es faustdick hinter den Ohren haben

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es faustdick hinter den Ohren haben (Deutsch)[Bearbeiten]

Redewendung[Bearbeiten]

Nebenformen:

es hinter den Ohren haben, es dick hinter den Ohren haben, es knüppeldick hinter den Ohren haben

Worttrennung:

es faust·dick hin·ter den Oh·ren ha·ben

Aussprache:

IPA: [ɛs faʊ̯stˈdɪk ˌhɪntɐ deːn ˈoːʁən ˌhaːbn̩], [ɛs faʊ̯stˈdɪk ˌhɪntɐ deːn ˈoːʁən ˌhaːbm̩]
Hörbeispiele: Lautsprecherbild es faustdick hinter den Ohren haben (Info)

Bedeutungen:

[1] umgangssprachlich, von Personen, seltener von Tieren: auf verdeckte Art und Weise durchtrieben, gerissen, gewieft sein; trotz harmlosen Aussehens schelmisch und schlagfertig sein
[2] umgangssprachlich übertragen, von Abstrakta und Sachen: nicht so harmlos sein, wie es zunächst auf den ersten Schein wirkt; nicht zu unterschätzen sein

Herkunft:

Die Wendung wurzelt in dem alten Volksglauben, dass Schalk und Verschlagenheit als kleine Dämonen beim Menschen hinter den Ohren säßen und dort durch dicke Wülste kenntlich wären.[1] (Vergleiche jemandem sitzt der Schalk im Nacken/jemand hat den Schalk im Nacken/jemand hat den Schalk hinter den Ohren).

Sinnverwandte Wörter:

[1] mit allen Wassern gewaschen sein
[2] es in sich haben, nicht ohne sein

Beispiele:

[1] Viele haben es faustdick hinter den Ohren.
[1] „Stille Waſſer waren oft tief. Mancher hatte es fauſtdick hinter den Ohren.[2]
[1] „Sie haben’s ja faustdick hinter den Ohren.[3]
[1] „So faustdick haben es unsere Kinder glücklicherweise nicht hinter den Ohren.[4]
[1] „Klein, süß und wuschelig: Sherry präsentiert sich im Tierheim von ihrer besten Seite. Doch das goldige vierjährige Weibchen sollte nicht unterschätzt werden, sie hat es nämlich faustdick hinter den Ohren und lässt sich gerne den ein oder anderen Streich einfallen.“[5]
[1] „Doch Anneliese hat es faustdick hinter den Ohren.[6]
[2] „Es fing so harmlos an, das Extrakonzert am Mittwochabend. Doch das Glöckchenklingen und Vögelchenzwitschern wuchs sich aus und hatte es am Ende faustdick hinter den Ohren.[7]
[2] „Die scheinbar harmlosen Träume erweisen sich als arg, wenn man sich um ihre Deutung bemüht; wenn man mir die Redensart gestattet, sie haben es »faustdick hinter den Ohren«.[8]
[2] „Und so steht sie nun etwas abseits im Felde der ganz Schnellen, obwohl sie’s ebenfalls faustdick hinter den Ohren hat. Die ZX-9R ist nicht nur eine würdige Nachfolgerin des letzten Modells dieses Typs, sie verdient auch im Vergleich mit der Konkurrenz einen Platz ganz oben.“[9]
[2] „Die drei Einakter des Theaterensembles der Pfarrgemeinde Dettum werden heftig beklatscht und treffen den Geschmack des Publikums: Resolute Handfestigkeiten in einer witzig peppigen Show salopper Leichtfüßigkeit. Lustig sind die Stücke, haben es manchmal faustdick hinter den Ohren und sparen auch nicht mit kleinen Anzüglichkeiten, aber es sind keine Ulknudeleien in grellem Klamaukszenario.“[10]
[2] „Dieser Animationsfilm in Stop-Motion-Technik hat es faustdick hinter den Ohren.[11]

Charakteristische Wortkombinationen:

[1] jemand hat es faustdick hinter den Ohren
[2] etwas hat es faustdick hinter den Ohren

Übersetzungen[Bearbeiten]

Referenzen und weiterführende Informationen:
[1] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „faustdick“ sowie Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „Ohr
[1] The Free Dictionary „faustdick
[*] Duden online „faustdick
[1] Duden online „Ohr
[1] wissen.de – Wörterbuch „faustdick
[1] Redensarten-Index „es faustdick hinter den Ohren haben
[1] Heinz Küpper: Wörterbuch der deutschen Umgangssprache. In: Digitale Bibliothek. 1. Auflage. 36, Directmedia Publishing, Berlin 2006, ISBN 3-89853-436-7, Stichwort »Ohr: 31. es (dick, faustdick, knüppeldick) hinter den Ohren haben«.
[1] Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Redewendungen. Wörterbuch der deutschen Idiomatik. In: Der Duden in zwölf Bänden. 4., neu bearbeitete und aktualisierte Auflage. Band 11, Dudenverlag, Berlin/Mannheim/Zürich 2013, ISBN 978-3-411-04114-5, Stichwort »Ohr: es faustdick hinter den Ohren haben«, Seite 548.

Quellen:

  1. Dudenredaktion (Herausgeber): Duden, Redewendungen. Wörterbuch der deutschen Idiomatik. In: Der Duden in zwölf Bänden. 4., neu bearbeitete und aktualisierte Auflage. Band 11, Dudenverlag, Berlin/Mannheim/Zürich 2013, ISBN 978-3-411-04114-5, Stichwort »Ohr: es faustdick hinter den Ohren haben«, Seite 548.
  2. Thomas Mann: Buddenbrooks. Verfall einer Familie. Roman. S. Fischer, Berlin 1906, Seite 370 (Zitiert nach Google Books; Erstveröffentlichung 1901).
  3. Lion Feuchtwanger: Goya oder der arge Weg der Erkenntnis. Roman. 1. Auflage. Aufbau-Verlag, Berlin 1994, ISBN 3-351-02213-1, Seite 530 (Zitiert nach Google Books; Erstausgabe in Neuer Verlag, Stockholm/Frankfurt am Main 1951).
  4. Ein bißchen Münchhausen spielt jeder einmal. In: Vorarlberger Nachrichten. 24. November 1997, Seite C8.
  5. Besitzer sollten Zeit mitbringen. In: Mannheimer Morgen. 31. Mai 2000.
  6. Ingrid Noll: Ladylike. Roman. Diogenes, Zürich 2006, ISBN 978-3-257-06509-1, Seite 46.
  7. Christine Zimmermann: Text-Salti mit viel Tamtam. In: St. Galler Tagblatt. 8. Mai 1998.
  8. Sigmund Freud: Ⅴ Das Traummaterial und die Traumquellen. In: Alexander Mitscherlich, Angela Richards, James Strachey (Herausgeber): Sigmund Freud. Studienausgabe. Limitierte Sonderausgabe. Band Ⅱ: Die Traumdeutung (1900), Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2000, ISBN 3-596-50360-4, Seite 195.
  9. Unterwegs mit dem Motorrad: Kawasaki ZX-9R - eine rundum runde Sache. In: Neue Zürcher Zeitung. 6. Juni 2000, ISSN 0376-6829, Seite 71.
  10. Die Bretter, die das Dorf bedeuten. In: Braunschweiger Zeitung. 13. März 2007.
  11. Für Kunstwerk ausgezeichnet. In: Niederösterreichische Nachrichten. 10. Oktober 2013.