unter der Hand

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unter der Hand (Deutsch)[Bearbeiten]

Adverb, Redewendung[Bearbeiten]

Nicht mehr gültige Schreibweisen:

unterderhand

Worttrennung:

un·ter der Hand

Aussprache:

IPA: [ˌʊntɐ deːɐ̯ ˈhant]
Hörbeispiele: Lautsprecherbild unter der Hand (Info)

Bedeutungen:

[1] von Anderen unbemerkt, heimlich und ungeachtet geltender Regeln; auf inoffiziellen Wegen, über inoffizielle Kanäle

Herkunft:

Dieser Phraseologismus ist seit 1600 bezeugt.[1][2] Er fußt auf das Verhalten betrügerischer Kartenspieler, die unter ihrer Hand heimlich die Karten vertauschen.[1][2] Ähnliche Bildungen finden sich in anderen Sprachen: Vergleiche französisch sous main → fr und englisch underhand → en[1][2] sowie niederländisch onderhands → nl.

Sinnverwandte Wörter:

[1] auf kaltem Weg/auf kaltem Wege, hinter den Kulissen, hinter jemandes Rücken, hinter verschlossenen Türen, hinter vorgehaltener Hand, im Geheimen, im Stillen, im Verborgenen, in aller Stille, mit etwas hinter dem Berg halten, nichts für fremde Ohren, sang- und klanglos, unterm Ladentisch

Gegenwörter:

[1] etwas auf den Tisch bringen, etwas auf den Tisch legen/etwas auf den Tisch des Hauses legen

Beispiele:

[1] „Unter der Hand hab’ ich die teuersten Güter am Weg angekauft und nach der Konzession von Bern rasch die Hälfte aller Aktien vorweg übernommen.“[3]
[1] „Wenn jeder wüßte, wie die andern von ihm sprechen: durch die Nase, achselzuckend, unter der Hand, nach der Melodie: Ach, der –!“[4]
[1] „Löhne und Gehälter mögen im allgemeinen um die Hälfte niedriger liegen als im Westen, und mehr als 2000 Mark im Monat verdient selten einer; aber in vielen Familien arbeiten beide, Mann und Frau, und dann gibt es noch die Schwarzarbeit am Wochenende, durch die, privat und unter der Hand, die zahllosen Datschen entstehen, die unsere Landschaft verschönern.“[5]
[1] „Heidegger, scheint mir, hat unrecht, wenn er Platos Ideenlehre gerade am Höhlengleichnis interpretieren und »kritisieren« will, hat aber recht, daß in der Darstellung des Höhlengleichnisses sich Wahrheit unter der Hand in Richtigkeit verwandelt und die Ideen demzufolge in Maßstäbe.“[6]
[1] „Der Prozeß hätte vor einem internationalen Gerichtshof stattfinden müssen, was auch Jaspers forderte, um es der Menschheit zu erschweren, sich einfach mit dem Geschehenen abzufinden oder es gar unter der Hand zum Vorbild neuer Verbrechen zu machen.“[7]

Charakteristische Wortkombinationen:

[1] etwas unter der Hand besorgen, erfahren, regeln, verkaufen; sich etwas unter der Hand verschaffen; sich unter der Hand verloben; jemandem etwas unter der Hand mitteilen; Informationen unter der Hand weitergeben; einen Posten unter der Hand vergeben

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:
[*] Hans Schemann: Deutsche Idiomatik. Wörterbuch der deutschen Redewendungen im Kontext. 2. Auflage. Walter de Gruyter, Berlin/Boston 2011, ISBN 978-3-11-021788-9, Stichwort »Hand«, Seite 307.
[1] Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Das große Wörterbuch der deutschen Sprache. In zehn Bänden. 3., völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage. 4. Band Gele–Impr, Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 1999, ISBN 3-411-04773-9, DNB 965408256, Stichwort »Hand«, Seite 1660.
[1] Wissenschaftlicher Rat der Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Deutsches Universalwörterbuch. 6. Auflage. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2007, ISBN 978-3-411-05506-7, Stichwort »Hand«, Seite 751.
[1] Renate Wahrig-Burfeind: Brockhaus Wahrig Deutsches Wörterbuch. Mit einem Lexikon der Sprachlehre. In: Digitale Bibliothek. 9., vollständig neu bearbeitete und aktualisierte Auflage. wissenmedia in der inmedia ONE GmbH, Gütersloh/München 2012, ISBN 978-3-577-07595-4 (CD-ROM-Ausgabe), Stichwort »Hand«.
[1] Heinz Küpper: Illustriertes Lexikon der deutschen Umgangssprache in 8 Bänden. 5. Band Kot–Naschzahn, Klett, Stuttgart 1984, ISBN 3-12-570150-3, DNB 840092393, Stichwort »Hand«, Seite 1163.
[1] Heinz Küpper: Wörterbuch der deutschen Umgangssprache. In: Digitale Bibliothek. 1. Auflage. 36, Directmedia Publishing, Berlin 2006, ISBN 3-89853-436-7, Stichwort »Hand«.
[1] Duden online „Hand
[1] wissen.de – Wörterbuch „unter der Hand
[1] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „unter der Hand
[1] The Free Dictionary „Hand
[*] Uni Leipzig: Wortschatz-Portalunter+der+Hand

Quellen:

  1. 1,0 1,1 1,2 Heinz Küpper: Illustriertes Lexikon der deutschen Umgangssprache in 8 Bänden. 5. Band Kot–Naschzahn, Klett, Stuttgart 1984, ISBN 3-12-570150-3, DNB 840092393, Stichwort »Hand«, Seite 1163.
  2. 2,0 2,1 2,2 Heinz Küpper: Wörterbuch der deutschen Umgangssprache. In: Digitale Bibliothek. 1. Auflage. 36, Directmedia Publishing, Berlin 2006, ISBN 3-89853-436-7, Stichwort »Hand«.
  3. Heinrich Federer: Berge und Menschen. Roman. Grote, Berlin 1916, Seite 339 (Zitiert nach Google Books).
  4. Kaspar Hauser: Er lachte noch. In: Die Weltbühne. Nummer 13, 18. Januar 1927, Seite 117. Aus: Kurt Tucholsky: Er lachte noch. In: Mary Gerold-Tucholsky, Fritz J. Raddatz (Herausgeber): Gesammelte Werke in zehn Bänden. 10. Band, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1975, ISBN 3-499-29011-1, Seite 139 (Zitiert nach www.zeno.org).
  5. Stefan Heym; Peter Mallwitz (Herausgeber): Wege und Umwege. Streitbare Schriften aus 5 Jahrzehnten. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1983, ISBN 3-596-25612-7, Seite 326 (Lizensausgabe des Bertelmann Verlag, München, zitiert nach Google Books).
  6. Hannah Arendt, Karl Jaspers; Lotte Köhler, Hans Saner (Herausgeber): Hannah Arendt/Karl Jaspers Briefwechsel 1926–1969. Piper, München/Zürich 1985, ISBN 3-492-02884-5, Seite 325 (Zitiert nach Google Books).
  7. Hannah Arendt; Wolfgang Heuer (Herausgeber): Hannah Arendt. Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten dargestellt von Wolfgang Heuer. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1987, ISBN 3-499-50379-4, Seite 325 (Den Anhang besorgte der Autor, zitiert nach Google Books).