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kein

Aus Wiktionary, dem freien Wörterbuch
Singular Plural
Maskulinum Femininum Neutrum
Nominativ keinkeinekeinkeine
Genitiv keineskeinerkeineskeiner
Dativ keinemkeinerkeinemkeinen
Akkusativ keinenkeinekeinkeine

Anmerkung:

kein ist attributiver Begleiter eines Substantivs. Für die allein stehende Form – Bedeutung: ‚niemand‘ – siehe keiner.

Worttrennung:

kein, kei·ne, kei·ner

Aussprache:

IPA: [kaɪ̯n]
Hörbeispiele: Lautsprecherbild kein (Info)
Reime: -aɪ̯n

Bedeutungen:

[1] bei Zählungen, auch fiktiven Zählungen: null, nichts, Null
[a] Verneinung eines Substantivs mit unbestimmtem Artikel oder ohne Artikel
[b] nichts an

Symbole:

[1] in medizinischen handschriftlichen Dokumentationen ø

Herkunft:

Durch Kontamination von mittelhochdeutsch nehein „nicht ein“ und dehein „irgendein“ (aber auch „nicht ein“).
nehein: Ab dem 8. Jahrhundert althochdeutsch nohein, nohhein belegt; meist nihein, nihhein (ab dem 9. Jahrhundert belegt); später auch nehein, nehhein (um die Jahrtausendwende); in der Bedeutung „nicht ein“. Diese aus dem Numerale ein und einer gemeingermanischen Konjunktion nih „und nicht“, „auch nicht“; nur gotisch bezeugt, althochdeutsch nur noh belegt (daraus heute die Konjunktion noch)[1]. Dies aus der Negationspartikel (gotisch ni, althochdeutsch ne) und enklitischem -uh, -h „und“, womit es auf gleichbedeutend indogermanisch *ne-ku̯e zurückzuführen ist und lateinisch neque genau entspricht. Mittelhochdeutsch überwiegt zunächst nehein. Durch Interpretation von ne als Negationspartikel verschiebt sich die Silbengrenze und es entstehen nechein, nekein (neh·ein → ne·chein). Mit Austausch von ne durch die proklitische Form der Negationspartikel entstehen enhein, enkein. Frühneuhochdeutsch erlischt nichein im 15. Jahrhundert, enkein im 16. Jahrhundert. Mundartlich halten sich Reste älterer Formen vereinzelt deutlich länger. So heute noch schweizerisch nekein.
dehein: Ab dem 9. Jahrhundert sind althochdeutsch thehein/thehhein, thohein/thohhein, seltener thihein/thihhein belegt; in der Bedeutung „irgendein“. Diese ebenfalls mit dem Numerale ein; das erste Glied aus dem indogermanischen Pronominalstamm *te-, *to-, wohl im Lokativ oder Genitiv (siehe auch der), und ebenfalls mit enklitischem -h, eigentlich „und“ (siehe oben), hier aber wohl nur verstärkend. Im Übergang zum Mittelhochdeutschen wird die Markierung der Negation variabler. So nimmt dehein (dechein, dekein) zunehmend selbst die Bedeutung „nicht ein“ neben „irgendein“ an und beginnt als redundant empfundenes nehein zu verdrängen bzw. mit diesem zusammenzufallen. Frühneuhochdeutsch, so es noch vorkommt, überwiegen die Formen dehein und gekürztes dein, dekein ist selten. Ab dem 14. Jahrhundert fast ausschließlich auf den oberdeutschen Raum begrenzt, zu Beginn des 16. Jahrhunderts dann auslaufend. Die gegensätzlichen Bedeutungen bestehen über diese Zeit nebeneinander fort, bei der Bedeutung „nicht ein“ wird die Negation aber häufig auch an anderen Stellen im Satz markiert. Auch hier können sich mundartlich einzelne Formen deutlich länger halten. So heute noch schweizerisch dhein.
kein: Mit fortschreitendem Zusammenfall der Bedeutungen von nehein und dehein kommt es zu Beginn des Mittelhochdeutschen zur Kontamination der Formen. Der vordere Teil wird zunehmend als bedeutungslos empfunden und schwindet. Über die spärlich belegte Zwischenstufe ichein entsteht in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts zunächst chein, gegen Ende des 12. Jahrhunderts wird kein üblich und verdrängt letztlich nehein und dehein. Daneben besteht frühneuhochdeutsch ichkein bis ins 16. Jahrhundert. Beginnend im 15. Jahrhundert schwindet die Bedeutung „irgendein“ und erlischt im 16. Jahrhundert völlig. Dies im Zuge einer allgemeinen grammatikalischen Änderung der Verneinung im Deutschen. Negation wurde zunehmend nur noch an einer Stelle im Satz markiert, die vorher übliche Mehrfachmarkierung begründet fortan einen semantischen Unterschied.[2][3]

Synonyme:

[1] null

Sinnverwandte Wörter:

[1] keinerlei

Gegenwörter:

[1] alle, einige, manche

Beispiele:

[1] Wir haben keine Äpfel mehr.
[1] Kein Stück kriegst du von mir ab!
[1] Das ist kein Grund zur Klage.
[1] Gerne geschehen, keine Ursache.
[1] Da war kein Aas zu Hause.

Redewendungen:

an etwas keinen Kopf und keinen Arsch finden -
auf keine Kuhhaut gehen -
auf keinen grünen Zweig kommen -
auf keinen Fall - überhaupt nicht; ganz sicher nicht
aus seinem Herzen keine Mördergrube machen -
da beißt die Maus keinen Faden ab -
damit ist kein Blumentopf zu gewinnen -
das schleckt keine Geiß weg -
der Liebe keinen Abbruch tun -
umgangssprachlich, nachdrücklich, oft scherzhaft übertreibend, aber streng genommen grammatisch nicht korrekt: in keinster Weise
jemandem keinen Bissen Brot gönnen -
kein Aas -
kein Arsch -
kein Auge zutun -
kein Blatt vor den Mund nehmen -
kein gutes Haar an etwas lassen -
kein gutes Haar an jemandem lassen -
kein heuriger Hase sein -
kein Kind von Traurigkeit sein -
kein schöner Zug von jemandem sein -
kein Sterbenswörtchen sagen -
kein unbeschriebenes Blatt sein -
kein Wässerchen trüben können -
keine Augen im Kopf haben -
keine Eier in der Hose haben -
keine Hand rühren -
keine Rolle spielen -
keine Sau -
keine Schnitte haben -
keine Ursache - als Dankesformel
keinen Arsch in der Hose haben -
keinen blassen Dunst haben -
keinen blassen Schimmer haben -
keinen Bock haben -
keinen Finger krumm machen -
keinen Finger rühren -
keinen Groschen wert sein -
keinen guten Faden an jemandem lassen -
keinen guten Faden miteinander spinnen -
keinen Heller wert sein -
keinen Pfennig wert sein -
keinen Pfifferling wert sein -
keinen Schimmer haben -
sich kein Bein ausreißen -
sich keine Spinne übers Maul wachsen lassen -
sich keine Verzierung abbrechen -
sich keinen abbrechen -
von keiner Kultur beleckt sein -
von Tuten und Blasen keine Ahnung haben -

Sprichwörter:

[1] Armut ist keine Schande.
[1] das letzte Hemd hat keine Taschen.
[1] eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.
[1] eine Schwalbe macht noch keinen Sommer.
[1] es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.
[1] gegen Dummheit ist kein Kraut gewachsen.
[1] kein Nachteil ohne Vorteil.
[1] keine Antwort ist auch eine Antwort.
[1] keine Regel ohne Ausnahme.
[1] keine Rose ohne Dornen.
[1] Lehrjahre sind keine Herrenjahre.
[1] Not kennt kein Gebot.
[1] ohne Fleiß kein Preis.
[1] was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem anderen zu.; was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem andern zu.
[1] wo kein Kläger, da kein Richter.

Charakteristische Wortkombinationen:

[1] kein Problem

Übersetzungen

[Bearbeiten]
[1] Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. 16 Bände in 32 Teilbänden. Leipzig 1854–1961 „kein
[1] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „kein
[*] Uni Leipzig: Wortschatz-Portalkein
[*] Online-Wortschatz-Informationssystem Deutsch „kein
[1] The Free Dictionary „kein
[1] Duden online „kein

Quellen:

  1. Wolfgang Pfeifer: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, digitalisierte und aufbereitete Ausgabe basierend auf der 2., im Akademie-Verlag 1993 erschienenen Auflage. Stichwort „noch
  2. Wolfgang Pfeifer: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, digitalisierte und aufbereitete Ausgabe basierend auf der 2., im Akademie-Verlag 1993 erschienenen Auflage. Stichwort „kein
  3. Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. 16 Bände in 32 Teilbänden. Leipzig 1854–1961 „kein

Ähnliche Wörter (Deutsch):

ähnlich geschrieben und/oder ausgesprochen: klein
Homophone: Kain
Anagramme: Enki, Kien, knie, Knie, Nike