2004, ISBN 3901974024, Seite 184
  4. Ute Ritzenhofen: Burg Eltz – Großer DKV-Kunstführer, 2002 (Deutscher Kunstverlag), ISBN 3422062483, Seite 62
  5. Christel Trausch: Die Schweigerose - Gedichte, 1. Auflage 2008 (Ziehten), ISBN 978-3-938380-76-5
  6. Angela Wefers: Schweigen für Athen, Kommentar zum Streit in der Regierungskoalition über die Schuldenkrise Griechenlands, in: Börsen-Zeitung: 15.09.2011
  7. Peter Seibert: Der literarische Salon, 1993, ISBN 3476009432, Seie 39