Gerundium

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Gerundium (Deutsch)[Bearbeiten]

Substantiv, n[Bearbeiten]

Singular 1 Singular 2 Plural 1 Plural 2 Plural 3
Nominativ das Gerundium das Gerundium die Gerundia die Gerundia die Gerundien
Genitiv des Gerundii des Gerundiums der Gerundiorum der Gerundia der Gerundien
Dativ dem Gerundio dem Gerundium den Gerundiis den Gerundia den Gerundien
Akkusativ das Gerundium das Gerundium die Gerundia die Gerundia die Gerundien

Anmerkung zur Flexion:

Die lateinisch deklinierten Formen des Genitivs und Dativs/Ablativs (siehe Singular und Plural 1) wurden bis etwa ins 19. Jahrhundert verwendet. Die Formen des Vokativs sind identisch mit denen des Nominativs und die Formen des Ablativs mit denen des Dativs.
Der Plural 2 Gerundia ist heutzutage selten.

Worttrennung:

Ge·run·di·um, Plural: Ge·run·di·en

Aussprache:

IPA: [ɡeˈʀʊndɪ̯ʊm]
Hörbeispiele: —

Bedeutungen:

[1] Linguistik: Verbalsubstantiv im engeren Sinne, zum Beispiel lateinisch agendo, dicendi, englisch (her) going, (by) making

Herkunft:

Entlehnt von spätlateinisch gerundium → la (Erstbeleg: Marius Plotius Sacerdos, artes grammaticae),[1] dies zu lateinisch gerundum → la.[2][3]

Synonyme:

[1] Gerund (zuweilen in jüngerer Fachliteratur)
[1] Verlaufsform, Verrichtungswort, Geschäftswort/Geschäfts-Wort[4]

Gegenwörter:

[1] Gerundiv/Gerundivum

Oberbegriffe:

[1] Verbalsubstantiv

Beispiele:

[1] Das Gerundium ist eine Kategorie der Grammatik des Lateinischen.
[1] „Das Gerundium, welches immer unveränderlich iſt, dient vorzüglich dazu, einen Umſtand des Hauptzeitwortes auszudrücken, und zwey Sätze zu verbinden, die im Deutſchen durch  da, als, indem, nach dem, weil, oder ein anderes Bindewort zuſammengefügt werden; …“[5]
[1] „Gerundien sind grundsätzlich, im Gegensatz zu Partizipien, invariabel.“[6]
[1] „In anderen Sprachen und in früheren Sprachzuständen gibt es außerdem noch ein Gerundiv(um), das sogenannte Participium necessitatis (Partizip der Notwendigkeit; Angabe, daß das im Verb Ausgedrückte getan werden muß) und das Gerundium, ein zugehöriges Verbalsubstantiv.“[7]
[1] „Man bezeichnet diese flektierten Formen, deren Entstehung umstritten ist, als Gerundium.[8]
[1] „Man rechnet dazu [zum Verbum infinitum] alle diejenigen vom Verbalstamm abgeleiteten Formen, die entweder ganz wie Substantiva oder Adjektiva dekliniert werden, oder ihrer Entstehung und Bedeutung nach eigentlich zu den Substantiven gehören, also namentlich sämtliche Partizipien (Mittelwörter) und Infinitive, außerdem noch die Gerundia, Gerundiva, Supina und Absolutiva einiger Sprachen.“[9]
[1] „Von dem Gebrauche der Gerundiorum.“ (Überschrift)[10]
[1] „Von den Gerundiis und Participiis, wie solche in der Verbindung der Rede gebraucht werden. [...] Das Gerundium mit dem Vorwort di kommt mit dem lateinischen Gerundio in di vollkommen überein [...].“[11]
[1] „Zuweilen findet sich o auch kurz in den Gerundiis und in den Partikeln porrŏ, postremŏ, quandŏ, profectŏ, ergŏ (daher).“[12]
[1] „Vom Gebrauche des Gerundii. [...] Der Dativ des Gerundii steht, um den Zweck oder die Absicht anzuzeigen, besonders nach den Adjectivis utilis, inutilis, noxius, par, aptus, idoneus und nach einigen Verbis, als studere, operam dare, sufficere, tempus consumere oder insumere, esse (dienen) u. a.“[13]

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:

[1] Wikipedia-Artikel „Gerundium
[1] Hadumod Bußmann: Lexikon der Sprachwissenschaft. 3., aktualisierte und erweiterte Auflage. Kröner, Stuttgart 2002. Stichwort: „Gerundium“. ISBN 3-520-45203-0.
[1] Helmut Glück (Herausgeber), unter Mitarbeit von Friederike Schmöe: Metzler Lexikon Sprache. Dritte, neubearbeitete Auflage, Stichwort: „Gerundium“. Metzler, Stuttgart/ Weimar 2005. ISBN 978-3-476-02056-7.
[1] Duden online „Gerundium

Quellen:

  1. Thesaurus linguae latinae 6.2.1953.50.
  2. Duden online, Gerundium.
  3. Wilhelm Kalb, Spezialgrammatik zur selbständigen Erlernung der römischen Sprache für lateinlose Jünger des Rechts, Leipzig 1910, p. 34.
  4. Johann Balthasar Antesperg: Die Kayserliche Deutsche Grammatick, Oder Kunst, die deutsche Sprache recht zu reden, und ohne Fehler zu schreiben. Johannes Ignatz Heyninger, Wien ohne Jahr; Datum der Vorrede 1747, Seite 103
  5. Theoretisch-praktische italieniſche Sprach-Lehre für öffentlichen, Privat- und Selbſt-Unterricht, München 1837, S.206.
  6. Eva-Maria Remberger, Hilfsverben. Eine minimalistische Analyse am Beispiel des Italienischen und Sardischen, Tübingen 2006, p. 125.
  7. Kluge. Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Bearbeitet von Elmar Seebold. 24., durchgesehene und erweiterte Auflage. de Gruyter, Berlin/ New York 2002, Seite XXXV. ISBN 3-11-017472-3. Fett gedruckt: Gerundiv(um), Participium necessitatis und Gerundium.
  8. Richard von Kienle: Historische Laut- und Formenlehre des Deutschen. 2., durchgesehene Auflage. Niemeyer, Tübingen 1969, Seite 122.
  9. Meyers Großes Konverſations-Lexikon. Ein Nachſchlagewerk des allgemeinen Wiſſens. Sechſte, gänzlich neubearbeitete und vermehrte Auflage. Bibliographiſches Inſtitut, Leipzig/Wien 1905–1909, Stichwort „Verbum“ (Wörterbuchnetz), „Verbum“ (Zeno.org).
  10. des Pepliers, Pierre Rondeau: La parfaite grammaire royale Françoise & Allemande, Das ist: Vollkommene Königl. Frantz. Teutsche Grammatica. Leipzig, 1724, Seite 232
  11. Visconti: Neue Italiänische Grammatik: worinnen die richtigen Grundsätze der reinsten und heut zu Tage so beliebten Toskanischen Sprache, auf eine leichte und für Anfänger gar faßliche Art vorgetragen, und erläutert werden [...]. Sechste verbesserte und stark vermehrte Auflage. Bei Jakob Storti, Venedig, 1798, Seite 135f.
  12. August Grotefend: Lateinische Schulgrammatik. Verlage der Hahn'schen Hofbuchhandlung, Hannover 1833, Seite 123f.
  13. F. Heinzelmann: Kurzgefasste Hauptregeln der lateinischen Sprache nach Dr. C. G. Zumpt's Grammatik zum Gebrauche für die untern Klassen der Gmnasien. Bei Ferdinand Dümmler, Berlin, 1839, Seite 36f.