Imponderabilie

Aus Wiktionary, dem freien Wörterbuch
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Imponderabilie (Deutsch)[Bearbeiten]

Substantiv, f[Bearbeiten]

Singular

Plural

Nominativ die Imponderabilie

die Imponderabilien

Genitiv der Imponderabilie

der Imponderabilien

Dativ der Imponderabilie

den Imponderabilien

Akkusativ die Imponderabilie

die Imponderabilien

Worttrennung:
Im·pon·de·ra·bi·lie, Plural: Im·pon·de·ra·bi·li·en

Aussprache:
IPA: [ˌɪmpɔndeʁaˈbiːli̯ə]
Hörbeispiele: Lautsprecherbild Imponderabilie (Info)

Bedeutungen:
[1] bildungssprachlich (fast nur Plural) und Wirtschaft: das, was nicht (ganz) einzuschätzen oder vorauszuberechnen, was nicht (ganz) zu kontrollieren ist. In der Regel als Einfluss, (Stör)faktor, besonders in der Wirtschaft als nicht oder schwer wägbarer Einfluss auch auf Investitionen
[2] Bürgerliches Recht: (überwiegend Plural, als Sammelbegriff) nicht wägbare, nicht beherrschbare Stoffe, die sich dem Zugriff entziehen und keinen haftbaren Urheber haben, wie die Luft oder Naturphänomene

Herkunft:
Eine Quelle gibt an, dass das Substantiv vom englischen imponderability → en (Unwägbarkeit) abgeleitet sei,[1] während einer anderen zu entnehmen ist, dass Imponderabilien im 18. Jahrhundert von Physikern zum lateinischen Adjektiv ponderabilis → la (wägbar) gebildet worden sei. Ab 1819 sei es in deutschen Lehrbüchern vorhanden gewesen und in der Folge von Jean Paul und Joseph Görres auf das Politische übertragen worden. Durch Otto von Bismarck habe es sich dann endgültig verbreitet.[2]

Synonyme:
[1] Unabwägbarkeit, Unwägbarkeit

Gegenwörter:
[1] Ponderabilie

Beispiele:
[1] „Nun aber trafen verschiedene Imponderabilien zusammen, die eine Wende in sein Leben brachten: das ererbte Haus, die Transaktionen, die Bernhard Bornemann plante, die Begegnung mit Felix Koriander.“[3]
[1] „Dadurch bekommt das Interesse beider Parteien eine unbarmherzige Sachlichkeit, ihr verstandesmäßig rechnender wirtschaftlicher Egoismus hat keine Ablenkung durch die Imponderabilie persönlicher Beziehungen zu fürchten.“[4]
[1] „[Diese Standardisierung] […] erhöht die Sicherheit für den Patienten. Allerdings bleibt bei aller Schulmäßigkeit der subjektive Faktor Operateur nach wie vor eine Imponderabilie.“[5]
[1] „Eine Gegnerschaft Englands barg stets die Gefahr einer neuen, gegen Frankreich gerichteten Mächtekoalition in sich, eine Imponderabilie, die Bonaparte kaum auf die Dauer würde überlisten können.“[6]
[1] „Die erforderliche Abwägung zwischen den alternativen Gefahren ist stets mit erheblicher Unsicherheit behaftet. […] Dazu kommt als weitere Imponderabilie der unbestimmte Rechtsbegriff der Zumutbarkeit.“[7]
[1] „Nicht zuletzt stellt auch der Zinssatz, zu dem Geld angelegt bzw. ein Kredit aufgenommen werden kann, eine weitere Imponderabilie dar.“[8]
[1] „Eine hypothetische Annahme, wie sich die dienst- und besoldungsrechtliche Stellung des Beschwerdeführers (ohne seine Tätigkeit als Personalvertreter) entwickelt hätte, müsse mangels sachlicher Anhaltspunkte und nicht vorhersehbarer Imponderabilien ins Leere gehen.“[9]
[2] „$ 906 spricht von der Einwirkung von Imponderabilien: Gas, Erschütterung, Rauch, Ruß und ähnlichem.“[10]
[2] „Allerdings besteht ein solcher Anspruch nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs regelmäßig dann, wenn von einem Grundstück auf das benachbarte Grundstück ausgehende Einwirkungen zwar rechtswidrig sind und deshalb nicht geduldet werden müssen, der betroffene Eigentümer oder Besitzer jedoch aus besonderen Gründen gehindert ist, solche Störungen […] zu unterbinden […]. Bei diesen Einwirkungen muß es sich nicht um Imponderabilien im Sinne des § 906 Abs. 1 BGB handeln, vielmehr sind tatbestandsmäßig beispielsweise Grobimmissionen (BGHZ 58, 149, 159) oder eindringende Wurzeln […].“[11]
[2] „Zieht man aber den Zweck der Bestimmung des § 364a ABGB in Betracht, der letztlich darin liegt, den Gründeigentümer im öffentlichen Interesse und im Interesse der Volkswirtschaft auch zur Duldung einer das ortsübliche Maß übersteigenden Immission zu verpflichten, wenn ein behördlich genehmigter Gewerbebetrieb ohne derartige Immissionen nicht geführt werden kann, dann kommt man zu dem Ergebnis, daß ein fester Körper dann den im § 364 Abs. 2 ABGB beispielsweise aufgezählten sogenannten »Imponderabilien« gleichgehalten werden kann, wenn es sich um einen verhältnismäßig kleinen Körper handelt, dessen völlige Fernhaltung vom beeinträchtigten Grundstück auch bei ordnungsgemäßem Betrieb der behördlich genehmigten Anlage tatsächlich unmöglich ist […].“[12]

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:
[1] Duden online „Imponderabilie
[1] Uni Leipzig: Wortschatz-LexikonImponderabilie
[*] canoonet „Imponderabilie
nur Plural:
[1] Wikipedia-Artikel „Imponderabilien
[1] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „Imponderabilien
[2] Wikipedia-Artikel „Imponderabilien (Recht)

Quellen:

  1. Dieter Baer und wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion; Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Das große Fremdwörterbuch. Herkunft und Bedeutung der Fremdwörter. 2. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2000, ISBN 3-411-04162-5, „Imponderabilien“, Seite 604
  2. Friedrich Kluge, bearbeitet von Walther Mitzka: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 21., unveränderte Auflage. Walter de Gruyter, Berlin/New York 1975, ISBN 3-11-005709-3, DNB 821257900, „Imponderabilien“, Seite 326
  3. Utta Danella: Das Familiengeheimnis, 2004, Seite 445f.
  4. Georg Simmel: Die Großstädte und das Geistesleben. In: Theodor Petermann (Herausgeber): Die Grossstadt. Vorträge und Aufsätze zur Städteausstellung. Jahrbuch der Gehe-Stiftung Dresden. Band 9, Dresden 1903, Kapitel 2 (Projekt Gutenberg, abgerufen am 25. Dezember 2015)
  5. Leo Koslowski: Strukturwandlungen in der Chirurgie. In: Leo Koslowski (Herausgeber): 50 Jahre Chirurgische Universitätsklinik Tübingen. Schattauer, Stuttgart, New York 1986, ISBN 3-7945-1161-1, Seite 17, DNB 861236157 (Google Books, abgerufen am 25. Dezember 2015)
  6. Johannes Willms: Napoleon. Eine Biographie. C. H. Beck, München 2009, ISBN 978-3-406-58586-9, Ein Mord und eine Krone, Seite 354, DNB 993731031 (Sonderausgabe der Erstausgabe Beck 2005, Google Books, abgerufen am 25. Dezember 2015)
  7. Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Strafvollzugsgesetzes. In: Drucksache 8/1727. Deutscher Bundestag, 20. April 1978, Seite 4, abgerufen am 25. Dezember 2015 (pdf).
  8. Andreas Gehrke: Die Index-Arbitrage zwischen Aktien-Kassa- und Terminmarkt. Insbesondere mit DAX-Futures an der Deutschen Terminbörse (DTB). Diplom.de, Hamburg, Seite 42 (Diplomarbeit, AKAD Rendsburg, abgegeben 1995, Google Books, abgerufen am 25. Dezember 2015)
  9. Erkenntnis des österreichischen Verwaltungsgerichtshofs vom 13. Oktober 2004
  10. Werner Schubert (Herausgeber): 7. Ausschüsse für Immobiliarkredit, Bodenrecht (allgemeines Grundstücksrecht), Hypothekenrecht und Enteignungsrecht (1934–1942). In: Protokolle der Ausschüsse. Band III, 7, de Gruyter, Berlin, New York 1995, ISBN 3-11-014309-7, Seite 49, DNB 944118186 (Google Books, abgerufen am 26. Dezember 2015)
  11. Urteil des BGH, 22.07.1999, III ZR 198/98. Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg, abgerufen am 26. Dezember 2015.
  12. Spruch des österreichischen OGH vom 13. Juli 1978